Aktuell


Montréal: Klimaschutz durch Waldschutz

29. November, 2005

Erhalt der Urwälder soll im Klimaschutz angerechnet werden

Montréal. SDA/baz. Der Erhalt der Urwälder soll künftig im Rahmen des Klimaschutzes angerechnet werden. Diesen Vorschlag machten Costa Rica und Papua-Neuguinea am Dienstag an der Weltklimakonferenz im kanadischen Montréal.

Die beiden Länder verwiesen darauf, dass heute bis zu einem Viertel der weltweit von Menschen verursachten Kohlendioxidemission durch die Abholzung und das Brandroden von Wäldern in die Luft gelangen.

Die EU begrüsse die Initiative grundsätzlich, sagte ein Mitglied der deutschen Delegation. Es sei das erste Mal, dass Entwicklungsländer von sich aus bereit seien, einen Beitrag zur Minderung der Treibhausgase zu leisten.

Vorstellbar sei, dass Industrieländer, die ihre Treibhausgas- Reduktionsziele nicht erfüllen, den Entwicklungsländern Geld für den erfolgten Waldschutz geben.

Walderhalt statt Aufforstung

Derzeit werde viel Urwald verbrannt, um die Fläche landwirtschaftlich zu nutzen, erläuterte Reinhard Wolf von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. In indonesischen Torfwäldern etwa brenne der gesamte Boden mit ab. Das könne auch nicht mittels Aufforstung aufgefangen werden.

«Wenn wir 500 Tonnen an einem Tag abbrennen, brauchen wir 50 Jahre, bis wieder neuer Wald entstanden ist», sagte Wolf. «Weil wir keine Zeit zu verlieren haben, ist Walderhalt wesentlich wirksamer als Aufforstung.»

WWF: Landesweite Ziele nötig

Auch Umweltschützer begrüssen den Vorschlag: Wenn die vermiedene Abholzung als ein Faktor mit in die nächste Klimarunde aufgenommen wird, könnte das zum Ziel beitragen, die Erde nicht weiter zu erwärmen, erläuterte ein Sprecher der Umweltorganisation WWF.

Allerdings müsse es landesweite Ziele geben. Es dürften nicht einzelne Waldprojekte angerechnet werden, da auch ein noch so gutes Projekt nicht verhindere, dass die Holzindustrie auf einer Nachbarfläche den Wald zerstöre.


Dienstag 29. November 2005, 13:04 Uhr

China ruft alle Staaten zu Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls auf

Peking (AFP) - Aus Anlass der Weltklimakonferenz im kanadischen Montréal hat die Volksrepublik China alle Staaten zur Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls aufgefordert. "Wir appellieren an die Länder, die das Protokoll noch nicht angenommen haben, dies so schnell wie möglich zu tun", sagte der chinesische Außenamtssprecher Liu Jianchao am Dienstag in Peking. In Montréal begann am Montag eine zweiwöchige Konferenz, bei der rund 10.000 Delegierte aus 189 Ländern über Maßnahmen gegen die Erderwärmung und den weiteren Umgang mit dem Kyoto-Protokoll beraten.


Mittwoch 30. November 2005, 02:55 Uhr

USA lehnen Klimaschutzverpflichtungen ab

Montréal (AFP) - Die USA haben jegliche Ausweitung von Klimaschutzvereinbarungen für die Zeit nach 2012 abgelehnt. Die Vereinigten Staaten seien "gegen jede derartige Diskussion", sagte US-Delegationsleiter Harlan Watson am Dienstag bei der Weltklimakonferenz im kanadischen Montréal. Die USA wollten für die Reduzierung der Treibhausgase weder konkrete Mengenziele noch einen Zeitplan festlegen.


Mittwoch 30. November 2005, 02:37 Uhr

Greenpeace kritisiert Klimaschutzpolitik der USA

Montreal (AP) Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Klimaschutzpolitik der US-Regierung scharf kritisiert. Die anhaltende Weigerung Washingtons, verbindliche Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen festzulegen, blockiere die Weltklimakonferenz in Montreal, sagte Bill Hare von Greenpeace International am Dienstag. «Wenn man hier durch den Konferenzsaal geht, sagen die Delegierten, es gebe eine Menge wichtiger Themen, aber nur ein echtes Problem, und das sind die Vereinigten Staaten», sagte Hare.

