AktuellFSC-Plantagen-Zertifizierung
Deutsches Plantagenforum im FebruarVon Christina Hering, 7.12.2005Derzeit sind weltweit rund 8 Mio. ha Plantagen nach FSC-Standards zertifiziert. In der Vergangenheit mahnten jedoch FSC-Mitglieder immer wieder an, dass die Plantagenzertifizierung vor Ort zum Teil unterschiedlich umgesetzt wird. Als Konsequenz startete der FSC International Center im Herbst 2004 einen zweijährigen Überarbeitungsprozess, bei dem jede/r Interessierte eingeladen ist, sich zu beteiligen. Mit dem Start der Revision wurde ein internationales technisches Komitee eingerichtet, das die Prozesse moderiert und bearbeitet. Im März 2006 wird dieses Komitee dem FSC-Vorstand erste Ergebnisse vorlegen. Um Akteuren aus Deutschland die Beteiligung zu erleichtern, bietet die FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. ihren Mitgliedern die Teilnahme an einem Plantagenforum an. Ziel ist es, über den aktuellen Stand der Plantagenrevision zu informieren und im Rahmen von Arbeitsgruppen oder Kammertreffen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte zu diskutieren. Des weiteren möchten wir Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie Ihre Beiträge in den internationalen Diskussionsprozess einbringen können. Das Forum findet am 16. Februar 2006 von 13.00-18.00 Uhr in Frankfurt a.M. statt. Den Mitgliedern der FSC Arbeitsgruppe ist bereits eine schriftliche Einladung zugegegangen. Interessierte, die nicht Mitglied in der FSC Arbeitsgruppe sind, können Kommentare an die FSC Geschaeftsstelle senden, die in die Diskussion einfliessen werden. Kontakt: info@fsc-deutschland.de oder Fax: 0761 / 38653-79. Hinweis: Irrtümlicherweise gehen zertifizierte Betriebe häufig davon aus, dass eine Zertifizierung mit einer Mitgliedschaft in der FSC Arbeitsgruppe gleichzusetzten ist. Dem ist nicht so! FSC Mitglieder unterstützen die Arbeit des FSC in Deutschland ideell und fianziell und haben aktiv eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgruppe beantragt. Sie fühlen sich den Zielen des FSC verbunden und möchten sich aktiv an der Entwicklung des FSC Prozesses beteiligen. Die Mitglieder sind stimmberechtigt bei der Wahl des Vorstandes sowie bei der Verabschiedung des deutschen FSC-Standards, können in vielfältigen Gremien mitarbeiten, erhalten regelmäßig Informationen zu neuen Entwicklungen sowie zu Veranstaltungen der Arbeitsgruppe, werden auf der Homepage genannt, können die Mitgliedschaft als Werbeinstrument zur Dokumentation Ihres Umweltengagements verwenden, können kostenlos den Ökoteststicker (Test Holzprüfzeichen: FSC - sehr gut) für ihr Marketing verwenden und erhalten Vorzugspreise bei vielen Serviceangeboten. Plantagenzertifizierung aus Sicht eines deutschen WaldbesitzersVon Franz-Sales Fröhlich, Forstamt Lauenburg, 8.12.05Wir möchten Ihnen in einer Serie verschiedene Meinungen zur Plantagenzertifizierung nach den Regeln des FSC vorstellen. In der aktuellen Ausgabe veröffentlichen wir die Ausführung eines deutschen Waldbesitzers, Franz-Sales Fröhlich. Dem Thema Plantagen ist eines von insgesamt 10 Kriterien des FSC gewidmet. Dies entspricht durchaus der Bedeutung der Plantagenforstwirtschaft in der Welt. Sie findet großflächig insbesondere in den Regionen der Erde statt, in denen von Natur aus Wald nur spärlich vorhanden ist (Trockenwälder, Savannen, Grasländer) oder durch menschliche Kulturnahme, z.B. der Gewinnung von Grasland für Viehweide usw., Wald in früheren Zeiten beseitigt wurde. Auf diesen, durch menschliches Zutun entstandenen, Plantagen ist eine Wiederbewaldung aus klimatischen Gründen häufig erschwert oder gar unmöglich (z.B. in Portugal, Spanien, Schottland, Südafrika, Argentinien, Paraquay usw.). Diese Plantagen nenne ich im Folgenden "Steppenplantagen." Demgegenüber werden