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Aktuell
UN-Artenschutzkonferenz (1)
21. Mai, 2008
Streit um Biosprit bei UNO-Naturschutzkonferenz
Bonn. dpa/baz. Angesichts des aktuellen Streits um Nutzen und Risiken des Biosprits hat die UNO-Naturschutzkonferenz erstmals über das brisante Thema beraten. Es sei jedoch nicht mit verbindlichen und konkreten Beschlüssen zu rechnen, da dies den rechtlichen Rahmen der UNO-Konvention zur biologischen Vielfalt sprengen würde, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Bonn.
Die Verhandlungen zu Biosprit seien "sehr kontrovers" und "mit massiven Interessenkonflikten" verlaufen, berichteten Delegierte. Vor allem Brasilien habe zunächst bezweifelt, ob die Konferenz überhaupt das Thema beraten dürfe, später aber in diesem Punkt eingelenkt. Auf jeden Fall wollten die Brasilianer, die immer mehr Biokraftstoff- Pflanzen anbauen, verhindern, dass die Konferenz möglicherweise etwa ökologische Auflagen für den Anbau etwa von Soja oder Zuckerrohr vorgeben könnte. Andere Länder teilten diese Position, seien aber zurückhaltender. Die UNO-Konferenz muss nach Konsens-Prinzip entscheiden - alle 191 Vertragsparteien müssen den Entscheidungen zustimmen.
Umweltorganisationen hatten den Biosprit zu einem ihrer Hauptthemen gemacht. Sie forderten einen Stopp für den Anbau von Bioenergie-Pflanzen als Alternative zu Erdöl. Der Anbau zerstöre die Vielfalt der Nutzpflanzen und Regenwälder und gefährde die Ernährungssicherheit in ärmeren Ländern. Einige Entwicklungsländer teilten den Standpunkt, dass Biokraftstoffe neue und noch unkalkulierbare Risiken in den Anbauregionen bedeuteten und Kleinbauern verdrängen könnten.
Die Konferenz sei laut UNO-Konvention nur für die Artenvielfalt zuständig und nicht unmittelbar für das ganze Spektrum der möglichen Auswirkungen des Anbaus von Kraftstoffpflanzen, berichteten Delegierte. Deshalb könne es voraussichtlich höchstens zu dem begrenzten Beschluss kommen, dass ökologische Leitplanken erarbeitet werden sollten. Dazu müssten dann aber auch andere zuständige UNO-Organisationen wie etwa die Welternährungsorganisation (FAO) und die UNO-Konventionen zum Klimaschutz oder zur Wüstenbekämpfung beitragen.
Gabriel rief die Verbraucher auf, durch bewusstes Konsumverhalten mit zum Umweltschutz und Erhalt des biologischen Reichtums auf der Erde beizutragen. Sie könnten "ihre Macht stärker nutzen", indem sie etwa beim Kauf von Produkten darauf achteten, wo und wie sie hergestellt würden. Damit könne auch Unternehmen Signale gegeben werden.
Beim Verzehr von Fleisch sei etwa auch der Regenwald in Brasilien betroffen, der verstärkt zur Erzeugung von Futtermitteln wie Soja abgeholzt werde, erläuterte Gabriel. Für ein Kilo Fleisch müsse sechsmal soviel Soja aufgewendet werden, und die EU sei der grösste Soja-Importeur. Auch die Nutzung von "Ökostrom" sei möglich. Beim Autofahren könnten allein durch das Fahrverhalten bis zu 25 Prozent des Spritverbrauchs eingespart werden. "Hier tut man was für den eigenen Geldbeutel und für die Umwelt."
Jeder Verbraucher könne was für die Umwelt tun, "in jeder Küche und bei jedem Möbelkauf", sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen. Sie könnten Produkte aus ökologischem Landbau oder Recycling-Papier zum Schutz der Wälder kaufen und bei Holzprodukten wie Gartenmöbeln darauf achten, dass sie aus umweltgerechter Erzeugung stammten. Allerdings müssten die Verbraucher dafür auch richtige und verlässliche Informationen erhalten.
Das Signal von Bonn
Gespräche über Umweltstandards bei Agrosprit
Von Joachim Wille, Frankfurter Rundschau, 23.5.08
Der Konflikt "Teller oder Tank" wird auch auf der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn eine wichtige Rolle spielen. Brasilien als Wortführer der Entwicklungs- und Schwellenländer, die in großem Stil Nutzpflanzen wie Zuckerrohr für Biosprit anbauen, hat zugestimmt, dass dort über zukünftige Umweltstandards dieser Biomasse-Produktion verhandelt wird. Zu Beginn des Gipfels hatte sich seine Delegation noch gegen dieses Vorhaben gesperrt. Kommende Woche wird der neue brasilianische Umweltminister Carlos Nink zu den Verhandlungen in Bonn erwartet, die am Montag Teilnehmern begonnen haben.
