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Klimawandel bremst Golfstrom
Freitag 27. Oktober 2006, 16:28 Uhr
Forscher: Klimawandel bremst Golfstrom
Saint-Malo (dpa) - Europa droht wegen des Klimawandels keine neue Eiszeit. Der wärmende Golfstrom im Nordatlantik werde nach neuen Erkenntnissen zwar vom Klimawandel beeinträchtigt, dadurch aber nicht zusammenbrechen.
Das sagte der wissenschaftliche Leiter des europäischen Programms Eur-Océans, Paul Tréguer, am Freitag im bretonischen Saint-Malo. Zudem ist der Einfluss des Meeresstroms auf das europäische Klima den Angaben zufolge kleiner als allgemein angenommen. An Eur-Océans sind 500 Wissenschaftler von 60 Instituten aus 20 Staaten beteiligt.
Die Forscher kommen zu dem Schluss,
dass der Golfstrom nur ein Fünftel dazu beiträgt, dass es in Hamburg spürbar wärmer ist als auf gleichem Breitengrad in Cartwright im ostkanadischen Labrador. Vier Fünftel seien den Westwinden zuzuschreiben. Die Abgabe der im Meerwasser gespeicherten Wärme im Winter verstärke allerdings die Wirkung.
Der Golfstrom transportiert von der Oberfläche bis in maximal ein Kilometer Tiefe warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko bis an die norwegische Küste. Mit 80 Millionen Kubikmetern pro Sekunde ist er um ein Vielfaches ergiebiger als alle Flüsse der Welt zusammen. Unter Klimaforschern wird diskutiert, ob eine Unterbrechung des Golfstromes durch abschmelzendes Grönland-Eis Europa einen Kälteschock versetzen könnte.
Für ihre Modellrechnungen setzten die Eur-Océans-Wissenschaftler über Satellit verbunden Messsonden und Tauchroboter ein. Das Ergebnis bestätigt die Erwartung, dass der Golfstrom von der Erderwärmung beeinträchtigt wird. «Es besteht Konsens, dass der Golfstrom sich bis zum Jahre 2100 um 30 Prozent verlangsamen wird», sagte Professor Martin Visbeck vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar. Denn Schmelzwasser aus dem Polargebiet und vermehrte Regenfälle werden den Salzgehalt des Oberflächenwassers verringern. Dies bremst das Abtauchen des kalten Wassers und damit den Golfstrom. Zusammenbrechen wird «Europas Zentralheizung» demnach aber nicht.
Als Nebenwirkung dürfte den Forschern zufolge jedoch die Rolle des Ozeans als Kohlendioxidgrab geschwächt werden. Die Meere nehmen jährlich zwei Milliarden Tonnen dieses Treibhausgases auf. Dieser Prozess wird gebremst.
Internet: www.eur-oceans.info
Freitag 27. Oktober 2006, 16:36 Uhr
Arktischer Ozonverlust in unterer Atmosphäre durch Brom
Hamburg (dpa) - Der vorübergehende Verlust von Ozon in der unteren Atmosphäre (Troposphäre) der Arktis geht nach Erkenntnissen von deutschen Forschern auf zerstäubte Salzteilchen über gefrierendem Meereis zurück.
Das berichteten Wissenschaftler der Universitäten Hamburg und Bremen sowie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie identifizierten eine durch Brom-Ionen ausgelöste Kettenreaktion über dem polaren Meereis im Frühjahr als Ursache des bodennahen Ozonabbaus. Anders als das Ozonloch in 30 Kilometern Höhe in der Stratosphäre habe diese Ozonzerstörung keine direkten Auswirkungen auf unsere Gesundheit.
Den Erkenntnissen zufolgen werden beim Gefrieren von Meerwasser in aufreißenden Eisspalten salzhaltige Teilchen (Aerosole) durch Aufwinde verteilt. Entscheidend für die Zerstörung des Ozons sei dabei, dass bei dem Vorgang Karbonate im Eis zurückbleiben. Meerwasser ist durch den Gehalt an Karbonaten leicht alkalisch. Die bei Kälte schwer löslichen Karbonate werden im Eis gebunden, die Aerosole bekommen einen sauren Charakter. Nur diese sauren Salzaerosole sind den Erkenntnissen zufolge in der Lage, die «Bromexplosion» und damit die Zerstörung von Ozon in der bodennahen Luftschicht auszulösen.
Die Forscher berichten im Fachblatt «Atmospheric Chemistry and Physics» (Bd. 6, S. 4653) über ihre Ergebnisse.
27. Oktober, 2006
EU droht Klimaschutzziel zu verfehlen
Brüssel. AP/baz. Die EU droht ihr selbstgestecktes Klimaschutzziel für 2012 zu verfehlen. Wenn die Regierungen keine zusätzlichen Anstrengungen unternähmen, würden die Kohlendioxid-Emissionen der 15 alten EU-Staaten im Jahr 2010 nur um 0,6 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen, teilte die EU-Kommission am Freitag mit. Damit wäre das Ziel, bis 2012 den Ausstoss an Treibhausgasen um acht Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, wohl nicht mehr zu erreichen.
Die Kommission forderte die Mitgliedstaaten daher auf, bereits beschlossene Massnahmen zur Verminderung der Kohlendioxid-Emissionen auch umzusetzen. Falls dies geschehe, könne bis 2010 eine Absenkung um 4,6 Prozent erreicht werden. Darüberhinaus wollten zehn der 15 alten EU-Staaten sich Bemühungen um die Reduzierung von Treibhausgasen in Drittländern anrechnen lassen, was nach dem Kyoto-Protokoll für Klimaschutz möglich ist. Dies könne etwa drei Prozentpunkte bringen, rechnete die EU-Kommission vor. Würde zusätzlich Wald aufgeforstet, der Kohlendioxid teilweise absorbiert, so könnten die 15 alten Mitgliedstaaten ihr Ziel gerade erreichen, erklärte die Brüsseler Behörde.
