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Aktuell
Klimakonferenz beginnt
Montag 6. November 2006, 07:38 Uhr
Internationale Klimakonferenz in Kenia beginnt
(AFP) - Im kenianischen Nairobi beginnt heute die zwölfte internationale Klimakonferenz. Die rund 6000 Teilnehmer aus mehr als 150 Staaten wollen bis zum 17. November über ein Kyoto-Folgeabkommen beraten. Ziel ist die Verlängerung des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase über das Jahr 2012 hinaus. In dem 1997 ausgehandelten Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten zu einer Senkung ihrer Treibhausgase bis 2012 um fünf Prozent unter das Niveau von 1990.
Allerdings boykottieren die USA als größte Verursacher von Treibhausgasen das im Februar vergangenen Jahres in Kraft getretene Protokoll. Auf dem Klimagipfel vor einem Jahr im kanadischen Montréal hatten die Partner der Klimarahmenkonvention von 1992 vereinbart, dass es ein Kyoto-Folgeabkommen geben soll.
Montag 6. November 2006, 10:17 Uhr
Weltklimagipfel in Kenia eröffnet
Nairobi (AP) Die dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung stehen im Mittelpunkt des Weltklimagipfels, der am Montag in der kenianischen Hauptstadt eröffnet wurde. In den kommenden beiden Wochen beraten dort tausende Politiker, Wissenschaftler und Umweltschützer aus rund 190 Staaten über ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll, das den Ausstoß an so genannten Treibhausgasen wie Kohlendioxid stoppen sollte. Dies ist bislang aber nicht im gewünschten Umfang gelungen.
Viele Delegierte hoffen dabei auch ein Zeichen aus den USA, die als größte Industrienation für rund 21 Prozent
der Treibhausgase verantwortlich sind. Es gilt aber als sehr unwahrscheinlich, dass sich die Regierung von Präsident George W. Bush zu verpflichtenden Zielen bei der Reduzierung des Ausstoßes an Treibhausgasen bereit erklären könnte. Die US-Regierung setzt hierbei auf freiwillige Verpflichtungen der Industrie. Treibhause entstehen vor allem bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Kohle oder Öl.
«Wir sind hier heute Morgen im Auftrag der Menschheit zusammengekommen, weil wir erkennen müssen, dass der Klimawandel sehr schnell zu einer der größten Bedrohungen geworden ist, denen sich die Menschheit je stellen muss», erklärte der kenianische Vizepräsident Moody Awori zur Öffnung der Beratungen.
In den kommenden beiden Wochen werden die Delegierten in vertraulichen Sitzungen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel präsentiert bekommen. Sie sollen im kommenden Jahr in einem umfangreichen UN-Bericht veröffentlicht werden.
Aber auch schon die zuletzt bekannt gewordenen Forschungsergebnisse geben Anlass zur Sorge:
- So ist die durchschnittliche Temperatur auf der Erde auf ein Niveau gestiegen, dass es zuletzt vor 12.000 Jahren gab. Besonders deutlich war der Anstieg dabei in den vergangenen 30 Jahren, wie US-Forscher im September berichteten.
- Die NASA berichtete im vergangenen Monat von einem «dramatischen» Abschmelzen der Eismassen in Grönland.
- Britische Klimaforscher meldeten im vergangenen Monat, dass rund ein Drittel der Erde von Dürren betroffen sein könnten, wenn die Klimaveränderung nicht gestoppt wird.
Die deutsche Bundesregierung will den Klimaschutz 2007 bei der Doppelpräsidentschaft in der EU und der G-8 in den Mittelpunkt stellen. Bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair am Freitag in London sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, beide Länder wollten bei der Entwicklung eines neuen Klimaschutzabkommens eng zusammenarbeiten. Der weltweite Klimawandel sei eine der größten Bedrohungen, erklärten beide.
http://unfccc.int/
Klimapoker unter afrikanischer Sonne
Klimagipfel (CoP12 / MoP2) in Nairobi (6.11.-17.11.06)
WWF Pressemitteilung, 6.11.06
Am Montag beginnt in Nairobi die nächste Verhandlungsrunde im internationalen Klimaschutz. Wieder werden sich mehr als 5000 Delegierte aus aller Welt in Nairobi den Kopf darüber zerbrechen, wie man die Welt vor dem Klimachaos bewahren kann. „Es kommt jetzt darauf an, den Rahmen zu schaffen, damit Klimaschutz nach dem Auslaufen der ersten Phase des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 anspruchsvoller fortgeführt wird. Vielen technischen Details soll ein Feinschliff gegeben werden“, meint Regine Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF. Wichtigster Tagesordnungspunkt sei die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen, etwa den Bau von Deichen, endgültig zu klären. Zwar habe man die Gründung eines so genannten „Adaptation Funds“ beschlossen, doch gebe es nach wie vor Unklarheiten, wie die ärmsten Länder auf diese Mittel Zugriff erhalten.
