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Wiss. Jahresrückblick (2)
Mittwoch 28. Dezember 2005, 23:40 Uhr
Das Wissenschaftsjahr 2005: Klima, Klone und Planeten
Hamburg (dpa) - Der Klimawandel hat schon jetzt deutliche Spuren hinterlassen und ist kaum mehr zu stoppen. Inzwischen wachsen Stechpalmen in Schweden, wie Forscher der Universitäten Hannover und Lund im Jahr 2005 berichteten.
Die Kohlendioxid-Konzentration hat den höchsten Stand der vergangenen 650 000 Jahre erreicht, ergaben Daten aus Luftbläschen in einem Eisbohrkern der Antarktis. Und die gewaltige atlantische Meeresströmung, die Nordeuropa mildes Klima bringt, verlangsamt sich britischen Messungen zufolge.
Die Zerstörungskraft der Hurrikans nahm - wie von Forschern prognostiziert - in den vergangenen Jahrzehnten zu, und die Eisschicht der Arktis ist auf ein Rekordtief geschmolzen. Selbst ein abrupter Kohlendioxid-Stopp könnte den Klimawandel nicht aufhalten. Mindestens 20 Jahre lang steige die Temperatur noch um mehrere zehntel Grad an, berechnete ein französisch-amerikanisches Team.
Ein Lösungsansatz gegen den Treibhauseffekt, wenn auch ein wenig spät, könnte die Kernfusion als Energiequelle sein. Im Juni fiel die Entscheidung, den 4,57 Milliarden Euro teuren Testreaktor ITER in Frankreich zu bauen. Die als vergleichsweise umweltfreundlich geltende Fusion gewinnt Energie aus der Verschmelzung von Wasserstoffatomkernen. Eine kommerzielle Nutzung der Technik wird jedoch erst in 40 bis 50 Jahren erwartet.
Das Kohlendioxid lässt auch die Weltmeere versauern, berichtete ein internationales Forscherteam im Juli. Die akute Hauptgefahr für das Meeresleben ist jedoch die Fischerei, wie das amerikanische Earth Policy Institute im Juni 2005 untermauerte: 2003 zogen Fischer 90 Millionen Tonnen Meerestiere aus dem Wasser, drei Jahre zuvor waren es noch 96 Millionen Tonnen. Dabei hatte sich die Fangtechnik verbessert. Da hilft auch die Entdeckung neuer Arten nichts: Bei den Fidschi-Inseln wurde eine neue Korallenbarschart entdeckt - handgroß und lila.
Biologen fanden 2005 zudem eine neue Affenart, die Hochland Mangaben, im kaum zugänglichen Regenwald Tansanias. Göttinger Forscher entdeckten zwei neue Halbaffenarten auf Madagaskar. Die Umweltstiftung WWF präsentierte im April die mit zehn Zentimetern Länge «größte Kakerlake der Welt». Das Tier lebt auf Borneo. Die Artenzahl steigt damit keineswegs: So ist etwa ein Viertel aller Affen und Halbaffen vom Aussterben bedroht, wie die Weltnaturschutzunion berichtete.
Das Erbgut von Schimpansen und Menschen ist zu 98,7 Prozent identisch, entdeckte ein internationales Team, das die gesamten Gene der Affenart sequenziert hatte. Zudem wurde das Erbgut eines Hundes entziffert. Boxerdame Tasha stand dafür Modell. Auch in den Zoo der Klontiere gesellte sich im August wahrscheinlich ein Hund. «Snuppy», ein afghanischer Windhund, stammt aus dem Labor des Südkoreaners Hwang Woo Suk. Nach Fälschungsvorwürfen gegen Hwang wollte eine Kommission jedoch noch prüfen, ob «Snuppy» ein echtes Klontier ist.
Der Verdacht gegen den vermeintlichen Klonpionier Hwang weitete sich seit Ende November immer mehr aus. Im Mai hatte er weltweit Aufsehen erregt, weil er im US-Fachjournal «Science» maßgeschneiderte embryonale Stammzellen für schwer kranke Patienten präsentierte. Später gab er zu, für diese Arbeit Eizellen von zwei Mitarbeiterinnen genutzt zu haben. Er trat daher zunächst von allen öffentlichen Ämtern zurück. Im Dezember schließlich legte er seine Professur an der Nationaluniversität in Seoul nieder, nachdem eine Untersuchungskommission Fälschungen aufgedeckt hatte. Demnach existierten nur zwei statt der von Hwang angegebenen elf Stammzelllinien zum Stichtag 15. März, als er seine Arbeit einreichte.
Die UN-Vollversammlung nahm im März lediglich einen unverbindlichen Aufruf zu einem totalen Klonverbot an. Damit scheiterten alle Versuche Deutschlands und anderer Staaten, das Klonen zur Erzeugung von Babys durch eine völkerrechtlich bindende Konvention verbieten zu lassen.
Zehn Jahre nach der ersten Entdeckung eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems haben Forscher 2005 erstmals einen erdähnlichen Planeten im fernen All gefunden. Der Cousin der Erde hat etwa ihren doppelten Durchmesser. Damit ist er der kleinste bekannte Exoplanet. Für Leben ist es auf ihm aber zu heiß. Unser eigenes Sonnensystem hat möglicherweise einen zehnten Planeten. Xena hat sogar einen eigenen Mond. Ob Xena allerdings ein Planet ist, entscheidet die Internationale Astronomische Union vermutlich erst im Frühjahr.
Für die deutsche Forschung brachte das Nobelpreiskomitee eine besondere Freude. Der Münchner Max-Planck-Forscher Theodor Hänsch erhielt den Physik-Nobelpreis 2005 für seine Beiträge zur Laserphysik. Diese könnten zu exakteren Atomuhren führen. Der Preis durchbricht eine Serie: Alle drei vorangegangenen deutschen Physik- Nobelpreisträger forschten bei der Bekanntgabe der Auszeichnung in den USA.
