|
Aktuell
APEC zu Klimawandel
Donnerstag, 6. September, 06:13 Uhr
APEC will Erklärung zum Klimawandel verabschieden
Sydney (AP) Der Klimawandel steht erstmals offiziell auf der Tagesordnung des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC). Im Entwurf einer Erklärung, die die Außen- und Handelsminister der 21 APEC-Staaten am Donnerstag bei ihrem Treffen im australischen Sydney verabschieden wollen, heißt es, die globale Erwärmung sei von «zentraler Bedeutung».
Die USA und Australien favorisieren einen Ansatz, der - anders als im Kyoto-Protokoll - auch China und andere Entwicklungsländer zu Zielen bei der Reduzierung von Treibhausgasen verpflichten würde. China und Indonesien halten dagegen, dass das Wirtschaftsforum nicht der richtige Platz für Diskussion über die Strategie gegen den Klimawandel sei.
Die philippinische Präsidenten Gloria Macapagal Arroyo erklärte vor ihrem Abflug zum APEC-Gipfel am Donnerstag, sie hoffe, dass es eine Diskussion darüber gebe, was die Staaten des Wirtschaftsforums bei diesem Thema gemeinsam tun könnten. Ein Sprecher erläuterte, Verpflichtungen sollten aber nicht im Rahmen der APEC, sondern nur unter dem Dach der Vereinten Nationen eingegangen werden.
Apec-Länder streiten über Klimapolitik
Von Bill Tarrant, Reuters, 6.9.07
Sydney (Reuters) - Entwicklungsländer wie Malaysia und Indonesien haben sich beim Gipfeltreffen der asiatisch-pazifischen Staaten gegen die klimapolitischen Vorschläge der USA und Australiens zur Wehr gesetzt.
"Der Klimawandel darf nicht dazu benutzt werden, um bestimmte Staaten anzugreifen oder zu bestrafen", erklärte die malaysische Handelsministerin Rafidah Aziz am Donnerstag am Rande der Debatte, die den ersten vollen Konferenztag prägte.
Es sei nicht die Aufgabe der Apec-Staaten, Emissionsziele zu setzen und die Ursachen des Klimawandels zu diskutieren, sagte Aziz weiter. Auch Minister aus Indonesien und von den Philippinen kritisierten die Entscheidung von Gastgeber Australien, das Thema ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen. Damit standen am ersten Verhandlungstag der 21 Mitglieder des 1989 gegründeten Regionalforums für Asiatisch-Pazifische Wirtschaftliche Zusammenarbeit wesentliche Teile der sogenannten "Sydney-Erklärung" auf der Kippe.
Im Entwurf der Erklärung wurde zu einer neuen weltweiten Klima-Vereinbarung aufgerufen, unter der alle Apec-Staaten "ehrgeizige Ziele" für einen niedrigeren Ausstoß von Treibhausgasen zusagen sollen. Die Gase gelten als Verursacher des Klimawandels. Australien und die USA beteiligen sich nicht am Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Emissionen. Über ein Nachfolgeabkommen wird derzeit im Rahmen der Vereinten Nationen verhandelt.
Wie die Entwicklungsländer bevorzugt auch China eine Klimavereinbarung im Rahmen der UN. "Wir hoffen sehr, dass die UN-Vereinbarung der Hauptweg für den internationalen Kampf gegen den Klimawandel bleibt", erklärte Präsident Hu Jintao nach einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush. Dessen Berater Dan Price sagte, die beiden Staatschefs seien sich einig gewesen, das Problem auf eine kooperative und verantwortungsbewusste Weise anzugehen und zu verhindern, dass das Wirtschaftswachstum dadurch gebremst werde.
Bei dem eineinhalbstündigen Gespräch Bushs mit Hus standen jedoch Themen wie die chinesische Währung sowie die Konflikte um das iranische und nordkoreanische Atomprogramm im Vordergrund. Hu sagte dabei weitere Reformen des chinesischen Wechselkurs-Systems zu. China wolle "den Markt eine wachsende Rolle spielen lassen", sagte Price. Die USA werfen der Regierung in Peking vor, die Währung und damit die Exporte zum Nachteil der US-Industrie künstlich billig zu halten.
Ein strahlendes Duo
Bis vor kurzem waren sie noch erklärte Klima-Skeptiker. Nun wollen der US-amerikanische Präsident Bush und der australische Premier Howard den Klimawandel stoppen - mit Nuklearenergie.
