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Aktuell
Nachhaltigkeits-Konferenz
Debatte um Zukunftswerte angemahnt
Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung,
kritisiert "Wert-lose" Politik und Wirtschaft
Berlin, 11.November 2004 "Um in Zukunft bestehen zu können, brauchen wir
eine Debatte über die Werte, die unseren Alltag bestimmen", forderte Dr.
Volker Hauff auf der öffentlichen Veranstaltung des Nachhaltigkeitsrates
"Werte! Woran orientiert sich Deutschlands Zukunft". Hierzu machte er
gegenüber dem Bundeskanzler, der in der gleichen Veranstaltung sprach, drei
konkrete Vorschläge. Einen großen Teil der Lähmung, in der sich Deutschland
heute befindet, führt der Vorsitzende des vom Kanzler berufenen Rates darauf
zurück, dass Politik und Wirtschaft zuwenig und nicht überzeugend auf die
Zukunftsfragen der Menschen reagieren. "Ich-AG", "Hartz IV" und die "Agenda
2010" seien keine vollständigen Antworten angesichts des heutigen Umbruchs
traditioneller Wertvorstellungen.
Die gegenwärtige Situation sei aber alles andere als ermutigend,
konstatierte Volker Hauff. Politik und Wirtschaft scheuten die
Werte-Diskussion. Die Nachhaltigkeitsberichte großer Unternehmen und die
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung seien zwar gute Dokumente, aber
sie umgingen häufig die Grundfragen nach den Werten, die unseren Alltag
bestimmen. Volker Hauff betonte weiter: "Wir brauchen positive Vorbilder.
Wenn eine Weltfirma sich rühmt, in Deutschland keine Steuern mehr zu zahlen,
dann lebt sie die falschen Werte vor." Eine Politik ohne Werte, eine Politik
ohne die Suche nach dem Wert des Einklangs von Ökologie, Ökonomie und
Sozialem, eine Politik, die für die Menschen keine Werte verkörpert - eine
solche Politik wäre letztlich eine "wert-lose" Politik. Daraus könne das
dringend nötige neue Vertrauen der Menschen in eine gute Zukunft nicht
entstehen.
Hauff schlug dem Bundeskanzler vor, das Bürgerengagement zur Nachhaltigkeit
in Städten und Gemeinden stärker zu ermutigen, weil hier eine große Quelle
von innovativer Politik und zivilgesellschaftlicher Verantwortung läge, aber
die vielen Initiativen vor Ort ihre Aktivitäten kaum mit der Strategie auf
Bundesebene verknüpfen können. Hauff regte auch an, die durchaus
vorliegenden guten Beispiele aus Forschung und Wirtschaft besser zu nutzen,
um die Leistungsfähigkeit Deutschlands zu der an Nachhaltigkeit orientierten
Innovation zu vergrößern. Ferner machte er den Vorschlag, eine
Generationenbilanz zu allen wesentlichen Themen der Nachhaltigkeit zu
erarbeiten.
Bewertung des Regierungsberichtes zu Fortschritten in der Nachhaltigkeit.
Volker Hauff reagierte grundsätzlich positiv auf den von der Bundesregierung
vorgelegten Fortschrittbericht 2004 zur Nachhaltigkeit. "Große Sprünge waren
nach nur zwei Jahren nicht zu erwarten. Dennoch ist der Fortschrittsbericht
richtig", sagte Volker Hauff, weil er unter Beweis stelle, dass es sinnvoll
sei, Nachhaltigkeitspolitik an quantifizierten Indikatoren zu messen sowie
Zukunftsthemen wie die Auto-Technik, zum Bild des Alterns in der
Gesellschaft oder zum Wohnen in der Stadt zu bearbeiten. Erstmals enthält
ein Regierungsbericht, lobte Volker Hauff, "O-Ton-Beiträge aus der
Zivilgesellschaft. Der Fortschrittsbericht nimmt die Beiträge des
Nachhaltigkeitsrates zum Thema "Fläche" und zum "gesellschaftlichen Dialog"
sichtbar als Herausforderung an. Das ist hoch einzuschätzen, auch wenn
natürlich nicht alle unsere Empfehlungen 1:1 umgesetzt werden. In seinen
Schwerpunkten zur Kraftstoffstrategie, zur Energiestruktur und zum
Selbstbild der alternden Gesellschaft liest sich der Regierungsbericht, auch
gerade mit den sichtbaren offenen Punkten, so spannend wie eine
Zukunftswerkstatt. Der Regierungsbericht hat einen wichtigen Prozess auf
Seiten der Regierung in Gang gesetzt. Diese Mühe hat sich gelohnt."
Schwächen zeige die Nachhaltigkeitspolitik in der Verknüpfung von wichtigen
Zukunftsthemen, konstatierte der Ratsvorsitzende weiter. Der rote Faden
"Nachhaltigkeit" werde im Regierungshandeln nicht ausreichend erkennbar.
Dazu stehe die Nachhaltigkeitsstrategie zu isoliert neben dominierenden
Politikfeldern der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Agenda 2010 würde
aufwändig beworben, die Nachhaltigkeitsstrategie aber nicht. Zielkonflikte
würden zu wenig angesprochen, die nötige Auseinandersetzung um die
Werteorientierung für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft
bleibt oft aus. "Hier gibt es eine Bringschuld. Deutschland hat noch keinen
Zukunfts-TÜV".
Tausend Teilnehmer besuchten die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige
Entwicklung. Zu den Hauptrednern gehörte am Nachmittag Bundeskanzler Gerhard
Schröder. In den fünf Themenforen Bildung, Nachhaltigkeit als attraktiver
Lebensstil, Energie, Medienpolitik und Wohnungspolitik und demografische
Entwicklung wurden Zukunftsfragen diskutiert. Der Nachhaltigkeitsrat hat
sich unter anderem auch zum Ziel gesetzt, das sperrige Wort "Nachhaltigkeit"
besser zu kommunizieren. Wie das geht, zeigt der Film "Ins Herz der Zukunft
", der in der Jahreskonferenz Premiere hatte.
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