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Aktuell
Klimaschutz dringender denn je
Dienstag, 25. November 2003
Wissenschaftlicher Beirat bestätigt: Klimaschutz dringender denn je
Bulmahn und Trittin nehmen Gutachten "Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" entgegen
Anlässlich der Vorstellung des Sondergutachtens "Über Kyoto hinausdenken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) unterstreichen Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Notwendigkeit, schon heute Klimaschutzstrategien zu entwickeln, die über die in Kyoto gesteckten Ziele hinausreichen.
"Auch wenn es jetzt darauf ankommt, dass das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt und umgesetzt wird, müssen wir schon heute darüber nachdenken, wie die nächsten Schritte außehen", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin. "Mittel- und langfristig sind weit stärkere Emissionsminderungen notwendig, um Klimaänderungen wirksam zu verhindern. Das Gutachten bestärkt uns in dem Bemühen, ehrgeizigere Minderungsziele für die Europäische Gemeinschaft zu erreichen."
Trittin verwies darauf, dass die Koalitionsparteien sich darauf verständigt haben, für Deutschland bis 2020 eine Minderung des CO2-Ausstoßes um 40% gegenüber 1990 anzustreben, wenn die EU sich insgesamt zu einer Minderung um 30% verpflichtet und andere Staaten ähnlich ehrgeizige Ziele übernehmen." Das Gutachten zeige, dass ehrgeizige Klimaschutzziele technisch und wirtschaftlich machbar sind, so Trittin. Gerade die erneuerbaren Energien seien ein Beispiel dafür, wie Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern gleichzeitig vorangetrieben werden können. "Darum geht es bei der internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien "renewables2004", für deren Vorbereitung dieses Sondergutachten eine wichtige Grundlage bildet", so Trittin.
"Das WBGU-Gutachten verdeutlicht," so Bundesforschungsministerin Bulmahn, "welche Herausforderungen auf technologischem und sozioökonomischem Gebiet noch bewältigt werden müssen." Deutschland habe hierfür als Hochtechnologieland gute Voraussetzungen. Jetzt komme es darauf an, durch interdisziplinäre und innovative Konzepte in Forschung und Entwicklung möglichst schnell die Wege zu einem nachhaltigen Klimaschutz zu finden. Bulmahn kündigte an, dass die Forschung dabei verstärkt auch Strategien für Wirtschaft und Gesellschaft liefern solle. "Diese wichtige Herausforderung zum Schutze der Umwelt und für die nachhaltige Entwicklung wird die Bildungs- und Forschungspolitik annehmen", sagte Bulmahn.
Quelle/Text: BMU
Dienstag, 25. November 2003
NABU mahnt größere Anstrengungen beim Klimaschutz an
Tschimpke: Bundesregierung muss ihr klimapolitisches Profil schärfen
Der Naturschutzbund NABU hat stärkere Anstrengungen für den Klimaschutz angemahnt. Das heute vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) überreichte Gutachten unterstreiche, dass in diesem Jahrhundert ganz andere Kraftakte für den Klimaschutz notwendig seien, als sich das viele Politiker auch in der Bundesregierung gemeinhin vorstellten, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke: "Es ist zwingend notwendig, dass die Bundesregierung zukünftig in Sachen Klimaschutz Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert."
Nach Auffassung des NABU müsse die Bundesregierung ihr klimapolitisches Profil wieder mehr schärfen, um einer internationalen Vorbildfunktion weiter gerecht zu werden. "Eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz ist schnell verspielt, wenn auch aus den Reihen der Bundesregierung die Förderung Erneuerbarer Energien kritisiert wird und im nächsten Atemzug weitere Kohlesubventionen angekündigt werden", so Tschimpke. Eine Industrienation wie Deutschland sei als Motor internationaler Klimaschutzpolitik unverzichtbar.
Der NABU-Präsident beklagte, dass die Bundesregierung ihr Klimaschutzprogramm aus dem Jahr 2000 nur halbherzig umgesetzt habe und deshalb nun Gefahr laufe, ihr eigenes Ziel für 2005 nicht zu erreichen. Zudem lasse die Fortschreibung des Klimaschutzprogramms derzeit auf sich warten. Diese sei richtungsweisend bei der Frage, welchen Weg Deutschland in den kommen Jahren einschlage. "Wir werden sehr sorgfältig darauf achten, dass ehrgeizige Maßnahmen präzise formuliert und nicht wieder im Streit zwischen den Ressorts zerrieben werden", kündigte Olaf Tschimpke an.