Vor diesem Hintergrund ist die kenianische Hauptstadt als Tagungsort gut gewählt. Die Delegierten dürften einen Vorgeschmack erhalten, was viele Regionen der Welt erwartet, wenn es nicht gelingt, den globalen Anstieg der Temperatur unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Ein jetzt vorgelegter WWF-Report verdeutlicht, wie Afrika schon heute unter dem Klimawandel ächzt. Im vergangenen Jahrhundert sind die Durchschnittstemperaturen auf dem schwarzen Kontinent um 0,7 Grad Celsius angestiegen. Für die Zukunft rechnen die Wissenschaftler mit einer weiteren Erwärmung von bis zu einem halben Grad alle zehn Jahre. Sintflutartige Niederschläge in Regenzeiten im Wechsel mit noch schlimmeren Dürren dürften die Folgen sein. Schnee am Kilimandscharo wird es kaum noch geben. Die Gletscher auf dem Dach Afrikas sind seit Jahrzehnten auf dem Rückzug.
„Die ärmsten Länder der Welt sind nicht in der Lage, die Bedrohung alleine in den Griff zu bekommen. Wassermangel, Hungersnöte und die Ausbreitung von Krankheiten werden sich durch den Klimawandel verschärfen“, befürchtet Regine Günther vom WWF. Die Naturschutzorganisation fordert die Verursacher des Problems, also in erster Linie die Industrieländer, auf, entsprechende Mitte bereitzustellen, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Gerade Länder, die besonders unter dem Klimawandel leiden, benötigen finanzielle Unterstützung, um sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen. In Afrika reicht das Spektrum an nötigen Maßnahmen von Sturm-Frühwarnsystemen bis hin zum Aufbau effizienter Bewässerung.
Klimawandel ist ein globales Problem. Daher wird es bei den Verhandlungen darum gehen, einen möglichst gerechten Beitrag der verschiedenen Länder festzulegen. Der WWF fordert von den Industriestaaten ein eindeutiges Bekenntnis, die CO2 Emissionen nach 2012 absolut deutlich schärfer zu reduzieren. Der Beitrag von Entwicklungsländern zum Klimaschutz könne in der zweiten Verpflichtungsperiode unterschiedlich gestaltet sein. Die Spanne reiche vom verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien bis zur deutlichen Reduktion des Abholzens ihrer Wälder.
Bundesregierung will in Nairobi beim Weltklimagipfel glänzen - „Hausaufgaben“ werden vernachlässigt.
BUND errichtet Kohlemauer am Brandenburger Tor
BUND Pressemitteilung, 6.11.06
Berlin: Aus Anlass des heute in Nairobi (Kenia) beginnenden Weltklimagipfels errichteten Aktivisten vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine „Kohlemauer“ und verteilten eine Zeitung mit dem Titel „Kohle-Express“ an Passanten. „Die Kohle vermauert die Zukunft“ und „Klimaschutz jetzt!“ war auf mitgebrachten Transparenten zu lesen. Die Aktion solle darauf aufmerksam machen, dass die Bundesregierung auf internationalen Klimakonferenzen zu glänzen versucht, in Deutschland aber ihre Hausaufgaben vernachlässigt, sagte Veronika Huber vom BUND: „Wenn die Energiekonzerne ihre Pläne umsetzen und in Deutschland wie geplant 19 klimaschädliche Kohlekraftwerke bauen, wird genau dies jede Möglichkeit für einen ambitionierten Klimaschutz verbauen“, sagte sie.
Es sei inakzeptabel, dass Umweltminister Sigmar Gabriel den großen Energieunternehmen ihr Bauprogramm für die 19 Kohlekraftwerke mit seinem Zuteilungsgesetz für Kohlendioxid-Emissionen erleichtern wolle und gleichzeitig das Gesetz zur Nutzung erneuerbarer Wärmeenergie auf die lange Bank schiebe. Ebenso unvereinbar mit dem Klimaschutz seien Pläne, auch nach 2012 den Steinkohlebergbau in Deutschland weiter zu subventionieren.
