AktuellUN-Klimakonferenz (7): Klimawandel tötet Europäer
Dienstag 6. Dezember 2005, 12:40 Uhr WHO: Klimaerwärmung tötet viele EuropäerMontréal (dpa) - Die Klimaerwärmung hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in Europa. Allein 35 000 Menschen seien wegen der Hitzewelle im Sommer 2003 gestorben, berichtete die WHO am Montag (Ortszeit) auf der UN-Klimakonferenz in Montréal.Von den 15 größeren Fluten des Jahres 2002 seien in Europa rund eine Million Menschen betroffen gewesen, 250 seien gestorben. Mit den höheren Temperaturen gebe es auch mehr Krankheitserreger in Lebensmitteln. So klettere die Zahl der an Salmonellen erkrankten Menschen mit jedem Grad Temperaturerhöhung über eine Woche hinweg um fünf bis zehn Prozent. Die Zeit des Pollenflugs habe sich in den vergangenen 30 Jahren um 10 bis 11 Tage verlängert. Dies zeige, dass der Klimawandel Auswirkungen auf Menschen in allen europäischen Ländern habe, unabhängig von der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Staates, schreibt die WHO. Auch die von Zecken übertragenen Erreger der Lyme-Borreliose und der Hirnentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) breiten sich weiter aus. Die Keime wurden laut WHO bereits in Schweden und Tschechien entdeckt. Dienstag 6. Dezember 2005, 22:50 Uhr Gabriel auf WeltklimakonferenzMontréal (dpa) - Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist am Dienstagabend auf der Weltklimakonferenz in Montréal eingetroffen, wo er seine erste große internationale Bewährungsprobe im neuen Amt haben wird. Gabriel will möglichst auch die Entwicklungsländer und die USA mit ins Boot für den Klimaschutz holen.«Die USA sind für ein Viertel der Treibhausgase verantwortlich.» Es mache keinen Sinn, auf Dauer im Klimaschutz auf die USA zu verzichten, sagte er nach seiner Ankunft. Die Bundesregierung wolle sich für die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls einsetzen. «Wir sind sehr dafür, dass wir nach 2012 ein Kyoto 2 mit noch ambitionierteren Zielen bekommen.» Der Verhandlungsprozess dazu müsse spätestens 2009 abgeschlossen sein. Die Ziele von Kyoto 1 sind nur bis 2012 vereinbart, und Politik sowie Wirtschaft benötigen einige Jahre, um sich auf neue Ziele einzustellen. Seinen ersten großen internationalen Auftritt als Umweltminister hat Gabriel am späten Mittwochabend, wenn er im Konferenz-Plenum die Ziele Deutschlands vorstellt. Auf die Ministerrunde, die von Mittwoch bis Freitag oder gar Samstag dauern wird, kommen neben dem Streit um den Klimaschutz der Zukunft mehrere strittige Themen zu: Das Regelwerk zum Kyoto- Protokoll wurde zwar von allen Staaten akzeptiert, doch Saudi-Arabien blockiert die Annahme eines Kontrollsystems zur Einhaltung der Kyoto- Ziele. Zudem sollen die Hilfen für ärmere Staaten zur umweltfreundlichen Entwicklung ausgebaut werden. Den Vorschlag, den Erhalt der Wälder künftig im Rahmen des Klimaschutzes anrechnen zu lassen, haben zwar zahlreiche Staaten begrüßt. Unklar sind jedoch noch etliche technische Details. Unterdessen hat der Präsident der Klimakonferenz, Stéphane Dion, einen ersten Entwurf für ein Abschlusspapier auf den Tisch gelegt. Er will demnach eine Diskussion über den künftigen Klimaschutz starten, die bis Ende 2007 in einen neuen UN-Klimaschutzvertrag münden soll. Der Vorschlag bezieht sich auf die Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro 1992, der auch die USA beigetreten sind. Konkrete Treibhausgasziele sind in seinem Vorschlag erwartungsgemäß nicht