Der Leiter der US-Delegation in Montreal, Harlan Watson, sprach sich am Rande der Konferenz erneut gegen eine Vereinbarung verbindlicher Vorgaben für die Verminderung von Treibhausgasen aus. Die internationale Zusammenarbeit bei der Klimaschutzpolitik sollte nicht auf Zwang beruhen, sagte Watson in einer Pressekonferenz. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP betonte Watson ferner, es sei nicht erwiesen, dass Naturkatastrophen wie die jüngsten Hurrikane in den amerikanischen Südstaaten mit dem Klimawandel in Zusammenhang stünden.


Dienstag 29. November 2005, 14:40 Uhr

Umweltagentur: Europa droht schlimmster Klimawandel seit 5000 Jahren

Paris (AFP) - Europa droht einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) zufolge der "schlimmste Klimawandel" seit gut 5000 Jahren. Sollte sich die derzeitige Erderwärmung fortsetzen, könnten "bis zum Jahre 2050 Dreiviertel der Schweizer Gletscher weggeschmolzen sein", heißt es in dem jüngsten Bericht der EUA. Die Studie wurde am Dienstag in Paris veröffentlicht, einen Tag nach Beginn der Weltklimakonferenz im kanadischen Montréal.


Dienstag 29. November 2005, 18:38 Uhr

Europa laut Bericht vor schlimmsten Klimawandel seit 5.000 Jahren

Montreal/Brüssel (AP) Europa droht nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur der dramatischste Klimawandel seit 5.000 Jahren. Die Durchschnittstemperatur steige um ein Drittel schneller als im weltweiten Mittel, heißt es in einem Dienstag veröffentlichten Bericht der EUA. Die Klimaveränderung sei die größte umweltpolitische Herausforderung. Bei der Weltklimakonferenz in Montreal wiesen die USA unterdessen den Vorwurf zurück, Washington tue nicht genug gegen die globale Erwärmung.

Die Jahre 2002 bis 2004 seien die bislang heißesten in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, erklärte die EUA. Die Durchschnittstemperatur auf dem Kontinent sei im 20. Jahrhundert um 0,95 Grad gestiegen. Dem Bericht zufolge sind im Hitzesommer 2003 zehn Prozent der alpinen Gletscher abgetaut. Wenn die Entwicklung so weiter gehe, seien 2050 drei Viertel der Gletscher in der Schweiz verschwunden.

EUA-Direktorin Jacqueline McGlade sagte, ohne ein über Jahrzehnte effektives Handeln werde im Norden das Eis schmelzen und von Süden breiteten sich Wüsten aus. Die Bevölkerung des Kontinents könnte sich dann in der Mitte Europas konzentrieren.

Der US-Delegationsleiter bei der Klimakonferenz in Montreal, Harlan Watson, sagte der AP, Präsident George W. Bush nehme den Klimawandel sehr ernst, auch wenn er das Kyoto-Protokoll ablehne. Seit Bushs Amtsantritt im Jahr 2001 seien die Treibhausgas-Emissionen in den USA um 0,8 Prozent zurückgegangen. Bis 2012 werde eine Reduzierung um 18 Prozent angestrebt.

In ihren Bemühungen für den Klimaschutz stünden die USA anderen Staaten in nichts nach, sagte Watson. Washington gebe jedes Jahr fünf Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro) für die Erforschung des Klimawandels und die Entwicklung neuer Technologien zur Reduzierung von Emissionen aus.

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Schweiz will an Klimakonferenz einheizen

swissinfo-Interview: Thomas Stephens, 29. November 2005

Thomas Kolly, Leiter Abteilung Internationales im Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, spricht mit swissinfo über seine Erwartungen für Montreal.

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen hat in Kanada hat am Montag begonnen und dauert bis am 9. Dezember.