Lob für Brasilien
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lobte Brasiliens Kehrtwende. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte er am Donnerstag in Bonn. Damit sei freilich noch nicht gesagt, dass das Land auch weitgehende Verpflichtungen zum Schutz der Tropenwälder und anderer naturnaher Flächen unterschreibe. Festlegungen bei diesem Thema werden ohnehin erst 2010 bei der nächsten UN-Biodiversitäts-Konferenz erwartet. Brasilien und andere Länder wie Indonesien stehen in der Kritik, weil dort Biosprit-Pflanzen oft auf gerodeten und abgebrannten Waldflächen angebaut werden.
Die Beweglichkeit des Schwellenlandes mit seinem - noch - großen Reichtum an tropischen Regenwäldern in Konferenzkreises trotzdem als Signal. Brasilien gilt grundsätzlich als Bremser bei den Bio-Verhandlungen, besonders seit Präsident Lula da Silva klar gemacht hat, dass er Umweltschutz nicht als Nachteil beim wirtschaftlichen Aufschwung akzeptieren will. Erst kürzlich war Nink-Vorgängerin Marina Silva wegen mangelnder Unterstützung von ihrem Ministerposten zurückgetreten.
Gabriel und der Stabssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gert Lindemann, stritten allerdings ab, dass die aktuelle Lebensmittelkrise in Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas eine Hauptursache in der Agrosprit-Produktion habe. Weltweit werde der Bio-Treibstoff nur auf zwei Prozent der Agrarflächen angebaut. Die Futtermittelproduktion sei derzeit "das viel größere Problem", sagte Gabriel. Soja für die Tiermast zum Beispiel wird in großem Stil auf ehemaligen Urwaldflächen etwa in Lateinamerika angebaut und in die Industrieländer exportiert. Lindemann sagte, es gebe noch große Brachflächen in Ländern wie Russland und der Ukraine, die für Ernährung oder Biosprit genutzt werden könnten.
Der Chef der UN-Konvention zur Biodiversität, Ahmed Djoghlaf, warnte bei der Konferenz in Bonn vor einer weiteren Verschärfung der Nahrungsmittelkrise in Afrika, Latein-Amerika und Asien. Dies sei eine strukturelle Krise, die sich wegen der wachsenden Weltbevölkerung weiter verschärfen werde. Um den Hunger bekämpfen zu können, müssten die Gen-Ressourcen von Wild-Pflanzen erhalten werden. Derzeit hänge die Welternährung zu 90 Prozent von nur drei Nahrungspflanzen ab, Reis alleine habe einen Anteil von 50 Prozent. Die Landwirtschaft gilt weltweit als Hauptgefährdung der biologischen Vielfalt.
Kleinbauern klagen
Vertreter der Kleinbauern-Organisation La Via Campesina und anderer Basisgruppen bezeichneten in Bonn die Krise als Folge der weltweiten Handelsliberalisierung und attackierten Politiker in Entwicklungsländern, die die Nahrungsmittelproduktion für ihre nationalen und lokale Märkte vernachlässigten. "Kleinbauern brauchen den Schutz der Regierungen", sagte Campesina-Sprecher Henry Saragih, nur sie könnten die Versorgung zu bezahlbaren Preisen und das Erhalten der Artenvielfalt garantieren.
Donnerstag, 22. Mai, 03:32 Uhr
«Monokulturen gefährden den Weltfrieden»
Passau (ddp). Der frühere Leiter des Umweltprogramms der UN, Klaus Töpfer (CDU), hat vor den Folgen von Artenschwund und Monokulturen für Ernährung und Weltfrieden gewarnt: «Für die wirtschaftliche Stabilität der Weltbevölkerung, die 2050 mindestens 8,5 Milliarden Köpfe zählen wird, steht extrem viel auf dem Spiel», sagte Töpfer am Rande der UN-Konfernz zur Biodiversität der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstagausgabe). «Wenn wir Vielfalt verlieren, erhalten wir in der Landwirtschaft Monostrukturen, die extrem anfällig sind und den Böden schwere Schäden zufügen können. Damit wäre auch der Frieden auf der Welt gefährdet», warnte Töpfer.
Trotz internationaler Abkommen vollziehe sich der Verlust an Artenvielfalt so rapide wie nie. «Es muss jetzt ein Ruck durch die Staatengemeinschaft gehen», sagte Töpfer.
Töpfer forderte Regeln für die energetische Nutzung von Biomasse. «Pflanzen dürfen nicht als Kraftstoff genutzt werden, wenn dies in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion steht oder intakte Natur gefährdet. Dies sollten wir klarstellen, auch international rechtlich festschreiben», sagte Töpfer.
Wer hat Angst vor ziviler Einmischung? Kanada!
