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Bäume im Internet

www.bäume

Von Jakob Strobel y Serra, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2003

19. November 2003 Die Liebe des Deutschen zum Baum treibt sonderbare Blüten. Irgend jemand hat sich zum Beispiel einen "keltischen Baumkreis" ausgedacht, mit dessen Hilfe man persönliche Baumhoroskope erstellen kann. Gar nicht schlecht ist es, ein Zypressenmensch zu sein. Diese sind zwar "sprunghaft und widerspenstig und neigen zu Jähzorn und pedantischer Genauigkeit". Dafür sollen sie in der Liebe stürmisch und unersättlich sein. Solch esoterische Baumerkenntnisse findet man im Internet zuhauf, etwa auf spirituellen Seiten wie www.weltbaum.de, auf denen man außerdem lernt, wie man mit einem Baum Freundschaft schließt oder beim Meditieren selbst zum Baum wird.

Man kann sich im Netz aber auch seriös mit Bäumen beschäftigen, so auf der schönen Seite www.treeland.de, die erklärt, wie Bäume wachsen, wie sie Kohlendioxyd binden oder wie das Wasser in die Blätter kommt. Mit viel Aufwand und Liebe ist die private Homepage www.pilsak.de/Start.htm gemacht. Hier zeigt ein Baumverehrer, der gerne Nachrufe auf gefällte Bäume schreibt, unter anderem seine imposante Fotosammlung, verziert mit berühmten Baumzitaten. "Bäume sind Heiligtümer, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit", schrieb der unverwüstliche Hesse. "Habt Ehrfurcht vor dem Baum. Er ist ein einziges Wunder", mahnte Alexander von Humboldt.

Das Kettensägenbaumlexikon

Der Ruf wird gehört, und vor lauter Baum-Pages sieht man manchmal den virtuellen Wald nicht mehr. Ein "Kuratorium alte liebenswerte Bäume in Deutschland" (www.alte-baeume.de) will "die Verbindung zwischen Mensch und alten Bäumen festigen". Ein Dutzend "ehrwürdiger Bäume" wie den Florettseidenbaum oder die Zaubernuß stellt eine Baumschule vor, die sich auf ihrer Website hauptsächlich mit Gräsern befaßt (www.bambus.de/archiv/ehrwuerdige). Ein Verein kümmert sich um Bäume in der Stadt (www.stadtbaum.at), ein österreichisches Bundesamt hat ein "lebendiges Baumlexikon" gepflanzt (http:// fbva.forvie.ac.at/400/1486.html), und eine schweizerische Kleinstadt hat die einheimischen Baumarten samt einiger Immigranten wie dem chinesischen Flieder klassifiziert (www.brigga.ch/osbrig/baeume/uebersicht.htm). Das beste virtuelle Baumlexikon aber, das Alpen-Goldregen und Atlas-Zeder ebenso kennt wie Zerreiche und Zitterpappel, stammt pikanterweise von einem Unternehmen, das den Baumfreunden als Beelzebub des Baumes gilt: dem größten Kettensägenhersteller der Welt (www.stihl.de).


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