Von Urs Wälterlin, Süddeutsche Zeitung, 6.9.07
Der amerikanische Präsident George W.Bush und der australische Premierminister John Howard haben am Rande des Gipfels des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Sydney einen "gemeinsamen Aktionsplan für Atomenergie" vereinbart. Dieser gibt wenig Grund zur Hoffnung, dass sich die Staaten der Region bei dem Gipfel auf ein verbindliches Klimaschutzprogramm einigen können.
Vorgesehen ist eine Zusammenarbeit von USA und Australien bei Forschung und Entwicklung sowie technischer Ausbildung. Howard kündigte an, sein Land werde der von den USA initiierten weltweiten Partnerschaft für Atomenergie beitreten, deren Mitglieder einwilligen, Treibstoff für Atomkraftwerke zu liefern. Australien besitzt selbst keine Atomkraftwerke, Nuklearenergie wird von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Das Land besitzt aber 40 Prozent der Uranvorkommen weltweit und exportiert den Rohstoff in 36 Länder. Umweltschützer kritisierten das Abkommen.
Bush wurde von Howard herzlich begrüßt. Die beiden konservativen Politiker verbindet nicht nur eine lange Freundschaft. Die australische Regierung ist inzwischen auch wohl die letzte weltweit, die Bushs Irak-Politik uneingeschränkt unterstützt. Außerdem haben beide Politiker zu Hause mit sinkenden Popularitätsraten zu kämpfen. Howard droht in wenigen Monaten gar eine vernichtende Wahlniederlage.
So ist der Druck auf die beiden umso größer, beim Gipfeltreffen der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft neue Freunde zu finden. Doch die Chancen dafür sind zumindest beim Thema Nummer eins, dem Kampf gegen die Treibhausgase in der Region, gering. Die Frage, wie weltweit ein effektiver Klimaschutz durchgesetzt werden kann, spaltet die 21 Apec-Staaten. Die Weigerung der USA und Australiens, beides Gegner des Kyoto-Klimaschutzabkommens, verbindliche Ziele und Zeitrahmen zu akzeptieren, hat sich schon vor dem Gipfeltreffen als Stolperstein erwiesen.
Während Bush und Howard - bis vor kurzem noch erklärte "Klima-Skeptiker" - bestenfalls eine Art "Nach-Kyoto-Programm" mit "angestrebten", aber nicht verbindlichen Zielen unterschreiben würden, will Japan nach Meinung von Beobachtern mehr. Das Land hat bereits angekündigt, bis 2050 die Hälfte seiner Emissionen abbauen zu wollen.
Bush und Howard zeigten sich zwar verständnisvoll und versicherten, eine "aktive und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Ländern bei der UN-Klimakonferenz im Dezember in Indonesien" suchen zu wollen, bei der ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll erarbeitet werden soll.
Gangrichtung festgelegt
Australien und die USA kritisieren aber schon seit Jahren, dass Entwicklungs- und Schwellenländer unter den Kyoto-Vorgaben wirtschaftliche Vorteile gegenüber Industrieländern genössen. Vor allem China, mit den USA einer der größten Emittenten von Treibhausgasen, müsse deshalb bei den Verhandlungen mit am Tisch sitzen.
Für Bush scheint die Gangrichtung bereits festgelegt zu sein. "Wer sich wirklich Sorgen wegen der Treibhausgase macht, der müsste für Atomenergie sein", sagte er in Sydney. Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist der scheinbare Fokus auf den nuklearen Brennstoff Uran "keineswegs ein Fortschritt" für Apec, sondern ein Mittel, um dem Thema auszuweichen. "Die Entwicklung neuer Reaktoren ist frühestens in 20 Jahren abgeschlossen. Wir müssen heute handeln", sagte ein Sprecher.
Die Länder der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec sind für mehr als die Hälfte des weltweit durch Abgase und Waldrodungen angerichteten Schadens verantwortlich. Zu diesem Schluss kommt eine in Sydney veröffentlichte Studie der Umweltorganisation WWF. Laut dem Bericht stieg der weltweite Verbrauch von Kohle zwischen 2001 und 2006 um fast 30 Prozent. 90 Prozent dieses Zuwachses haben die Entwicklungsländer Asiens zu verantworten, allen voran China.
