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Aktuell

UN-Artenschutzkonferenz (4)

29. Mai, 2008

UN-Weltnaturschutzkonferenz geht zu Ende

Bonn (ddp-nrw). In Bonn geht am Freitag die neunte UN-Weltnaturschutzkonferenz zu Ende. Seit dem 19. Mai diskutierten mehr als 5000 Experten aus 191 Staaten, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen UNO-Konvention zur Artenvielfalt bestellt ist. Die auch von Deutschland ratifizierte Vereinbarung soll den Erhalt der biologischen Vielfalt und ihre nachhaltige Nutzung gewährleisten. Damit soll auch ein gerechter Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt gewährleistet werden. Seit Mittwoch sind auch Minister und Regierungsvertreter aus rund 200 Ländern in die Gespräche eingebunden.

Im Rahmen der Konferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein verstärktes Engagement Deutschlands für den Schutz bedrohter Lebensräume angekündigt. So werde die Bundesrepublik von 2009 bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den internationalen Wald- und Artenschutz zur Verfügung stellen. Ab 2013 werde jährlich eine halbe Milliarde Euro für diesen Zweck aufgebracht.

Umweltschutzverbände bezeichneten Merkels Ankündigung als wichtiges Signal, dem aber weitere Maßnahmen zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume folgen müssten.


30. November, 2008

«Wir brauchen bis zu 30 Milliarden Euro im Jahr»

Berlin (ddp). Der Sprecher der Naturschutzorganisation WWF in Deutschland, Ralph Kampwirth, hat die Ergebnisse der Bonner UN-Naturschutzkonferenz als ungenügend bezeichnet. Im Moment bewege sich die Staatengemeinschaft im «Schneckentempo, und so gelingt es uns nicht, das Artensterben aufzuhalten», sagte Kampwirth am Freitag im RBB-Inforadio. Es mangele für dieses Ziel massiv an Geld: «Wir brauchen bis zu 30 Milliarden Euro im Jahr, um Schutzgebiete weltweit in den Meeren und an Land zu finanzieren.» Bislang würden jährlich lediglich 4 bis 6 Milliarden Euro aufgewendet.

Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigte Geld für den Waldschutz sei zwar ein «gutes Signal», aber nicht ausreichend. «Es müssen auch weitere Länder Gelder geben, und es muss auch von Deutschland auf Dauer sicher noch mehr Geld geben», sagte Kampwirth.

An die Adresse reicher Länder gewandt sagte Kampwirth: «Generell gilt für die wohlhabenden Länder, dass wir den ärmeren Ländern unbedingt helfen müssen beim Naturschutz, schlicht auch, weil wir davon profitieren.» Wenn es beispielsweise gelinge, die Regenwälder zu retten, «tun wir auch ganz viel gegen den Klimawandel.» Der Waldverlust sei «ein wesentlich wichtigerer Faktor für den Klimawandel als der Verkehr.»

In Bonn geht am Freitag die neunte UN-Weltnaturschutzkonferenz zu Ende. Seit dem 19. Mai diskutierten mehr als 5000 Experten aus 191 Staaten, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen UNO-Konvention zur Artenvielfalt bestellt ist. Auf der Konferenz hatte Merkel ein verstärktes Engagement Deutschlands für den Schutz bedrohter Lebensräume angekündigt. So werde die Bundesrepublik von 2009 bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den internationalen Wald- und Artenschutz zur Verfügung stellen. Ab 2013 werde jährlich eine halbe Milliarde Euro für diesen Zweck aufgebracht.


UN-Naturschutzkonferenz hat Bremser und Vorreiter

Norwegen und Deutschland gehen als Geldgeber für Urwaldschutz voran. Kanada, Brasilien und EU blockieren Pflanzverbot gentechnisch veränderter Bäume

BUND Pressemitteilung, 29.5.08

Bonn/Berlin: Einen Tag vor Ende der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und sein internationales Netzwerk Friends of the Earth International (FOEI) den bisherigen Verlauf der Beratungen bewertet. Die Verbände begrüßten die Zusagen Norwegens und Deutschlands zur Finanzierung des globalen Urwaldschutzes. Industriestaaten wie Italien und Großbritannien hätten sich solchen Initiativen bislang leider verweigert. Trotzdem sei eine Vielzahl von Dokumenten inzwischen unterschriftsreif. Bei Kernthemen wie der nachhaltigen Nutzung der Wälder, der Verbindlichkeit internationaler Regeln zum gerechten Vorteilsausgleich oder den Einzelheiten der Schutzgebietseinrichtung sei jedoch noch keine Einigung erzielt worden. Die Umweltorganisationen hoffen, dass es hier bis Konferenzende noch Fortschritte gebe.

