Aktuell


"Natur"-Katastrophenjahr 2005

Donnerstag 29. Dezember 2005, 11:21 Uhr

Klimarekordjahr 2005 beunruhigt Meteorologen

Frankfurt/Main (AP) Für Klimaforscher war 2005 ein Jahr der Rekorde - im negativen Sinn. Weltweit sorgten vor allem die zahlreichen und heftigen Hurrikane, aber auch Dürre und Überschwemmungen für Unbill. Schon wird vom heißesten, stürmischsten und trockensten Jahr seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen gesprochen. Die Folgen lassen sich in Dollar und Cent erfassen: Der weltgrößte Rückversicherer, die Münchener Rück, rechnet mit einem Gesamtschaden von rund 75 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr, sehr viel mehr als die 45 Milliarden Dollar im Vorjahr.

«Das war ein wirklich herausragendes Jahr», sagt Ernst Rauch, Abteilungsleiter Sturm-, Unwetter- und Klimarisiken bei der Münchener Rück. Vor allem der Hurrikan «Katrina» sorgte seinen Worten zufolge mit allein 45 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) für den größten Batzen des neuen Schadensrekordes. Auch nach Ansicht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war 2005 extrem: Zwar gibt es noch keine Zahlen, das Jahr war aber bei der Anzahl der Wetterwarnungen am oberen Limit, wie DWD-Meteorologe Andreas Friedrich sagt. Allein für die Region Hessen seien mehr als 450 Warnungen herausgegeben worden. Dabei sei sogar die Schwelle für die Herausgabe einer Warnung nach oben gesetzt worden. Vor allem Gewitter und Hagel waren demnach häufig: «Wir hatten einen relativ unbeständigen Sommer, dafür aber kaum winterliche Orkane», bilanziert Friedrich.

Pessimistisch sind auch die Erwartungen der Meteorologen für die kommenden Jahre. «Die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Aktivität tropischer Wirbelstürme ist sehr groß», sagt Münchner-Rück-Experte Rauch. Auch DWD-Mann Friedrich erwartet eine Zunahme der Intensität von Hurrikanen.

Laut Rauch sind es vor allem zwei Gründe, die für die nahe Zukunft noch mehr Unwetter erwarten lassen. Zum einen befänden sich die Meeresströmungen seit 1995 in einer zyklischen Warmphase. «Diese natürliche Phase wird wohl noch anhalten», sagt er. Zum anderen sei das Wasser des Atlantiks derzeit nicht nur überdurchschnittlich warm, sondern auf einem historischen Rekordwert. Schuld daran sei «sehr wahrscheinlich die globale Klimaerwärmung», da sich die Lufttemperatur mit der Wassertemperatur koppele.

Auch für gemäßigtere Breiten wie in Deutschland sehen die Experten bei fortschreitender Erwärmung eine größere Unwetterwahrscheinlichkeit. «Je höher die Temperaturen im Sommer, desto leichter bilden sich Gewitter», sagt Rauch. Schon bei der Niederschlagsstatistik sei das als schleichender Prozess in den vergangenen Jahrzehnten abzulesen. Zwar ändert sich nicht die Menge, wohl aber die Verteilung: «Es regnet kürzer und heftiger», sagt Rauch. Mit entsprechenden Folgen für die Schadensseite, wie der Versicherungsexperte weiß: Schließlich machten Extreme die Schäden. Zudem verlagerten sich die Niederschläge weg von den trockeneren und wärmeren Sommern hin zu den feuchteren und milderen Wintern. Die Schneefallgrenzen wanderten dementsprechend nach oben, zudem gebe es einen Rückgang der Gletscher, wie er so noch nie beobachtet worden sei, erläutert Rauch.

Entsprechend sei es unvermeidlich, dass die Versicherungsprämien weltweit nach oben gehen. Die Einnahmen müssen prozentual ebenso steigen wie die Schäden, sagt der Münchener-Rück-Experte.

Bei allen trüben Aussichten machen die Meteorologen wenigstens eine positive Anmerkung: Die Qualität der Vorhersage wird besser. Mittlerweile seien stabile Wetterberichte für 5 bis 7 Tagen möglich, betont Rauch, um das gleich wieder einzuschränken: «Auch die beste Vorhersage hilft nur eingeschränkt bei der Schadenvorsorge.» Denn die Prognosen beschränkten sich auf großräumigere Ereignisse und könnten nicht vorhersagen, welches Gebäude von einem Blitz getroffen wird. Und selbst wenn man wisse, dass ein Gewitter über das eigene Haus ziehe, seien die Reaktionsmöglichkeiten begrenzt. «Was fehlt in der Reaktionskette, ist eine längerfristige Anpassung an Unwetter, also Baumaßnahmen.» Neben besseren Wettervorhersagen müssten also vor allem Anpassungen etwa bei der Bauweise sowie Landnutzung und Hochwasserschutz erfolgen.