Von Björn Jettka, Greenpeace-Online, 21.5.08
Auf dem Artenschutz-Gipfel in Bonn kommen Delegierte aus aller Welt zusammen. Sie debattieren über Wege und Möglichkeiten, die Welt zu retten. Einige sind dabei besonders vorbildlich und engagiert, andere gehören eher zu den Bremsern und verfolgen ausschließlich nationale Interessen. Greenpeace beobachtet die Diskussionen und wird am Ende der Konferenz der schlimmsten Delegation die Goldene Kettensäge überreichen. Bis dahin werden einzelne Delegationen für den Preis nominiert.
Heute trifft es Kanada. Und das aus gutem Grund. Die kanadische Delegation hat gestern gleich zweimal versucht, Nichtregierungsorganisationen wie auch Greenpeace, das Vorschlagsrecht zu nehmen. Klar, letztendlich entscheiden die Delegationen über die Vetragstexte, aber bisher konnten Vorschläge auch von der Zivilgesellschaft eingebracht werden.
Warum verhält sich Kanada so? Möglicherweise liegt es daran, dass die Kanadier auf diese Art und Weise von ihrem eigenen Versagen beim Schutz der Artenvielfalt ablenken wollen. Erst im März dieses Jahres hat eine unabhängigen kanadischen Umwelt-Kommission (CESD) ein generelles Versagen der Regierung in Sachen Artenschutz festgestellt. Möglicherweise soll jetzt von dem Report abgelenkt werden. Für Greenpeace ist unser Kollege Eric Darier aus Montréal der Sache auf der Spur und nimmt an den UN-Verhandlungen teil. Er hat auch die Nominierung vorgeschlagen.
Landeszeitung Lüneburg: "Bessere Kontrollen und Sanktionen nötig"
Der WWF-Experte Volker Homes fordert von der Bonner Weltnaturschutzkonferenz Maßnahmen für einen besseren Artenschutz.
Landeszeitung Lüneburg, 22.5.08
Lüneburg (ots) - Die biologische Vielfalt der Erde ist bedroht. Urwaldrodungen, Energiehunger, steigernder Flächenverbrauch und der vom Menschen verursachte Klimawandel lassen immer mehr Arten aussterben. Der Verlust der Artenvielfalt bedroht auch die Spezies Mensch. Die Weltnaturschutzkonferenz in Bonn berät derzeit über mögliche Schritte, um der bedrohliche Entwicklung Einhalt gebieten zukönnen. Doch das Ziel, den Artenschwund bis 2010 stoppen zu können, "ist nicht realistisch", sagt der WWF-Experte, der Biologe Volker Homes, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat zum Auftakt der Weltnaturschutzkonferenz die Staatengemeinschaft zum Handeln gegen die Zerstörung des biologischen Reichtums der Erde aufgefordert. Dabei haben vor 16 Jahren in Rio de Janeiro 150 Staaten eine Konvention unterzeichnet, in der das weltweite Artensterben bis 2010 deutlich gebremst werden soll. Ist dieses Ziel noch realistisch?
Volker Homes: Ich glaube nicht, dass es realistisch ist. Selbst der Bundesumweltminister hat schon zugegeben, dass es fast unmöglich ist,dieses Ziel zu erreichen. Die Europäische Union hat 2002 beschlossen,dass sie das Artensterben im Gebiet der EU sogar stoppen will. Weltweit soll der Artenschwund deutlich reduziert werden. Doch selbstdas ist so ambitioniert, dass niemand ernsthaft daran glaubt. Es war zwar gut, dass sich die Staatengemeinschaft bis 2010 ein solches Zielgesetzt hatte. Wenn die Anstrengungen aber auf diesem bisher manchmalsehr kläglichen Niveau weitergehen, wird es nicht klappen. Die Roten Listen werden länger, die Arten sterben weiter aus.
Rund 16000 von 40000 untersuchten Arten sind vom Aussterben bedroht. Derzeit sind rund zwei Millionen Arten bekannt, Schätzungen zufolge gibt es aber 10 bis sogar 100 Millionen Arten. Verführt diesehohe Zahl nicht zur Gelassenheit?
Homes: Das ist genau das Problem: die meisten Arten sterben "still", oft genug gibt es nicht einmal ein Foto oder ein Belegexemplar von einer ausgestorbene Art. Es scheint im ersten Moment nicht weh zu tun, wenn eine Art ausstirbt. Vor allem wenn es sich um eine kleinere Tierart wie ein Insekt handelt. Doch alle Artenbauen ein ökologische Netz miteinander auf. Dieses ist für uns Menschen das einzige, was wir haben auf der Welt. Wenn wir die Arten verlieren, verlieren wir auch unsere Existenzgrundlage.
Das Artensterben bedroht also nicht nur ganze Ökosysteme, sondern auch die Spezies Mensch?
