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Aktuell
UN-Indigenendeklaration (erweitert)
UN stimmt nach 22 Jahren über Deklaration der Rechte indigener Völker ab
Survival International Pressemitteilung, 10.9.07
Zweiundzwanzig Jahre intensiver Diskussionen und Verhandlungen erreichen
in dieser Woche ihren Höhepunkt in New York, wo die Hauptversammlung der
Vereinten Nationen über die Anerkennung der Deklaration der Rechte
indigener Völker abstimmt.
Kanada, die USA, Australien und Neuseeland sowie die Russische
Föderation (alles Länder mit grossen indigenen Bevölkerungsgruppen)
haben die Anerkennung der Deklaration energisch abgelehnt. Ihr Verhalten
hat bei Stammesvölkern weltweit Entrüstung hervorgerufen.
Die ablehnend gestimmten Länder sind bekannt für ihren geringschätzigen
Umgang mit indigenen Guppen. Australien, Neuseeland und die USA waren in
der Vergangenheit Ziel von Maßnahmen der “Frühwarnung und des schnellen
Eingreifens” von Seiten des UNO-Ausschuss zur Beseitigung jeder Form von
Rassendiskriminierung (CERD).
Kanada wurde besonders kritisiert, da es in der Vergangenheit die
Deklaration unterstützt hatte. Kanadische Oppositions-Parteien stehen
geeint der von Premierminister Stephen Harper eingenommenen Position
gegenüber.
Hinzu kommt, dass eine große Gruppe Afrikanischer Staaten auf eine Reihe
von Änderungen am Text der Deklaration besteht, die aber trotzdem noch
immer von den meisten indigenen Organisationen unterstützt wird.
Der Direktor von Survival, Stephen Corry, sagte heute: “Über die
Deklaration wurde fast ein Vierteljahrhundert diskutiert. In diesen
Jahren wurden viele Stammesvölker, wie beispielsweise die Akuntsu und
die Kanoê in Brasilien, stark dezimiert und andere, wie die Innu in
Kanada, an den Rand ihrer Existenz gebracht. Regierungen, sie dich gegen
die Deklaration aussprechen kämpfen auf schändliche Art gegen die
Menschenrechte ihrer verletzlichsten Volksgruppen. Die Unterstützung von
Menschenrechten auf anderen Gebieten wird dann als scheinheilig entlarvt.
UN verabschiedet Erklärung zu Rechten indigener Völker
Survival International Pressemitteilung, 14.9.07
Indigene Völker überall auf der Welt feierten gestern die Verabschiedung der Erklärung der Rechte für indigene Völker durch die UN-Hauptversammlung. Die Erklärung wurde gestern in New York von einer überwältigenden Mehrheit in einer historischen Abstimmung verabschiedet.
Die Abstimmung beschreibt den Höhepunkt von 22 Jahren intensiver Debatten und Verhandlungen. Australien, Neuseeland, Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika stimmten gegen die Deklaration, während 143 Nationen dafür stimmten und elf sich enthielten.
Der Botswanische Buschmann Jumanda Gakelebone von der Organisation „First People of the Kalahari“ sagte gestern, „Wir möchten sagen, dass wir wirklich sehr glücklich und begeistert sind, von der Verabschiedung der Deklaration zu hören. Dies bedeutet die Bestätigung, dass Regierungen uns nicht mehr wie Bürger zweiter Klasse behandeln können und damit ein Schutz für Stammesvölker geschaffen wird, der verhindert, dass sie wie wir von ihrem Land vertrieben werden können.“
Kiplangat Cheriyot, Vertreter des kenianischen Ogiek Stammes sagte gestern, dass „sich mit der Anerkennung der Deklaration das Leben der Stammesvölker soweit verbessern wird, dass sie mit dem Rest der Bürger der Welt auf gleicher Basis stehen.“
Survival's Direktor Stephen Corry sagte gestern, „die Deklaration der indigenen Völker, mit ihrer Anerkennung gemeinsamer Rechte, wird internationale Standards in gleicher Weise anheben, wie die Deklaration der Menschenrechte es vor fast 60 Jahren tat. Sie setzt einen Richtwert anhand dessen die Behandlung von Indigenen und Stammesvölkern beurteilt werden kann und wir hoffen, dass sie eine neue Ära einleitet, in der Missachtung ihrer Rechte nicht länger toleriert wird.“
Die Erklärung erkennt das Recht der indigenen Völker auf Eigentum ihres Landes und auf Selbstbestimmung ihres Lebens an. Es bekräftigt außerdem, dass sie nicht ohne ihre freiwillige Einverständniserklärung von ihrem Land vertrieben werden dürfen.