Quelle/Text: NABU
Nur kompromissloser Klimaschutzhilft noch
Greenpeace-Online, 25.11.03
Hamburg (mir) - Oft kommen gerade die wichtigsten Ereignisse völlig unscheinbar daher. So geschehen am Dienstag in Berlin. In einer Pressekonferenz wurde der Bundesregierung - vertreten durch die Minister Jürgen Trittin (Umwelt) und Edelgard Bulmahn (Forschung) - ein Sondergutachten überreicht. Brisant daran ist der Inhalt: Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltverträglichkeit (WBGU) für die deutsche Klimapolitik in der nahen Zukunft.
Der WBGU hat sein Gutachten "Über Kyoto hinaus denken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" genannt. Mit "Kyoto" ist das internationale Klimaschutzabkommen gemeint, in dem sich die Industriestaaten verpflichten ihre Treibhausgase zu verringern. Und genau darum geht es: Der WBGU fordert die Politiker auf, schon jetzt bei den Entscheidungen zur Klimapolitik einen Zeitraum einzubeziehen, der weit über den im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Zeitrahmen (2012) hinaus geht. Denn die bislang anvisierten Klimaschutzziele reichen nach Auffassung der Wissenschaftler bei weitem nicht aus, um gefährliche Klimaveränderungen im 21. Jahrhundert abzuwenden.
Allein bis 2020 müssen die Industrieländer ihren Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um mindestens 20 Prozent verringern, fordert der WBGU in seinem Sondergutachten. "Im Kyoto-Protokoll haben sie sich aber nur verpflichtet, bis 2012 die Emissionen um lediglich 5 Prozent zu reduzieren", erklärt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace. "Das heißt, dass Kyoto ein erster kleiner Schritt ist."
Mit Nachdruck weisen die wissenschaftlichen Berater darauf hin, dass der Spielraum zur Vermeidung der Klimakatastrophe immer enger wird. So geht der WBGU davon aus, dass bei einer Temperaturveränderung von global durchschnittlich zwei Grad mit schlimmsten Klimafolgen zu rechnen sei. Doch dabei müsse berücksichtigt werden, dass seit der Industriellen Revolution und dem damit einhergehenden verstärktem Kohlendioxidausstoß die Durchschnittstemperatur bereits um 0,6 Grad angestiegen ist. Somit dürften nur noch maximal 1,4 Grad dazu kommen, sonst werde die Schranke zu den katastrophalen Folgen überschritten.
"Wir sind mittendrin im Klimawandel. Die diesjährige Hitzewelle in Europa hat die Flüsse und Bäche austrocknen lassen, zu enormen Dürreschäden in der Landwirtschaft geführt, Waldbrände angeheizt und die Alpengletscher wie Speiseeis schmelzen lassen", sagt Smid. "Weltweit sind die Folgen der Klimaerwärmung unübersehbar. Malaria, Hunger und Wassermangel werden in Zukunft noch viel mehr Menschen bedrohen, wenn wir den gefährlichen Klimawandel nicht stoppen."
Das Kyoto-Protokoll ist auch sechs Jahre nach seiner Unterzeichnung noch nicht rechtsverbindlich. Die wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung empfehlen deshalb die baldige Ratifizierung des Abkommens durch die immer noch zögernde Russische Förderation. Sie bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die USA in Zukunft wieder zur Unterstützung des Klimaschutzes zurückkehren könnte. Ermutigende Anzeichen dafür sehen sie in den Aktivitäten, die von einzelnen US-Bundesstaaten unternommen werden.
Eine Gelegenheit dafür, das Lenkrad in der weltweiten Klimapolitik spürbar herumzureißen, bietet sich den Politikern schon in wenigen Tagen. Vom 1. bis zum 12. Dezember findet dann die 9. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP9) in Mailand statt. Tausende Vertreter aus mehr als 180 Ländern werden zu dieser erneuten UN-Verhandlungsrunde erwartet. Dort steht die Ratifizierung von Russland im Vordergrund, ohne die das Kyoto-Protokoll nicht in Kraft treten kann. "Kyoto ist nicht tot", erklärt Smid, "auch wenn die Gegner des Abkommens jetzt schon anfangen, die Totenglocken zu läuten."
Die Gutachten-Seiten des WBGU
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