Homes: Wir sind Teil des Ökosystems. Und wir haben noch nichts erfunden, dass uns unabhängig von den Arten machen könnte: seien es die Insektenarten zur Blütenbestäubung, funktionierende Ökosysteme, die uns sauberes Wasser bescheren, uns Brennholz liefern oder uns vorKrankheiten schützen.
In welchen Lebensräumen richten die Menschen denn die verheerendsten Schäden an?
Homes: Vor allem in den so genannten Hot-Spots, also in Gebieten, wobesonders viele Arten vorkommen. Das sind in erster Linie Tropenregionen. Dort gibt es viele Endemiten, also Arten, die nur in bestimmten Regionen der Erde vorkommen. Südostasien ist ein solcher Hot-Spot. Hier gibt es viele Inseln mit Arten, die nur dort leben. Auch der südostasiatischen Regenwaldgürtel in Ländern wie Myanmar, Vietnam, Thailand und auch Indonesien ist ein Hot-Spot. Andere gefährdete Gebiete sind die Tropenwaldgebiete in Zentralafrika im Bereich Kongo und angrenzenden Ländern und in Süd- und Mittelamerika,wo in Brasilien und den Nachbarstaaten die größten Regenwälder der Welt stehen.
Brasilien gehörte damals zu den engagiertesten Nationen beim Artenschutz. Doch heute wird der Amazonas-Regenwald im Rekordtempo zerstört. Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen dieses Desasters?
Homes: Die Ursachen sind nach wie vor vielfältig. Letztlich geht es aber immer um menschlichen Konsum. Viele Regenwaldgebiete müssen der Landwirtschaft weichen. Dort wird dann zum Beispiel Soja angebaut oder es entstehen Plantagen zur Produktion von Palmöl, um Biosprit herstellen zu können.
Die USA haben gerade Eisbären unter Schutz gestellt. Doch im gleichen Atemzug wird im Lebensraum der Eisbären nach Öl gebohrt. Ersetzt hier wieder einmal Symbolpolitik umweltbewusstes Handeln?
Homes: Ich glaube Ja. Es ist ein Zielkonflikt, wenn man Eisbären schützen will und daraus viele Schritte folgen müssten, zugleich aberin seinem Lebensraum nach Öl bohrt. Allerdings wäre es unrealistisch,einen Verzicht auf Ölförderung zu fordern. Auch der WWF würde das nicht fordern. Aber wenn man Öl fördert, sollte man es nicht in hochsensiblen Regionen tun oder aber für extrem hohe Sicherheitsmaßnahmen sorgen. Denn wenn sich in Regionen wie der Arktis ein Ölunfall ereignet, hätte das verheerende Folgen.
Schon jetzt richtet die Zerstörung der Natur Schäden von rund zweiBillionen Euro pro Jahr an. Glauben Sie, dass sich irgendwann die Erkenntnis durchsetzt, dass Artenschutz auch ökonomisch zwingend geboten ist?
Homes: Ich hoffe Ja. Der WWF unterstütz Initiativen, den ökonomischen Wert von Arten zu ermitteln. Geht zum Beispiel eine Medizinal-Pflanzenart verloren, hätte dies Folgekosten: Zum Beispiel durch den Aufwand, der betrieben werden muss, einen Wirkstoff-Ersatz zu finden und zu produzieren. Welchen Wert haben Arten, die uns helfen, Wasser zu reinigen? All das versuchen wir gerade zu ermitteln.
Die Europäische Union möchte noch auf der Konferenz erstmals einen Bericht vorlegen, der den ökonomischen Wert der Arten darstellt. Würde das bedeuten, dass zum Beispiel der Leopard weniger wert ist als Einzeller, Hauptbestandteile des Krills?
Homes: Das ist eine gute Frage. Greift es zu kurz, alles nur ökonomisch bemessen zu wollen? Ich glaube, es wäre ein erheblicher Verlust, wenn Teile der Schöpfung verloren gehen. Ich fände es zum Beispiel schade, wenn ich meinen Kindern nicht mehr zeigen kann, wo und wie Tiger in freier Wildbahn lebt. Es gibt neben dem ökonomischeneinen ethischen Wert, den wir Arten beimessen müssen. Ich glaube, beides zusammen kann den Wert einer Art gut beschreiben.
Sind die Politiker weltweit bei der Abschätzung drohender Folgen des Artensterbens und der Naturzerstörung schlichtweg überfordert oder sind die Interessen der internationalen Wirtschaft einfach immernoch zu groß?