Die FOEI-Vorsitzende Meena Raman warnte die Industrieländer vor einer Steigerung ihrer Agrospritimporte. Dies zöge einen weltweit unkontrollierten Biomasseanbau auf Kosten des Regenwaldes und der Artenvielfalt nach sich. „Die Urwälder sind nicht nur für die Tiere und Pflanzen sondern auch für uns Menschen überlebenswichtig. Sie dürfen nicht dem Energiehunger der Industriestaaten geopfert werden“, sagte sie. Raman forderte die Industriestaaten zur Steigerung ihrer Energieeffizienz und zu Energieeinsparungen auf.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger rügte die Blockadehaltung Kanadas, Brasiliens und der EU beim Verbot der Anpflanzung gentechnisch veränderter Bäume. „Gentech-Bäume zu pflanzen ohne das Geringste über die Gefahren für Flora und Fauna zu wissen, ist ein untragbares Risiko“, sagte Weiger. Bisher hätten sich nur die afrikanischen Staaten gegen die Pflanzung von Gentech-Bäumen positioniert. Scharf kritisierte der BUND-Chef die Delegation der Europäischen Union, die sich dem Auftrag des Europaparlaments widersetzt habe, gegen das Anpflanzen von Gentech-Bäumen zu stimmen. „Das Verhalten der europäischen Delegierten ist vollkommen inakzeptabel. Damit das Moratorium für gentechnisch veränderte Bäume von den Teilnehmerstaaten verabschiedet werden kann, muss die EU-Delegation ihre Haltung ändern und den Parlaments-Auftrag einhalten.“

Der BUND forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, sich mit großzügigen Geldgeschenken von Verpflichtungen im eigenen Land freikaufen zu wollen. Den globalen Artenschwund könne Deutschland am wirksamsten bekämpfen, wenn es seine eigenen Hausaufgaben mache. Dazu gehöre die Ausweisung und Verknüpfung weiterer Schutzgebiete u. a. für Buchenwälder, die Erstellung von Managementplänen für Schutzgebiete in Deutschland, die Festlegung ökologischer Standards für die Landwirtschaft und der konsequente Einsatz für ein europäisches Urwaldschutzgesetz. Dem Klimawandel müsse mit der entschlossenen Minderung der CO2-Emissionen bei der Energieerzeugung und beim -verbrauch sowie mit strengen Vorgaben für die Auto- und Flugzeugindustrie begegnet werden. Die Verschiebung der Kabinettsentscheidung über das „Zweite Klimaschutzpaket“ sei dabei kein gutes Signal.


Unterstützung für indigene Interessen bei Naturschutzkonferenz

Wieczorek-Zeul sieht Indigene durch Biopiraterie besonders betroffen

BMZ Pressemitteilung, 29.5.08

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat Vertreterinnen und Vertretern von indigenen Völkern aus Asien, Lateinamerika und Afrika Unterstützung für Ihre Anliegen bei der Bonner Naturschutzkonferenz zugesichert: "Biodiversität bedeutet mehr als Artenschutz. Es geht um die Menschen! Der Erhalt der Biodiversität ist eine Voraussetzung, damit Indigene ihre Entwicklungschancen nutzen können. Ihr traditionelles Wissen über den Nutzen von Tieren und Pflanzen ist gleichzeitig eine wichtige Grundlage für Erhalt von Biodiversität." Die Rechte von Indigenen Völkern seien besonders durch Biopiraterie berührt.

Die Ministerin hob die Bedeutung von indigenem Wissen als Kernelement für die Nutzung der Biodiversität hervor: "Ohne indigenes Wissen würden viele nützliche Elemente der Natur unerkannt bleiben. Als Eigentümer dieses Wissens müssen Indigene auch am Gewinn beteiligt werden, wenn Unternehmen kommerzielle Vorteile aus diesem Wissen ziehen. Wir helfen Indigenen mit unseren Entwicklungsprojekten, sich gegen Biopiraterie zu wehren."

