AktuellFreihandelszone der Armen?
Freitag 12. Dezember 2003, 22:12 Uhr Entwicklungsländer rufen «Reiche» zu Konsensbereitschaft aufBrasilia (dpa) -Beim ersten Treffen von Entwicklungs- und Schwellenländern seit dem Scheitern der Handelsgespräche von Cancún hat Brasilien eine «Freihandelszone der Armen» vorgeschlagen. «Ich glaube, dass wir Entwicklungsländer kühner sein und über die Gründung einer eigenen Freihandelszone denken können», sagte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Freitag beim Treffen der neuen «Gruppe der 20» (G-20) in Brasilia.Er wolle seinen Vorschlag nächstes Jahr im Rahmen der Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung in Sao Paulo offiziell unterbreiten. «Die G-20 ist gerade dabei, die Parameter der internationalen Verhandlungen zu ändern», meinte Lula. Man werde darum kämpfen, dass die Regeln nicht mehr von einigen wenigen reichen Ländern diktiert würden. «Die Gruppe der 20 vertritt 60 Prozent der Weltbevölkerung und 70 Prozent aller Landwirte. Wir brauchen einen wirklich offenen und ausgeglichenen internationalen Handel», forderte der Sozialist. Lula meinte, der südamerikanische Handelsverband Mercosur verhandele bereits mit Indien und Südafrika. In einem Kommuniqué rief die G-20 außerdem alle Länder der Welthandelsorganisation WTO auf, die nächsten Gesprächsrunden mit «offenem Geist und Konsensbereitschaft» anzugehen. Die reichen Länder müssten mit gutem Beispiel vorangehen und die Agrarsubventionen abschaffen. Der Agrarbereich sei für den Erfolg der Gespräche von entscheidender Bedeutung, hieß es. Am Treffen der Minister und ranghohen Beamten in Brasilia nahmen auch der Handelskommissar der Europäischen Union, Pascal Lamy, sowie WTO-Generaldirektor Supachai Panitchpakdi teil. Die G-20 beriet nach Angaben des brasilianischen Außenministeriums über neue Aktionen sowie über eine gemeinsame Position für das WTO-Rats-Treffen nächste Woche in Genf. Brasiliens Außenminister Celso Amorim meinte, das Treffen habe zu zufrieden stellenden Ergebnissen geführt. «Obwohl jedes Mitgliedsland (der G-20) eigene spezifische Interessen und Bündnisse hat, herrscht hier eine große Einheit», versicherte Amorim. Jede Strategie der reichen Länder zur Spaltung der G-20 werde die Gruppe nur stärken. Die G-20 fordert unter anderem die Abschaffung oder zumindest eine deutliche Senkung der Produktions- und Exportsubventionen in den reichen Staaten. Schlimm seien, so Amorim, vor allem die Ausfuhrhilfen. «In der Theorie hat die EU zum Beispiel alle in der Uruguay-Runde eingegangenen Verpflichtungen erfüllt. Praktisch ist die Gesamtheit der Subventionen dort aber angewachsen», klagte der Außenminister. » zurück |
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