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Aktuell

UN-Artenschutz-Konferenz: Zwischenbilanz

Freitag, 23. Mai, 13:59 Uhr

WWF warnt vor Scheitern der Weltnaturschutzkonferenz

Bonn/Frankfurt (ddp). Zur Halbzeit der Weltnaturschutzkonferenz in Bonn hat die Umweltorganisation WWF vor einem Scheitern der Verhandlungen gewarnt. «In Bonn steht nicht weniger als die Zukunft der Artenvielfalt auf dem Spiel. Doch die Konferenz tritt bislang auf der Stelle», kritisierte der WWF-Naturschutzexperte Jörg Roos am Freitag in Frankfurt am Main. Bei wichtigen Themen wie der Ausweisung von Schutzgebieten drohten sogar Rückschritte gegenüber früheren Gipfeltreffen.

Auch von dem Ziel, für mehr Gerechtigkeit bei der Nutzung von Pflanzen und Tieren zu sorgen, seien die Delegierten weit entfernt, sagte Roos weiter. Bislang nutzten Konzerne aus Industrienationen die Artenvielfalt armer Länder für Medikamente und andere gewinnbringende Produkte, ohne die Herkunftsländer an den Gewinnen zu beteiligen. Die Konferenzteilnehmer täten dagegen bislang nichts.

Hoffnungen setzte der Naturschutzexperte auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Klare Finanzzusagen aus Deutschland könnten weitere Staaten zu konkreten Zusagen bewegen, sagte Roos. Mit ihrer Ankündigung, weitere 40 Millionen Euro für Schutzgebiete in ärmeren Ländern zur Verfügung zu stellen, habe die Bundesregierung für den bislang einzigen Lichtblick des Gipfels gesorgt. Doch auch Berlin müsse noch deutlich tiefer in die Tasche greifen, um den Rückgang der biologischen Vielfalt zu bremsen.

In Bonn nehmen seit Montag rund 5000 Experten aus 191 Ländern an der UN-Artenschutzkonferenz teil. Bei dem bis zum 30. Mai dauernden Treffen sollen Maßnahmen gegen die weltweit fortschreitende Vernichtung der Natur beraten werden. Die Vereinten Nationen wollen das Artensterben bis 2010 deutlich bremsen.


Gabriel: Harte Verhandlungen in guter Atmosphäre

Halbzeit bei der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn

BMU Pressemitteilung, 23.5.08

Zur Halbzeit der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine zurückhaltend optimistische Bilanz der ersten Verhandlungswoche gezogen: "Wir sind noch längst nicht am Ziel, aber es ist uns offenbar gelungen, eine motivierende und konstruktive Konferenzatmosphäre zu erzeugen, die uns hilft, die schwierigen Verhandlungen voran zu bringen. Bei einem Zwang zur Einstimmigkeit zwischen 191 Vertragsstaaten liegt es in der Natur der Sache, dass Ergebnisse nur nach hartem und langem Ringen zu erreichen sind." Positiv bewertete Gabriel, der als Konferenzpräsident zwischen den verschiedenen Interessen vermittelt, dass die Gespräche über ein internationales Regime über den Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechten Vorteilsausgleich (Access and Benefit Sharing - ABS) erstmals in eine konkrete Phase getreten sind. Vor Beginn der Konferenz bestand über viele Monate nicht einmal Einigkeit darin, auf der Basis welcher Dokumente überhaupt verhandelt werden sollte.

In Abstimmung mit den Repräsentanten der unterschiedlichen Interessengruppen gelang es direkt zu Beginn der ABS-Verhandlungen am vergangenen Mittwoch, die formalen Hürden zu beseitigen und einvernehmlich auf der Basis konkreter Texte zu verhandeln. In den nächsten Tagen geht es darum, ein "Bonner Mandat" zu formulieren, das den Verhandlungsverlauf für die nächsten zwei Jahre definiert. Auf der letzten Vertragsstaatenkonferenz in Curitiba hatte man vereinbart, bis 2010 einen verabschiedungsreifen Text für das ABS-Regime zu entwickeln. "Entscheidend ist für mich ein klarer Fahrplan für die ABS-Verhandlungen". Gabriel unterstrich noch einmal, dass besonders Entwicklungsländer, aber auch Industrieländer Rechtssicherheit darüber brauchen, nach welchen Regeln eine Gewinnbeteiligung dieser Länder an der Nutzung ihrer genetischen Ressourcen erfolgt.

