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Milleniums-Ökosystembericht erschienen
Mittwoch 30. März 2005, 15:45 Uhr
Millenniumsbericht: Ökosystem der Erde in schlechtem Zustand
Tokio (AP) Der Zustand der Erde hat sich in den vergangenen 50 Jahren dramatisch verschlechtert, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten UN-Millenniumsbericht über die Umwelt hervorgeht. Die wachsende Erdbevölkerung und die sich ausbreitende wirtschaftliche Tätigkeit belasten demnach das Ökosystem unseres Planeten erheblich. Dadurch werde der Kampf gegen Armut und Krankheiten erschwert, heißt es in dem Bericht.
Die in vier Jahren erarbeitete Studie ist die bisher umfangreichste darüber, wie Menschen die Umwelt verändern. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass schon 60 Prozent der auf der Welt verfügbaren Wiesen, Wälder, Ackerflächen und Gewässer ausgebeutet sind. In den vergangenen Jahrzehnten seien ein Fünftel der Korallenriffe und ein Drittel der Mangrovenwälder zerstört worden. Die Vielfalt der Tierarten sei rapide gesunken, ein Drittel sogar von der Ausrottung bedroht. Der Anteil des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre sei in den vergangenen vierzig Jahren nach oben geschnellt.
UN-Generalsekretär Kofi Annan nannte den Millenniumsbericht einen Hinweis darauf, welche Kursänderungen die Welt vorzunehmen habe. Er ermahnte die Staaten, die Empfehlungen der Studie zu berücksichtigen. Dazu gehören die Abschaffung von Handelshindernissen und Subventionen, das Senken der Treibhausgasemissionen und die Förderung von «grünen» Technologien.
Website Millennium Ecosystem Assessment
Millennium Ecosystem Assessment Synthesis Report pdf, 6,773 KB
Popularized Version of Millennium Ecosystem Assessment Synthesis Report
Donnerstag 31. März 2005, 09:05 Uhr
Abholzung, Klimaänderung und Umweltverschmutzung verhindern Fortschritt
Studie zeigt globalen Verfall auf
Washington/London (pte) - Abholzung, Klimaänderung und Umweltverschmutzung sind die drei Faktoren, die einen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in den ärmsten Nationen der Welt verhindern. Zu diesem Schluss kommt die Studie Millennium Ecosystem Assessment, an der mehr als 1.300 Forscher mitarbeitet haben. Die Ergebnisse werden in acht Weltstädten bei Konferenzen präsentiert, berichtet BBC-Online.
Die Beurteilung kommt zum Schluss, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere die moderne Landwirtschaft irreversible Schäden auf der Erde verursacht haben. Dazu gehört vor allem auch der zu große Wasserverbrauch, der zu Problemen in der Trinkwasserversorgung führt. Auch die zu intensive Landwirtschaft hat den Böden großen Schaden zugefügt. Solche Effekte sind in der Lage wesentliche Ziele der globalen Entwicklung zu stoppen.
Mehr als 2.500 Seiten lang ist der Bericht, der zwar nur wenige schnelle Lösungsvarianten bereit hält, aber nach Aussagen von Experten den bisher umfassendsten Überblick über die humanitäre Lage der Welt bietet. Die Einschätzung der Experten soll vor allem globalen Politikern und Initiativen nutzen. Änderungen in Belangen wie Konsumverhalten, bessere Erziehung, Neue Technologien und eine Verteuerung bei der Ausbeutung von Rohstoffen aus Ökosystemen könnte die Zerstörung der Erde verlangsamen.
Das Millennium Ecosystem Assessment ist ein mit 21 Mio. Dollar dotiertes vierjähriges Projekt, das von den UN-Organisationen und anderen wissenschaftlichen Organisationen ins Leben gerufen wurde. Details des Gesamtberichtes werden bei internationalen treffen in London, Washington, Tokio, Brasilia, Kairo, Peking, Nairobi und Neu-Dehli präsentiert. Detaillierte Angaben sollen noch in diesem Jahr folgen.
