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Aktuell
Globaler Holzbedarf
Holz wächst zu langsam nach
Die weltweite Nachfrage nach Holzprodukten wird bis 2030 stark ansteigen. Offen ist, woher der Rohstoff künftig kommen wird.
Von Karl Gaulhofer, Die Presse, 30.3.08
wien. Es wird eng bei den Waren, die der Wald produziert: Bauholz, Zellstoff und Biomasse. Allein in China wird sich die Nachfrage nach Papier und Karton binnen 20 Jahren verdreifachen, im restlichen Südostasien verdoppeln. In dieser Region wird weit mehr Holz geschlägert als nachwächst. Nur massive Importe werden den Bedarf decken können. Welche Rolle wird Europa in diesem globalisierten Markt spielen? Dieser Frage ist im Auftrag der EU das „Internationale Institut für angewandte Systemanalyse“ (IIASA) in Laxenburg nachgegangen.
Zu hoch, zu steil
Auf den ersten Blick hat Europa eine starke Position: Noch nie, seit Daten systematisch gesammelt werden, gab es so viel Wald. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Nutzholzbestand Europas (inklusive Russland) um 13 Mio. Hektar vergrößert. Das entspricht der Fläche Griechenlands. Neue Forste wurden gepflanzt, auf Ackerflächen wachsen Bäume. Europa ist ein Musterschüler in Sachen Nachhaltigkeit: Nur 60 Prozent des Holzzuwachses wird geschlägert. Hier liegt also theoretisch ein Potenzial für eine autarke oder exportorientierte EU-Holzwirtschaft.
In der Praxis ist eine Ausweitung der Erntekapazität aber oft nicht wirtschaftlich. Die meisten ungenutzten Wälder liegen in hohen Regionen, drängen sich auf steilen Hängen oder sind Kleinstparzellen. Die Besitzer haben oft kein Interesse an einer Nutzung. Zersplitterte Besitzstrukturen sind eine europäische Spezialität. In Nordamerika dominieren hingegen Großflächen, in die institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Universitäten wie Yale gerne investieren.
Studienautor Sten Nilsson erinnert sich an einen US-Finanzinvestor, der in Österreich in großem Stil Wälder kaufen wollte: „Er hätte mit vielen kleinen Forstbesitzern verhandeln müssen. Das war ihm nur schwer klarzumachen.“ Österreichs Holz-Potenzial wird vom Branchenverband Land & Forst auf 27 Mio. Festmeter geschätzt. Dieser Wert sei jedoch „theoretisch“, denn um ihn zu heben, müsste stark in die Infrastruktur investiert werden.
Russland: Lieferant mit Risiko
Auch andere Weltregionen werden den steigenden Bedarf nicht decken können. Kanada kämpft mit zu großen Erntemengen und Schädlingsbefall. Er ist die Folge von ungewöhnlich warmen Wintern – und damit des Klimawandels. Potenziale schlummern in Russland, Afrika und Südamerika. Fast zwangsläufig werden die Tigerstaaten, aber auch Europa, von diesem Angebot abhängig. Die Zukunft gehört Plantagen mit rasch wachsenden Baumarten. Auch Investoren strecken ihre Fühler nach den Waldreserven aus. Doch die Risiken sind groß.
Russland ist bisher ein problematischer Partner im Holzgeschäft. Im letzten Jahrzehnt sind die russischen Rundholzexporte deutlich gestiegen. Doch im Vorjahr stieg der Staat auf die Bremse und erhöhte die Ausfuhrzölle um ein Vielfaches. Der Grund: Die heimische Produktion von Holzprodukten soll gefördert werden.
Ähnliche politische Gefahren lauern auch in Südamerika mit seinen mancherorts globalisierungsfeindlichen Regierungen. Doch halten die IIASA-Forscher diese Risiken für besser kalkulierbar und sind überzeugt, dass sich auch hier die Produktionsmengen mehr als verdoppeln werden.
Bleibt Afrika. Hier ist der Druck auf größere Erntemengen schon groß, vor allem von chinesischer Seite. Vielerorts wird mehr gefällt als nachwächst. Langfristig wird die Forstwirtschaft aber dann die größten Steigerungen erzielen, wenn sie nachhaltig wirtschaftet und die technischen Möglichkeiten besser nutzt.
Die wachsende globale Nachfrage hat die Holzpreise auch in Europa kräftig ansteigen lassen. Erst die jüngsten Wirbelstürme haben einen Preisverfall ausgelöst. Aber auch nach dem Orkan „Kyrill“ sind die Preise wieder nach oben gegangen.
AUF EINEN BLICK: Das IIASA
Der Kalte Krieg war am Anfang: Ex-US-Präsident Lyndon B. Johnson regte 1966 eine Zusammenarbeit von russischen und amerikanischen Wissenschaftlern an. Es ging um Energie, Umwelt, Gesundheit. Die Akademien der Wissenschaften von 14 Ländern, auch Österreich, schlossen sich als Sponsoren an. Im Schloss Laxenburg forschen 200 Wissenschaftler aus 30 Ländern an interdisziplinären Projekten.
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