Der mit der Verbrennung von Kohle verbundene Ausstoß von klimaschädigenden Gasen habe einen direkten Einfluss auf die Erhöhung der globalen Temperaturen und damit auf Klimakatastrophen wie Überschwemmungen, Dürreperioden und steigende Meeresspiegel. Der weltweite Ausstoß von Klimagasen müsse in den nächsten 40 Jahren mindestens halbiert werden, sagte der Direktor von WWF Australien, Greg Bourne. Er warnte die Apec-Staaten vor "Lippenbekenntnissen", wenn es um den Abbau von Treibhausgasen gehe. Die Welt brauche jetzt klare Reduktionsziele.
Klima schützen mit Atom und Kohle?
Von Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 6.9.07
Australien und die USA planen gemeinsam, für den Klimaschutz auf Atom und Kohle zu setzen. Ihr Vorhaben hat auf dem jährlichen Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft(APEC) keine Begeisterung hervorgerufen.
"Die Aussagen von Bush und Howard spiegeln nur wieder, dass die USA und Australien sich nicht auf verbindliche Klimaziele festlegen sondern auf Atom ablenken wollen. Mit Atomenergie lässt sich jedoch das Klima nicht schützen, dafür ist deren Beitrag zu unbedeutend. Nur zwei bis drei Prozent der weltweiten Endenergie werden aus Uran gewonnen", sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace.
Auf Atomenergie und Kohle zu setzen, wäre ein völlig falsches Signal. Atomenergie birgt hohe Risiken. Und Kohle - den Klimakiller Nummer eins - zu fördern, wäre fatal. Zudem sind die Vorkommen von Uran und Kohle nicht unendlich.
Weder Australien noch die USA haben das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. Sie drängen die anderen APEC-Mitglieder, bis 2030 25 Prozent Energie einzusparen. Das Konzept sieht dabei entgegen dem Kyoto-Protokoll keine Grenzen für Kohlendioxid(CO2)-Emissionen vor.
Auch bei China, Thailand, Indonesien, Malaysia und den Philippinen stoßen die Pläne auf Widerstand. Sie wenden ein, dass die Pläne nicht genügen werden, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen. Außerdem entsprächen diese Vorschläge nicht den Vorgaben des Kyoto-Protokolls und widersprächen den Zielen der Vereinten Nationen.
Die Ziele der APEC müssen denen der UN entsprechen, darüber sind sich China und Indonesien einig. Auf der UN-Klimakonferenz im Dezember 2007 in Bali wird es darum gehen, einen Nachfolger für das erste Kyoto-Protokoll zu entwickeln. Mit dem Kyoto-Protokoll haben sich 35 Industrienationen verpflichtet, von 1990 bis 2012 ihre CO2-Emissionen um 5,2 Prozent zu senken. Entwicklungsländer wie China und Indien sind bisher davon ausgenommen.
Schon jetzt gibt es eine klare Vorgabe der UN. Gemäß den Beschlüssen vom UN-Treffen in Wien am 31. August müssen Industrienationen bis 2020 ihre Emissionen um mindestens 25 Prozent reduzieren, im Vergleich zu 1990 sogar um 40 Prozent. Die APEC-Mitgliedsstaaten planen ihren Fahrplan zum Klimaschutz am Wochenende zu verabschieden.
Mit Uran gegen Klimaschutz
Australien und USA wollen Anti-Kyoto-Koalition schmieden
Von Michael Lenz, Neues Deutschland, 7.9.07
US-Präsident George Bush und Australiens Ministerpräsident John Howard liefern im Vorfeld des APEC-Gipfels in Sydney eine Show: Mit Verve setzen sie sich für ein gemeinsames Handeln der 21 Staaten des Asien-Pazifik-Bündnisses zur Rettung des Weltklimas ein.
Dabei gelten Bush und Howard als strikte Gegner von Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. Die USA und Australien haben das Klimaschutzprotokoll von Kyoto als einzige Industrieländer nicht unterzeichnet. Dieses schade dem Wirtschaftswachstum und nehme große Treibhausgasproduzenten wie China und Indien nicht in die Pflicht, so ihre Kritik.
Spätestens seit dem G8-Gipfel sind sich Bush und Howard jedoch bewusst, dass eine reine Anti-Haltung wenig hilfreich ist. Beide möchten die APEC-Staaten jetzt auf »erstrebenswerte« Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase festlegen, die durch »saubere« Kohlekraftwerke und Kernenergie erreicht werden sollen. Von verbindlichen Reduktionsvorgaben wie im Kyoto-Protokoll ist keine Rede.
