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1,6 Mio Tote durch Rauchabgase
Freitag 28. November 2003, 14:50 Uhr
Rauchabgase töten 1,6 Mio. Menschen jährlich
London (pte) - Rauchabgase durch offene Feuerstellen töten jährlich 1,6 Mio. Menschen. Nach Angaben der Intermediate Technology Development Group ITDG fordern Abgase alle 20 Sekunden ein Todesopfer, weltweit sind fast drei Mrd. Menschen in Entwicklungsländern betroffen. Ungefähr 2,4 Mrd. Menschen verbrennen Biomasse um zu kochen und zu heizen. Wenn Kohle mitgerechnet wird, sollen es sogar drei Mrd. sein, berichtet BBC-Online.
Nach Angaben der ITDG sind die Zahlen der Todesopfer durch Rauchgasvergiftung höher als die durch Malaria. Die Zahlen sind mit den Opferzahlen von verunreinigtem Trinkwasser und mangelnden sanitären Einrichtungen vergleichbar. Nach Berechnungen der UNO wirken ineffektive Heizöfen wie der Konsum von zwei Packungen Zigaretten täglich. Das Schreckliche an den Zahlen ist aber die Tatsache, dass von den 1,6 Mio. Menschen rund eine Mio. Kinder sind. Die Untersuchungen von ITDG haben ergeben, dass in vielen Haushalten die Grenzwerte von giftigen Abgasen um das 100-Fache überschritten werden. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen vermehrte Atemwegsinfektionen (Kinder sind zwei bis dreimal öfter davon betroffen), Tuberkulose, Asthma und in weiterer Folge auch Lungenkrebs. In China gibt es den Nachweis, dass Lungenkrebs direkt mit dem Verbrennen von Kohle in Verbindung steht.
Mehr als die Hälfte der Menschen, die mit Biomasse kocht, lebt in Indien und China. In 90 Prozent der Staaten südlich der Sahara wird mit offenem Feuer gekocht. In immer mehr Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in denen zu kommunistischen Zeiten Strom und Gas billig war, stieg die Bevölkerung nach dem Zerfall wieder auf Biomasse um. Allein in Tadschikistan ist die Zahl an akuten Atemwegsinfekten bei Kindern seit 1991 um 35 Prozent gestiegen. Die Gründe dafür liegen in erster Linie beim Umstieg auf Holzverbrennung innerhalb der Wohnräumlichkeiten.
Nach Angaben der ITDG könnte der Umstieg auf andere Brennstoffe die Opferzahlen deutlich reduzieren. Allerdings sind die finanziellen Kosten für die lokale Bevölkerung kaum tragbar. Eine Chance sehen die Experten allerdings darin, bessere Kamine zu konzipieren, die eine Schadstoffbelastung deutlich reduzieren könnten. Die Reduktion mit geeigneten Rauchabzügen könnte sogar 80 Prozent betragen. Die Kosten dafür werden von der ITDG auf etwa 2,5 Mrd. Dollar jährlich über einen Zeitraum von 12 Jahren veranschlagt. Cowan Coventry, CEO von ITDG, spricht von einem internationalen Skandal, wenn es um die weltweiten Todesopfer durch Abgase geht. "Die Technologie in diesen Ländern hat sich zum Großteil seit der Steinzeit kaum verändert. Sie verwandelt die Wohnungen in eine tödliche Falle für Frauen und Kinder." Coventry will fortan finanzielle Unterstützung von der WHO, der Weltbank und der US-Environmental Protection Society erhalten.
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