Aktuell


Klimaforschung

Dienstag, 4. September, 04:44 Uhr

Schavan will führende Rolle in der Klimaforschung sichern

Bremerhaven (dpa) - Bundesforschungsministerin Annette Schavan will die ihrer Ansicht nach führende Rolle Deutschlands in der weltweiten Klimaforschung langfristig absichern. Bis 2017 werde ihr Ministerium insgesamt 700 Millionen Euro in wissenschaftliche Großgeräte investieren, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, sagte Schavan in Bremerhaven. Dort informierte sich die Ministerin über den Bau der Antarktisstation «Neumaier III» sowie ein neues Polarforschungsflugzeug des Alfred-Wegener-Instituts.


Dienstag, 4. September, 10:46 Uhr

APEC-Staaten sprechen über Klimaschutz

Sydney (AP) Australien strebt als Gastgeber des APEC-Gipfels eine Verpflichtung der Asien-Pazifik-Staaten auf langfristige Klimaschutzziele an. Eine Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes müsse Teil einer internationalen Strategie gegen die Erderwärmung sein, sagte der australische Außenminister Alexander Downer am Dienstag. Der Vorschlag wird von den USA unterstützt. China und andere APEC-Mitglieder stehen ihm skeptisch gegenüber. US-Präsident George W. Bush wurde am Dienstagnachmittag in Sydney erwartet.

Der australische Ministerpräsident John Howard hat das Thema Klimaschutz auf die Agenda des Gipfeltreffens gesetzt, obwohl sich das Asien-Pazifik-Forum normalerweise vornehmlich mit Wirtschafts- und Handelsfragen beschäftigt. Es bestehe Übereinkunft auf breiter Basis, dass der APEC-Gipfel sich des Klimaproblems annehmen solle, sagte Howard.

Zu den größten Treibhausgas-Emittenten unter den APEC-Mitgliedern gehören die USA, China und Russland. Die Asien-Pazifik-Staaten hätten in Sydney die Chance, die globale Antwort auf den Klimawandel mitzugestalten, sagte Downer.


5. September, 2007

Die Kraniche ziehen nicht mehr

Frankfurt/Main (AP) Siesta an einem von Palmen gesäumten Strand - dieses klassische Urlaubsbild aus dem Süden könnte in Zukunft auch an Deutschlands Küsten Wirklichkeit werden. Der Klimawandel hat bereits in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass sich mediterrane Pflanzen- und Tierarten hier zu Lande ansiedeln, während heimische Arten verschwinden oder Richtung Norden wandern. Experten warnen vor den Änderungen der Ökosysteme und einem Rückgang der biologischen Artenvielfalt.

Der Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte hat schon zu nachweisbaren Veränderungen in der Flora und Fauna geführt: So hat die Stechpalme, die vor 50 Jahren nur im äußersten Westen Deutschlands heimisch war, inzwischen ihr Areal weit in früher zu kalte Gebiete nach Osten ausgedehnt, wie Stefan Fleck vom Biodiversitätszentrum der Universität Göttingen sagt.

Eine Forschergruppe der Universität Bayreuth hat herausgefunden, dass die aus Südostasien eingeführte Palmenart Trachycarpus fortunei, die bisher nur in Gärten und Parks unter der Obhut der Menschen überleben konnte, durch die vergangenen milden Winter verwildern konnte. Inzwischen wurde sie in Wäldern am Alpensüdfuß im Grenzgebiet der Schweiz und Norditaliens nachgewiesen - die weltweit nördlichste freiwachsende Palmenpopulation. Wenn es noch wärmer wird, könnte die Pflanze auch weiter nördlich nach Deutschland wandern.

Die bisherige Klimaerwärmung hat sich auch dahingehend ausgewirkt, dass viele Tier- und Pflanzenarten ihren Jahreszeitenzyklus angepasst haben, wie Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erklärt. «Man kann aus dem Weltraum beobachten, dass überall im Norden der Frühling früher und der Herbst später einsetzt.» Schmetterlinge, Zugvögel oder Amphibien hätten ihren Zyklus entsprechend umgestellt.