Weitere Informationen: World Resources Institute WRI
Mittwoch 30. März 2005, 17:31 Uhr
Studie: Umweltschäden gefährden künftige Generationen
Genf/London (dpa) - Der Raubbau an der Natur bedroht die Gesundheit der Menschheit schon heute und kann in den kommenden 50 Jahren gravierende Folgen für die Weltbevölkerung haben. Darauf verweist ein am Mittwoch veröffentlichter Umwelt-Check der Erde, zu dem 1360 Forscher aus 95 Ländern beigetragen haben.
Bereits 60 Prozent des sensiblen Gefüges, das sauberes Wasser und reine Luft und ein relativ stabiles Klima bereitstelle, seien zerstört oder werde übernutzt, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mit Verweis auf die Studie.
Nach Angaben der führenden britische Wissenschaftsorganisation Royal Society in London haben die Menschen bereits in den vergangenen 50 Jahren der Umwelt so großen Schaden zugefügt, dass die Existenz zukünftiger Generationen gefährdet ist.
Vor allem der verschwenderische Umgang mit Grundwasser «geht auf die Kosten unserer Kinder», schreiben die Forscher in der Millennium Ökosystemstudie (Millennium Ecosystem Assessment). Entwaldung und Klimaveränderung könnten neue Krankheiten entstehen lassen, und das Risiko, an Malaria oder Cholera zu erkranken, deutlich erhöhen. Zwischen 10 und 30 Prozent der Säugetiere, Vögel und Amphibien sind nach Angaben der Studie derzeit vom Aussterben bedroht. In den Weltmeeren seien bereits 90 Prozent der größten Raubfische verschwunden.
Große Probleme bereite auch die Überdüngung der Meere. Der zusätzliche Stickstoff fördere den Algenwuchs so stark, dass an den Küsten sauerstoffarme «tote Zonen» entstünden. Fischsterben sei die Folge. In Zukunft werde vor allem die globale Erwärmung den Ökosystemen der Erde den größten Schaden zufügen.
«Ökosysteme (...) sind für die menschliche Gesundheit von grundlegender Bedeutung und für das Wohlbefinden der Menschen überall auf der Welt unerlässlich», erklärte WHO-Expertin Kerstin Leitner dazu. Durch den Schutz der Umwelt und der Menschen vor den Folgen der Veränderung der Ökosysteme könne der Schaden verhindert, begrenzt oder zumindest gemeistert werden, heißt es in der Ökosystemstudie.
Der Öko-Check wurde 2001 gestartet, nachdem UN-Generalsekretär Kofi Annan um Unterstützung für die Millenniums-Entwicklungsziele im neuen Jahrtausend warb. «Die sinkende Leistungskraft von Ökosystemen wird vermutlich dazu führen, dass die internationalen Entwicklungsziele (Millennium Development Goals) nicht erreicht werden», schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit Verweis auf die Studie.
Nur vier Leistungen der Ökosysteme haben sich in den vergangenen Jahren laut PIK erhöht: die Produktion von Getreide, Vieh und Aquakultur sowie die Bindung von Kohlenstoff in Ökosystemen wie Wald und Ozean, die zur Minderung der globalen Erwärmung beiträgt.
Millennium Ökosystemstudie: www.millenniumassessment.org
Mittwoch, 30. März 2005
Internationale Studie zur Zukunft der Ökosysteme veröffentlicht
Der Nutzen, den Ökosysteme für die Menschen erbringen, verringert sich oder findet in einer nicht nachhaltigen Weise statt. Hierzu zählen zum Beispiel die Bereitstellung von Süßwasser, Fischfang sowie Luft- und Wasserreinhaltung. Wissenschaftler warnen, dass sich die Folgen der Umweltveränderungen über die nächsten 50 Jahre weiter verstärken könnten, verweisen aber auch auf zahlreiche realistische Möglichkeiten, wie der Druck auf Ökosysteme reduziert werden kann. Dies ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Syntheseberichts der internationalen Millennium Ökosystemstudie (MA). 1.300 Wissenschaftler aus 95 Ländern haben die Studie über vier Jahre erarbeitet. Auch zahlreiche deutsche Wissenschaftler, unter anderem vom Potsdam- Institut für Klimafolgenforschung, waren beteiligt.
