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Welt-AIDS-Tag

AIDS ist Gefahr für die Sicherheit

Wieczorek-Zeul: Krankheit ist Entwicklungshemmnis und bedroht Stabilität

30.11.03

Bonn/Berlin. - "AIDS ist weltweit zu einem der größten Entwicklungshemmnisse geworden und bedroht in vielen Entwicklungsländern mittlerweile die wirtschaftliche und soziale Stabilität." Dies hat Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember erklärt.

"Deshalb haben wir die AIDS-Bekämpfung zu einem der großen Schwerpunkte in unserer Entwicklungszusammenarbeit gemacht", betonte Wieczorek-Zeul. UNAIDS habe zusammen mit der WHO in dieser Woche die aktuellen AIDS-Zahlen veröffentlicht. Demnach seien heute weltweit 40 Mio. Menschen mit AIDS infiziert, darunter 2,5 Mio. Kinder unter 15 Jahren. Weltweit würden in diesem Jahr drei Millionen Menschen an AIDS sterben. "Jeder einzelne Fall ist eine menschliche Tragödie. Wenn aber - wie in einigen Regionen des südlichen Afrika - mehr als 30 Prozent der Bevölkerung mit AIDS infiziert sind, gefährdet dies zudem die Entwicklungschancen ganzer Länder."

Deshalb müssten alle zusammenarbeiten, um dieser Pandemie Einhalt zu gebieten: Alle Regierungen in den Industrie- und Entwicklungsländern, die internationalen Finanzinstitutionen, Nichtregierungsorganisationen, der globale Fonds zur Aidsbekämpfung - aber gerade auch die Pharmaunternehmen seien gefordert, so Wieczorek-Zeul.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit stellt laut BMZ jährlich 300 Mio. Euro für die AIDS-Bekämpfung zur Verfügung. Allein mit der bilateralen Hilfe ist Deutschland - nach Angaben von UNAIDS - bei der AIDS-Bekämpfung der drittgrößte Geber.

Zu den Schwerpunkten der AIDS-Bekämpfung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gehören vor allem Prävention und Aufklärung und der Aufbau des Gesundheitswesens. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen sich gar nicht erst mit AIDS infizieren. Das geht nur, wenn AIDS in den einzelnen Ländern kein Tabu mehr ist und sich auch die jeweiligen Regierungen dieser Aufgabe stellen", so die Ministerin. Notwendig sei aber genauso die Verfügbarkeit von kostengünstigen Medikamenten zur Behandlung von AIDS-erkrankten Menschen in Entwicklungsländern. Kombinationspräparate könnten die Behandlungschancen wesentlich verbessern. "Ich fordere die Pharmaindustrie auf, alles zu tun, damit in den Entwicklungsländern kostengünstige AIDS-Medikamente verfügbar sind."


Sonntag 30. November 2003, 15:33 Uhr

WHO mit neuer Aids-Strategie

Kapstadt/Nairobi/Berlin (dpa) - Angesichts neuer Rekordzahlen von Aids-Toten und HIV-Infektionen haben führende Politiker zu einem verschärften Kampf gegen die Immunschwächekrankheit aufgerufen. Zum Welt-Aids-Tag an diesem Montag brachen 80 hochrangige US-Politiker, Mediziner und private Geldgeber zu einer Reise durch Afrika auf.

Es ist die größte und bedeutendste Delegation dieser Art, wie es am Sonntag hieß. In Kapstadt in Südafrika traten bei einem der weltweit größten Aids-Benefiz-Konzerte internationale Stars wie US-Chart- Stürmerin Beyonce Knowles auf. Umjubelter Gastgeber war der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela, dessen einstige Häftlingsnummer 46664 das Motto für die Gala lieferte.

