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Aktuell

Klimarekorde 2006 (erweitert)

Donnerstag 14. Dezember 2006, 21:02 Uhr

2006 ein Jahr neuer Klimarekorde

Washington/Genf/Hamburg (dpa) - 2006 wird als Jahr zahlreicher neuer Wetter-Rekorde in die Klimageschichte eingehen. Diese Entwicklung gefährdet unter anderem das Leben zahlreicher Ureinwohner der Arktis.

Davor warnten die Weltwetterorganisation (WMO) der Vereinten Nationen und die Gesellschaft für bedrohte Völker am Donnerstag. Laut WMO gab es in Teilen Europas, wie etwa Großbritannien (gemessen seit 1659), den Niederlanden (1706) und Dänemark (1768), den heißesten Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen. Zum Teil war es zwischen der Nordseite der Alpen und dem südlichen Norwegen mehr als drei Grad wärmer als im Durchschnitt. In den USA gab es die wärmste Periode zwischen Januar und September, hieß es bei der WMO in Genf.

Demnach wird 2006 vermutlich als sechstwärmstes Jahr in die Statistiken eingehen. Die endgültigen Zahlen sollen im März 2007 vorliegen. Schon jetzt stehe aber fest, dass die Temperatur in diesem Jahr 0,42 Grad über dem jährlichen Durchschnitt von 1961 bis 1990 lag.

Auch in Deutschland übertraf der Herbst 2006 alle Temperatur-Rekorde seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen. Der Herbst 2006 sei mit großem Abstand der wärmste seit 1901 gewesen, berichtete der Deutsche Wetterdienst kürzlich in Offenbach.

Betroffen ist laut WMO auch das Eis in der Arktis: Es schwinde Besorgnis erregend schnell. Im September sei mit 5,9 Millionen Quadratkilometern die zweitniedrigste Eisbedeckung gemessen worden. Der bisherige Rekord-Tiefstand von 2005 sei damit um nur 340 000 Quadratkilometer verfehlt worden. «Das ist ein ziemlich schneller und bedeutsamer Rückgang», sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud.

Nach Ansicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gefährden Klimawandel und Rohstoffabbau rund 400 000 Ureinwohner der Arktis. Durch die Plünderung der Bodenschätze stünden die Menschen buchstäblich vor dem Aus, warnte die GfbV in Hamburg bei der Vorstellung ihres Menschenrechtsreports «Die Arktis schmilzt und wird geplündert».

Angesichts einer schwindenden Schneedecke sei es für die Industrie immer interessanter und einfacher, Öl-, Erdgas- und Teersandreserven in den Polarregionen zu erschließen. Der Klimawandel in der Arktis vollzieht sich dem Bericht zufolge zwei Mal schneller als im globalen Durchschnitt. «Es gibt Schätzungen, wonach das Eis bis 2040 verschwunden ist», sagte der Polarforscher Arved Fuchs.

Infolge des Klimawandels könnte auch der Meeresspiegel stärker steigen als bislang angenommen. Das berichtet Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Journal «Science» (online vorab veröffentlicht). Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel zwischen 0,5 und 1,4 Meter höher liegen als 1990, heißt es dort. Bislang gingen Wissenschaftler von einem weiteren Anstieg im 21. Jahrhundert um 9 bis 88 Zentimeter aus. Die bestehenden Klimamodelle im Computer würden den heute bereits beobachteten Anstieg erheblich unterschätzen, schreibt Rahmstorf.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterdessen zu einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz aufgefordert. «Deutschland als größter Treibhausgasverursacher innerhalb der EU muss endlich vorangehen und Klimaschutz vorleben», hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Merkel. Vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft Anfang 2007 solle sich Deutschland zu einer Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 verpflichten.


Keiner will beginnen, keiner wird gewinnen

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 14.12.06

Der Bundestag debattiert am Donnerstag über die Ziele der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Aus diesem Anlass hat Greenpeace in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, sich klar zum Klimaschutz zu bekennen. Anderenfalls sind die internationalen Bemühungen zur Stabilisierung des Klimas in Gefahr. Deutschland sollte sich zu einer bedingungslosen nationalen Senkung des Treibhausgasausstoßes um 40 Prozent bis 2020 verpflichten.

"Es geht hier nicht um banale Dinge, Frau Merkel, es geht darum, dass ohne solche Reduktionsschritte demnächst das Klima aus den Fugen gerät," erklärt Klimaexperte Karsten Smid. Zurzeit will jeder dem anderen beim Klimaschutz den Vortritt lassen. Auf diese Weise werden echte Fortschritte immer weiter hinausgezögert.

Deutschland koppelt sein Reduktionsziel von minus 40 Prozent bezogen auf das Basisjahr 1990 daran, dass die EU sich zu Reduktionen von 30 Prozent verpflichtet. Die EU wiederum will sich davon abhängig machen, ob andere Industriestaaten mitziehen. Die anderen Industrieländer erwarten von Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien ein stärkeres Engagement. Diese jedoch verweisen darauf, dass erst einmal die reichen Verursacherländer ihre Hausaufgaben machen sollten.

"Dieses Klima-Mikado Wer sich zuerst bewegt, hat verloren können wir uns nicht leisten," so Smid. "Deutschland als größter Treibhausgasverursacher innerhalb der EU muss endlich vorangehen und Klimaschutz vorleben. Wollen wir das Abschmelzen des Grönlandeises und somit die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels noch aufhalten, muss endlich der Treibhausgasausstoß um relevante Größenordnungen vermindert werden."

