AktuellWeiter Gen-Moratorium
Montag 8. Dezember 2003, 15:22 Uhr EU-Ausschuss lässt umstrittene Gen-Pflanze nicht zuBrüssel (AFP) Die Europäische Union hält vorerst weiter an dem Moratorium für die Einführung von genveränderten Lebensmitteln fest. Für die Zulassung einer genetisch veränderten Süßmaissorte kam nicht die erforderliche Mehrheit im zuständigen Fachausschuss zustande, wie eine Sprecherin von Verbraucherkommissar David Byrne in Brüssel sagte. Damit geht die strittige Frage an die EU-Agrarminister, die binnen drei Monaten eine Entscheidung finden müssen.Im Fachausschuss für die Lebensmittelkette stimmten lediglich die Experten aus Spanien, Irland, Großbritannien, Schweden, Finnland und den Niederlanden für die Einführung von Maiskolben und Körnern aus der Maissorte Bt-11 von Syngenta. Genauso viele Länder stimmten dagegen, wie Byrne-Sprecherin Beate Gminder sagte. Deutschland, Belgien und Italien enthielten sich der Stimme. Der umstrittenen Maissorte der Schweizer Novartis-Nachfolgerin Syngenta wurde ein Gen eingebaut, das die Pflanze zur Produktion eines Insektengifts bringt. Mit dem Bt-Protein schützt sich der Mais selbst gegen den Raupenfraß seines ärgsten Feindes, des Maiszünslers. Zugelassen werden soll aber nicht das Saatgut, sondern der Speisemais. Hätte der EU-Ausschuss grünes Licht für dessen Einfuhr gegeben, stünde das Ende des de facto seit 1998 geltenden Moratoriums bevor. Das Gen-Moratorium stößt insbesondere bei der US-Regierung auf Unverständnis, die deshalb bei der Welthandelsorganisation WTO ein Verfahren gegen Brüssel anstrengte. Anfang November traten schließlich neue EU-Vorschriften über die Kennzeichnung und die Rückverfolgbarkeit von Gentech-Pflanzen in Kraft. Auf dieser Grundlage spricht sich die EU-Kommission nun auch die Zulassung des umstrittenen Bt-11-Maises aus. Können sich auch die EU-Minister nicht einigen, liegt die Entscheidung bei der Kommission, wie Kommissionssprecherin Gminder sagte. Der Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) legte in Berlin Vorschläge vor, wie gentechnikfreie Landwirtschaft künftig vor Schäden durch Gen-Felder geschützt werden kann. Dazu gehört etwa die Schadensvorsorge über einen Haftungsfonds, sollte Bio-Ernten durch Gen-Pollen verunreinigt werden, wie Vorstandssprecher Thomas Dosch erläuterte. Behörde lässt Kuh-Sterben unaufgeklärtGreenpeace-Online, 8.12.03Hamburg/Berlin (mir) - Obwohl einiges für einen Zusammenhang zwischen genmanipuliertem Futtermais und dem mysteriösen Tod eines Dutzends Kühe in Hessen spricht, weigert sich die zuständige Behörde halsstarrig, Untersuchungen einzuleiten. Das Robert-Koch-Institut in Berlin, Oberaufsichtbehörde für den Gentechnik-Einsatz in Deutschland, will den rätselhaften Vorfall nicht weiter untersuchen. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, haben am Dienstagmorgen rund 15 Greenpeace-Aktivisten vor dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin protestiert. Sie hatten ein echtes Rinder-Skelett dabei und wollten auf einem Transparent wissen: "Genfutter - alles in Butter?" Doch das RKI war zu keinen Zugeständnissen zu bewegen. "Das Robert-Koch-Institut verwaltet die Gentechnik, anstatt aktiv für Sicherheit und Aufklärung zu sorgen", sagt Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "Der Gen-Mais hätte niemals zugelassen werden dürfen. Sogar die USA haben ihn inzwischen wieder vom Markt genommen." Für Strodthoff zeigt der Vorfall in Hessen erneut, wie wenig ernst das Risiko Gentechnik genommen werde. "Neue Genehmigungen für Gen-Pflanzen dürfen in dieser Situation nicht erteilt werden - schon gar nicht durch diese Behörde." Der Saatgut- und Gentechnik-Riese Syngenta hat dem hessischen Bauern 2002 einen Teil des entstandenen Schadens ersetzt. Dennoch weigert sich das Schweizer Unternehmen, den Gen-Mais als Ursache für den Tod der Rinder anzuerkennen. Der Landwirt hat von den Behörden und Syngenta vergeblich weitere Unterstützung bei der vollständigen Aufklärung des Falles gefordert. Er entschloss sich zu einer Zusammenarbeit mit Greenpeace und bot uns Einblick in seine Akten. Aufgrund der bislang gelaufenen Untersuchungen können allgemeine Fütterungsfehler oder Krankheiten als Ursachen für das Kuh-Sterben weitgehend ausgeschlossen werden. Wissenschaftliche Studien zu dem Bt-176-Mais haben immer wiede Besorgnis erregende Befunde erbracht: So verweilt das von dem Gen-Mais neu gebildete Bt-Eiweiß, das sich nur gegen bestimmte Fraßinsekten richten soll, viel länger im Körper als angenommen. Das Eiweiß fand sich im Magen, Darm und Kot von Rindern. Versuche an Mäusen zeigen, dass das Bt-Eiweiß möglicherweise auch bei Säugetieren Wirkung zeigt, was bisher immer ausgeschlossen wurde. Das rückt auch einen anderen Fall in ein brisantes Licht: die EU beschäftigt sich gegenwärtig mit einem weiteren Zulassungsantrag des Syngenta-Konzerns. Diesmal handelt es sich um Speise-Mais, der direkt für die menschliche Ernährung gedacht ist. Dieser Bt-11-Mais bildet dasselbe giftige Eiweiß wie Bt-176. Der Weg zum Verbraucher steht dem Mais schon so gut wie offen: In Deutschland gibt es einige Firmen und Handelsketten, wie die Metro-Group (real-, extra- und Kaufhof-Läden), die Gentechnik in ihr Sortiment aufnehmen und vermarkten wollen. Metro schließt sogar nicht aus, dass schon heute in den Produkten der Eigenmarken Gentechnik enthalten ist. Die gelangt in Deutschland oftmals über den Umweg Tierfutter auf die Teller der Verbraucher. Weitere Informationen zum Thema Gentechnik in Tierfutter: Gentechnik im Trog (PDF, 36 kb). » zurück |
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