Samstag 31. Dezember 2005, 07:45 Uhr
Jahresrückblick 05: Ein Jahr der Katastrophen
Ungelöste Probleme des Blauen Planeten werden evidenter
Wien (pte) - Der Jahresbeginn 2005 war von einer der schwersten Naturkatastrophen - dem Tsunami im Indischen Ozean vom 26.12. 2004 - geprägt. Mehr als 230.000 Menschenleben (nach anderen Angaben sogar 300.000) hat dieses Naturereignis gefordert. Klar geworden ist dabei, dass der Mensch den Gewalten der Natur selbst mit Hochtechnologie nicht entgegen wirken kann. Ein wesentlicher Kritikpunkt der Experten war, dass die nicht nachhaltige Siedlungspolitik wesentlich zur hohen Opferbilanz beigetragen hat. In zahlreichen Berichterstattungen während des Jahres ist auch deutlich geworden, dass schwere ökologische Schäden wie zerstörte Korallenriffe und abgeholzte Mangroven, die Wucht der zerstörerischen Wellen nicht aufhalten konnten. Der Wunsch nach einer nachhaltigen Nutzung der Erde ist damit erneut Top-Agenda geworden. Zahlreiche internationale Organisationen haben sich dafür stark gemacht, die natürliche Vegetation zu schützen und Tourismus in der Region nachhaltiger zu machen.
2005 war zudem das zweitwärmste Jahr seit dem Beginn der Temperaturmessungen 1861. Auch die CO2-Werte erreichten seit 650.000 Jahren Höchstwerte. Obwohl Zusammenhänge mit der schlimmsten Hurrikan-Saison in den Südstaaten der USA und der Karibik derzeit nicht eindeutig nachweisbar sind, bleibt evident, dass die Oberflächentemperatur im Atlantik noch nie so hoch war wie in diesem Jahr. Besonders hart getroffen wurde die Südstaaten-Metropole New Orleans, die nach dem Hurrikan Kathrina in nie da gewesenen Wasser- und Schlammmassen zu ersticken drohte. Im Gegensatz dazu herrschte in der Region Amazonien die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Auch in West-Afrika, vor allem in der Republik Niger, haben Heuschrecken und Dürre zu einer der schlimmsten Hungersnöte der vergangenen Jahrzehnte geführt. Damit ist deutlich geworden, wie schlimm die globale Erwärmung auf die Menschen und die Umwelt wirkt - die Auswirkungen werden auch Europa treffen (pressetext berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=051028035 und http://www.pte.at/pte.mc?pte=051027046 ). Trotz der Null-Runde bei den diversen Klimakonferenzen, scheint kein ernst zunehmender Politiker mehr an der Tatsache der globalen Erwärmung zu zweifeln.
Ungelöst bleiben auch weiterhin Fragen der Energieprogramme der Zukunft. Zwar hat die Weltwirtschaft unter dem stetig steigenden Preis des Rohöls gelitten, doch fehlen praktikable und kostengünstige Alternativen weitgehend. Erneuerbare Energien spielen nur in der industrialisierten Welt eine wesentliche Rolle. Die armen Länder sind immer noch von fossilen Brennstoffen abhängig und geben auch einen Großteil des Kapitals für den Kauf dieser aus. Die Schere zwischen reich und arm klafft immer weiter auseinander. Zu den gewaltigen wirtschaftlichen Problemen kommen auch noch die Umweltzerstörung und damit die Zerstörung der Lebensgrundlage erschwerend hinzu. Globalisierungskritiker argumentieren, dass zu wenig für die nachhaltige Entwicklung gemacht werde (pressetext berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=051219035). Bis zu 50 Mio. Umweltflüchtlinge werden in den kommenden fünf Jahren von der UN-Flüchtlingshilfeorganisation erwartet. Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Malaria raffen gerade in diesen Ländern Mio. Menschenleben dahin. Genetisch veränderte Nahrungsmittelpflanzen, die resistenter sind, waren bisher nicht in der Lage den Hunger ein Ende zu bereiten. Experten befürchten sogar, dass diese die Abhängigkeit von internationalen Saatgutkonzernen nur noch vergrößern könnten. Ökologen warnen davor, dass sich genetisch veränderte Pflanzen mit wildlebenden Arten kreuzen könnten. (pressetext berichtete http://www.pte.at/pte.mc?pte=051010032 und http://www.pte.at/pte.mc?pte=050113050)
In der Medizin und Wissenschaft gab es in diesem Jahr einige Erkenntnisse, die dem Geheimnis des Lebens näher gekommen sind. So etwa die Gen-Sequenzierung von zahlreichen neuen Arten wie den Schimmelpilzen. Auch im Bereich Hightech-Medizin scheinen die Forscher den Geiseln der industrialisierten Welt - Krebs und Zivilisationskrankheiten - zunehmend auf die Spur zu kommen. Die große Angst herrscht unter den Experten vor einer Wiederholung einer Epidemie, ähnlich der spanischen Grippe von 1918/19, die damals insgesamt 27 Mio. Todesopfer (nach anderen Quellen sogar 50 Mio.) forderte. Die Angst vor dem Vogelgrippe-Virus war nach Ansicht von zahlreichen Experten medial übertrieben. Dennoch fürchten sich Virologen davor, dass ein bisher unbekannter Erreger durch Mutation auch für Menschen gefährlich werden kann. Zu den immer noch ungelösten Problemen in den Ländern Afrikas gehören die hohen Sterblichkeitsziffern der Kinder. Experten meinen, dass diese allein durch eine bessere Aufbereitung von Trinkwasser deutlich reduziert werden könnte.
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