AktuellRote Liste wird länger
Dienstag 18. November 2003, 10:22 Uhr 12.000 Tiere und Pflanzen bedrohtGenf (pte) - Der offizielle Katalog der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ist um weitere 2.000 Arten auf weltweit 12.000 Spezies erweitert worden. Das berichtet die World Conservation Union IUCN in ihrer jüngsten Aussendung. Besonders kritisch sieht es in den entlegensten Gebieten der Erde aus. Dort bedrohen artfremde, eingeschleppte Spezies die heimische Tier- und Pflanzenwelt.Nach Berechnungen der IUCN sind seit dem Jahr 1500 762 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. Weitere 58 Spezies konnten nur als kultivierte Arten oder in Gefangenschaft überleben. Die Liste der derzeit gefährdeten Arten gibt Achim Steiner, Direktor der IUCN, mit 12.259 Spezies an. Gründe für das Schwinden der Arten liegen in erster Linie in der biologischen Invasion nicht heimischer Tiere und Pflanzen. Besonders gefährdet sind Inseln wie etwa Ascension, St. Helena, Tristan da Cunha und die Falkland Inseln im südlichen Atlantischen Ozean. Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch die heimischen Pflanzen Hawaiis wieder durch Bioinvasoren stark unter Druck. "Gebiete wie die Galapagos Inseln, die Seychellen oder Hawaii sind aufgrund ihrer einzigartigen Fauna und Flora so schön. Die Diversität von verschiedenen endemischen Lebewesen ist ein wesentlicher Bestandteil", so Steiner. Die Galapagos Inseln sind durch Schnecken, Ziegen und nicht-heimische Feuerameisen extrem bedroht. Steiner räumt zwar ein, dass verschiedene Schutzprogramme einige Arten vor dem Verschwinden geschützt haben. Dennoch wird die Zahl der gefährdeten Arten immer größer. In Asien ist etwa der Mekong-Flusswels, der bis zu drei Meter lang wird, gefährdet, im Mittelmeer ist der Delfin vom Aussterben bedroht. Die meisten Vögel und andere Landtiere sind in Indonesien, Indien, Brasilien, China und Peru gefährdet. Die Biodiversität von Pflanzen ist am meisten in Ecuador (mehr als 1.100 Pflanzen stehen auf der Roten Liste), Malaysia, Indonesien, Brasilien und Sri Lanka bedroht. Dienstag, 18. November 2003 Rote Liste immer längerWWF fordert angesichts 12.259 bedrohter Arten verstärkte SchutzmaßnahmenJetzt ist es amtlich: Der Guatemala-Brüllaffe, der Buschmannhase, der Mekong-Riesenwels und der Goldstirn-Klammeraffe sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Damit stehen Sie ganz oben auf der heute vorgelegten Roten Liste der bedrohten Arten, die im Hinblick auf den Erhalt der Biodiversität unseres Planeten ein ernüchterndes Bild zeichnet. Insgesamt ordnet die neueste Bestandsaufnahme der Weltnaturschutzunion (IUCN) inzwischen 12.259 Tier- und Pflanzenarten in neun Gefährdungskategorien ein. Das sind 1.092 mehr als im Jahr 2002. "Das heutige Artensterben ist 10.000 Mal schneller als das Grundrauschen der Evolution", erläutert Roland Melisch vom WWF Deutschland. Immer wieder seien neue Arten aufgetaucht und andere von der Erdoberfläche verschwunden, die Artenvielfalt habe jedoch niemals so rapide abgenommen wie heute. Der Artenschutzexperte nennt dafür drei Hauptgründe: Den Verlust der Lebensräume, etwa durch Abholzung von Wäldern oder Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Ansiedlung von invasiven Fremdarten, die heimische Flora und Fauna verdrängen, sowie die anhaltende Übernutzung von Tier- und Pflanzenarten. So sind die Beständen des Mekong-Riesenwels, bei dem es sich um einen der größten Süßwasserfische der Welt handelt, in den letzten 13 Jahren um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Heimisch ist dieser bis zu 300 Kilogramm schwere Fisch im Einzugsgebiet des Mekongflusses. Dort haben ihm Überfischung und die Verbauung der Flussauen so stark zugesetzt, dass er auf der neuen Roten Liste zu den unmittelbar vom Aussterben bedrohten Arten gezählt wird. Einziger Lichtblick für den WWF: Nach mehr als 30 Jahren intensiver Schutzbemühungen hat sich der Bestand der in Brasilien heimischen Goldlöwenäffchen erholt und umfasst nach jüngsten Erkenntnissen wieder über 1.000 Exemplare. Deshalb werden die Äffchen, die in den 70er Jahren kurz vor der Ausrottung standen, auf der neuen Roten Liste lediglich als "stark