Plantagen aber auch in Gegenden angelegt, in denen die klimatischen Bedingungen für Waldwachstum günstig sind, dessen ursprünglicher Naturwald jedoch durch Übernutzung oder Raubbau soweit beeinträchtigt wurde, dass es wirtschaftlicher erscheint, auf diesen Flächen Plantagenforstwirtschaft mit schnellwachsenden Baumarten zu betreiben, als auf eine Regeneration dieses Waldes zu hoffen ( z.B. in Chile, Brasilien, Indonesien, mittelamerikanische Staaten, Südstaaten der USA usw. ). Diese Plantagen nenne ich im Folgenden "Waldplantagen." Der FSC Standard versucht, der Übernutzung und Schädigung von Naturwäldern einen Riegel vor zu schieben. Die Neuanlage von Plantagen in ehemaligen Naturwäldern ist nur in solchen Gebieten zulässig, die bis 1994 umgewandelt wurden. Allerdings besteht eine Ausnahmeregelung, die es Grundeigentümern und Bewirtschaftern ermöglicht, diese Umwandlung auch nach 1994 durchzuführen. Dies ist dann der Fall, wenn der Forstbetrieb dem Zertifizierer nachweisen kann, dass er sich für die Umwandlung nicht verantwortlich zeichnet. Eine solche Situation träfe z.B. beim Neukauf einer devastierten Waldfläche zu. In die Kategorie der "Waldplantagen" könnte man auch die großflächigen Nadelholzreinbestände aus Fichte, Kiefer und Douglasie in Deutschland einreihen, die überwiegend auf natürlichen Laubwaldstandorten begründet wurden. Ein Unterschied besteht darin, dass in den echten Plantagen ("industrial plantation") Kurzumtriebe (short rotation) zur optimalen Verzin-sung des Boden- und Kulturwertes angestrebt werden. Darüber hinaus werden in höherem Maße Pestizide und Dünger eingesetzt, um die negativen Begleiterscheinungen der Monokultur zu kompensieren. Folgt man jedoch jüngsten Veröffentlichungen aus süddeutschen Großprivatwäldern, so sind zahlreiche Betriebe nach ihrer "neuen Zielsetzung" nicht mehr weit von diesen "Waldplantagen" entfernt! Der deutsche FSC-Standard sieht die Zertifizierung von Plantagen nicht vor. Bestehende "Waldplantagen", also z.B. großflächige Fichtenreinbestände, müssen, wenn sie FSC-zertifiziert sind, zu standortsgemäßen Mischbeständen umgebaut werden, deren Baumartenzusammensetzung sich an der potenziellen natürlichen Vegetation orientieren muss. In Deutschland könnten erwähnte Großprivatwälder, die an der Beiwrtschaftung von standortsfremden Mono-kulturen festhalten, bzw. noch intensivieren wollen, nicht FSC-zertifiziert werden. Warum geht so etwas dann in anderen Ländern ? Für einen deutschen Waldbesitzer, der die Kriterien 1 – 9 durchaus unter wirtschaftlichen Lasten mit der Orientierung an der natürlichen Waldgesellschaft und dem Verzicht auf Düngung und Pestizide einhält, ist das nicht akzeptabel! Die FSC-Zertifizierung soll eine vorbildliche Waldbewirtschaftung erreichen, den Schutz der Naturwälder und die Wiederannäherung der bewirtschafteten Wälder an naturnahe Zustände vorantreiben. FSC-Zertifizierung will aber auch eine starke wirtschaftliche und soziale Leistung der Wälder für die Eigentümer und die direkt vom Wald Abhängigen erreichen. Ist letzteres der Schlüssel zur Plantagenzertifizierung durch FSC? Ich denke ja - aber nicht ausschließlich! Unbestritten ist, dass alle Plantagen eine hohe Leistung an Holzstoffen für die Massenbedürfnisse der Menschen, wie beispielsweise Zellstoff, Papier und auch Brennstoff, erbringen können und somit eine starke Wirtschaftsleistung für landwirtschaftlich geprägte Länder bedeuten. Plantagen liegen abseits der Ballungszentren und schaffen deshalb wertvolle Arbeitsplätze in ländlichen, nicht industrialisierten Regionen. Folgende Lösung des Dilemmas zwischen Ökonomie und Sozialem einerseits und der vorbildlichen Waldbehandlung andererseits, könnte ich mir vorstellen: "Steppenplantagen"
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