"Dauerhafte Fortschritte in der Bekämpfung von Hunger und Armut, in der Verbesserung menschlicher Gesundheit und im Umweltschutz sind unwahrscheinlich, wenn sich die Leistungen der Ökosysteme, auf die unsere Gesellschaft angewiesen ist, weiter verringern", so die Studie. Die sinkende Leistungskraft von Ökosystemen wird vermutlich dazu führen, dass die internationalen Entwicklungsziele (Millennium Development Goals) nicht erreicht werden. Auf diese Ziele haben sich 189 Regierungschefs in der Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen (UN) im September 2000 geeinigt.
Der Synthesebericht hebt hervor, dass die Nutzung von Ökosystemen die Lebensbedingungen der Menschen verbessert und die wirtschaftliche Entwicklung gesteigert hat - dies jedoch auf Kosten der Umwelt. In den letzten 50 Jahren wurden Ökosysteme stärker verändert als je zuvor. Zugleich haben sich nur vier Leistungen erhöht, die von Ökosystemen erbracht werden: die Produktion von Getreide, Vieh und Aquakultur sowie die Bindung von Kohlenstoff in Ökosystemen wie Wald und Ozean, die zur Minderung der globalen Erwärmung beiträgt. Trotz verbleibender Wissenslücken kommen die Experten zu dem Schluss, dass Hochseefischerei und die Bereitstellung von Süßwasser so intensiv betrieben werden, dass die Nachfrage nach Fisch und Wasser dauerhaft nicht befriedigt werden kann.
Signifikante politische und institutionelle Maßnahmen können die Zerstörung der Ökosysteme bremsen, ohne die steigende Nachfrage, wie zum Beispiel nach Wasser, zu gefährden. In der Studie werden Optionen genannt, um Leistungen von Ökosystemen zu bewahren oder zu steigern. Wenn beispielsweise Naturwälder geschützt werden, sichert man hierdurch nicht nur den Wildbestand, sondern auch die Versorgung mit Süßwasser und die Speicherung von Kohlendioxid in Biomasse. Der Aufsichtsrat der MA-Studie macht in seiner abschließenden Stellungnahme deutlich, dass die Leistungskraft von Ökosystemen nur erhalten werden kann, wenn sich der Umgang mit der Natur auf den verschiedensten Ebenen der Entscheidungsfindung drastisch verändert und neue Kooperationen zwischen Regierungen, Industrie und Zivilgesellschaft forciert werden.
"Nur wenn wir unsere Umwelt und ihre Funktionsweise verstehen, können wir die notwendigen Entscheidungen für ihren Schutz treffen. Nur wenn wir all die kostbaren natürlichen und menschlichen Ressourcen wertschätzen, können wir eine nachhaltige Zukunft schaffen", erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan anlässlich der heutigen Übergabe des Syntheseberichts der Millennium Ökosystemstudie.
Der MA-Synthesebericht ist der erste Bericht in einer Reihe von insgesamt elf Bänden, die die Ergebnisse zum Zustand der weltweiten Ökosysteme und deren Bedeutung für das menschliche Wohlergehen zusammenfassen. Die Ergebnisse fließen direkt in vier internationale Umweltverträge ein: UN-Konvention zur biologischen Vielfalt, Ramsar- Konvention zu Feuchtgebieten, UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung und Konvention zur Erhaltung wandernder Tierarten.
Verschiedene Agenturen der Vereinten Nationen, internationale wissenschaftliche Organisationen und Entwicklungsgesellschaften waren unter Beratung des privaten Sektors und zivilgesellschaftlicher Gruppen an der Studie beteiligt. Finanzielle Unterstützung erfuhr das Projekt aus der Globalen Umweltfazilität (GEF), der Stiftung der Vereinten Nationen, der David und Lucile Packard Stiftung und der Weltbank. Das Sekretariat der Studie wurde vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) koordiniert.
Die Zuarbeiten deutscher Experten zur MA-Studie wurden finanziell vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstützt. In verschiedenen Funktionen waren insgesamt 26 deutsche Wissenschaftler - u. a. von der Universität Kassel und dem Max-Planck Institut für Biogeochemie - an der Studie beteiligt. Vom Potsdam- Institut für Klimafolgenforschung arbeiteten vier Wissenschaftler aus vier verschiedenen Abteilungen an der Studie mit, drei davon in koordinierender Funktion.
Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft
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