Kolly, seit 1. November 2005 neuer Chef der Abteilung Internationales im Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), führt die Schweizer Delegation in Montreal an. Er ist optimistisch, dass die Schweiz ihre Ziele zur Verringerung des CO2-Ausstosses (Kohlendioxid) erreichen werde. Dazu bedürfe es aber noch grosser Anstrengungen.

Claude Martin, der scheidende Präsident der Umweltorganisation WWF International, hatte Anfang Monat gegenüber swissinfo gesagt, dass viele Länder zu zögerlich seien, um in der Klimapolitik Fortschritte zu erzielen. Dazu gehöre auch die Schweiz.

Erst vor kurzem wurde die Parlaments-Debatte über die Einführung einer CO2-Abgabe in der Schweiz verschoben. Zudem lehnte die Landesregierung (Bundesrat) die Einführung einer Lenkungsabgabe auf Geländewagen und anderen Autos mit hohem Treibstoffverbrauch ab.

swissinfo: Was erhoffen Sie sich von Montreal?

Thomas Kolly: Wir wünschen uns die vollständige Umsetzung der Richtlinien, die im Kyoto-Protokoll verabschiedet worden sind. Und eine Verbesserung der existierenden Instrumente.

Wir sprechen auch über die Zeit nach 2012, wenn die erste Umsetzungsphase von Kyoto vorbei sein wird. Die Anstrengungen der Industrieländer werden nicht ausreichen, um die Probleme des Klimawandels anzupacken. Dazu sind Anstrengungen aller nötig, also der Industrie- und der Entwicklungsländer.

swissinfo: Die Schweiz verpflichtete sich im Kyoto-Protokoll zur Verringerung des CO2-Ausstosses um rund 2,5 Mio. Tonnen pro Jahr zwischen 2008 und 2012. Wird dieses Ziel erreicht?

T.K.: Wir haben das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Das respektieren wir und unternehmen gewiss alle Anstrengungen, dieses Ziel auch zu erreichen.

swissinfo: Liegt die Schweiz im Fahrplan?

T.K.: Es gibt Diskussionen über die verschiedenen Instrumente zur Erreichung dieser Ziele, in erster Linie über die CO2-Abgabe, das zentrale Element in unseren Bemühungen. Der Ball liegt momentan beim Parlament, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

swissinfo: Was passiert im Kampf gegen die Klima-Erwärmung nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls im 2012?

T.K.: Entgegen vielen Meinungen läuft es nicht aus. Vielmehr ist 2012 das Ende der ersten Verpflichtungs-Phase. Die Übereinkunft sieht aber vor, dass jetzt schon die Diskussionen über die zweite Verpflichtungs-Etappe beginnen, also die Zeit nach 2012.

Es ist für die Schweiz sehr wichtig, dass das Kyoto-Protokoll nach 2012 weiter verfolgt wird. Die Frage ist bloss, mit welchen Zielen und welchen neuen Elementen.

Alle Länder sollten sich an den künftigen Anstrengungen zur Verringerung des Treibhaus-Effekts beteiligen. In Montreal beginnen wir mit der Diskussion, wer was und in welchem Umfang zu tun hat.

swissinfo: Sie sagen, alle Länder seien optimistisch, dass die USA sich nach Kyoto am Kampf gegen die Klima-Erwärmung beteiligen. Momentan machen die USA aber nicht mit.

T.K.: Alle grossen Verursacher sollen an einer künftigen Vereinbarung beteiligt sein, gerade auch ein so wichtiges Land wie die USA, das für 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist, aber nur einen Bevölkerungsanteil von vier Prozent hat.

Ich muss aber betonen, dass die USA im Bereich Forschung und Technologie viel zum Emissionsproblem getan haben. Es bedarf dazu aber eines umfassenden Pakets, und die Schweiz will die USA an Bord haben, wie auch Australien und die wachsenden Märkte China, Indien und Brasilien.

Ich wäre zufrieden, wenn alle die Konferenz mit der Gewissheit verliessen, dass es ein grosses Problem gibt, dass aber auch alle Teilnehmer bereit sind, zur Lösung beizutragen.


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