Homes: Es kommt nicht nur auf den Willen der Politiker, sondern auf den Willen der gesamten Bevölkerung an. Aber leider mangelt es häufigimmer noch an der Erkenntnis, wie wichtig die Artenvielfalt ist. Ich hoffe aber, dass es eine ähnliche Entwicklung geben wird wie beim Thema Klimawandel, wo heute wohl auch der letzte begriffen hat, was das Klima für uns bedeutet und welche Gefahren bei einem drastischen Klimawandel drohen. Der Wert der Biodiversität ist sehr gut vergleichbar mit dem Wert, den das Klima für uns hat. Diese Erkenntnis muss sich in den Köpfen der Bevölkerung und der Politiker festsetzen und es müssen Taten folgen.
Auch deshalb, weil sich der Klimawandel direkt auf die Biodiversität auswirkt?
Homes: Richtig, beides ist miteinander verkettet. Aber die Erkenntnis, dass Arten uns Dienste erweisen, die wir sonst teuer erkaufen müssten, hat sich noch nicht durchgesetzt.
Was sollte, was muss in Bonn beschlossen werden, um dem Artensterben zumindest Einhalt gebieten zu können?
Homes: Generell müssen alle Aussagen oder Zusagen, die dort getroffen werden, wesentlich besser überprüft werden können. Die Biodiversitätskonvention CBD (Konvention von Rio) ist eine sehr weiche Konvention, die dahingehend weiterentwickelt werden muss, dassZusagen auch iengehalten werden müssen Aber schon jetzt hat die Konvention verschiedene vielversprechende Instrumente, kann zum Beispiel über Finanzierungsmechanismen erreichen, dass Biodiversität oder ein Schutzgebietsnetzwerk eingerichtet wird und erhalten bleibt.Es geht nun darum, dass man alles, was man verspricht, auch einhält und tatsächlich umsetzt. Das muss überprüfbar und sanktionierbar sein.
Also im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll, das von fast allen Staaten ratifiziert worden ist, deren Ziele aber bei weitem verfehlt werden dürften?
Homes: Ja. Wenn man sich die ganze Zeit etwas verspricht, es aber nie gehalten und überprüft wird und schon gar nicht sanktioniert wird, ist das ganze so butterweich, das man damit nicht zufrieden sein kann. Wenn wir 2010 feststellen, dass wir das Ziel des Artenschutzes weit verfehlt haben, hat man falsch gehandelt.
Können Sie sich ähnlich dem Emissionshandel ein System vorstellen, wo Länder, die es versäumt haben, ein Tierart zu retten, in irgendeiner Form für Ausgleich sorgen müssen?
Homes: Ja, natürlich. Dabei sollte es aber eine Kombination aus Anreiz- und Sanktionsmaßnahmen sein. So sollten die ärmeren Ländern in den Tropen, die eine hohe Biodiversität und damit eine hohe Verantwortung haben, Unterstützung erhalten. Wird dann nicht richtig gehandelt, muss es Sanktionsmöglichkeiten geben.
Das Interview führte Werner Kolbe
Koalition gegen Biopiraterie verleiht Captain Hook Awards
epo.de, 21. Mai 2008
Bonn. - Das "Aktionsbündnis COP9" hat am Rande der Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über Biologische Vielfalt acht "Captain Hook-Awards" für Biopiraterie und sechs "Kogge-Preise" für "ausdauernden und erfolgreichen Widerstand gegen Biopiraterie" verliehen. Preisträger sind unter anderen die multinationalen Konzerne BASF, Monsanto, Syngenta and DuPont, denen vorgeworfen wird, sogenannte klimawandel-tolerante Pflanzengene zu monopolisieren und somit Profit aus den schädlichen Auswirkungen des Klimawandels zu schlagen.
"Zum ersten Mal beherrschen Profiteure des Klimawandels die Szene", erklärte Jim Thomas von der ETC-Group aus Ottawa, der als Captain Hook mit Augenklappe und Piratenkostüm verkleidet war. "Das Klimachaos eröffnet Biopiraten ungeahnte Möglichkeiten, die Gemeingüter zu plündern. Auf der einen Seite haben wir Gen-Giganten wie Monsanto und BASF, die sogenannte klimawandel-tolerante Pflanzengene monopolisieren; auf der anderen Seite haben wir Unternehmen aus dem Geo-Engeneering-Bereich wie Planktos Inc. oder ONC, die in den Markt des CO2-Handels eindringen und mit unbedachten und wissenschaftlich zweifelhaften Methoden CO2 in Algen einbauen wollen. Und wir haben Unternehmen, die sich ölreiche Pflanzensorten sichern, um noch mehr ihrer destruktiven Agrokraftstoff-Pflanzen anzubauen."
Besondere Publikumsbegeisterung rief der Verleihung des Preises "Bester Nebelwerfer" hervor: ihn gewann die non-profit-Organisation "Initiative für öffentliche Forschung und Regulation" (Public Research and Regulation Initiative), "für unermüdliches Eintreten für die Interessen der Biotech-Konzerne unter dem Banner der öffentlich finanzierten Forschung."
