AktuellWWF-Staudamm-Kampagne (erweitert)
Montag 14. November 2005, 10:12 Uhr WWF startet Kampagne gegen "schlechte" StaudämmeLondon (AFP) - Ungeachtet internationaler Umweltkriterien bauen Regierungen in aller Welt nach Ansicht der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) immer noch an Staudämmen, die für Umwelt und Menschen schädlich sind. Nach einem vom WWF am Montag in London veröffentlichten Bericht entstehen zurzeit weltweit 400 größere Staudämme, deren Nutzen zumindest in einigen Fällen fraglich sei. Bei hunderten weiteren Großprojekten seien die Planungen schon fortgeschritten. "Wir leben nicht mehr in den 50er Jahren, in denen Dämme als Inbegriff des Fortschritts galten. Heute wissen wir, dass sie schwere Schäden hervorrufen können. Aber wir müssen dieses Wissen auch umsetzen", mahnte der Chef der britischen WWF-Sektion, Robert Napier.Doppelzüngige StaudammpolitikWWF-Report: Weltweit missachten Dammbauten ökologische und soziale Standards.WWF-Pressemitteilung, 14. November 2005 Der Bau von Mega-Staudämmen richtet noch immer enorme soziale und ökologische Schäden an. Daran hat sich auch fünf Jahre nach den Empfehlungen der Welt-Kommission für Staudämme (WCD) nichts geändert. Eine heute vorgelegte WWF-Studie listet sechs Dammbauprojekte aus den letzten fünf Jahren in Spanien, der Türkei, Australien, Island, Laos und Belize auf, die die Anforderungen nicht erfüllen. Die Umweltschützer kritisieren auch die Rolle der Bundesregierung. "Obwohl Deutschland sich öffentlich zu den Empfehlungen der WCD bekannt hat, unterstützt die Bundesregierung weiterhin ökologisch und sozial bedenkliche Staudammprojekte", so WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger. Laut der WWF-Studie legen Dämme Feuchtgebiete trocken und gefährden so wichtige Wasserressourcen. Häufig verschlechtern sie die Fischereierträge. Dämme bedrohen seltene Arten wie den Iberischen Luchs und den Jaguar. Während oftmals billigere Energie und verbesserte Bewässerungssysteme versprochen würden, verschärfen die Megaprojekte in vielen Fällen wirtschaftliche Probleme durch höhere Strompreise und die Umsiedlung zahlreicher Menschen. Weltweit wurden durch Dammbauten bis heute 60 Prozent der Flüsse reguliert und bis zu 80 Millionen Menschen umgesiedelt. Alternativen für die Staudämme werden nur unzureichend untersucht. Oft wird der eigentliche Bedarf für Strom und Trinkwasser nicht richtig eingeschätzt. Derzeit werden rund um den Erdball etwa 400 neue Staudämme mit einer Höhe über 60 Meter gebaut. Als Beispiel für die ökologischen Sünden nennt der WWF den 650 Millionen Dollar teuren Ermenek Damm in der Türkei. Gemeinsam mit anderen Hydropower-Projekten bedroht er die Wasserversorgung und damit die Artenvielfalt im Delta des Göksu-Flusses. Die Bundesregierung unterstützt das Projekt durch eine Hermes-Bürgschaft. Der Melonares Damm am Fluss Guadalquivir, der die südspanische Stadt Sevilla mit Trinkwasser versorgen soll, wird maßgeblich aus Mitteln des EU Kohäsionsfonds finanziert. Laut WWF wären hier umweltverträgliche und kostengünstige Alternativen möglich gewesen. Auch bei der jüngsten Entscheidung zum umstrittenen Staudamm Nam Theun II an einem Zufluss des Mekong in Laos befürwortete die Bundesregierung die Finanzierung und Risikoabsicherung durch die Weltbank. "Die Bundesregierung muss in den von ihr mitgetragenen internationalen Institutionen, bei der Hermes Kreditversicherung und den Landesbanken die Einhaltung der WCD Empfehlungen einfordern. Sonst bleibt ihre angebliche Unterstützung der WCD nur eine leere Worthülse", so WWF-Experte Geiger. Deutschland solle sich ein Beispiel an der britischen HSBC-Bank oder der Regierung Südafrikas nehmen. Beide haben die WCD-Empfehlungen bei allen Entscheidungen für Staudämme berücksichtigt. WWF-Bericht "To dam or not to dam?" » zurück |
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