Der erste wichtige Schritt ist, die Forderungen der EU-Kommission zum deutschen Nationalen Allokationsplan II (NAP II) zu akzeptieren. Greenpeace fordert die Bundeskanzlerin im offenen Brief auf, dafür zu sorgen, dass Umweltminister Sigmar Gabriel die EU-Änderungen bis zum 31. Dezember 2006 annimmt.

Die EU-Kommission kritisiert zu Recht, dass die Reduktionsziele in NAP II nicht den internationalen Abmachungen im Kyoto-Protokoll entsprechen, dass Deutschland die Emissionsentwicklung fehlerhaft einschätzt und dass ausgewählte Unternehmen ungerechtfertigt bevorzugt werden. Das betrifft zum Beispiel RWE und Vattenfall mit ihren klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken.

Seit Tagen laufen das Wirtschaftsministerium, Energiekonzerne und Gewerkschaften Sturm gegen die EU-Vorgaben. "Es stimmt nicht, dass die Vorgaben der EU der deutschen Wirtschaft schaden und Arbeitsplätze gefährden ," weist Smid Vorwürfe von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zurück. "Das Gegenteil ist der Fall: Versäumen wir es, heute in Klimaschutz zu investieren, wird uns das morgen teuer zu stehen kommen. Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, vor der die Menschheit steht."


Donnerstag 14. Dezember 2006, 13:35 Uhr

England verzeichnet das wärmste Jahr seit 1659

London (AP) Das zu Ende gehende Jahr war in England das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als drei Jahrhunderten, wie das Amt für Meteorologie in London am Donnerstag mitteilte. Die Jahresdurchschnittstemperatur wird mit 10,84 Grad aller Voraussicht nach den höchsten Wert seit 1659 erreichen.

Ähnlich warm war es zuletzt 1990 und 1999, als die Durchschnittstemperatur 10,63 Grad betrug. Überraschend kommt der neue Rekord nicht. Zuvor war schon bekannt gegeben worden, dass der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad Celsius in England der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen vor 347 Jahren war. Auch der Herbst war der bislang mildeste in Großbritannien. Als Ursache gilt die vom Menschen mitverursachte weltweite Erwärmung.

Die Werte für Mittelengland reichen bis das Jahr 1659 zurück. Es sind vermutlich weltweit die am längsten andauernden Messungen. Angaben für Großbritannien liegen erst seit 1914 vor. http://www.metoffice.gov.uk/


Donnerstag 14. Dezember 2006, 12:22 Uhr

Vögel leiden unter Erwärmung der Nordsee

Hamburg (dpa) - Der Klimawandel und die damit einhergehende Erwärmung der Nordsee macht auch den Vögeln zu schaffen. Weil sich die Beute der Seevögel ändert, droht ihnen nun möglicherweise Gefahr.

Das sagte der wissenschaftliche Direktor der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, Siegfried Ehrich, der Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstagausgabe). Beispielsweise verdränge die in der warmen Biskaya heimische Große Schlangennadel langsam den Sandaal in der Nordsee - die typische Beute der Dreizehenmöwen und Papageientaucher.

In ihrer Not fräßen diese Vögel jetzt mehr von den harten und schwer verdaulichen Schlangennadeln. Noch nach Stunden rage das zähe Tier den Vögeln aus dem Schnabel, viele Küken seien bereits verhungert. «Bisher haben die Vögel noch nicht gelernt, dass dieser Fisch nichts für sie ist», sagte Ehrich. Noch sei unklar, ob es im nächsten Jahr einen Lernprozess geben werde.

Auch der Kabeljau-Bestand in der Nordsee habe sich nach den warmen Wintern der letzten Jahre enorm verringert. Dafür kommen Ehrich zufolge nun vermehrt Fischarten wie Roter Knurrhahn, Meerbarbe oder Sardelle aus dem Mittelmeer hierher. «Die Sardinen fangen schon an, sich in der Nordsee zu vermehren.»


Freitag 15. Dezember 2006, 14:19 Uhr

Polarforscher Arved Fuchs warnt vor Folgen des Klimawandels

Hamburg (AP) Der Polarforscher Arved Fuchs warnt vor den Folgen des Klimawandels. Bei seinen Expeditionen in den letzten Jahren habe er dramatische Veränderungen gesehen. Nirgendwo auf der Welt ist der Klimawandel so deutlich erkennbar wie in der Arktis», sagte Fuchs der Zeitschrift «National Geographic» (Januarausgabe). Das Meer friere nicht mehr so lange zu wie früher, und das Eis erreiche nicht mehr die gewohnte Stärke.

Klimaforscher befürchten demnach, dass der so genannte Umkipppunkt erreicht ist, also im Sommer mehr Eis abtaut, als im Winter nachwächst. Dieser Prozess sei nicht mehr aufzuhalten.

Bei seiner knapp sechswöchigen Alaska-Expedition im Sommer 2006 wurden Fuchs und seine Mannschaft von einem plötzlichen Wärmeeinbruch überrascht. Fuchs konnte die Expedition daher nicht bis zum ursprünglichen Ziel durchführen.

http://www.arved-fuchs.de


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