Howard sieht im APEC-Gipfel, an dem wirtschaftliche Riesen und große Umweltsünder wie die USA, China und Russland, aber auch bitterarme Staaten wie Myanmar oder Papua-Neuguinea teilnehmen, eine »historische Gelegenheit« zur Einleitung einer Post-Kyoto-Vereinbarung, die auch die Entwicklungs- und Schwellenländer einbezieht. »Das Kyoto-Modell – von oben herab, vorschreibend, legalistisch und eurozentrisch – wird in der aufstrebenden Asien-Pazifik-Region nicht laufen«, so Howard.
Die Verhandlungen über eine klimapolitische »Erklärung von Sydney« sind derzeit indes festgefahren. Eine Reihe asiatischer Staaten wie Indonesien, die Philippinen und Malaysia sind der Ansicht, die APEC solle Vereinbarungen zum Klimaschutz den Vereinten Nationen überlassen. Die UNO-Klimakonferenz im Dezember auf Bali sei der richtige Rahmen dafür. Genau dies wollen Australien und die USA mit ihrer APEC-Initiative hintertreiben. China kritisierte, die Erklärung unterscheide nicht zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Die asiatischen Länder sind jedoch der Atomkraft nicht abhold. Die politisch instabile und an Erdbeben reiche asiatisch-pazifische Region könnte in den kommenden Jahrzehnten zum »Ring der Atomkraftwerke« werden. Vietnam, Malaysia, und Thailand haben den Bau von AKW angekündigt. Indonesien hat unlängst bereits einen Vertrag mit russischen Unternehmen zum Bau eines ersten AKW auf Java, einem Erdbebenhotspot erster Güte, abgeschlossen.
Dies ist gerade für Australien ein Riesengeschäft, denn das Land verfügt über 40 Prozent der weltweit bekannten Uranvorkommen. Am Wochenende wollen Howard und Russlands Präsident Wladimir Putin ein Abkommen über Uranlieferungen unterzeichnen. Ähnliche Verträge mit Indien und China sind bereits unter Dach und Fach. Außerdem verfügt Australien über enorme Kohlevorräte und hat in China einen Großabnehmer.
Das Scheitern der APEC-Klimainitiative wäre für Gastgeber Howard äußerst peinlich. In Australien stehen Wahlen bevor und Klimapolitik gehört zu den zentralen Themen. Aktuell liegt die oppositionelle Labor-Partei bei Umfragen mit 18 Prozent in Führung.
Donnerstag, 6. September, 03:13 Uhr
Gore zeigt «Weg zum Überleben» auf
New York (AP) Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat ein neues Buch über den Klimawandel geschrieben. «The Path to Survival» (Der Weg zum Überleben) wird in den USA am 22. April erscheinen. Gore, der die Gefahren der globalen Erwärmung bereits mit seinem Oscar-gekrönten Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit» thematisiert hatte, zeige in dem Buch auf, was die Weltgemeinschaft tun müsse, um die Umwelt zu schützen, erklärte der Verlag Rodale Books. Gore wende sich an diejenigen, die von seinem Film zum Handeln motiviert worden seien. Die Verlegerin Liz Perl erklärte, an eine Verfilmung des neuen Buchs sei derzeit nicht gedacht.
Mittwoch, 5. September, 14:57 Uhr
Streit um Klimaschutz
Düsseldorf (ddp-nrw). Regierung und Opposition streiten über die Konsequenzen aus dem Klimawandel für die NRW-Umweltpolitik. Das Bundesland müsse bis 2050 mit Temperatursteigerungen von zwei bis vier Grad rechnen, sagte Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung einer aktuellen Studie in Düsseldorf. Durch den Klimawandel steige die Wahrscheinlichkeit von extremen Wetterereignissen wie Stürmen an, warnte er. SPD, Grüne und Umweltschützer forderten mehr konkrete Initiativen des Ministers.
«Der Klimawandel findet statt, hier bei uns vor der Haustür», sagte Uhlenberg. Eine verantwortliche Klimapolitik müsse daher auch die Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen berücksichtigen. «Wenn wir nicht wollen, dass uns die Folgen des Klimawandels überrollen, müssen wir heute anfangen, uns darauf einzustellen», sagte Uhlenberg. «Ich möchte die Anpassung an den Klimawandel nun gezielt und systematisch angehen und zu einem festen Bestandteil der nordrhein-westfälischen Klimapolitik machen.»