Einen der "Kogge-Awards", mit denen dem Kampf gegen Biopiraterie die gebührende Aufmerksamkeit gezollt werden soll, erhielt das "Nyeleni-Weltforum zu Ernährungssouveränität 2007", bei dem sich in Mali über 500 Menschen aus 80 Nationen getroffen haben. (Koggen nannte man im Mittelalter kleine Schiffe mit hochgezogenem Rumpf, um Piraten vom Entern abzuhalten.) Veronica Villa von der ETC-Group bedauerte, dass viele mit dem Kogge-Preis geehrten "so viel ihrer Zeit, ihrer Energie und ihrer Talente darauf verwenden müssen, um ausser Kontrolle geratene Biopiraten zu bekämpfen".
Zivilgesellschaftliche Organisationen in den Philippinen erhielten einen Preis, weil sie von ihrer Regierung verlangt hatten, ein Unternehmen aus Australien namens "Ocean Nourishment Corp." davon abzuhalten, eine gefährliche Klimawandel-Verhütungsmassname auszuführen, bei der Harnstoff in die Sulu-See eingebracht werden sollte.
Hope Shand von der ETC-Group erklärte, dass "ironischerweise die meisten Biopiraten, die heute in Bonn ihre Preise empfangen haben, keine Gesetze gebrochen haben. Das Problem besteht darin, dass die bestehenden Gesetze über geistige Eigentumsrechte und die internationalen Handelsabkommen Patente dulden sowie andere Aktivitäten, die indigenes Wissen oder die Souveränität über genetische Ressourcen anderer Völker verdrängen. Und die CBD hat es bislang versäumt, Mechanismen einzuführen, die solchen Regulierungen und Vereinbarungen effektiv begegnen."
www.captainhookawards.org
Privatisierte Artenvielfalt
Von Torge Löding, Die Wochenzeitung, 22.5.08
Costa Rica zeige, wie man Artenvielfalt zugleich nutzen und schützen könne - sagen die einen. Das Land sei ein Beispiel für Biopiraterie, sagen die anderen.
Lässt sich die kommerzielle Nutzung genetischer Ressourcen in den Dienst des Erhalts der Artenvielfalt stellen? An der Uno-Biodiversitätskonferenz dieser Tage in Bonn werden Beispiele vorgestellt, wie das möglich sei: Costa Rica und sein Nationales Institut für Artenvielfalt Inbio gelten als Paradefall. Seit zwei Jahrzehnten läuft ein Projekt mit dem Ziel, die Apotheke aus dem Regenwald zu vermarkten und die Gewinne daraus in den Artenschutz zu investieren.
Dass Inbio tatsächlich ein Erfolg sei, sehen freilich nicht alle so. Parallel zur Uno-Konferenz organisieren Greenpeace, der Evangelische Entwicklungsdienst und andere ebenfalls in Bonn den Kongress Planet Diversity. Auch dort wird Inbio als Beispiel vorgestellt, jedoch als ein negatives. UmweltschützerInnen aus Costa Rica bezichtigen das Institut gar der Biopiraterie, also der unrechtmässigen Aneignung genetischer Ressourcen.
Eine grüne Schatzkammer
Nicht viel mehr als Augenwischerei sei ein Abkommen, das Inbio 1991 mit dem Pharmakonzern Merck geschlossen hat, sagt die emeritierte Professorin und Umweltaktivistin Silvia Rodríguez. Inbio ist, anders als sein Name suggeriert, ein privates Institut. «Die Öffentlichkeit», sagt Rodríguez, «hat keinen Einblick in die Geschäftsbücher oder den Wortlaut der geschlossenen Verträge. Vieles wissen wir nur aus Verlautbarungen der Vereinten Nationen, die Inbio immer wieder als positives Beispiel nennen.»
Gegründet wurde das Institut im Oktober 1989 und hätte vorerst tatsächlich staatlich sein sollen. Damals regierte Präsident Oscar Arias, der in Costa Rica die Strukturanpassungsmassnahmen nach Vorgabe des Internationalen Währungsfonds vollzog. Heute ist Arias wieder an der Macht und bringt UmweltschützerInnen mit seinem Plan der weitgehenden Privatisierung der Nationalparkverwaltung gegen sich auf.