Laut WWF kehren manche Zugvogelarten früher aus dem Winterquartier zurück und beginnen früher zu brüten, andere ziehen zum Überwintern gar nicht mehr weg oder bleiben in Deutschland. So bleiben etwa Kraniche, die normalerweise den Winter in Spanien oder Portugal verbringen, inzwischen zum Teil zu Tausenden in Deutschland. Insekten können sich laut Fleck schneller entwickeln und durch massenhafte Vermehrung von Schädlingen zur Plage werden.

Außerdem beginnen in Deutschland die Vegetationsphasen etwa von Winterroggen, Waldbäumen oder Obstbäumen heute bereits etwa acht Tage früher als noch Ende der 80er Jahre. Wenn Pflanzen aber früher blühen und Blätter bilden, besteht die Gefahr, dass sie durch Spätfröste im Frühjahr geschädigt werden. Zudem blühen sie zum Teil bereits, wenn noch nicht genug Bienen zur Bestäubung da sind.

Vegetationsgrenze in den Alpen verschiebt sich

Manche Tier- und Pflanzenarten verschwinden sogar wegen der Klimaerwärmung aus den Landschaften Deutschlands. Modellrechnungen prognostizieren für Europa Artenverluste im Bereich von fünf bis 30 Prozent, wie es in der 2006 veröffentlichten Studie «Biologische Vielfalt und Klimawandel» des Bundesamtes für Naturschutz heißt. «Wenn wegen trockenerem Frühling und Sommer die Standorte generell trockener werden, werden auch die Lebensräume für feuchtigkeitsangepasste Pflanzen kleiner», erklärt Fleck. Dann würden etwa Farne oder bestimmte Orchideenarten vertrocknen.

Besonders große Auswirkungen haben solche Vorgänge laut Fleck in den Alpen: In den deutschen Alpen liege die Vegetationsgrenze bei 2.900 Metern. Sie verschiebe sich aber nach oben, da viele Arten aus tieferen Lagen ihr Areal zu den Gipfeln hin ausdehnen. Die an die höchsten Standorte angepassten Pflanzen könnten dann aber nicht in höhere Lagen ausweichen und seien in Gefahr, durch den Konkurrenzdruck zu verschwinden.

Eine Langzeitstudie der Universität Mainz ergab, dass sich infolge des Klimawandels bereits der Vogelbestand in Mitteleuropa verändert hat: Die Bestandsentwicklung am Bodensee zeige teilweise drastische Entwicklungen, die allein auf die globale Erwärmung zurückgingen, erklärt Katrin Böhning-Gaese vom Institut für Zoologie. So seien südliche Arten aus dem Mittelmeerraum eingewandert, während ursprünglich am Bodensee heimische Arten zahlenmäßig zurückgingen oder ihre Brutgebiete in den Norden verlagerten. Der Klimafaktor hat inzwischen die Intensivierung der Landwirtschaft als wichtigsten Faktor für die Veränderung der Vogelbestände seit Ende des Zweiten Weltkriegs überholt, wie Böhning-Gaese sagt.

Größere Naturschutzgebiete verlangt

Für einige mag die Aussicht auf mediterrane Verhältnisse in Deutschland verlockend sein und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten wenig bedrohlich erscheinen. Experten warnen jedoch vor dem Verlust der biologischen Vielfalt. «Es ist schon ethisch nicht vertretbar, wenn aufgrund der Klimapolitik ein Teil der Schöpfung verloren geht», sagt PIK-Forscher Cramer. Für Hoch- und Mittelgebirge habe die landschaftliche Vielfalt aber auch einen wirtschaftlichen Wert.

Um die Folgen des Klimawandels für Flora und Fauna abzumildern, plädiert Cramer für einen integrierten Naturschutz, der natürliche Schwankungen zulässt: Es müsse größere Naturschutzgebiete geben, und man dürfe sich nicht auf einzelne Arten fokussieren. «Bei einem ungebremsten Wachstum der Treibhausgasemissionen können aber auch Anpassungen im Naturschutz nichts nützen.»


5. September, 2007

Die Bewegung der Klima-Skeptiker formiert sich

Frankfurt/Main (AP) «Endlich haben die Klimawandel-Zweifler keine wissenschaftlichen Argumente mehr», sagte Jochem Marotzke, deutscher Mitautor des UN-Klimareports, erst Anfang Mai voller Erleichterung. Kurz zuvor hatten die 2.500 Mitglieder des Weltklimarates IPCC festgestellt, dass die globale Erwärmung «nicht mehr zu bestreiten» und «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» vom Menschen verursacht sei.

