AktuellZersiedlung bedroht Tiere
Der Mensch - im Reich der Tiere nur ein RäuberVon Frankenfeld, Hamburger Abendblatt, 29.10.05Es stand im Abendblatt: Ausgehungerte Löwen haben kürzlich im Süden Äthiopiens zwanzig Menschen getötet und tausend in die Flucht getrieben. Eine menschliche Tragödie, ganz gewiß. Doch das eigentliche Drama hat weit größere Dimensionen. Überall auf diesem Erdball dringen Menschen in Regionen vor, in denen sie eigentlich biologische Fremdkörper sind, in Regionen, die Jahrtausende lang der Natur und wilden Tieren vorbehalten waren. Dabei kommt es dann unweigerlich zu tödlichen Konfrontationen. Der Verlierer ist langfristig immer das Tierreich - mit dramatischen Konsequenzen für die Lebenszusammenhänge auf dem ganzen Planeten. Nehmen wir den Tiger, zweifellos eine der schönsten Kreaturen der Schöpfung. Um das Jahr 1900 herum gab es allein in Indien noch bis zu 40 000 Exemplare dieser größten Katzenart. Durch die Einengung ihres Lebensraumes und hemmungslose Wilderei sank die Zahl bis zum Jahre 1972 auf klägliche 2000. Dank Notprogrammen und dem Ausweisen von Schutzparks gibt es heute wieder gut 3500 der imposanten Raubtiere. Doch Siedlungsdruck und Wilderei halten unvermindert an; allein im Jahre 2000 wurden in Indien wieder 100 Tiger illegal geschossen. Und im US-Bundesstaat Kalifornien dringen die Häuserzeilen inzwischen in Gebiete vor, die früher wegen ihrer vielen Klapperschlangen bewußt gemieden wurden. Jetzt werden ständig Menschen gebissen - und die Tiere natürlich getötet. Ist doch nicht schade um das giftige Viehzeug, mag mancher denken. Eine kurzsichtige Einstellung - jedes Tier ist Teil des Gleichgewichts der Natur - das auch den Menschen beeinflußt. Pro Tag sterben, je nachdem welchen Forscher man fragt, 100 bis 150 Tierarten aus. Fast 12 250 Säugetier-, Vogel- und Amphibienarten sind akut bedroht. Im Kongogebiet sank die Zahl der Nilpferde innerhalb von 30 Jahren um 95 Prozent. Doch das Sterben betrifft nicht nur die Wildgebiete Asiens oder Afrikas. In Bayern stellte man vergangenes Jahr fest, daß bei strenger Auslegung die Hälfte aller bajuwarischen Tierarten vom Aussterben bedroht sei. In Norwegen sank die Zahl der Luchse nach teilweiser Freigabe zum Abschuß auf 350 Paare - doch allein 200 Weibchen braucht die Art zum Überleben. Der Mensch benimmt sich gegenüber der Natur kaum besser als die spanischen Konquistadoren in Mittel- und Südamerika. Er raubt selbstsüchtig, was er kriegen kann und vernichtet, was ihm im Wege steht. Das betrifft nicht nur die Regenwälder, sondern beginnt bereits, wenn ein paar prächtige alte Stadtbäume für eine Bauzufahrt gefällt werden sollen. Kurzsichtigkeit und Eigensucht sorgen dafür, daß Ökosysteme vielleicht unrettbar geschädigt werden. In Äthiopien kam es zur Katastrophe, weil die vordringenden Menschen Wald und Buschwerk abgeholzt hatten. Die Tiere flohen und die Löwen fanden keine Nahrung mehr. Ausgemergelt und verzweifelt griffen sie die zweibeinigen Eindringlinge an. Jetzt sollen sie erschossen werden. So sieht sie aus - die Lösung nach Konquistadorenart. » zurück |
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