Inbio beruft sich auf die Idee, dass es einen Ausgleich geben könne zwischen Ländern, die reich an Arten sind, und solchen, die über hochstehende Technologie verfügen. Erstere stellen die biologischen Ressourcen und erhalten dafür von Letzteren Zugang zu Technik («Technologietransfer»). Costa Rica gehört eindeutig zur ersten Gruppe: Auf seinem Territorium - 0,03 Prozent der Erdoberfläche - kommen fast 5 Prozent aller bekannten Arten vor. Ein Viertel des Landes steht in irgendeiner Form unter Naturschutz, und es finden sich grosse Flächen primären Regenwaldes - eine grüne Schatzkammer. «Bioprospektion» nennt sich der Ansatz von Inbio. Das funktioniert so, dass Inbio in den Nationalparks Stationen unterhält, auf denen Einheimische gegen Entgelt Proben sammeln. Diese werden kategorisiert und einer ersten Untersuchung unterzogen, verlassen dann aber das Land, um in den Labors von Merck weiter erforscht zu werden. Niemand hat dort Einblick, geschweige denn die Kontrolle, was mit den Proben geschieht.
Laut einer Untersuchung des WWF Norwegen flossen zwischen 1991 und 1999 insgesamt 420 000 Dollar an das costa-ricanische Umweltministerium, 856 000 Dollar an Naturparks und knapp 700 000 an öffentliche Universitäten - von Jahr zu Jahr etwas weniger. Das ist nicht viel Geld, und von Technologietransfer könne ebenfalls nicht die Rede sein, ergänzt Rodríguez: «In einigen Fällen wurde moderne Technik zur Verfügung gestellt, aber immer mit der Einschränkung, sie nur für diese eine spezifische Untersuchung nutzen zu dürfen.»
Schmerzen und Übelkeit
Bioprospektion wird zur Biopiraterie, wenn Konzerne sich traditionelles Wissen über Heilpflanzen aneignen und es durch Patentierung für sich reklamieren. Silvia Rodríguez wie auch Umweltverbände weisen darauf hin, dass Inbio auf solches Wissen zurückgreife - was Inbio bestreitet. Als Ergebnis einer Kooperation mit dem Institut verkauft ein costa-ricanischer Medikamentenhersteller Schmerztabletten, deren Wirkstoff aus den Blättern und der Rinde eines Baumes gewonnen wird. Seit je stellen BäuerInnen in Costa Rica aus den gleichen Zutaten einen schmerzstillenden Saft her.
Gegenüber JournalistInnen nannte Lorena Guevara, Bioprospektionsmanagerin bei Inbio, zwei weitere «Erfolgsbeispiele»: ein Produkt gegen Übelkeit und ein anderes zur Beruhigung. Das erste wird aus der Quassia gewonnen, genau wie es die UreinwohnerInnen seit je tun, das zweite aus Lindenblättern - Omas Hausapotheke lässt grüssen.
Landwirtschaft entscheidend für die biologische Vielfalt
Internationaler Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2008 während der UN-Naturschutzkonferenz
BMU Pressemitteilung, 22.5.08
Eine nachhaltige Landwirtschaft ist nicht nur für den Erhalt der Biodiversität wichtig, sondern auch für die Ernährung der Welt und für nachhaltige Erwerbsmöglichkeiten in der Landwirtschaft. Auf diesen Zusammenhang haben Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und der Agrarstaatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Gert Lindemann zum heutigen Internationalen Tag der biologischen Vielfalt hingewiesen. "Eine zu intensive oder nicht angepasste Landwirtschaft kann die biologische Vielfalt allerdings auch in erheblichem Maße gefährden", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. "Landwirtschaft und Naturschutz müssen daher Lösungen finden, wie sie Hand in Hand zusammenarbeiten können, um den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt zu bremsen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die Vertreterinnen und Vertreter aus 190 Staaten, die es in den kommenden Tagen zu lösen gilt."
Staatsekretär Gert Lindemann sagte: "Biologische Vielfalt ist für die Menschen, aber im Besonderen auch für die Landwirte weltweit überlebenswichtig. Sie stellt die Grundvoraussetzung für die Produktion von Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen dar. Die genetische Vielfalt sichert außerdem Optionen für zukünftige Züchtungsarbeit und Potentiale zur Verbesserung der globalen Ernährungssicherheit, die mit dem Verlust der genetischen Vielfalt unwiederbringlich verloren gehen."
Die Vereinten Nationen haben den Tag der Biologischen Vielfalt ausgerufen, um die Menschen weltweit auf die Bedeutung der biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Thema "Biodiversität und Landwirtschaft". Er findet während der 9. Vertragsstaatenkonfernez zur Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) in Bonn statt. In den Verhandlungen geht es auch um den wichtigen Beitrag, den die Landwirtschaft zum Erhalt der biologischen Vielfalt leistet. Derzeit bilden nur rund zehn Pflanzenarten und fünf Nutztierrassen die Basis der Welternährung. Zu Anfang des Jahrhunderts bauten indische Bauern noch 30.000 Reissorten an - heute sind es kaum mehr 30. Von den 63 in Deutschland vorkommenden Nutztierrassen werden 52 als "gefährdet" bzw. "zur Beobachtung" eingestuft.