Doch trotz der Klarheit des IPCC-Reports hat sich inzwischen eine Gegenbewegung aus Skeptikern und Leugnern des menschengemachten Klimawandels formiert. Dabei handelt es sich um eine bunte Truppe aus bloggenden Amateur-Klimatologen und Lobbyisten von Öl- und Energieunternehmen, aber auch Journalisten und Wissenschaftlern.

Jüngstes Beispiel ist der Wissenschaftspublizist Kurt G. Blüchel, der dem Weltklimarat Sensationslüsternheit vorwirft und eine Lanze für das Kohlendioxid bricht: Keinesfalls sei CO2 der Klimakiller Nummer eins, als der es nun geschmäht werde. «Eine Mitwirkung von Kohlendioxid (am Klimawandel) ist nicht nachweisbar», schreibt Blüchel in seinem Buch: «Der Klimaschwindel. Erderwärmung, Treibhauseffekt, Klimawandel - die Fakten», das soeben im C.-Bertelsmann-Verlag erschienen ist.

Stattdessen seien die vielen Eis- und Warmzeiten der Erdgeschichte vermutlich von Schwankungen der Erdbahn und der Sonnenaktivität ausgelöst worden. Ähnliche Aussagen enthielt der ebenfalls mit «Der Klimaschwindel» betitelte Film, den RTL im Juni in einer überarbeiteten Fassung ausstrahlte.

Für Stefan Rahmstorf, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wäre ein Freispruch des CO2 jedoch «offensichtlich schwachsinnig»: «Der größte Teil der globalen Erwärmung - 0,5 Grad Celsius - hat seit 1980 stattgefunden, während die Sonnenaktivität abgenommen hat», sagt der Mitverfasser des UN-Klimaberichts. Diese entscheidenden Messdaten seien den Zuschauern des «Klimaschwindel»-Films jedoch verschwiegen worden, weil sie nicht zur Verschwörungstheorie passten.

Weiter behauptet Filmemacher Martin Durkin, es seien in Wirklichkeit die gestiegenen Erdtemperaturen, die das auf unserem Planeten gebundene Kohlendioxid freisetzten und damit für die erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre hauptverantwortlich seien - eine glatte Umkehrung des wichtigsten IPCC-Befunds, der den Klimagasen die Hauptschuld an der Erwärmung gibt.

«Der Verbreitung der Klimareligion entgegentreten»

Auch auf zahlreichen Internetseiten wird unter umgekehrten Vorzeichen über die globale Erwärmung diskutiert: «Diese Seite unternimmt den Versuch, Sie über einen der am weitesten verbreiteten Irrtümer aufzuklären - nämlich über das Märchen vom menschengemachten Treibhauseffekt», heißt es etwa auf der deutschen Seite klimaskeptiker.info. Kohlendioxid sei «nicht im geringsten klimawirksam», schreibt dessen Betreiber Andreas Kreuzmann, der sich geradezu von kämpferischen Klimaschützern umzingelt sieht: «Der weltweiten Verbreitung der Klimareligion ist mit allen legalen Mitteln entgegenzutreten, um die egoistische Bereicherung von Klimaforschern, Medien, Industrie und Politik zu beenden.»

Auch Buchautor Blüchel fühlt sich von korrupten Klimaforschern herausgefordert. Bei der Gründung des Weltklimarates 1988 sei es noch schwierig gewesen, genügend engagierte Experten zu rekrutieren, die bereit gewesen seien, den Klimakreuzzug zu führen, berichtet er. «Aber wo Geld und Ansehen winken, finden sich schließlich immer Mitstreiter.»

Ein Satz, der nach Darstellung des US-Magazins «Newsweek» besser auf die sich formierende Gegenbewegung passt: «Die Leugnungs-Maschine läuft auf Hochtouren», stellte die Zeitschrift kürzlich fest. So habe ein konservativer, lange vom Ölkonzern ExxonMobil geförderter Think Tank Wissenschaftlern 10.000 Dollar (7.300 Euro) für Artikel geboten, die geeignet seien, die jüngsten Weltklima-Berichte zu untergraben.