Gerhard Timm, BUND-Geschäftsführer: "Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Gabriel hören auf die falschen Berater. E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE wollen mehr Atomstrom verkaufen und mehr Kohle verstromen. Sie haben kein Interesse daran, aus der atomaren und fossilen Energieerzeugung auszusteigen. Das blockiert die dringend erforderliche Energiewende und die Bundesregierung leistet Schützenhilfe dabei. Gabriel muss seine Hausaufgaben in Deutschland machen, erst dann wird er auf dem internationalen Parkett wirklich glänzen können.“
Der BUND erwartet vom Weltklimagipfel in Nairobi einen konkreten Fahrplan für den Abschluss eines „Kyoto-Plus“-Abkommens zur Verminderung der Treibhausgase für den Zeitraum nach 2012. Bis 2012 wollen die 141 Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Abkommens die Klimagase um fünf Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Für die Zeit danach seien anspruchsvollere Ziele nötig. So müssten die Industriestaaten bis 2020 ihre Emissionen um 30 Prozent senken. Außerdem müsse alles getan werden, um große Emittenten wie die USA, Australien, China und Indien in den Kyoto-Prozess einzugliedern.
Insgesamt beurteilt der Umweltverband die Lage des globalen Klimas skeptisch. Die Anstrengungen der Staatengemeinschaft reichten bei weitem nicht aus, um den Klimawandel zu stoppen. Die weltweite Emission an CO2 habe sich seit 1990 um rund 20 Prozent erhöht. Zunehmende Klimaextreme wie Überschwemmungen, Hurrikans oder Dürren seien die Folge.
Klimaschützer machen weltweit Druck
Von Sanja Schlösser, Greenpeace-Online, 3.11.06
Am Samstag ist weltweit Aktion angesagt. Anlässlich der Klimakonferenz im kenianischen Nairobi protestieren dann Umweltschützer vieler Länder für eine verantwortungsvolle Klimapolitik. Die Weltklimakampagne soll den Delegierten der Konferenz nochmals klarmachen, was neueste Studien bewiesen haben: Nachlässige Entscheidungen werden fatale Konsequenzen haben.
Die Ideen der verschiedenen Länder zu den Aktionstagen sind vielfältig und fantasievoll. So betreibt das neuseeländische Greenpeace-Büro vom 4. bis 6. November ein Internetradio. Neben viel Musik und Interviews gibt es rund um die Uhr Informationen zum Thema Klimawandel. In Australien wird gegen den Klimawandel gewandert und die britischen Greenpeace-Aktivisten halten weiter die Stellung auf dem Kohlekraftwerk Didcot. Bisher ist keine Wiederaufnahme des Betriebs in Sicht.
In Nairobi wird vom 6. November an über eine Nachfolge für das Kyoto-Protokoll verhandelt. Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 beschlossen und trat 2005 in Kraft. Es gilt nur bis 2012 und hat etliche gravierende Schwächen, die in einem Nachfolgeabkommen verbessert werden müssen. So sind Entwicklungs- und Schwellenländer wie China und Indien bislang nicht zur Eindämmung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Aber auch in vielen Industrienationen steigt der CO2-Ausstoß allen Lippenbekenntnissen zum Trotz zum Teil weiter an.
Inzwischen gilt als sicher, dass wir nur noch zehn Jahre Zeit haben, um wenigstens die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Wenn die Politiker nicht handeln, kommt eine ökologische, soziale und wirtschaftliche Katatrophe auf uns zu. Die Studie von Sir Nicholas Stern geht davon aus, dass die Schäden jährlich zwischen fünf und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschlingen werden. Das sind zwischen 1,6 und 6,2 Billionen Euro.
Medienberichten zufolge zieht auch deutsche Prominenz mittlerweile die Konsequenzen. So boykottieren Tatort-Kommissar Peter Sodann, BAP-Sänger Wolfgang Niedecken und viele andere Schauspieler und Musiker die vier großen deutschen Energiekonzerne und steigen auf Ökostrom um. Auslöser sind auch hier die Verhandlungen um die Nachfolge des Kyoto-Protokolls.
Inwieweit sich der vielfältige Protest auf die zukünftige Klimaschutzpolitik auswirkt, wird sich ab Montag zeigen. Der Greenpeace-Klimaschutzexperte Karsten Smid warnte: "Es ist unsere Generation, die die Verantwortung für unser zukünftiges Klima trägt. Die Politik muss den Klimaschutz ganz oben auf die Agenda setzen, nicht nur in Nairobi sondern auch auf dem kommenden G8-Gipfel in Deutschland."
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