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Deutsche Holz-Beschaffungsrichtlinien

Beschaffungsrichtlinien könnten Wälder retten

Von Ulf Sonntag, Holz-Zentralblatt, 6.12.2005

Fehlende Beschaffungsrichtlinien für öffentliche Verwendung von Holz und Holzprodukten sowie mangelnde Umsetzung bestehender Anweisungen tragen zur Zerstörung von Tropenwäldern bei. Dies wurde in jüngster Vergangenheit an zahlreichen Beispielen verdeutlicht. Nach dem Einbau von Meranti-Fenster im Gebäude der Bundestagsverwaltung in Berlin (Bericht) ist nun auch in Sachsen die Verwendung von Tropenholz für ein öffentliches Bauwerk in die Kritik geraten: Die Gemeinde Tiefenbach (bei Chemnitz) hat eine Brücke aus Bongossi-Holz bauen lassen. Das Holz kommt aus Westafrika (Kamerun), wo es bislang noch keine verlässlichen Nachweise über nachhaltige Holzproduktion gibt.

Forderung nach langer Haltbarkeit und geringem Wartungsaufwand haben den Bauherrn, die Gemeinde Tiefenbach, von der Verwendung von Tropenholz für den Wiederaufbau der Brücke überzeugt. Ein Alternativangebot in heimischen Hölzern wurde abgelehnt, trotz geringerer Kosten. Der Freistaat Sachsen hat den Bau des 436.000 EUR teuren Bauwerkes mit 400.000 EUR gefördert. Aufgrund zunehmendem öffentlichen Drucks hat das Regierungspräsidium im Nachhinein einen Nachweis gefordert, dass das Holz nicht aus Raubbau stamme, und eine Rückforderung der Fördermittel nicht ausgeschlossen. Ein glaubwürdiges Zertifikat konnte bislang allerdings nicht vorgelegt werden, nur eine schriftliche Erklärung des Holzhändlers. Die Probleme rund um Holznutzung in Afrika sind so brisant, dass alleine die Ankündigung der ersten afrikanischen FSC-Zertifizierung von Naturwald für Aufsehen gesorgt hat (siehe z.B. Frankfurter Rundschau).

Herr Zill, Bürgermeister der Gemeinde Tiefenbach, sieht sich von der Politik im Stich gelassen, denn eine Beschaffungsrichtlinie, die die Herkunft von Hölzern für öffentliche Bauten regelt, gibt es in Sachsen derzeit nicht. Die Fraktion der Grünen hat die Diskussion um die Brücke zum Anlass genommen, eine solche Richtlinie zu fordern. Darin solle die Verwendung von Holz aus heimischen Wäldern oder mit FSC-Zertifikat vorgeschrieben werden. Als Reaktion auf den Einbau von Fenstern aus Meranti-Holz in das Verwaltungsgebäude des Bundestages wurde seitens der Grünen auch bei der neuen Regierung auf Bundesebene auf klare Beschaffungsregelungen zum Schutz der Wälder gedrängt (Bericht). Obwohl 2002 im Koalitionsvertrag festgelegt, ist es der Rot-Grünen Bundesregierung nicht gelungen, eine entsprechende Richtlinie zu verabschieden.


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