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Aktuell

Artenvielfalt im Meer

Dienstag 23. November 2004, 19:59 Uhr

Unterwasser-Zensus fischt 13 000 neue Arten aus den Weltmeeren

New York (dpa) - Eine internationale «Volkszählung» der Lebewesen unter Wasser hat in diesem Jahr rund 13 000 neue Arten aus den Weltmeeren gefischt. Bis zum Abschluss des Projekts im Jahr 2010 glauben die rund 1000 beteiligten Biologen aus 70 Ländern, bis zu zwei Millionen bisher unbekannter Mikroben, Fische und möglicherweise sogar Säugetiere in Flüssen und Meeren entdecken zu können.

«Bisher haben wir kaum die Oberfläche abgeschöpft», erklärte einer der leitenden Forscher des Ocean Biographic Information System (OBIS), Frederick Grassle von der Rutgers Universität in New Jersey. «Die Menschheit hat weniger als fünf Prozent der Weltmeere erkundet, und selbst dort, wo wir geforscht haben, haben wir wahrscheinlich viel winziges Leben übersehen.»

OBIS-Forscher erlaubten am Dienstag über das Internet-Portal www.coml.org einen ersten Einblick in ihre angereicherte Datenbank. Offiziell sollen die Ergebnisse erst am kommenden Montag (29. November) in Hamburg vorgestellt werden. «Wir leben auf einem Planeten, der zu 70 Prozent aus Wasser besteht. Aber wir wissen weniger über den Boden unserer Meere als über den entferntesten Winkel des Mondes», sagte Projektleiter Ron D'Or von der Halhousie Universität in Halifax (Kanada).

Derzeit wird die Zahl der Arten im Salzwasser auf etwa 230 000 geschätzt. Erst kürzlich fanden Biologen vor der Küste von Südafrika 400 neue Arten. Andere Teams, die sich auf Unterwassergebirge in der Mitte des Atlantiks konzentrieren, stießen auf bislang unbekannte Tintenfische und andere Tiefseespezies. Laut OBIS werden jede Woche im Durchschnitt zwei neue Fischarten entdeckt, dazu ein Vielfaches an Plankton- und Mikrobenspezies.

«Die Chance, einen neuen Fisch in 2000 Metern Tiefe zu finden, ist 50 Mal größer als die, entsprechenden Erfolg an oder nahe der Oberfläche zu haben», führte D'Or weiter aus. Bisher mache die Suche in 2000 Metern Tiefe gerade 0,1 Prozent aller aus dem Meer entnommenen Proben aus.

Ziel des internationalen Projekts ist eine dreidimensionale Karte mit Detailinformationen über das Artenreichtum der Weltmeere, seine Verteilung und die Wanderungsbewegungen rund um den Globus.


Greenpeace spricht vor Vereinten Nationen

Greenpeace-Online, 17.11.04

Update Hamburg/New York (sit) - Eine Greenpeace-Vertreterin hat am Dienstagabend (MEZ) vor den Vereinten Nationen gesprochen. Sie hat die UN-Vollversammlung beschworen, nicht länger tatenlos zuzusehen, während das Leben in der Tiefsee unwiederbringlich zerstört wird.

Karen Sack sprach im Namen einer großen Koalition von rund 30 internationalen Organisationen, die gemeinsam für den Schutz der Tiefsee kämpfen. Das Leben in den Ozeanen steht auf der Kippe. Die wirksamste Gegenmaßnahme - ein Moratorium auf die Tiefseefischerei - stand an diesem Dienstag nicht einmal zur Diskussion. Karen nutzte ihre fünf Minuten Redezeit, um ein solches Verbot zu fordern.


UN verpassen wirksamen Tiefseeschutz

Hamburg/New York (sit) - Wie auch immer die Vollversammlung der Vereinten Nationen am Dienstag in New York abstimmt - den Schutz der Tiefsee wird sie nicht bewirken. Das Leben in den Ozeanen steht auf der Kippe, doch die wirksamste Gegenmaßnahme - ein Moratorium auf die Fischerei mit Grundschleppnetzen - steht nicht einmal zur Diskussion.

Vor zehn Jahren ist die UN-Seerechtskonvention in Kraft getreten - ein bahnbrechendes Vertragswerk, das zum ersten Mal die Ozeane als globale schützenswerte Ressource gewürdigt hat. Doch das Abkommen hat Lücken. Heute, zehn Jahre später, ist die Krise der Meere unübersehbar.

Überfischung, Verschmutzung, Klimawandel gefährden das Leben in den Tiefen. Vor allem die kommerzielle Fischerei - die legale und die illegale - droht alles zu vernichten, was in den Ozeanen lebt. Die Suche nach Fisch, und sei es noch so wenig, bringt immer monströsere Methoden hervor.

So durchpflügen riesige, mit Eisen beschwerte Grundschleppnetze den Meeresgrund noch in Tiefen bis 2000 Metern. Was in ihre Bahn gerät, ist verloren. Jahrtausendealte Korallen zerschlagen. Unterseeische Landschaften unwiederbringlich zerstört. Unbekannte Lebewesen ausgerottet, noch bevor die Biologen überhaupt einen Namen für sie gefunden haben.

Greenpeace hat 2004 zwei Schiffsexpeditionen durchgeführt, zur Tasmanischen See und zum Nordatlantik. Die beiden Unternehmungen haben bestätigt, was Tiefseeforscher längst erkannt haben: Die Grundschleppnetzfischerei ist die derzeit schlimmste menschliche Aktivität auf den Meeren.

Tausende Wissenschaftler, Zehntausende Umweltschützer und zahlreiche Nationen haben auf die 59. Sitzung der UN-Vollversammlung gewartet und auf das Moratorium gehofft. Doch in den UN haben sich nach den Worten von Karen Sack, Greenpeace-Sprecherin vor Ort, einige wenige Staaten durchgesetzt: diejenigen, die von der Grundschleppnetzfischerei profitieren.

Die Rede von Karen Sack

Die Koalition zum Schutz der Tiefsee bietet eine gemeinsame Internetseite mit Fotos, Videos und weiteren Informationen an: www.savethehighseas.org


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