«Man sieht sie nicht bei wissenschaftlichen Tagungen»

Anerkannte Klimatologen wie der Frankfurter Professor Christian-Dietrich Schönwiese sehen Autoren wie Blüchel oder Durkin jedoch auf verlorenem Posten: «Die Leugner des menschgemachten Klimawandels haben in der wissenschaftlichen Diskussion noch nie eine Rolle gespielt und spielen auch weiterhin keine Rolle. Man sieht sie daher auch nicht bei wissenschaftlichen Tagungen und sie haben keine Chance, ihre Ideen in Fachzeitschriften zu veröffentlichen», berichtet Schönwiese im AP-Gespräch.

Die Außenseiterposition der Skeptiker und Leugner sei wissenschaftlich ganz einfach nicht haltbar: «Wenn wir die Zusammensetzung der Erdatmosphäre durch die Anreicherung von Treibhausgasen ändern, muss das aus prinzipiellen physikalischen Gründen zu Klimaänderungen führen. Das ist eine völlig unbezweifelbare Grundtatsache und dementsprechend in jedem dafür relevanten Lehrbuch zu finden.»

Hinter den diversen Versuchen, den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zu ziehen, sieht Schönwiese verschiedene Motivationen: «Einige sehen durch die geforderten Klimaschutzmaßnahmen die Wirtschaft gefährdet, andere fürchten um ihren Lebensstandard, wieder andere möchten eines unserer Weltprobleme gerne loswerden.» Zudem gebe es die Gruppe der Interessenträger. «Und nicht wenige wollen sich einfach wichtig machen.»


Dienstag, 4. September, 17:56 Uhr

«Wetterküche» im Institut für Klimafolgenforschung eröffnet

Potsdam (ddp-lbg). Auf dem Potsdamer Telegraphenberg ist am Dienstag das Informations- und Bildungszentrum «Wetterküche» eröffnet worden. Die Einrichtung biete vor allem jüngeren Besuchergruppen Informationen rund um die Themen Wetter und Klima, teilte eine Sprecherin mit. Die Wetterküche sei das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der Gesamtschule Peter Joseph Lenné und der Universität in der Landeshauptstadt.

Die Schüler beschäftigten sich ein Jahr lang mit den Themen und erarbeiteten gemeinsam mit dem PIK das Ausstellungskonzept für die «Wetterküche». Die Kooperation wurde durch ein erziehungswissenschaftliches Forschungsseminar der Universität begleitet.

In der «Wetterküche» können die Besucher in verschiedenen Räumen auf Entdeckungsreise gehen: Modelle, Installationen, Schautafeln und Messinstrumente vermitteln neben aktuellen Ergebnissen der Klimaforschung auch ein Bild der Gegenwart und Geschichte der Meteorologie sowie der wissenschaftshistorischen Bedeutung des Telegraphenbergs.

Die «Wetterküche» befindet sich hinter dem ehemaligen Königlichen Meteorologischen Observatorium Potsdam (MOP), das heute vom PIK genutzt wird. Als kleines Nebengebäude des MOP diente die «Wetterküche» in früheren Zeiten als Waschhaus.

Das MOP war einst Wirkungsstätte des Meteorologen Reinhard Süring. Seine Verdienste für die Wissenschaft bilden einen der thematischen Schwerpunkte des neuen Informationszentrums. Süring konnte 1901 zusammen mit einem Kollegen in einer aufsehenerregenden Rekordfahrt im Fesselballon nachweisen, dass die Temperatur der Atmosphäre ab einer bestimmten Höhe nicht mehr abnimmt. Damit lieferte er die Voraussetzung für die spätere Entdeckung der Stratosphäre.


Montag, 3. September, 17:32 Uhr

Arktis-Eisschmelze dramatisch beschleunigt

Kopenhagen/Hamburg (dpa) - Am Nordpol gibt es so wenig Eis wie noch nie seit Beginn moderner Messungen. Die Eisschmelze habe sich dramatisch beschleunigt und verlaufe viel schneller als befürchtet, berichteten dänische und deutsche Forscher am Montag.