Vereinte Nationen stärken Ureinwohner
"Allgemeine Erklärung zu den Rechten der indigenen Völker" ist Durchbruch für weltweiten Menschenrechtsschutz
Staaten müssen jetzt ihre Projekte auf Ureinwohnerland überprüfen
GfbV Pressemitteilung, Göttingen / New York, 14. September 2007
Als " entscheidenden Durchbruch für den Kampf um die Menschenrechte der Ureinwohner in aller Welt", hat die Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung zu den Rechten der indigenen Völker durch die UN-Vollversammlung begrüßt. "Erstmals werden darin ausdrücklich auch ihre kollektiven Rechte anerkannt", kommentierte Yvonne Bangert vom GfbV-Referat indigene Völker in Göttingen am Freitag. "Wir fordern die Staatengemeinschaft auf, ihre Entscheidung jetzt auch ernst zu nehmen und Staudammprojekte, Rohstoffförderung und Abholzaktionen auf Ureinwohnerland zu überprüfen und mit den Betroffenen neu auszuhandeln." Die GfbV kämpft seit Jahrzehnten für die Rechte der weltweit rund 370 Millionen Ureinwohner und besitzt seit 1993 Beraterstatus bei den UN.
Die UN-Deklaration wecke bei den Ureinwohnervertretern große Hoffnungen, in Zukunft auf gleicher Augenhöhe mitzuverhandeln, wenn zum Beispiel ihre Landrechte verletzt werden, berichtete die GfbV. Sie gebe den indigenen Völkern u.a. das Recht, selbst über die Entwicklung ihres Landes, den Abbau von Rohstoffen, Fragen der Selbstverwaltung, Gesundheitsprogramme zu entscheiden.
Für entwurzelte Angehörige indigener Gemeinschaften, die von ihrem angestammten Land vertrieben wurden und in den Slums und Favelas der großen Städte ein elendes Dasein führen müssten, forderte die GfbV sofortige Programme wie Ausbildungsangebote.
Nach Schätzungen der GfbV gibt es weltweit noch rund 5000 indigene Gemeinschaften in 75 Staaten. Zu ihnen zählen die rund 84 Millionen Adivasi in Indien, die Sami im Norden Europas, die etwa 40 Millionen Indianer in Nord-, Mittel- und Südamerika, die Aborigines in Australien, die Maori in Neuseeland, die San im südlichen Afrika und viele andere. Viele dieser Gemeinschaften müssen um ihr Überleben kämpfen. So sind in Indonesien rund 300 Völker von der geplanten Ausweitung der Ölpalmplantagen betroffen. Weil auf ihrem Land Palmöl produziert werden soll, droht Ureinwohnern auch in Kolumbien oder Burma die Vertreibung. In Brasilien, Chile oder Ecuador kämpfen viele indianische Völker gegen den Kahlschlag ihrer Wälder, den Abbau wertvoller Rohstoffe oder die Förderung von Erdöl und Erdgas. In Kanada leiden die Indianer unter großer Armut, grassierendem Rassismus und ungeklärten Landrechtsverhältnissen. Die Ureinwohner Sibiriens sind bereits von den Folgen des Klimawandels betroffen und befürchten, aufgrund der Eisschmelze ihre Lebensgrundlage ganz zu verlieren.
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