Als Reaktion auf die Studie plant das Umweltministerium eine Verbesserung des Hochwasserschutzkonzepts des Landes, da mit häufigeren kleinen und mittleren Hochwassern zu rechnen sei. Für die Waldbesitzer sollen verlässliche Prognosen über die Auswirkungen der Klimaveränderung erstellt werden, damit sie geeignete Baumarten anbauen können und so stabile Mischwälder entstehen. Den Landwirten sollen künftig auf Basis kleinräumiger Klimadaten konkrete Empfehlungen für den Pflanzenanbau gegeben werden, die die steigenden Temperaturen berücksichtigen.
2008 soll die Studie, die das Umweltministerium zusammen mit den Experten des Landesumweltamts erstellt hat, regionalisiert werden. Auf Risikokarten sollen zukünftig Klimaveränderungen für alle Städte des Landes genau berechnet werden können.
Die Opposition warf dem Minister klimapolitisches Versagen und Tatenlosigkeit vor. «Es reicht nicht, nur Daten zum Klimawandel zu dokumentieren und am Computer Zukunftsszenarien durchzuspielen», sagte SPD-Umweltexpertin Svenja Schulze. NRW brauche einen konkreten und überprüfbaren Maßnahmenkatalog, um die Folgen des Klimawandels bewältigen zu können, sagte sie. Es sei ein schwerer Fehler, dass die formale Zuständigkeit für die Klimapolitik nicht bei Uhlenberg, sondern bei Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) liege.
«Leider ist das vorgestellte Konzept nur halbherzig und wird durch eigenes Handeln schon unterlaufen», sagte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Johannes Remmel. So habe der Minister Programme zum vorsorgenden Hochwasserschutz und zur Förderung der naturnahen Waldwirtschaft gestrichen.
Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) warf der Landesregierung vor, sich aus ihrer Verantwortung für den Umweltschutz immer mehr zurückzuziehen. So habe der Naturschutzetat des Landes im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro betragen gegenüber 46 Millionen Euro im Jahr 2001, kritisierte der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck. Dies reiche angesichts des Klimawandels und der Auswirkungen auf die Artenvielfalt nicht aus.
Klimawandel: Pflanzen reagieren auf einen höheren CO2-Gehalt nicht nur positiv
epo.de, 05.09.2007
Braunschweig. - Welche Erträge bringen unsere Kulturpflanzen, wenn der Kohlendioxid (CO2)-Gehalt der Atmosphäre im Zuge des Klimawandels weiter steigt? Dieser für die Ernährungssicherung kommender Generationen wichtigen Frage geht das Fachblatt Nature in seiner aktuellen Ausgabe nach. Es stützt sich dabei auch auf Ergebnisse der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig, die in Tests einen verringerten Nährwert von Pflanzen festgestellt hat.
Weltweit gibt es nur wenige Forschergruppen, die Ergebnisse aufzuweisen haben über das Verhalten von Pflanzen, die auf der freien Ackerfläche in einer veränderten Atmosphäre wachsen. Kein Wunder: Solche Experimente unter freiem Himmel sind äußerst aufwändig. Das Team von Professor Hans-Joachim Weigel aus dem Institut für Agrarökologie der FAL in Braunschweig gehört zu diesem exklusiven Zirkel. Im Rahmen eines FACE-Projekts (Free Air Carbon Dioxide Enrichment) hat er über sechs Jahre untersucht, wie sich die Erträge und die Qualität von Winterweizen, Zuckerrüben und Wintergerste in einer Fruchtfolge verändern, wenn die Luft über dem Feld nicht die heute üblichen 380 ppm Kohlendioxid aufweist, sondern 550 ppm - ein Wert, der in etwa 50 Jahren erwartet wird.
Allgemein geht man von einem "CO2-Düngeeffekt" aus, da die Pflanzen CO2 für ihre Photosynthese nutzen und bei einem verstärkten Angebot dieses Gases besser wachsen können. Doch - und hier setzt der Nature-Artikel an - wie hoch ist dieser Zuwachs wirklich und wie verhält es sich mit den Qualitätseigenschaften des Ernteguts? Zwar gehen Wissenschaftler wie der amerikanische Bodenforscher Bruce Kimball aus Arizona aufgrund ihrer Experimente mit einer angereicherten Atmosphäre davon aus, dass sich ein erhöhter CO2-Gehalt generell positiv auf die Ertragshöhe auswirkt, doch kann es manche unverhoffte Überraschung beim Nährwert geben. Denn der Eiweißgehalt bei vielen Pflanzenarten war in den Experimenten deutlich reduziert.