Wie genau der gerechte Vorteilsausgleich in einem künftigen Regime unter der Biodiversitäts-Konvention gestaltet wird, soll im Rahmen des Bonner Mandats bis 2010 ausgearbeitet werden. Dabei hat sich Deutschland erfolgreich für eine Expertengruppe zur Frage eingesetzt, wie die Rechte der Indigenen und ihr traditionelles Wissen im ABS-Regime am besten geschützt werden können.

Wieczorek-Zeul unterstrich das Ziel, bis 2010 ein weltumspannendes Schutzgebietsnetzwerk zu errichten. Sie betonte jedoch: "Schutzgebiete müssen so eingerichtet werden, dass eine nachhaltige Nutzung durch die dort lebenden Indigenen möglich bleibt. Naturschutz darf nicht auf Kosten deren gehen, die in ihrer Tradition die Natur schon immer geschützt haben."

Die Ministerin wertete es als Erfolg der Verhandlungen, dass in Schutzgebieten künftig vermehrt auch nachhaltige Nutzung zugelassen wird und die Bedeutung von "Community Conserved Areas", durch Indigene selbst geschützte Gebiete, hervorgehoben wurde. Das Entwicklungsministerium fördert mit seinen Programmen indigene und lokale Gemeinschaften konkret bei der Wahrung ihrer traditionellen Rechte. So beispielsweise in Kamerun, wo indigene Gemeinschaften darin unterstützt werden, den Gebrauch natürlicher Ressourcen gemäß ihrer traditionellen Praktiken zu dokumentieren. Auf dieser Basis können die Indigenen ihre Gewohnheitsrechte in lokalen Schutzgebieten sichern und sich aktiv in deren Management einbringen.

Auf Initiative Deutschlands wurde am heutigen Vormittag erstmals einer Indigenenvertreterin ein Zeitfenster im Ministerteil einer Biodiversitäts-Konferenz eingeräumt. Im Vorfeld hatte das Bundesentwicklungsministerium ein Vorbereitungstreffen der Indigenen in den Bonner Räumlichkeiten des BMZ kofinanziert, bei dem die indigenen Verhandlungspositionen für die Konferenz abgestimmt wurden. Es war das erste Mal, dass der Gastgeberstaat der Biodiversitäts-Konferenz ein solches Treffen ausgerichtet und sich mit Indigenen im Vorfeld der Konferenz über deren Positionen ausgetauscht hat. Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul traf Indigene am Rande der Konferenz zu Gesprächen und einer Podiumsdiskussion zur Bewertung der Konferenzergebnisse aus indigener Sicht.


Neue umfangreiche Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen

BMU Pressemitteilung, 29.5.08

Heute wurden in Bonn auf der 9. UN-Naturschutzkonferenz die ersten Ergebnisse einer neuen umfangreichen Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen vorgestellt. Die Studie Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität (The Economics of Ecosystems and Biodiversity – TEEB) wurde von dem Ökonomen Pavan Sukhdev von der Deutschen Bank präsentiert. Die Studie war von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und EU-Umweltkommissar Stavros Dimas 2007 nach einer Konferenz in Potsdam in Auftrag gegeben worden. Die vorläufigen Ergebnisse sind Teil eines größeren Projekts, dessen Abschlussbericht 2009 vorliegen soll.

Auf der Pressekonferenz erklärte Umweltminister Gabriel: "Obwohl unser Wohlergehen völlig abhängig von diesen Dienstleistungen ist, die die Natur für uns bereitstellt, sind es in überwiegender Mehrheit Güter, für die es keine Märkte und daher auch keine Preise gibt. Dabei sollten wir wissen, dass wir mit der Vernichtung der biologischen Vielfalt die Datenbank der Natur unwiederbringlich Stück für Stück löschen. Es ist Zeit, dass wir die ökonomischen Konsequenzen unseres Handelns begreifen."

EU-Kommissar Dimas sagte: "Der Verlust der Artenvielfalt bedeutet eine genauso große Bedrohung wie der Klimawandel und muss umfassend angegangen werden. Ich bin dankbar, dass uns jetzt die ersten Ergebnisse der Studie vorliegen, die uns dabei helfen werden, angemessene Strategien zu entwickeln. Der Zwischenbericht zeigt, dass die Armen ungleich stärker vom Verlust der Artenvielfalt betroffen sind. Er unterstreicht auch unsere Unfähigkeit, diese Welt, die wir zukünftigen Generationen hinterlassen werden, zu schätzen und weist auf die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich hin."