Nur noch weniger als drei Millionen Quadratkilometer der Arktis seien eisbedeckt, sagte der Meteorologe Leif Toudal Pedersen von der Technischen Universität Kopenhagen (DTU). Dies entspricht etwa der achtfachen Fläche Deutschlands. «Das ist ein extremer Tiefstwert für die Eisdecke», zitierte ihn die Zeitung «Jyllands-Posten». Der Meteorologe Eigil Kaas sagte: «Was wir da erleben, ist krass. Es bestätigt die schlimmsten Prognosen.»

Experten des Zentrums für Marine- und Atmosphärische Wissenschaften (ZMAW) der Universität Hamburg hatten noch vor einem Monat als untere Grenze der Eisfläche eine Ausdehnung von 3,5 Millionen Quadratkilometern prognostiziert. «Es ist noch weiter geschmolzen, das hätte ich nicht für möglich gehalten», sagte der ZMAW-Physiker Lars Kaleschke. «Zumindest seit Beginn der Satellitenbeobachtungen vor 35 Jahren ist das ein Rekordminimum.» Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren schrumpfte das Eis am Nordpol nicht unter etwa 4 Millionen Quadratkilometer, und in den 1990er Jahren waren es auch im Sommer noch mindestens etwa 4,7 Millionen Quadratkilometer.

Das Schmelzen der vereisten Polkappen gilt als wichtiges Alarmsignal für den Klimawandel. An den Polregionen der Erde ließen sich die Folgen der globalen Erwärmung besonders gut beobachten, weil sich die Effekte dort noch verstärkten, erläuterte Kaleschke.

Pedersen führt die extreme Schmelze dieses Jahres außer auf den Klimawandel auch darauf zurück, dass gewaltige Eisströme aus Sibirien an die grönlandischen Ostküste geflossen und dabei geschmolzen seien. Zu den Konsequenzen aus den neuesten Messungen sagte er: «Bisher wurde angenommen, dass die Arktis in 30 bis 40 Sommern den Sommer über eisfrei sein würde. Wenn die jetzige Entwicklung weitergeht, wird es vielleicht nur 15 bis 20 Jahre dauern.»

Nach den DTU-Berechnungen sind verglichen mit dem bisher eisärmsten Arktis-Sommer 2005 mehr als eine Millionen Quadratkilometer Eis zusätzlich verschwunden. Im Vergleich zum durchschnittlichen Vorkommen der Jahre 1978 bis 2000 ist die Eisfläche um 2,5 Millionen Quadratkilometer und damit um 40 bis 45 Prozent geschrumpft. Damit sei eine Eisfläche fast von der Größe Westeuropas in weniger als zehn Jahren verschwunden.

Auch in anderen Breiten hat der Klimawandel starke Auswirkungen auf das Meer: In den Sommermonaten sei die Oberflächentemperatur von Nord- und Ostsee zwischen 1985 und 2002 um durchschnittlich 1,4 Grad Celsius gestiegen, sagte Brian MacKenzie vom dänischen Institut für Fischereiforschung kürzlich auf dem 42. Europäischen Meeresbiologen- Symposium in Kiel. Nicht nur Schwertfische und Sardellen seien in dänischen Gewässern gefangen worden, auch andere Arten wie die Meerbarbe oder die Meerbrasse. «Diese Fische kennt man üblicherweise aus dem Mittelmeer oder dem Golf von Biskaya», sagte der Fischereibiologe.

Forschungsprojekte weltweit zeigten, dass sich die Ökosysteme der Ozeane neu sortierten, betonte Martin Wahl vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) auf dem Symposium.


5. September, 2007

Reisanbau als Klimakiller

Bangkok (AP) Rauchende Kohlekraftwerke und stinkende Diesel-Busse als Mitverursacher der globalen Erwärmung, das leuchtet ein. Weniger, dass auch die beschaulichen Reisfelder in Thailand zur Aufheizung der Erde beitragen. Dabei ist der Reisanbau nach Schätzungen des Weltklimarats (IPCC) einer der Hauptgründe für steigende Emissionen von Methan - das als Treibhausgas 21-mal wirkungsvoller ist als Kohlendioxid und nur deshalb als Nummer zwei unter den Klimagasen aufgeführt wird, weil es in der Atmosphäre in viel kleineren Mengen vorkommt.