Angesichts der globalen Entwicklungen, wie dem Klimawandel, der weltweit steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln, der bis zum Jahre 2050 von heute etwa sechs auf voraussichtlich neun Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung, ist die zukünftige Sicherung der Welternährung und damit einer leistungs- und anpassungsfähigen Landwirtschaft, die in gleichermaßen den Klima- und Naturschutzzielen gerecht wird, eine besondere Herausforderung.
Dafür müssen vor allem Potenziale für neue Märkte und Einkommensquellen durch innovative Produkte auf Grundlage der Arten-, Sorten- und Rassenvielfalt erschlossen werden. Diese Ziele gilt es auch hier in Bonn auf der UN-Naturschutzkonferenz in der Landwirtschaft zu verankern und die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.
Die "grüne Konferenz" zur biologischen Vielfalt
Sigmar Gabriel und Gerd Billen: Auch Großveranstaltungen lassen sich umweltverträglich gestalten
BMU Pressemitteilung, 21.5.08
Ressourcen schonen, Abfälle möglichst vermeiden, regional hergestellte und fair gehandelte Produkte genießen: Das sind die Ziele des ambitionierten Umweltkonzepts für die UN-Naturschutzkonferenz, das Bundesumweltminister Sigmar Gabriel heute in Bonn vorgestellt hat. "Zum ersten Mal haben wir ein umfassendes Umweltkonzept für eine internationale Veranstaltung dieser Größe entwickelt, das einen Standard für zukünftige Ereignisse dieser Art setzen kann." Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv): "Verbraucherinnen und Verbraucher sind zunehmend bereit, im Konsumalltag ihre Verantwortung für Klima- und Ressourcenschutz zu übernehmen. Um so wichtiger ist es, dass die Bundesregierung hier Zeichen setzt".
An der 9. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die biologische Vielfalt nehmen fast 7000 Menschen aus 191 Ländern teil. Elemente des Umweltkonzeptes sind die Vermeidung und Verminderung von Abfällen, der Einsatz von zertifiziertem grünen Strom und ein umweltfreundliches Verkehrskonzept mit kostenfreier Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die für individuelle Fahrten zur Verfügung stehende Pkw-Flotte weist einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von nur 123 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer auf. Das entspricht einem mittleren Verbrauch von 4,7 Liter pro 100 Kilometer. Es kommen sparsamste Fahrzeuge der Mittelklasse zum Einsatz, mit sauberster Abgasreinigung und Partikelfiltern.
Auch das Catering ist ein Element des Umweltkonzeptes. Es steht unter dem Motto "vielfältig-regional-biologisch-fair" für das kulinarische Erleben. Gabriel: "Gerade für die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz ist es für mich wichtig, das Thema 'Vielfalt' auch bei der Verpflegung aufzugreifen." Die Vielfalt der Nutztierrassen und Nutzpflanzenarten geht heute weltweit drastisch zurück. Mit Spezialitäten aus der Region werden Akzente für die verstärkte Ausrichtung auf regionale Produkte gesetzt. Auf der Speisekarte sind umweltgerecht hergestellt Bioprodukte zum gesunden Genießen zu finden. Darüber hinaus werden Produkte wie Kaffee aus fairem Handel angeboten.
Parallel mit der Umsetzung des Umweltkonzeptes strebt das Bundesumweltministerium die Zertifizierung der Konferenz nach EMAS an, dem europäischen Umweltaudit. Die UN-Naturschutzkonferenz wird so die erste von einem Bundesressort organisierte Großveranstaltung mit einer EMAS Zertifizierung sein.
Ein weiteres Ziel der Konferenz ist es, den eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dazu sollen vermeidbare Emissionen vermieden werden, unvermeidbare der Konferenz zuzuschreibenden Treibhausgas-Emissionen werden durch ein Einsparprojekt ausgeglichen. Dies bezieht sich sowohl auf die Emissionen, die durch die An- und Abreise der Teilnehmer entstehen, als auch auf die CO2-Emissionen die in Bonn durch Übernachtungen und den Verkehr vor Ort anfallen. Hierzu wird ein Projekt in Burkina Faso unterstützt, durch das ländliche Gebiete mit elektrischem Strom ausgestattet werden. Hier werden Dieselgeneratoren in Dörfern und Kleinstädten durch Biomassevergaser mit installierten Leistungen zwischen 20 und 850 Kilowatt ersetzt. Neben der Einsparung von Treibhausgasen in Hohe von 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr trägt dieses Projekt zusätzlich zu lokaler nachhaltiger Entwicklung bei.
Billen: "Große Veranstaltungen und Konferenzen sind eine Visitenkarte des Gastgebers. Sie bieten die Möglichkeit, an prominenter Stelle zu demonstrieren, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis aussehen kann. Ich hoffe, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz mit ihrem Verhalten das Umweltkonzept unterstützen."
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