Weltweit tragen nach offiziellen Angaben rund 40 Millionen Menschen das HIV-Virus in sich, davon mehr als 25 Millionen allein in Afrika. In Deutschland sind rund 39 000 Menschen betroffen. Jüngsten Angaben zufolge sind noch nie so viele Menschen an Aids gestorben wie in diesem Jahr. Auch die Zahl der neuen HIV-Infektionen war nie höher. Das geht aus dem Jahresbericht des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.

Vor rund 40 000 Stadionbesuchern in Kapstadt und Millionen von Fernsehzuschauern in 166 Ländern rief der 85-jährige Mandela Politiker und Organisationen zum Handeln gegen Aids auf. «Ich war auf Robben Island inhaftiert, wo ich auf diese Nummer reduziert werden sollte. Auch HIV-Infizierte drohen zu Nummern zu werden, wenn wir nicht handeln.»

Der 80-köpfigen Afrika-Delegation gehören US-Gesundheitsminister Tommy Thompson, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, J.W. Lee, und der Diektor des UN-Aids-Programms, Peter Piot, an. Sechs Tage lang bereisen sie Kenia, Ruanda, Uganda und Sambia, wie Thompson am Frankfurter Flughafen sagte. Die Delegation hat 15 Milliarden Dollar (rund 12,5 Milliarden Euro) von US-Präsident George W. Bush im Gepäck.

Der «Global Aids Coordinator» der US-Regierung, Ex-Botschafter Randall Tobias, beschrieb das Ziel der Reise als «zuhören und lernen». Bevor das Geld in den nächsten fünf Jahren ausgeschüttet werde, wolle man sich über den Ist-Zustand von Prävention und Therapie informieren und klären, welche Hilfsmöglichkeiten langfristigen Erfolg versprechen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach von einer Geißel der Menschheit. «Trotz enormer Fortschritte bei der Entwicklung lebensverlängernder Medikamente bleibt Aids auf absehbare Zeit nicht heilbar. Prävention ist deshalb nach wie vor das Gebot der Stunde.» Die Bundesregierung beteilige sich mit jährlich 300 Millionen Euro an der weltweiten Bekämpfung der Immunschwächekrankheit und gehöre damit zu den größten Gebern.

Das Bundesforschungsministerium will die deutsche Aids-Forschung stärker vernetzen. «Wir müssen alle Chancen für schnelle Erfolge im Kampf gegen die tödliche Immunschwächekrankheit bündeln», sagte Ministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Sonntag in Berlin. Ein zentraler Schwerpunkt ist der Aufbau einer bundesweiten Datenbank. Die Krankheitsdaten der Patienten können den Angaben zufolge den Verlauf der HIV-Infektion aufdecken und damit die bekannten Therapien verbessern. In das Netzwerk mit Zentrale an der Universität Bochum sind auch städtische Krankenhäuser, Fachpraxen und niedergelassene Ärzte eingebunden.

Bis zum Jahr 2005 sollen drei Millionen Aids-Patienten lebensverlängernde Medikamente erhalten. Eine entsprechende Strategie will die WHO am Welt-Aids-Tag in Nairobi vorstellen. Unter anderem soll die Behandlung vereinfacht werden. Die Zahl der Therapien sei bereits von 35 auf 4 gesunken. Künftig sollen die verschiedenen Medikamente in einer einzigen Packung angeboten werden.

Nach WHO-Angaben brauchen insgesamt fünf bis sechs Millionen Menschen diese Medikamente. Bislang hätten jedoch nur etwa 400 000 von ihnen Zugang dazu. In Afrika, dem am stärksten betroffenen Kontinent, werden nur etwa ein Prozent der Infizierten mit Anti- Viren-Medikamenten behandelt.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Hilfsorganisation medico international kritisierten die Politik der Industrienationen als scheinheilig. Fehlende Einzahlungen der reichen Staaten in den globalen Fonds gegen Aids und ein starrer Patentschutz für Medikamente blockierten wirksame Hilfen, teilten die Organisationen in Frankfurt mit.


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