Keine Kulturpflanze sondere so viel Methan ab wie Reis, erklärt Reiner Wassmann von Internationalen Reisforschungsinstitut auf den Philippinen. «Wenn asiatische Länder Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasen sondieren, müssen sie auf die Reisproduktion schauen», erklärt Wassmann. Verbesserungen beim Reisanbau und Veränderungen bei der Nutztierhaltung könnten nach Angaben des IPCC die durch die Landwirtschaft verursachten Methan-Emissionen um 15 bis 56 Prozent reduzieren. Und viele Länder in Asien dürften mit Reformen beim Reisanbau weniger Probleme haben als mit anderen Empfehlungen des Weltklimarats wie dem Verzicht auf Energiegewinnung durch Kohle und der Umstellung auf vergleichsweise teure Solarzellen - da sind sich Experten sicher.

Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) macht Kohlendioxid 70 Prozent der Treibhausgase aus, Methan inzwischen 23 Prozent. Seit der industriellen Revolution habe sich die Menge in der Atmosphäre verdoppelt, heißt es in einer im Jahr 2006 veröffentlichten Studie der University of California. In den vergangenen Jahren blieb der Wert der Methan-Emissionen weitgehend gleich, einigen Wissenschaftlern zufolge aufgrund geänderter Produktionsmethoden beim Reisanbau.

Eine US-Studie der Portland State University führte die Stabilisierung des Methangas-Ausstoßes 2005 auf Veränderungen in der chinesischen Landwirtschaft zurück: China produziert ein Drittel der weltweiten Reisernte und hat seine Felder in den vergangenen zehn Jahren deutlich verkleinert. Außerdem wurden der Untersuchung zufolge statt Mist Kunstdünger eingesetzt und die Felder weniger bewässert.

Trotz dieser Entwicklungen rechnet die US-Umweltbehörde (EPA) mit einem Anstieg der Methan-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 16 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. Nur wenige Länder seien dem Beispiel Chinas gefolgt und lehnen vielmehr eine vorübergehende Trockenlegung der Felder oder einen Umzug in höhere Lagen ab, wo weniger bewässert werden müsste, heißt es bei Experten zur Begründung. Solche Lösungen seien für arme Länder eine große Herausforderung.

«In Entwicklungsländern muss man zuallererst an die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln denken», sagt Pete Smith von der University of Aberdeen, der an einem IPCC-Bericht mitgearbeitet hat. «Man kann nicht über Entschärfung beim Klima nachdenken, wenn man seine Familie ernähren muss», betont der Wissenschaftler und verweist auf seiner Ansicht nach dringend notwendige finanzielle Anreize vor allem für Kleinbauern: «So etwas muss in den ärmeren Ländern Hand in Hand mit einer Verringerung der Armut gehen.»

«70 Prozent der Bauern wollen keine Veränderungen»

In Thailand, das weltgrößter Reis-Exporteur ist, zeigt man sich um Verbesserungen bemüht. Viele Reishersteller außerhalb der Hauptstadt Bangkok verbrennen die übrig gebliebenen Spelzen und gewinnen daraus Energie. «Statt sie (die Spelzen) auf den Feldern verrotten und schlechte Gase bilden zu lassen, verbrennen und nutzen wir sie», erklärt Rut Subniran von der Patum-Reisfabrik. «Das ist gut für das Land, weil es unsere Ölimporte reduzieren kann. Es ist gut für die Umwelt.»

Nur wenige Kilometer entfernt haben die Bauern dagegen weitgehend einen Aufruf der Regierung ignoriert, ihre Felder periodisch zu entwässern und auf die unkontrollierte Verbrennung von Reisstroh aus der letzten Ernte zu verzichten. Sollten die Bauern ihr Verhalten ändern, könnte Thailand nach Angaben der EPA seine Methan-Emission bis 2020 um jährlich bis zu einem Drittel senken. «Aber etwa 70 Prozent der Bauern hier wollen keine Veränderungen», sagt Adisak Wantayachiwa.


Sonntag, 2. September, 19:29 Uhr

Regierung wegen Subventionen für PS-Protze gerügt

Stuttgart (dpa) - Der Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hat vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) die Steuervorteile für Firmenfahrzeuge kritisiert. «Hohe Subventionen für Dienstwagen verzerren den deutschen Markt», sagte Resch im Interview der «Stuttgarter Zeitung».