gefährdet" eingestuft. WWF-Experte Roland Melisch: "Die Wiederaufforstung der verlorenen Lebensräume im brasilianischen Regenwald und die Einrichtung grüner Korridore zur Vernetzung der verbliebenen Refugien haben diesen Erfolg möglich gemacht. Wenn wir die jeweils notwendigen Schutzmaßnahmen nicht sofort weltweit zur Anwendung bringen, wird der Mensch auf diesem Planeten bald sehr einsam sein." Quelle/Text: WWF Dienstag 18. November 2003, 16:00 Uhr Immer mehr Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedrohtGenf (AP) Wer ist schneller, der Buschmannhase oder die Galapagos-Schnecke? Nach Einschätzung von Tierschützern bewegen sich beide Gattungen mit gleichhoher Geschwindigkeit auf ihr Aussterben zu. Und sie sind nicht allein: Gemäß der am Dienstag vorgestellten Roten Liste der Internationalen Union zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN) ist die Zahl der bedrohten Pflanzen- und Tierarten auf 12.259 gestiegen.2002 waren es noch 11.167 Arten. «Bei der Erfassung sämtlicher Arten kratzen wir noch an der Oberfläche», erklärte IUCN-Generaldirektor Achim Steiner bei der Vorstellung der Liste in Genf. «Dennoch sind unsere Zahlen ein guter Indikator für das, was mit unserer biologischen Vielfalt passiert.» Immerhin hatte die internationale Organisation mit Sitz in der Schweiz auch einige gute Nachrichten. Elf Arten, die zuvor als ausgestorben galten, wurden wiederentdeckt. Darunter eine grüne Motte, die in Hawaii auftauchte. Die Rote Liste wird von 7.000 Experten in nahezu jedem Land der Erde erstellt. In den vergangenen 500 Jahren sind den Untersuchungen zufolge 762 Arten verschwunden, 58 weitere gibt es nur noch in künstlichen Umgebungen wie Zoos. Unter den neuen bedrohten Arten ist der Buschmannhase aus Südafrika mit nur noch 250 Paaren. Die Hasen werden zur Beute von Jägern, Wildkatzen und Hunden. Zudem wird ihr Lebensraum immer knapper. Auf Hawaii, den Seychellen und den Galapagos-Inseln sind es Tierarten wie Schweine und Ziegen, die die Artenvielfalt bedrohen. Dabei überlebten die akut bedrohten winzigen Galapagos-Schnecken, die Charles Darwin einst sammelte, Vulkanausbrüche und extreme Trockenperioden. Die Schweine und Ziegen werden nur von den Menschen übertroffen. «Die Rote Liste zeigt, dass unsere Aktivitäten eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten zerstören, so dass die Inseln ökologisch und ästhetisch veröden», sagt Steiner. Verheerend wirken neben dem Tourismus insbesondere Wohnungsbauprojekte und die Landwirtschaft. Drei Spezies, die vor einem Jahr noch als gefährdet galten, sind mittlerweile in der Wildbahn ausgestorben, darunter die Sumpfschildkröte auf den Seychellen. Zudem wurden acht weitere Arten als ausgestorben einklassifiziert, von denen es schon seit längerem keine Spur mehr gibt. So wurde der Tasmanische Erdwurm in Australien zuletzt vor 32 Jahren gesichtet. Zu den in die Rubrik der bedrohten Tiere geratenen Arten gehört der südostasiatische Katzenwels. Mit einer Länge bis zu drei Metern ist er einer der größten Frischwasserfische. Wegen Überfischung und dem Kappen von Migrationsrouten durch Dämme ist der Bestand in den vergangenen 13 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Insgesamt haben die IUCN-Experten 18.000 Arten untersucht. Nach Ansicht von Wissenschaftlern muss noch weit mehr getan werden. Auf der Erde leben nach Schätzungen 14 Millionen Arten, von denen nur 1,75 Millionen dokumentiert sind. Viele von ihnen könnten aussterben, bevor sie identifiziert wurden. Naturschützer gehen davon aus, dass die Aussterberate bis zu 10.000 Mal höher liegt, als sie unter natürlichen Gegebenheiten liegen sollte. Das liefe darauf hinaus, dass in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts etliche Tierarten verschwinden würden. Hauptgrund ist der Mensch: Das Wachsen der Städte, Abholzung, Landwirtschaft und Fischerei sind für die IUCN die mit Abstand größten Gefährdungen für die natürliche Vielfalt. «Unser Handeln ist zwar der Hauptgrund für das Aussterben von Arten auf der Erde», sagt Steiner. «Aber die Menschen können ebenso dazu beitragen, dass bedrohte Arten sich wieder erholen.» » zurück |
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