Vielleicht könnte hier eine verstärkte Stickstoff-Düngung helfen, denn Stickstoff ist eine wichtige Komponente bei der Eiweißsynthese. Diese Erwartungen dämpft Hans-Joachim Weigel: "Bei manchen Feldfrüchten bräuchte man dazu mehr Dünger, als man im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz vertreten kann", resümiert er in dem Nature-Artikel. Grund für diese Einschätzung sind unter anderem Analysen aus Garching bei München. Dort hat Dr. Herbert Wieser von der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) den Weizen aus Weigels FACE-Versuchen zu Brotmehl weiterverarbeitet und den Proteingehalt gemessen. Gerade die für die Backqualität entscheidenden Gluten-Eiweiße waren um rund 20 Prozent vermindert.
Bruce Kimball fand ähnliche Proteinverminderungen in Baumwollblättern. Auch andere Pflanzen wie Weidegras könnten bei höherem CO2-Gehalt weniger Eiweiß bilden. Die großen amerikanischen Rinderherden vor Augen, wirft Kimball die Frage auf, wie wohl die pflanzenfressenden Nutztiere auf dieses reduzierte Eiweißangebot im Futter reagieren. Und es gibt Anzeichen - unter anderem aufgrund von Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Professor Andreas Fangmeier an der Universität Hohenheim - dass neben Proteinen auch andere für die Ernährung wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamin C und mineralische Spurenelemente in den Pflanzen zurückgehen. "Auch wenn es keinen Anlass für Panik gibt, sollten wir diese Ergebnisse ernst nehmen", sind sich Kimball und Weigel in dem Nature-Artikel einig. Und Weigel gibt zu bedenken: "Noch haben wir zu wenig Datengrundlagen, um all diese Dinge seriös abschätzen zu können."
Doch warum ist es so wichtig, möglichst jetzt schon zu wissen, wie die Pflanzen auf das veränderte CO2-Angebot in 50 Jahren reagieren? Den Forschern ist klar, dass die Züchtung neuer Sorten eine lange Vorlaufzeit braucht. Wenn man also auch künftig Kulturpflanzen zur Verfügung haben will, die optimal an die äußeren Gegebenheiten angepasst sind, sollten die Züchter so früh wie möglich wissen, welche Parameter sie in ihre Zuchtprogramme aufnehmen müssen.
Donnerstag, 6. September, 14:36 Uhr
Wärmer, voller, artenreicher
Warnemünde (ddp-nrd). An Prognosen zur Zukunft der deutschen Küstenmeere wagen sich die Meeresforscher nicht. «Kein Mensch kann vorhersagen, wie die Nord- oder Ostsee in 50 oder 100 Jahren aussehen wird», sagt der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde, Bodo von Bodungen. Nicht nur, dass die Wissenschaft erst am Anfang stehe, die dafür nötigen ungeheuren Datenmengen verarbeiten zu können. Es gebe schlichtweg viele Wissenslücken. Die Wissenschaft versucht dennoch, Szenarien zu erarbeiten, die beschreiben, welche Folgen beispielsweise Eingriffe in die Natur haben könnten.
Unbestritten werden die Meere wärmer, und der Wasserspiegel steigt. Küstenabschnitte werden überflutet, und fremde Arten werden in den Nordmeeren heimisch. Zu diesen vom Klima beeinflussten Veränderungen kommen Einflüsse des Menschen. Fahrtrouten werden ausgebaggert, um großen Schiffen den Seeweg frei zu machen. Eine hohe Verkehrsdichte auf See erhöht das Risiko von Schiffsunfällen. Brücken und Pipelines zerschneiden Meere, nie zuvor wurde so viel gefischt.
«Das System ist sehr komplex. Schnelle Schiffe bringen beispielsweise im Ballastwasser artfremde Organismen mit, die sich dank der wärmeren Nordmeere hier plötzlich wohlfühlen. Darunter sind Freunde wie auch Feinde», sagt Bodungen. Folge sei ein biologischer Wandel in Nord- und Ostsee. Beispiel Ausbaggerungen: Wohin wird das Baggergut am besten verklappt, zurück ins Meer oder an Land? Und was passiert, wenn die marinen Organismen an fremder Stelle ausgesetzt werden?