Wenn ein Gewerbetreibender ein schweres, teures Auto kaufe, spare er mehr Steuern als beim Kauf eines kleinen und sparsamen Wagens.

«Für einen Porsche Cayenne Turbo S bekommt man in sechs Jahren 54 000 Euro vom Finanzamt zurück. 49 Prozent des Preises trägt der Fiskus», rechnete der Umweltlobbyist vor. Deshalb würden Supersport- und Geländewagen immer häufiger auf Firmen und nur noch zu gut einem Drittel auf Privatpersonen zugelassen. «Wenn Firmen solche Autos wollen, sollen sie sie kaufen, aber der Staat darf das nicht bezuschussen», sagte Resch.

In punkto Umweltschutz sieht er die deutschen Autohersteller weit abgeschlagen. Bei der sparsamen Hybridtechnologie lägen sie sechs bis acht Jahre hinter den Japanern zurück. Bei spritsparenden Kleinwagen seien Franzosen und Italiener führend. Die deutsche Industrie habe zu viel Zeit «mit der Entwicklung von PS-Monstern» vergeudet, sagte Resch weiter.


Dienstag, 4. September, 15:52 Uhr

Erneuerbare-Energie-Branche droht Fachkräftemangel

Berlin (AP) Das rasante Wachstum der erneuerbaren Energien droht über kurz oder lang zu einem Fachkräftemangel in den Bereichen Service, Vertrieb und Wartung zu führen. Das Bundesumweltministerium beriet deshalb am Dienstag in Berlin mit Experten aus den Bereichen Bildung und Handwerk sowie Unternehmensvertretern über Gegenstrategien. Die Vorschläge reichten von regionalen Ausbildungsmessen über zusätzliche Professorenstellen bis hin zu Projekten zur Integration älterer arbeitsloser Ingenieure.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Astrid Klug, sagte am Rande der Fachtagung der AP: «Das Wachstum der Branchen darf am Ende nicht am fehlenden Fachpersonal scheitern.» Bundesumweltminister Sigmar Gabriel habe deshalb bereits im November 2006 gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden aus dem Bereich Umweltschutz und erneuerbare Energien die Ausbildungsinitiative «Umwelt schafft Perspektiven» gegründet. Die beteiligten Firmen hätten zugesagt, 5.100 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

«Wir wissen, dass die erneuerbaren Energien und die Umwelttechnologien die Leitmärkte der Zukunft sind und dass dort die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen», erklärte die SPD-Politikerin. Die Roland Berger Unternehmensberatung erwarte, dass im Jahr 2020 etwa 400.000 bis 500.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien tätig seien, also etwa doppelt so viele wie heute. Für 2030 werde sogar eine Verdreifachung erwartet. «Und dafür brauchen wir Nachwuchskräfte.»

Klug rechnet nicht nur in den Ingenieurberufen, sondern auch in Berufen wie Techniker oder Mechatroniker mit einem Fachkräftemangel. In regionalen Ausbildungsmessen könne man Jugendliche auf die neuen Berufe aufmerksam machen. Auch müsse versucht werden, Mädchen stärker zu erreichen. Sie seien in den betroffenen Berufen unterrepräsentiert. «Das ist eine ganz wichtige Reserve, die man sich erschließen muss, um ausreichend Nachwuchs in der Zukunft zu haben», sagte Klug.


5. September.2007

Kiwi, Melonen und Merlot aus dem Odenwald

Frankfurt/Main (AP) «Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen.» Diese chinesische Weisheit haben sich Forscher der TU Darmstadt und die südhessische Region Starkenburg zu eigen gemacht: Sie wollen nicht warten, bis der Klimawandel unwiderrufliche Fakten geschaffen hat. Stattdessen werden im Projekt «Klara-Net» bereits jetzt Strategien entwickelt, mit denen die Region die Folgen der globalen Erwärmung auffangen will. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich aus der vermeintlichen Katastrophe Nutzen ziehen lässt - etwa mit dem Anbau von Kiwi und südlichen Rebsorten wie Merlot oder mit neuen Tourismusprogrammen.