Donnerstag 29. Dezember 2005, 12:29 Uhr

Hurrikane machen 2005 zum teuersten Katastrophenjahr

München (AFP) - Hurrikane und Erdbeben haben das Jahr 2005 zum teuersten Naturkatastrophenjahr in der Versicherungsgeschichte gemacht. Die volkswirtschaftlichen Schäden schnellten auf eine Rekordhöhe von mehr als 200 Milliarden US-Dollar (168 Milliarden Euro), 38 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie der Rückversicherer Münchener Rück mitteilte. Die versicherten Schäden hätten mit mehr als 75 Milliarden Dollar eine neue Dimension erreicht und die Rekordbelastung des Tsunami-Jahres 2004 noch verdoppelt. Insgesamt starben in diesem Jahr mehr als 100.000 Menschen durch Naturkatastrophen.

Das verheerende Erdbeben vom 8. Oktober in der pakistanischen Region Kaschmir zählte mit deutlich mehr als 80.000 Todesopfern, zahllosen Verletzten und Obdachlosen zu den schlimmsten Erdbeben der vergangenen hundert Jahre, erklärte der Rückversicherer weiter. Lediglich die Sturmflut in Bangladesch 1991 und der Tsunami vom Dezember 2004 hatten in den vergangenen 25 Jahren mehr Menschenleben gefordert.

Der mit 125 Milliarden Dollar größte volkswirtschaftliche Einzelschaden ging auf das Konto von Hurrikan Katrina, der unter anderem New Orleans verwüstete, erklärte die Münchener Rück weiter. Rund 45 Milliarden Dollar Schäden seien davon versichert gewesen. Die Stürme wie Katrina, Rita und Wilma drückten den Gewinn um knapp 1,5 Milliarden Euro, erklärte der Konzern. Dennoch zeigten sich die Münchener zuversichtlich, das angestrebte Ergebnisziel für das laufende Jahr zu erreichen und kündigten eine um 55 Prozent höhere Dividende von 3,10 Euro pro Aktie an.


Donnerstag 29. Dezember 2005, 12:11 Uhr

Emissionshandel kommt langsam in Schwung

Berlin (AP) Neun Monate nach dem offiziellen Start kommt der Emissionshandel zum Klimaschutz langsam in Schwung. Von den kostenlos an alle beteiligten Industriebetriebe und Kraftwerke vergebenen Schmutzzertifikaten hätten laut Handelsregister im Laufe des Jahres etwa 18 Prozent den Besitzer gewechselt, erklärte das Umweltbundesamt am Donnerstag in Berlin. Das tatsächliche Handelsvolumen sei noch höher gewesen.

«Die Belastung der Umwelt, der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid ist jetzt Thema für die Finanzvorstände», sagte UBA-Chef Andreas Troge. Er zog eine positive Bilanz des neuen Klimaschutzinstruments. Für den Handel wurde den beteiligten 1.800 Unternehmen jeweils eine bestimmte Menge CO2-Zertifikate für die Zeit bis 2007 zugeteilt. Bläst die Anlage weniger Dreck in die Luft, darf das Unternehmen überschüssige Verschmutzungsrechte verkaufen; wird die Grenze überschritten, muss es zukaufen.

Die erste Handelsperiode gilt als Testlauf für eine zweite von 2008 bis 2012. Dann wird es ernst, weil über den Handel eine echte Minderung des Kohlendioxidausstoßes erreicht werden muss, damit Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll einhält. Die Vorbereitung der zweiten Handelsphase soll im kommenden Jahr beginnen.

Troge warb im Sinne des Klimaschutzes auch für eine stärkere Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung, also der gleichzeitigen Produktion von Strom und Heizwärme in Kraftwerken. Damit ließen sich die Kohlendioxid-Emissionen weiter reduzieren, sagte Troge im Deutschlandradio Kultur. Eine stärkere Nutzung der Atomkraft lehnte er hingegen ab.

http://www.dehst.de/

http://www.umweltbundesamt.de/


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