Die im Jahr 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten unterliegen der von der EU unter dem Klimaschutzprotokoll eingegangenen Verpflichtung nicht. Wegen des Transformationsprozesses in den ehemaligen Ostblockstaaten sind dort aber die Kohlendioxid-Emissionen zurückgegangen, so dass alle 25 EU-Staaten zusammen bis 2010 eine Minderung der Treibhausgase um 10,8 Prozent erreichen könnten.
Klimawandel: Regierungen stehen in der Verantwortung
Britische Außenministerin Margaret Beckett: „Wenn wir den Klimawandel richtig anpacken, werden wir zahlreiche Probleme weit besser lösen können“
Von Holler, oekonews.at, 25.10.06
Gestern hat Margaret Beckett, britische Außenministerin, in Berlin in der britischen Botschaft eine wirklich bemerkenswerte Rede gehalten, wie fundamental das Thema Klimawandel und Klimasicherheit in Zukunft die Außenpolitik verändern wird, bzw. jetzt schon verändert. Es wird immer klarer, die internationale Debatte über den Klimawandel steht kurz vor dem Durchbruch auf eine andere Stufe. Die Veränderungen sind signifikanter und relevanter als je zuvor. „In letzter Zeit haben wir erfahren, dass Ausmaß und Dringlichkeit der Herausforderung, vor der wir stehen, noch schlimmer sind als befürchtet,“ so Beckett.
Sowohl das Institut "British Antarctic Survey" als auch das "National Snow and Ice Data Center" aus den USA haben berichtet, dass die Polarkappen schneller schmelzen, als wir es je für möglich gehalten hätten. Wissenschaftler der NASA haben davor gewarnt, dass katastrophale Folgen des Klimawandels wahrscheinlich nicht mehr abwendbar sein werden, wenn ein weiteres Jahrzehnt verstreicht, ohne dass die Emissionen drastisch reduziert werden. Auch Großbritanniens höchste Autorität in Sachen Folgen des Klimawandels, das "Met Office Hadley Centre", hat vor kurzem neue und beunruhigende Daten über das wahrscheinliche Ausmaß der durch Klimawandel ausgelösten Wüstenbildung und extreme Dürreperioden veröffentlicht.
„Es ist jetzt klar, dass Klimaschutz keine Option ist, für die man sich entscheiden kann oder auch nicht, sondern ein zwingendes Gebot. Klimawandel ist ein Problem von heute, nicht von morgen.“ erklärte Beckett. Sie wies außerdem auf die zahlreichen Probleme durch instabiles Klima hin: Temperaturerhöhungen, Ernteausfälle, Zugang zu Süßwasser, Häufigkeit und Schwere extremer Wettereignisse, usw.
Maßnahmen gegen den Klimawandel seien also nicht nur ein notwendiges Muss, sondern auch eine Chance.
„Unsere Aufgabe ist keine geringere als die, die größte öffentlich-private Partnerschaft ins Leben zu rufen, die es je gegeben hat. Wir müssen Rahmenwerke schaffen, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken, mit Anreizen und Strafen, gemeinsam genutzten Chancen und gemeinsam getragenen Lasten, um private Kapitalströme in Richtung CO2-armer Lösungen zu lenken. Und diese Rahmenwerke müssen auf allen Ebenen gleichzeitig geschaffen werden, auf nationaler, regionaler und globaler Ebene. Dafür brauchen wir das breitestmögliche politische Bündnis. Und damit wird es auch zu einer Aufgabe für uns. Dies ist nicht nur ein Umweltproblem. Es ist ein Verteidigungsproblem und ein Problem für alle, die mit Wirtschaft und Entwicklung, Konfliktverhütung, Landwirtschaft, Finanzen, Wohnungswesen, Verkehr, Innovation, Handel und Gesundheit zu tun haben. Dieses Bündnis auf die Beine zu stellen, ist eine Herausforderung für die ganze Welt, vom einfachen Verbraucher bis hin zum Staats- oder Regierungschef.“ erklärte Beckett.
Ihre Rede endete mit einem dringenden Appell an die deutsche Regierung, ihre Klima-Verantwortung bei Ihrer EU-Präsidentschaft und bei der G8- Präsidentschaft wahrzunehmen.
Sigmar Gabriel zeigt Al Gores "Unbequeme Wahrheit"
Sondervorführungen mit Diskussion in Dresden, Braunschweig, Hamburg und Berlin
BMU Pressemitteilung, Berlin, 26.10.2006
Seit Mitte Oktober ist der in Cannes und Sundance preisgekrönte Film "Eine unbequeme Wahrheit" von und mit dem ehemaligen Vizepräsidenten der USA, Al Gore, in den deutschen Kinos. In Zusammenarbeit mit dem Verleih United International Pictures lädt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel jetzt in mehreren Städten zu Sondervorführungen ein, um mit Kinobesuchern über diesen bemerkenswerten Film und die Politik zum Schutz des Klimas zu diskutieren. Die insgesamt vier Sondervorstellungen, die entweder kostenlos oder zu Sondereintrittspreisen angeboten werden, finden statt in Dresden, Braunschweig, Hamburg und Berlin.
Gabriel: "Al Gores Film warnt in einer originellen Mischung aus Humor und überzeugenden wissenschaftlichen Fakten vor den dramatischen Folgen der globalen Erwärmung. In beeindruckenden Bildern werden uns die verhängnisvollen Folgen menschlichen Handelns vorgeführt, die große ökologische Herausforderung vor der wir stehen, aber auch, wie wir sie meistern können."
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