Viel Zustimmung auf der Konferenz erhält die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gestartete LifeWeb-Initiative. Mit dieser Initiative will Deutschland die verhärteten Fronten zur Schaffung weiterer Schutzgebiete aufbrechen. Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg hatte festgelegt, dass zur Sicherung der biologischen Vielfalt der Erde das weltweite Schutzgebietsnetz ausgeweitet werden soll – allerdings unter der Bedingung, dass die Industriestaaten zusätzliche Finanzmittel bereitstellen. Dies hatte seither immer wieder zu wechselseitigen Vorwürfen geführt. Mit der LifeWeb-Initiative sollen konkrete Planungen für neue Schutzgebiete in Entwicklungsländern mit konkreten Finanzzusagen der Industrieländer verknüpft werden. Damit sollen vor allem dringend benötigte Waldschutzgebiete finanziert werden, um die rapide voranschreitende Urwaldvernichtung zu bremsen. Gabriel kündigte an, dass er das bisherige finanzielle Engagement Deutschland um mindestens 40 Mio Euro jährlich erhöhen werde.

Harte Auseinandersetzungen gibt es in Bonn um ökologische Anforderungen an die Bioenergie-Produktion. Nachdem einige Länder vor der Konferenz keinerlei Diskussion zu diesem Thema zulassen wollten, gelang es bereits in den ersten Tagen, Verhandlungen über ökologische Leitlinien für Bioenergie in Gang zu bringen. "Das kann man bereits jetzt als einen Durchbruch bezeichnen. Es wäre ja am Ende nur die zweitbeste Lösung, wenn Deutschland oder die EU eigene Nachhaltigkeitsstandards für Bioenergie einführen würden. Wünschenswert wäre es, möglichst rasch multilaterale Vereinbarungen zu treffen."

Da auch die Verhandlungen zu vielen anderen Themen wie dem Meeresnaturschutz, dem Schutz der Wälder oder der Erschließung zusätzlicher Finanzmittel für den globalen Schutz der biologischen Vielfalt sehr zeitintensiv sind, hat Gabriel die Leiterinnen und Leiter der verschiedenen Verhandlungsgruppen gebeten, auch zusätzliche Nacht- und Wochenendsitzungen abzuhalten.

Die offiziellen Verhandlungen gehen in der kommenden Woche weiter und werden am Freitagabend abgeschlossen. Von Mittwoch bis Freitag findet das "High-Level Segment" der Konferenz statt, zu dem zahlreiche Ministerinnen und Minister aus der ganzen Welt erwartet werden.


Samstag, 24. Mai, 10:43 Uhr

Merkel dringt auf Erfolg der Bonner Weltnaturschutzkonferenz

Berlin/Bonn (ddp-nrw). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf einen Erfolg der Bonner Weltnaturschutzkonferenz. In ihrer am Samstag im Internet veröffentlichten wöchentlichen Video-Botschaft verwies die Kanzlerin darauf, dass auf der Welt derzeit etwa 16 000 Arten vom Aussterben bedroht seien. «Damit bringen wir unsere natürlichen Lebensgrundlagen in Gefahr», warnte sie.

Um diese Lebensgrundlagen für die Zukunft zu erhalten, habe man auch in Deutschland «noch sehr viel zu tun», mahnte Merkel und forderte, den Flächenverbrauch hier zu Lande zu verringern. «Jeden Tag verbrauchen wir etwa 100 Hektar neuer Fläche und nehmen damit den Tieren und Pflanzen Lebensraum», beklagte die Regierungschefin. Dies müsse sich ändern.

International gehe es bei der Konferenz darum, Fortschritte bei der Ausweisung von globalen Naturschutzgebieten zu erzielen, fügte die CDU-Politikerin hinzu. Wenn die Konferenz ein Erfolg sein solle, müssten bis 2010 ein weltweites Netz ländlicher Naturschutzgebiete und bis 2012 ein Netz maritimer Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Nur so könne es gelingen, «den Schutz der Arten zu verbessern und das Sterben der Arten zu verhindern».


