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Weltbevölkerungs-Prognosen

Dienstag 9. Dezember 2003, 15:11 Uhr

In 300 Jahren neun Milliarden Menschen auf der Erde

New York/Berlin (dpa) - Die Erde wird in 300 Jahren rund neun Milliarden Menschen beherbergen. Diese Prognose von Experten haben die Vereinten Nationen am Dienstag in New York veröffentlicht. Während die Einwohnerzahlen in Europa den Berechnungen zufolge leicht zurückgehen, wird sich die Bevölkerung allein in Afrika fast verdreifachen.

Zudem dürften im Jahr 2300 etwa 38 Prozent der Weltbevölkerung älter als 60 Jahre sein. Das wäre das Vierfache des heutigen Seniorenanteils. Für Deutschland erwarten die Vereinten Nationen bis 2050 einen leichten Bevölkerungsrückgang von 82,3 auf 79,1 Millionen, bis 2300 aber wieder einen Zuwachs auf dann 85,3 Millionen.

Grundlage dafür sei die Annahme, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von derzeit 1,4 auf 2,1 steigt, erklärte Carl Haub vom Washingtoner Population Reference Bureau in Berlin. Sollte das derzeitige Geburtenniveau aber konstant bleiben, werde die deutsche Bevölkerung in den kommenden 300 Jahren auf die Größe Berlins zusammenschrumpfen.

Die Prognose, dass die Weltbevölkerung von jetzt 6,3 auf 9 Milliarden wächst, basiert auf der Annahme, dass jede Frau weltweit im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt bringen wird. Doch schon geringfügige Abweichungen könnten diese Voraussage entscheidend verändern, warnen die Fachleute. Sollte sich der Kindersegen pro Frau weltweit bei durchschnittlich 1,85 Kindern stabilisieren, könnte die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2300 drastisch auf 2,3 Milliarden sinken. Umgekehrt würden 2,35 Babys pro Erdenbürgerin bis 2300 zu einer Weltbevölkerung von 36,4 Milliarden führen.

Rein theoretisch könnte die Menschheit - bei ihrer derzeitigen Fruchtbarkeitsrate - bis 2300 sogar auf 134 Billionen anwachsen, heißt es in dem UN-Bericht. Das hieße, dass sich schon im Jahr 2150 rund 244 Milliarden Menschen den Globus und alle seine Ressourcen teilen müssten. Dieses Szenario schließt die demographische Abteilung der Vereinten Nationen in New York unter ihrem Direktor Joseph Chamie allerdings aus. Vielmehr mussten die Experten ihre frühere Prognose von 10 bis 12 Milliarden Menschen angesichts der sinkenden Geburtenzahlen bereits auf 9 Milliarden nach unten korrigieren.

Der neue UN-Bericht «World Population 2300» soll Fachleuten aus aller Welt bei der Entwicklung neuer Strategien für die Bevölkerungspolitik dienen. Europa würde nach den neuen Berechnungen anteilig nur noch halb so viele Einwohner stellen - 7 statt der gegenwärtig 12 Prozent der Weltbevölkerung. Afrika werde seinen Anteil dagegen von 13 auf 24 Prozent ausbauen. Das Bevölkerungswachstum bis 2300 finde zu 99 Prozent in den Entwicklungsländern statt, teilte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit. Trotz rückläufiger Geburtenrate werde die Bevölkerung allein in den ärmsten Ländern in den kommenden 300 Jahren von 700 Millionen auf 2 Milliarden steigen.

DSW-Sprecherin Stefanie Ettelt erklärte, der angenommene Rückgang der Geburtenrate von 5,3 auf 2,5 in den Entwicklungsländern sei aber nur realistisch, wenn in den kommenden Jahren erheblich mehr Mittel in Aufklärung und Familienplanung investiert würden. Haub kritisierte, die Industriestaaten hätten bislang weniger als die Hälfte der Gelder zur Verfügung gestellt, die sie 1994 bei der Bevölkerungskonferenz in Kairo für derartige Maßnahmen zugesagt hätten. Auch in Deutschland wurden nach DSW-Angaben die Zahlungen an den UN-Bevölkerungsfonds seit 1998 von etwa 20 auf 7 Milliarden Euro gekürzt.

Die Deutschen werden in drei Jahrhunderten durchschnittlich 53 Jahre alt sein statt jetzt 40. Das ist auch Ausdruck der steigenden Lebenserwartung: 104 Jahre für Männer des Geburtsjahres 2300 und 107 Jahre für Frauen in Deutschland. Das wäre deutlich besser als die des europäischen Durchschnitts mit 100 beziehungsweise 102 Jahren.


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