«Klara-Net» steht für «Netzwerk zur KLimaAdaption in der Region StArkenburg». «Unser Ansatz ist der Versuch, das Thema Klimawandel mit regionalen Akteuren von der unteren Ebene her anzugehen», erklärt Lena Herlitzius vom Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung an der TU Darmstadt. Unter der Leitung von Hans Reiner Böhm läuft dort seit Juni 2006 das Projekt, dessen erste Phase im August zuende ging.

Die Anschlussförderung für die zweite Phase haben die Forscher bereits beim Bundesforschungsministerium (BMBF) beantragt, das das Projekt als anwendungsorientierte Forschung unterstützt hat. Aus Sicht der Wissenschaftler soll das Projekt auf jeden Fall fortgeführt werden, «denn die Leute, die mitgemacht haben, sind stolz auf das Erreichte und wollen das auch umsetzen», sagt Herlitzius.

Grundlage der Beratungen von regionalen Vertretern und Wissenschaftlern sind die Prognosen der Klimaforscher: Demnach muss die Region mit wärmeren, feuchteren Wintern und heißeren, trockeneren Sommern rechnen. Extreme Hitzewellen im Sommer werden wahrscheinlicher, ebenso extreme Starkniederschläge vor allem im Winter und Frühling. «Klara-Net» kooperiert mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, das Klimadaten liefert. «Wir arbeiten aber eher mit Tendenzen, nicht mit genauen Kommazahlen», erklärt Herlitzius. «Und wir wollen nicht alles nur als absolute Katastrophe sehen.»

Merlot von der Bergstraße braucht zunächst ein Image

Denn schließlich kann ein geändertes Klima der Region bei rechtzeitiger Vorbereitung auch Vorteile bringen: «So sieht etwa der Tourismus große Chancen wegen mehr Sommertagen», erklärt die Forscherin. Eine Idee der Klara-Net-Themengruppe Tourismus ist etwa die Einrichtung eines «Quellenwanderwegs», der auch über den Klimawandel informieren soll.

Die Themengruppe Gesundheit, in der etwa die Katastrophenschutz-Leitstelle Bergstraße vertreten ist, befasst sich unter anderem mit der Frage, wie man mit dem möglichen Auftreten von Tropenkrankheiten, mit der von Zecken übertragenen FSME oder der zunehmenden Ozonbelastung umgehen soll. So wird darüber nachgedacht, die früher enge Kooperation von Katstrophenschutz und Hausärzten wieder zu verstärken. Weitere Themen sind die Fragen, wie die Bevölkerung auf Hitzeperioden vorbereitet werden kann und wie sich Frühwarnsysteme für extreme Wetterereignisse installieren lassen.

In der Themengruppe Land- und Forstwirtschaft arbeiten Vertreter des regionalen Bauernverbandes und der Winzer mit: «Gerade die Landwirte und Winzer sind schon sehr weit, denn sie müssen sich bereits jetzt an die extremeren Wetterverhältnisse anpassen», erklärt Herlitzius. So gibt es an der Bergstraße bereits die ersten Winzer, die den südlichen Merlot anbauen. «Das hört sich erst mal positiv an, aber die Winzer berichten, dass die Vermarktung schwierig ist - für einen Merlot von der Bergstraße muss man erst mal ein Image schaffen.» Daneben gibt es andere Probleme: Was passiert bei einem geänderten Klima mit der traditionellen Rebsorte Riesling? Und wie geht man damit um, dass es auch neue Schädlinge gibt?

Die Forstwirtschaft hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, die frühzeitiges und langfristiges Handeln erfordern: So haben etwa die extremen Stürme der Vergangenheit gezeigt, dass Monokulturen sehr anfällig sind. Diskutiert wird nun, ob wieder vermehrt Mischwald gepflanzt werden sollte. «Eine Entscheidung ist schon bald nötig, denn es dauert ja eine ganze Weile, bis Bäume nachgewachsen sind», erklärt Herlitzius. «Die verschiedenen Gruppen haben eben unterschiedliche zeitliche Horizonte - Landwirte können vergleichsweise schneller auf die Änderungen reagieren als Forstwirte.»

Die bisherige Förderung des Projekts durch das BMBF verlief im Rahmen der Fördermaßnahme «klimazwei - Forschung für den Klimaschutz und Schutz vor Klimawirkungen» (FONA). Dort werden auch noch zahlreiche andere Projekte zur Anpassung an den Klimawandel gefördert.

http://www.klara-net.de



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