Viele Einflüsse auf das Ökosystem sind noch gar nicht untersucht. Wirtschaft und Politik brauchen aber eine Entscheidungshilfe. «Wir können Szenarien entwickeln, wie sich beispielsweise ein Brückenbau auf den Zustrom von Salzwasser in die Ostsee auswirkt. Wir können aber nicht sagen, ob das gut oder schlecht für die Ostsee ist«, sagt Bodungen. Eine sauerstofffreie Zone in den Senken des Binnenmeeres, die es übrigens schon seit Tausenden Jahren gebe, möge schlecht für einige Fischarten sein. Bakterien jedoch könnten in einer belüfteten, gut durchmischten Ostsee gar nicht leben.
Küstenmeere waren noch nie statisch, aber auch noch nie in ihrer Geschichte einer so starken Nutzung durch den Menschen ausgesetzt wie heute. Mehr und mehr Forschungsprojekte befassen sich deshalb mit den Folgen dieser Einflüsse. Besprochen und ausgewertet werden sie im vor drei Jahren gegründeten Konsortium Deutsche Meeresforschung, dem elf deutsche Institute angehören. »Es ist wichtig, dass die Küstenforschung mit einer Stimme spricht«, sagt Bodungen, der im Vorstand des Konsortiums sitzt. »Wir haben uns bislang auf die Naturwissenschaft beschränkt. Wir müssen uns mehr mit der Wahrnehmung der Forschungsergebnisse in Politik und Gesellschaft befassen«, fügt er hinzu.
Zeichen dieses Richtungswandels in der Meeresforschung ist beispielsweise der Versuch der Universität Rostock, den Forschungsschwerpunkt Maritime Systeme nicht nur aus naturwissenschaftlicher, sondern auch juristischer, philosophischer und umweltpädagogischer Sicht zu beleuchten.
Um die Nord- und Ostsee von morgen skizzieren zu können, seien aber noch mehr Daten nötig, heißt es in der Denkschrift »Küstenmeere im Wandel" des Konsortiums. Seit 15 Jahren seien Messsonden in Nord- und Ostsee im Dauereinsatz. Es müsse sowohl die Zahl der von ihnen erhobenen Messwerte erhöht, auch sollten an mehr Stellen in den beiden Meeren Stationen aufgebaut werden. Ziel ist ein maritimes Observatorium, auf dessen Daten jedermann zugreifen kann. Außerdem wünschen sich die rund 1000 deutschen Meeresforscher eine modernere und größere Flotte kleinerer, flexibler Forschungsschiffe, die zum Beispiel beim Auftreten großer Algenteppiche oder bei Schiffsunglücken zum Einsatz kommen könnten.
Mittwoch, 5. September, 15:53 Uhr
Grüne fordern klimafreundlichere Fahrzeuge
Hamburg (ddp). Die Grünen fordern von der deutschen Automobilindustrie mehr Anstrengungen bei der Entwicklung umwelt- und klimafreundlicherer Fahrzeuge. Man wolle der Automobilindustrie «Dampf machen», sagte Fraktionschef Fritz Kuhn am Mittwoch vor Beginn einer Klausurtagung der Grünen-Parlamentarier im Hamburger Rathaus. Die Automobilindustrie solle nicht nur von Ökologie reden, sondern «schadstoffarme Fahrzeuge systematisch auf den Markt bringen». Ansonsten werde «der Autostandort Deutschland auch wirtschaftlich gefährdet sein».
Zu den Klausurberatungen hat die Fraktion ein Positionspapier zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main erarbeitet. In dem «Green car concept» fordert sie die Ausschöpfung aller Möglichkeiten, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Zugleich verlangen die Grünen für Neuwagen die Einführung eines CO2-Grenzwertes von durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer ab dem Jahr 2012 und plädieren für ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen.
Zu den weiteren Vorschlägen gehört unter anderem die Umstellung der Bemessungsgrundlage bei der Kfz-Steuer auf CO2. Zudem soll ein Klimapass den Verbrauchern Auskunft geben, ob das angebotene Auto im Vergleich seiner Klasse klimaverträglich ist oder nicht.
» zurück
|