Die Ursprünge dieser Studie lassen sich zu dem Treffen der G8 +5 Umweltminister im März 2007 in Potsdam im Rahmen der deutschen EU Präsidentschaft zurückverfolgen, wo sich die Minister mit dem wirtschaftlichen Wert der Artenvielfalt und von ökosystemaren Dienstleistungen sowie den langfristigen Folgen des fortschreitenden Verlusts der Biodiversiät beschäftigten.

Als Antwort auf die Gespräche in Potsdam rief Umweltminister Gabriel gemeinsam mit EU-Kommissar Stavros Dimas die Initiative Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität (TEEB) ins Leben. Für die Leitung der Studie konnte Pavan Sukhdev, ein hochrangiger Mitarbeiter der Deutschen Bank, gewonnen werden.

Sowohl Umweltminister Gabriel als auch EU-Kommissar Dimas erklärten, dass sie, nachdem sie den Zwischenbericht gelesen hatten, mehr den je von der Notwendigkeit überzeugt seien, dass Regierungs- und Firmenpolitik den wahren wirtschaftlichen Wert der Artenvielfalt widerspiegeln müsse. Beide beglückwünschten außerdem Pavan Sukhdev zu seinen bisherigen Anstrengungen.

Gabriel und Dimas bekräftigten ihre Unterstützung für die zweite Phase der Studie. Beide sind der Meinung, dass dies einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der Ziele der CBD leisten wird. Sie betonten den globalen Charakter der Arbeit und verliehen ihrem Wunsch Ausdruck, dass die zweite Phase eng mit der neuen "Intergovernmental Science Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services" verbunden sein sollte.

Ökosystemare Dienstleistungen von Holz über Nahrung, Wasserreinigungsfunktion bis hin zur Klimaregulierung werden uns von der Natur kostenlos bereitgestellt. Diese Dienstleistungen werden derzeit noch von den konventionellen Wirtschaftssystemen ignoriert, ihr weltweiter Rückgang wird jedoch weithin anerkannt. Die TEEB Studie ist ein Versuch einen Rahmen zu finden der sicherstellen soll, dass ihr Wert berücksichtigt wird und der ihren Verlust eindämmen soll.

Die Europäische Kommission hat sich dazu verpflichtet, den Verlust der Artenvielfalt in Europa bis 2010 aufzuhalten. Weitere Informationen:

Zwischenbericht der Studie "Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität" und Presse-Hintergrundpapiere in deutsch, englisch, arabisch und chinesisch


Unternehmen verpflichten sich zum Schutz der Biodiversität

"Business and Biodiversity Initiative" auf UN-Naturschutzkonferenz vorgestellt

BMU Pressemitteilung, 29.5.08

34 international agierende Unternehmen haben sich heute im Rahmen der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn dazu verpflichtet, dem Schutz der biologischen Vielfalt einen wichtigen Stellenwert in ihrer Geschäftspolitik einzuräumen. "Das ist ein wichtiges Signal. Denn wie beim Klimaschutz gilt auch beim Erhalt der biologischen Vielfalt: Wir werden nur dann unsere ambitionierten globalen Ziele erreichen, wenn wir die Wirtschaft mit einbeziehen. Ich bin den beteiligten Unternehmen deshalb sehr dankbar für ihr Engagement. Und natürlich ist die Initiative offen für weitere Mitglieder aus dem In- und Ausland - für Mittelständler genauso wie für große Konzerne", sagte Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium.

Die "Business and Biodiversity iusInitiative" wurde im vergangenem Jahr von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ins Leben gerufen. Die Unternehmen, die der Initiative beigetreten sind, unterzeichnen eine "Leadership-Erklärung" und verpflichten sich damit, den Erhalt der Biodiversität künftig in ihrer Geschäftspolitik zu verankern. Die Bandbreite der beteiligten Firmen reicht dabei von Tourismus, Holzwirtschaft und Baubranche bis zu Finanzdienstleistungen, Lebensmittelwirtschaft und Naturkosmetik. Bislang unterstützen Firmen aus Deutschland, Brasilien, Finnland, Japan, der Schweiz und den USA die Initiative.