enthalten. Es sollten aber künftig Ziele für eine umweltfreundliche Entwicklung der ärmeren Staaten vereinbart werden. Weitere Punkte sind die Anpassung an den Klimawandel, sowie das Ausreizen der Potenziale von Technik und Wirtschaftsmärkten für den Klimaschutz. Die Umweltorganisation WWF empfing Gabriel mit einem als «Kyot-o- meter» umgebauten «Hau den Lukas». Der beleibte Minister schlug ohne Probleme bis zur oben hängenden Glocke. Regine Günther, Leiterin des Klimaprogramms beim WWF Deutschland, bewertete die eindeutige Haltung des Ministers zum Klimaschutz als vielversprechend. Dienstag 6. Dezember 2005, 15:56 Uhr Forscher testen unterirdische Lagerung von CO2Ketzin (dpa) - Unter Federführung des Geoforschungszentrums (GFZ) Potsdam prüfen Wissenschaftler die Lagermöglichkeit von Kohlendioxid (CO2) unter der Erde. Damit soll erreicht werden, dass das Gas unter anderem aus Fabriken nicht in die Atmosphäre gelangt und damit zum Treibhauseffekt beiträgt.An dem ersten europaweiten Projekt im Land Brandenburg sind 15 Partner aus acht europäischen Ländern beteiligt. Voruntersuchungen laufen bereits in der Stadt Ketzin. Vom Sommer 2006 an soll bis in 800 Meter Tiefe gebohrt werden. Geklärt werden sollen nach Angaben von Projektleiter Günter Borm zum Beispiel, ob die CO2-Lagerung Risiken birgt. Dienstag 6. Dezember 2005, 21:15 Uhr DiCaprio produziert Dokumentarfilm über globale UmweltproblemeLos Angeles (AFP) - Der Hollywoodschauspieler Leonardo DiCaprio will einen Dokumentarfilm über die globalen Umweltprobleme produzieren. Wie der 31-Jährige am Dienstag in Los Angles ankündigte, soll es in dem Film mit dem Titel "11th Hour" (Elfte Stunde) unter anderem um das Problem der Klimaerwärmung gehen, "das eine der größten Herausforderungen für die Menschheit" sei. In dem Werk sollten zugleich "visionäre und praktische Lösungen zur Wiederherstellung der gefährdeten Ökosysteme" angeboten werden.Mittwoch 7. Dezember 2005, 05:42 Uhr Grünen-Chef attackiert US-RegierungBerlin (ddp). Vor der entscheidenden Phase der Weltklimakonferenz in Montreal hat Grünen-Chef Reinhard Bütikofer die US-Regierung für ihre Ablehnung verbindlicher Klimaschutzziele scharf attackiert. «Die Position der Bush-Administration ist gegenüber der Weltgemeinschaft unverantwortlich und liegt meilenweit hinter dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse», sagte Bütikofer der in Berlin erscheinenden Tageszeitung «Die Welt» (Mittwochausgabe). Allein in diesem Jahr habe der Klimawandel durch Hurrikane weltweit Schäden in Höhe von 200 Milliarden Euro angerichtet.Um die Blockadehaltung der USA zu überwinden, müsse sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dafür einsetzen, «ein Bündnis mit den Kräften in den Vereinigten Staaten hinzubekommen, die viel weiter sind als Präsident Bush und seine Regierung». sagte Bütikofer. Auf der Ebene der Bundesstaaten seien dies Kalifornien sowie der Nordwesten und Nordosten der USA. Zudem hätten bereits mehr als 160 Großstädte das Protokoll der Kyoto-Konferenz von 1997 zum Umweltschutz angenommen. «Auch im US-Senat und in der amerikanischen Wirtschaft, etwa in der Autoindustrie, wächst die Zustimmung für eine aktivere Klimaschutzpolitik», sagte Bütikofer weiter. Die Klimakonferenz werde nur dann ein Erfolg, «wenn es gelingt, die Tür aufzumachen für eine Kyoto-Plus-Phase nach 2012 und wenn dabei an dem Mittel verbindlicher Emissionsobergrenzen festgehalten wird». » zurück |
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