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Aktuell
Düstere Klimaprognosen
Samstag 23. Dezember 2006, 13:13 Uhr
Düstere Prognosen für die Zukunft des Klimas
(AFP) - Der schon 2006 viel beschworene und viel befürchtete Klimawandel wird auch im kommenden Jahr eine zentrale Rolle in Politik und Wissenschaft spielen. Am 1. Februar kommen Spitzenforscher aus aller Welt in Paris zum Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaveränderungen der UNO (IPCC) zusammen. Was sie über die Entwicklung des Klimas auf unserem Planeten zu sagen haben, wird aller Voraussicht nach düster und erschreckend sein. "Das, was wir seit 1990 vorhergesehen haben, hat sich bestätigt: ein durchschnittlicher Anstieg von 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt", sagt der
IPCC-Klimaforscher Jean Jouzel.
"Die zu erwartenden Trends bleiben", sagt auch Hervé Le Treut, Forschungsdirektor von Frankreichs Nationalem Zentrum für wissenschaftliche Studien (CNRS). In seinem Bericht von 2001 hatte der IPCC einen Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius von den 1990er Jahren bis 2100 vorhergesagt. Auch Simulationen im Labor bestätigten diese Prognose, sagt Le Treu. Hinzu kämen inzwischen aber noch andere, zuvor nicht berücksichtigte Faktoren wie das Abschmelzen der Polarkappen und des Schnees in den Alpen, welche die Erwärmung beschleunigten. Zudem setze der durchbrochene Dauerfrost in Sibirien Methangase aus dem Boden frei.
Wenn nicht gehandelt werde, würden die globalen Temperaturen mit einer 75-prozentigen Wahrscheinlichkeit um zwei bis drei Grad Celsius im nächsten halben Jahrhundert ansteigen, fürchtet der britische Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Stern in seinem im November veröffentlichten Klima-Report. Stern sagt der Welt eine Rezession von "katastrophalem Ausmaß" mit einem klimabedingten ökonomischen Schaden von mehr als 5,5 Billionen Euro voraus.
Ebenfalls düster klingen die Warnungen von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der in den durch den Klimawandel hervorgerufenen Umweltschäden eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit sieht, die ebenso gravierend sei wie Kriege, Waffenhandel und Armut. Auf der Klimakonferenz in Nairobi beklagte Annan einen eklatanten Mangel an Führungswillen der politischen Entscheidungsträger in dieser Frage und rief die Regierenden zu sofortigem Handeln auf. Zwar stellte sich die Nairobi-Konferenz hinter die Beschlüsse des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase. Konkrete Maßnahmen, wie Kyoto schneller und wirksamer umgesetzt werden könnte, wurden jedoch vertagt.
Geschwächt werden die Kyoto-Ziele vor allem dadurch, dass das Land mit dem größten Ausstoß klimaschädlicher Gase - die USA - seine Unterschrift unter den Vertrag verweigert. Inzwischen ist zumindest der US-Bundesstaat Kalifornien aus der Verweigerungshaltung ausgeschert: Der Sunshine State will seine Emissionen bis 2020 entsprechend Kyoto verringern. Vicki Arroyo, Chefin der Abteilung Politische Analyse des Pew Center on Global Climate Change, hält kleinere Veränderungen der US-Politik für wahrscheinlicher als einen kompletten Sinneswandel.
Kleine Schritte wie klimafreundliche Gesetze könnten den Grundstock legen für einen größeren Handlungsrahmen. Andere in den USA durchsetzbare Maßnahmen könnten die Reduzierung von Abgasen bei der Stromherstellung und auf der Straße durch Engergiesparen sein, sagt Arroyo. Ob die Politik der kleinen Schritte die Natur und die Menschheit rechtzeitig vor größerem Schaden bewahren kann, ist eine andere Frage. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Claude Mandil, warnt davor, Abwehrstrategien gegen die Bedrohung durch den Klimawandel weiter auf die lange Bank zu schieben: "Wir können nicht noch einmal ein Jahrzehnt warten und hoffen, dass der technische Fortschritt das Problem schon lösen wird."
Mittwoch 20. Dezember 2006, 16:08 Uhr
Weiterhin keine Entscheidung in Berlin zu Klimastreit mit der EU
(AFP) - Wenige Tage vor der Übernahme der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar ist der Streit zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission über die Begrenzung der Kohlendioxid-Emissionen weiterhin ungelöst. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) habe das Kabinett am Mittwoch über den Stand der Dinge informiert, eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mit. Es werde "intensiv an einer Lösung gearbeitet". Deutschland muss nach der Vorgabe der EU-Kommission seinen jährlichen Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) von derzeit 499 auf 453,1 Millionen Tonnen senken. Ursprünglich hatte sich die Bundesregierung einen Ausstoß von höchstens 482 Millionen Tonnen zum Ziel gesetzt.
Freitag 22. Dezember 2006, 11:08 Uhr
WWF: 2007 Schlüsseljahr für den Klimaschutz
Frankfurt/Main (dpa) - Die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) sieht 2007 als ein Schlüsseljahr für den Klimaschutz. Deutschland, das im nächsten Jahr die EU-Präsidentschaft und den Vorsitz in der G8-Runde der wichtigsten Industrieländer übernimmt, könne viel tun, sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther.
Die EU müsse glaubhafter Vorreiter im Klimaschutz bleiben und sich verpflichten, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 30 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Von den G8-Staaten müsse ein Impuls für neue verbindliche Verhandlungen kommen. Global dürfe die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigen.