"Bereits bei der letzten UN-Naturschutzkonferenz in Brasilien wurde 2006 festgehalten, dass der Artenschwund nur dann verlangsamt werden kann, wenn Unternehmen ökologisch verantwortlich wirtschaften. Heute, zwei Jahre später, können wir sehen, dass aus dem politischen Anspruch konkretes Handeln wird", sagte Machnig. "Die Erfahrungen, die die Mitglieder der Initiative bisher mit dem Komplex Biodiversität sammeln konnten, sind sehr unterschiedlich. Daher legt jedes Unternehmen seine eigenen Schritte und Ziele fest und gestaltet die Leadership-Erklärung individuell aus. Es geht hier nicht darum, bereits perfekt zu sein. Die Firmen leisten Pionierarbeit, denn sie sind bereit, sich auf einen Prozess einzulassen."

Die Aktivitäten der Unternehmen sind vielfältig: Einige Firmen haben sich dafür entschieden, zu-nächst das eigene Umweltmanagement zu verbessern, andere unterstützen konkrete Aktivitäten zum Erhalt der Biodiversität.

Das Bundesumweltministerium plant, diese Initiative im Rahmen seiner CBD-Präsidentschaft bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2010 weiter voranzutreiben.


„Das Scheitern ist abgewendet“

Misereor-Umweltexpertin über die UN-Naturschutzkonferenz - Umweltschutzverbände kritisieren „Schneckentempo“

Von Joachim Heinz, dr,kna,ddp, 30.5.08

In Bonn endet heute die neunte UN-Weltnaturschutzkonferenz. Seit dem 19. Mai diskutierten mehr als 5000 Experten aus 191 Staaten, wie es um die Umsetzung der 1993 in Kraft getretenen UNO-Konvention zur Artenvielfalt bestellt ist. Misereor-Umweltexpertin Mute Schimpf hat die Verhandlungen im Auftrag des Bischöflichen Hilfswerks begleitet. Eine Bilanz.

KNA: Frau Schimpf, Bundeskanzlerin Angela Merkel will ab 2013 jährlich eine halbe Milliarde Euro für den Wald- und Artenschutz in der Welt ausgeben. Ist das die ersehnte Wende im Umgang mit den natürlichen Ressourcen?

Schimpf: Mit dieser Ankündigung auf der UN-Naturschutzkonferenz hat die Bundeskanzlerin sicherlich ein deutliches Signal in die richtige Richtung gesetzt. Schließlich hatten die ärmeren Länder die reichen Industrienationen in der Vergangenheit immer wieder dazu aufgefordert, endlich einmal Geld auf den Tisch zu legen.

KNA: Aber?

Schimpf: Aber das allein reicht nicht aus. Aus entwicklungspolitischer Sicht müssen bei der Einrichtung von Naturparks und Schutzgebieten von Beginn an die Menschen vor Ort an der Planung und Umsetzung beteiligt werden. Nur so kann der Erhalt von Ökosystemen wirklich funktionieren. Es ist deswegen ein echter Erfolg, dass eine entsprechende Bestimmung Einzug in das Arbeitsprogramm für die Einrichtung von Schutzgebieten gefunden hat. Die Belange der indigenen Gemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, können auf diese Weise besser gewahrt werden.

KNA: Gilt das positive Urteil auch für andere Bereiche?

Schimpf: Leider nicht. Im Agrarsektor konnten beispielsweise keinerlei Fortschritte erzielt werden. Anstatt die biologische Vielfalt bei Nutzpflanzen und -tieren zu fördern, ist es bei netten Absichtserklärungen geblieben. So werden zum Beispiel die Futtertröge von Schweinen und Hühnern in Europa wohl weiterhin mit Soja aus Südamerika gefüllt. Der Anbau von Sojabohnen ist jedoch eine der Hauptursachen für die Zerstörung der Regenwälder in Brasilien und Paraguay. Dabei könnte durch den Anbau von Bohnen und Erbsen auf deutschen Feldern als Soja-Ersatz die Vielfalt in der einheimischen Landwirtschaft gefördert und gleichzeitig der Verlust von weiteren Waldflächen verhindert werden. Hierzu wäre jedoch ein echter Paradigmenwechsel nötig gewesen - was nicht zuletzt am Widerstand der Agrarlobby gescheitert ist.