24. Mai, 2008

Kanzlerin warnt vor Gefährdung der Lebensgrundlagen

Berlin (AP) - Vor der Gefährdung von Lebensgrundlagen als Folge des Artensterbens hat Bundeskanzlerin Angela Merkel gewarnt. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft sagte sie am Samstag, derzeit seien weltweit 16.000 Arten vom Aussterben bedroht. Der Erhalt der Artenvielfalt gehöre wie der Klimaschutz zu den «Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen». «Glücklicherweise hat sich das Bewusstsein hier sehr gewandelt und die Menschen sind aufmerksamer geworden,» sagte die Kanzlerin.

Sie bezog sich dabei auf die laufende Artenschutzkonferenz der Vereinten Nationen in Bonn. Am Mittwoch werde sie den Schlussteil mit der Teilnahme der zuständigen Minister der Teilnehmerstaaten eröffnen. Etwa 5.000 Menschen nähmen an dieser Konferenz teil. Vertreter der Regierungen, die miteinander verhandelten, genauso wie Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, die ihren Beitrag zum Gelingen dieser Konferenz leisteten.

Deutschland habe beim Artenschutz noch sehr viel zu tun, sagte die Kanzlerin. So sei es bisher noch nicht gelungen, den Flächenverbrauch vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. «Das heißt: Jeden Tag verbrauchen wir etwa 100 Hektar neuer Fläche und nehmen damit den Tieren und Pflanzen Lebensraum. Dieses muss sich ändern und das ist der zentrale Inhalt unserer nationalen Strategie zum Erhalt der Biodiversität.»

International geht es bei der Konferenz darum, bei der Ausweisung von globalen Naturschutzgebieten Fortschritte zu erzielen. Nur dann, wenn Natur sich wieder erholen könne, sei es möglich, die Artenvielfalt auch auf Dauer zu erhalten.

Wenn aber alle drei Jahre Regenwald zum Beispiel in der Größe von Deutschland abgeholzt werde, dann ist das ein Zustand, der sich dringend ändern müsse. «Wenn die Konferenz ein Erfolg sein soll, dann müssen wir bis 2010 ein Netz von ländlichen Naturschutzgebieten weltweit ausweisen und ein maritimes Netz von Naturschutzgebieten bis 2012.»


Freitag, 23. Mai, 19:58 Uhr

Naturschutz-Bundesamt fordert Ausbau der Wildnisflächen

Essen (ddp). Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, plädiert für den deutlichen Ausbau der Wildnisgebiete in Deutschland. «Ein Ziel sollte es sein, zwei Prozent der Landesfläche zu Gebieten zu machen, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt», sagte Jessel der «Neuen Rhein/Ruhr Zeitung» (Samstagausgabe). Damit müsste die derzeitige Fläche der deutschen Wildnisgebiete verzehnfacht werden. Jessel forderte zudem einen raschen Abschluss der ressortübergreifenden Abstimmungen zum Umweltgesetzbuch: «Wenn das nicht bis Ende 2009 in Kraft tritt, droht uns eine gnadenlose föderale Zersplitterung beim Umweltrecht», warnte sie.


Freitag, 23. Mai, 14:07 Uhr

Zoos wollen ihre Besucher verstärkt für Artenschutz sensibilisieren

Frankfurt/Main (ddp-hes). Angesichts des dramatischen Artensterbens auf der Erde wollen die Zoos in Deutschland ihre Besucher verstärkt für den Erhalt der biologischen Vielfalt sensibilisieren. Es gehe in den Tierparks nicht mehr nur darum, Wissen über einzelne Arten, sondern auch deren Bedeutung innerhalb eines Ökosystems zu vermitteln, sagte die Präsidentin des Verbands Deutscher Zoodirektoren (VDZ), Gisela von Hegel, am Rande der Jahrestagung des Verbands am Freitag in Frankfurt am Main.

Hegel verteidigte den von einigen Zoos geförderten Medienrummel um Eisbärenbabys. Junge Eisbären seien hervorragende Botschafter für den Artenschutz, weil sie viele Menschen emotional ansprächen, meinte Hegel.

Im vergangenen Jahr zählten die zum VDZ gehörenden 42 deutschen Tierparks zusammen rund 32 Millionen Besucher. «Damit hatten wir dreimal mehr Besucher als die gesamte Fußball-Bundesliga», betonte Verbandsvize Thomas Kauffels.







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