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Weihnachtspflanzen

Dienstag 21. Dezember 2004, 09:30 Uhr

Zu Weihnachten gibt es mehr als nur den Tannenbaum

Leipzig (AP) Auch wenn demnächst die Lichter vor allem von den Christbäumen erstrahlen: Botanisch gesehen gibt es zu Weihnachten weitaus mehr als nur den Tannenbaum, der zudem ja häufig eine Fichte ist. Von Christrose bis Weihnachtsstern reicht die Palette der Pflanzen, mit denen im Dezember die Räume geschmückt werden und der Kustos des Botanischen Gartens in Leipzig, Martin Freiberg, kann zu vielen auch noch über Mythen und Riten berichten.

Vor allem in den deutschen Obstanbaugebieten sei der Brauch des Schneidens von Barbara-Zweigen verbreitet, erzählt Freiberg. Junge Mädchen schneiden am 4. Dezember, dem Barbara-Tag, Zweige von Apfel- oder Kirschbäumen, auch Zweige von Holunderbüschen können es sein. Diese werden in einer Vase ans Fenster gestellt, und dann warten die jungen Damen auf Weihnachten: Sind die Zweige aufgeblüht, dann ist dies ein gutes Omen, bedeutet es doch, dass die Liebe des Mannes entflammt, auf den das jeweilige Mädchen ein Auge geworfen hat. Bleiben die Zweige jedoch blütenlos, dann besteht auch keine Hoffnung für die junge Liebe.

Auf eine ganz außergewöhnliche Pflanze weist Freiberg gern hin. Die Christrose ist die einzige heimische Pflanze, die unter Schnee aufblüht. Mit der Christrose verbindet sich die Geschichte eines kleinen Mädchens, das zu Zeiten der Christianisierung zu Gott gebetet haben soll, dieser möge dafür Sorge tragen, dass auch ihr Vater Christ werde. Dem Kind erschien der Legende nach ein Engel, der als Zeichen des Wunders die Christrose mitbrachte - eine Pflanze, die zu Weihnachten blüht.

Aus dem Mittelmeerraum stammt die Stechpalme, die inzwischen auch hier zu Lande heimisch geworden ist. Stechpalmen sollen laut Freiberg schon während der Weihnachtszeit an das Leiden Christi zu Ostern erinnern. Auch zu dieser Pflanze kennt der Botaniker eine Geschichte: «Als die Hirten nach Bethlehem zogen, blieb ein Lamm zurück», erzählt Freiberg. Das Tier geriet in ein Dornengebüsch und wurde blutig gekratzt. Die Hirten päppelten das Lamm wieder auf, und als Maria dies sah, wusste sie, dass auch ihr Sohn sich der Bedürftigen annehmen werde.

Zudem steht die Stechpalme auch als Symbol der Dornenkrone, die Jesus bei der Kreuzigung aufgesetzt wurde, die roten Beeren der Pflanze symbolisieren sein Blut. Die rote Farbe als Symbol für das Blut Christi ist auch bei den Weihnachtssternen zu finden. Allerdings, so Freiberg, gibt es für das bei uns Weihnachtsstern genannte Gewächs einen ganz anderen Hintergrund: Der Forscher Alexander von Humboldt brachte die Pflanze nämlich von seinen Reisen aus Südamerika mit.

«In Mexiko kennt man den Weihnachtsstern unter der Bezeichnung 'Stern der Azteken', er soll die Lieblingsblume des Montezuma gewesen sein», sagt der Privatdozent. Der Azteken-Herrscher soll in den roten Blättern der Pflanze die Blutstropfen des gebrochenen Herzens eines unglücklich verliebten Mädchens gesehen haben. Vermutlich hat sich diese Deutung auch in Frankreich durchgesetzt, wo der Weihnachtsstern als Stern der Liebe bezeichnet wird.

In vielen Wohnzimmern wird auch in diesem Jahr wieder ein Weihnachtsbaum stehen. Wie Freiberg zu berichten weiß, wurden bereits im 15. Jahrhundert Eichen- und Buchsbaumzweige in die Stuben gehängt, aus dem Jahr 1494 ist bekannt, dass Zweige immergrüner Pflanzen wie Tanne und Fichte verwendet wurden. Aus dem Jahr 1611 ist laut Freiberg der erste kerzengeschmückte Tannenbaum in Schlesien belegbar.

Weiter zurück reicht die Tradition der Krippen- oder auch Paradiesspiele, die teilweise bis ins Mittelalter nachgewiesen worden seien. Äpfel spielten nicht nur in den Paradiesspielen eine Rolle, sondern waren auch als Schmuck an den so genannten Bescherbäumen angebracht, die erstmals 1615 erwähnt wurden. Die Äpfel erwiesen sich jedoch häufig als zu schwer, und so entstand ein Brauch, der auch heute noch gepflegt wird: An Stelle der Früchte wurden Glaskugeln aufgehängt.

Als Symbol für die Frucht, die Maria zu Weihnachten geboren hat, steht der Granatapfel. «Es gibt aber auch eine andere Deutung», sagt Freiberg: Die Frucht steht als Symbol für die Schönheit der Frauen, der rote Saft gilt als Liebesnektar, der Granatapfel birgt in sich den Duft des Frühlings.

«Und warum essen wir zu Weihnachten Nüsse?», fragt Freiberg und gibt selbst die Antwort: Vor allem die Walnuss, die 800 nach Christus aus Südosteuropa zu uns kam, wurde als «Walschnuss» - als fremde oder «falsche» Nuss - wegen der in ihr enthaltenen nahrhaften Stoffe geschätzt, die für den Menschen gesund sind. Aber nicht nur der Mensch bekam die Nüsse: Zu Weihnachten wurden sie früher auch an das Vieh verfüttert, um die Fruchtbarkeit der Tiere im Frühjahr zu steigern.


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