KNA: Wirtschaftliche Interessen dürften auch bei der Diskussion um die sogenannte Biopiraterie eine Rolle gespielt haben.

Schimpf: Erklärte Absicht der Artenschutzkonvention war es von Anfang an, auch die Herkunftsländer pflanzlicher Rohstoffe an den Gewinnen zu beteiligen, die sich beispielsweise durch deren Einsatz in der pharmazeutischen Industrie ergeben. Es geht um ein gigantisches Geschäft: Über die Hälfte aller Medikamente weltweit werden auf biologischer Basis hergestellt. Die meisten dafür benötigten Substanzen stammen von der südlichen Erdhalbkugel. Mitte der 90er-Jahre haben deswegen viele Entwicklungsländer gesetzliche Regelungen erlassen, um an den Erlösen zu partizipieren. Problem ist, dass es bislang in keinem einzigen Industrieland vergleichbare Bestrebungen gab.

KNA: Und das soll nun nach Bonn anders werden?

Schimpf: Zumindest gibt es erstmalig eine von allen Staaten getragene Vereinbarung, dass es völkerrechtlich verbindliche Absprachen zu diesem Komplex geben kann. Aber bis dahin war es ein weiter Weg. Mit Hängen und Würgen wurde diese immer noch sehr vage Formulierung akzeptiert. Eigentlich geht es um eine Selbstverständlichkeit: Bevor der Zugang zu natürlichen Ressourcen gewährt wird, muss das Einverständnis der betroffenen Länder vorliegen. In Deutschland geht ja auch niemand in einen fremden Obstgarten, erntet dort die Apfelbäume ab, um dann dem Besitzer eventuell in einigen Jahren eine Gebühr zu zahlen.

KNA: Euphorie ist also fehl am Platze?

Schimpf: Das Scheitern ist abgewendet worden. Erst als die Gruppe der „mega-diversen Staaten“, also der Länder mit besonders großer Artenvielfalt, mit dem Abbruch der Gespräche drohte, kam überhaupt Bewegung in die Verhandlungen. Jetzt bleiben gerade einmal anderthalb Jahre Zeit, um ein internationales Regelwerk auszuarbeiten. Denn 2010 steht bereits die nächste UN-Naturschutzkonferenz im japanischen Nagoya an.

KNA: Glauben Sie, dass Nagoya an die in Bonn erzielten Fortschritte anknüpfen kann?

Schimpf: Ich hoffe es. Allerdings gehörte Japan gerade in der Debatte um zusätzliche Schritte im Kampf gegen die Biopiraterie zu den hartnäckigsten Verteidigern des Status Quo.

Die auch von Deutschland ratifizierte Vereinbarung soll den Erhalt der biologischen Vielfalt und ihre nachhaltige Nutzung gewährleisten. Damit soll auch ein gerechter Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt gewährleistet werden. Seit Mittwoch sind auch Minister und Regierungsvertreter aus rund 200 Ländern in die Gespräche eingebunden.

Im Rahmen der Konferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein verstärktes Engagement Deutschlands für den Schutz bedrohter Lebensräume angekündigt. So werde die Bundesrepublik von 2009 bis 2012 zusätzlich 500 Millionen Euro für den internationalen Wald- und Artenschutz zur Verfügung stellen. Ab 2013 werde jährlich eine halbe Milliarde Euro für diesen Zweck aufgebracht.

„Staatengemeinschaft im Schneckentempo“

Umweltschutzverbände bezeichneten Merkels Ankündigung als wichtiges Signal, dem aber weitere Maßnahmen zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume folgen müssten.

Der Sprecher der Naturschutzorganisation WWF in Deutschland, Ralph Kampwirth, hat die Ergebnisse der Bonner UN-Naturschutzkonferenz als ungenügend bezeichnet. Im Moment bewege sich die Staatengemeinschaft im „Schneckentempo, und so gelingt es uns nicht, das Artensterben aufzuhalten“, sagte Kampwirth am Freitag im RBB-Inforadio.

Es mangele für dieses Ziel massiv an Geld: „Wir brauchen bis zu 30 Milliarden Euro im Jahr, um Schutzgebiete weltweit in den Meeren und an Land zu finanzieren.“ Bislang würden jährlich lediglich 4 bis 6 Milliarden Euro aufgewendet.







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