«Der Klimawandel wird auch Deutschland verändern, wenn wir nicht umgehend handeln», sagte Günther in Frankfurt. Auf lange Sicht seien häufiger extreme Wettererscheinungen wie Hitzewellen oder Unwetter zu erwarten. Brandenburg werde mehr unter Trockenheit leiden, der Baumbestand in Deutschland werde sich verändern - es werde weniger Fichten und Eichen geben.
Neues Anzeichen für den Klimawandel seien die steigenden Dezember-Temperaturen in Deutschland. Die vom Deutschen Wetterdienst erhobenen Werte zeigten zwar regionale Unterschiede, aber in der Tendenz wiesen die Kurven fast überall nach oben. In Rostock und Hamburg stiegen die Temperaturen durchschnittlich um 1,8 Grad. In Aachen, Frankfurt und Stuttgart wurde es in den vergangenen 45 Jahren im Schnitt sogar um mehr als zwei Grad wärmer. «Der Trend zeigt nach oben», sagte Günther.
Auch die Daten für 2006 passen nach ihrer Ansicht ins Bild: Das außergewöhnlich milde Wetter des Herbstes habe sich im Dezember fortgesetzt. Die bisherigen Dezember-Tagesmittelwerte wichen in Hamburg um 5,8 Grad, in Frankfurt um 4,3 Grad und in Stuttgart um 4,8 Grad von der langjährigen Durchschnittstemperatur ab.
Aus der Traum von weißer Weihnacht
WWF legt weihnachtliche Temperaturdaten von sechs deutschen Messstationen vor
WWF Pressemitteilung, 22.12.06
Frankfurt a. M - Weiße Weihnachten könnten vielerorts schon bald der Vergangenheit angehören, wenn die winterlichen Durchschnittstemperaturen weiter steigen. Seit 1960 kletterten die Temperaturen im Dezember im Schnitt um zwei Grad Celsius, dies zeigt eine WWF-Auswertung von Temperaturdaten an sechs ausgewählten Messstationen. Die vom Deutschen Wetterdienst erhobenen Daten zeigen zwar regionale Unterschiede, aber in der Tendenz weisen die Kurven fast überall nach oben.
In Rostock und Hamburg stiegen die Temperaturen durchschnittlich um 1,8 Grad. Weiter südlich in Aachen, Frankfurt und Stuttgart wurde es in den vergangenen 45 Jahren im Schnitt sogar um mehr als zwei Grad wärmer. „Trotzdem muss man die Hoffnung auf weiße Weihnachten hierzulande nicht völlig aufgeben, denn die Erwärmung verläuft nicht kontinuierlich. Das heißt, es gibt immer mal wieder Jahre mit Ausreißern nach unten oder oben. Klar ist aber: der Trend zeigt nach oben“, erläutert Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs beim WWF Deutschland. Zusammenfassend könne festgestellt werden, dass die beobachtete Erwärmung im Dezember ein Anzeichen für den Klimawandel sei.
Auch die neuesten Daten für 2006 passen ins Bild: Die außergewöhnlich milde Witterung des Herbstes setzte sich im Dezember fort. Dementsprechend wichen die bisherigen Tagesmittelwerte im Dezember in Hamburg um 5,8 Grad, in Frankfurt a.M. um 4,3 Grad und in Stuttgart sogar um 4,8 Grad Celsius von der langjährigen Durchschnittstemperatur ab.
„Der Klimawandel wird auch Deutschland verändern, wenn wir nicht umgehend handeln“, betont Regine Günther. Die nächste Chance biete sich der Bundesregierung bei der bevorstehenden EU-Präsidentschaft und dem G8 Vorsitz. Es sei wichtig, dass sich die EU weiter als glaubhafter Vorreiter im Klimaschutz positioniere und sich verpflichte, den Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 30 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. 2007 sei daher ein Schlüsseljahr für den Klimaschutz, unterstreicht der WWF.
Donnerstag 21. Dezember 2006, 13:06 Uhr
Niedersachsen rüstet sich für Meeresspiegel-Anstieg und erhöht Deiche
Hannover (AP) Niedersachsen wird rund ein Fünftel seiner Deiche erneuern. Etwa 125 der insgesamt 610 Kilometer Deiche an der Nordseeküste müssten in den nächsten elf Jahren erhöht und verstärkt werden, sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander am Donnerstag in Hannover. Das rund 500 Millionen Euro teure Vorhaben werde einen möglichen Meeresspiegel-Anstieg um 25 Zentimeter durch den Klimawandel berücksichtigen, fügte der FDP-Politiker hinzu.
Nach Angaben des Ministers werden die Deiche bei der Erneuerung auf eine Sollhöhe gebracht, die bis zu 1,50 Meter über der jetzigen liege. Bei der Erneuerung würden die Deichfundamente so angelegt, dass man die Schutzbauwerke später um einen weiteren Meter erhöhen könne, falls der Meeresspiegel schneller als bislang erwartet ansteige.
Sonntag 24. Dezember 2006, 20:39 Uhr
Zugvögel aus Nordeuropa kommen nicht in Winterquartiere am Rhein
Straßburg (dpa) - Zugvögel aus dem Norden Europas sind wegen der milden Temperaturen bislang ihren Winterquartieren am Rhein fern geblieben. Vor allem Enten - Stock- oder Reiherenten -, von denen normalerweise zehntausende auf den Wasserflächen in der Rheinebene überwinterten, seien nicht zu sehen, sagte in Straßburg ein Sprecher der elsässischen Vogelschutzliga. Grund seien die milden Temperaturen in Skandinavien. Die Vögel verzichteten auf die anstrengende Reise in den Süden, solange sie im Norden genug Nahrung finden.
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