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Aktuell
Bilanz Klimatreffen
Dienstag, 11. September, 14:12 Uhr
Erste konkrete Ziele für Welt-Klimaschutzabkommen
Berlin (ddp). Auf dem Weg zu einem neuen Klimaschutzabkommen der Vereinten Nationen zeichnen sich erste konkrete Ziele ab. Der UN-Sonderbotschafter Carlos Lagos schlug am Dienstag auf einer Klimakonferenz in Berlin eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent bis 2020 und um 60 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 vor, wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mitteilte. Dagegen habe es keinen Widerspruch gegeben.
Im Rahmen des von den G8-Staaten initiierten «Gleneagles-Dialogs über Klimawandel, saubere Energie und nachhaltige Entwicklung» hatten Energie- und Umweltminister aus 20 Ländern über die Förderung klimafreundlicher Technologien beraten.
Gabriel betonte, nach dem Scheitern der Klimakonferenz von Nairobi sei man «innerhalb der letzen zwölf Monate einen gewaltigen Schritt nach vorne gekommen». Auf der Berliner Konferenz habe es «große Schritte der Entwicklungsländer aufeinander zu» gegeben. Die UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember müsse ein Verhandlungsmandat erteilen, das Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung miteinander verbinde. Ziel ist ein eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase, das 2012 ausläuft.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl (CSU), betonte, Schlüssel zur Vereinbarkeit von Klimaschutz und Wachstum seien innovative Energietechnologien. Gerade bei den sehr stark wachsenden Entwicklungsländern seien noch Ängste abzubauen, in CO2-sparende Strukturen einzusteigen.
Dienstag, 11. September, 15:40 Uhr
Gabriel sieht Fortschritte bei Klimapolitik
Berlin (AP) Bei den Verhandlungen über den weltweiten Klimaschutz ist ein weiterer Teilerfolg erzielt worden. Die 20 Länder mit dem größten Energieverbrauch einigten sich am Dienstag in Berlin auf eine gemeinsame Strategie für die UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verteidigte die Politik der kleinen Schritte und meinte: «Wir sind in den letzten zwölf Monaten einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen.»
Konkret vereinbarten die Umwelt- und Energieminister, die Themen Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaftswachstum gemeinsam zu betrachten. Bei der Weltklimakonferenz soll zunächst festgelegt werden, dass die Bemühungen um den globalen Klimaschutz 2012 weitergehen werden, wenn das Kyoto-Klima-Protokoll 2012 ausläuft. «Bali muss ein Verhandlungsziel definieren», sagte Gabriel.
Der Umweltminister forderte, die Atmosphäre dürfe nicht länger als Abfalldeponie für das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) missbraucht werden. «Absolut essenziell ist ein Kohlenstoffmarkt», sagte der SPD-Politiker. Darüber hinaus müssten der Kampf gegen den Klimawandel stärker als bisher mit der Armutsbekämpfung verknüpft und sowohl die Investitionen in die Energieforschung als auch die Mittel für den Klimafonds deutlich aufgestockt werden.
Die Bundesregierung hatte als Vorsitzende der G-8-Industriestaaten zu der zweitägigen Konferenz eingeladen, um Gemeinsamkeiten für die Bali-Konferenz zu finden. Gabriel betonte, es handele sich um «Diskussionsergebnisse», nicht um Verhandlungsergebnisse. In Berlin sei der Endspurt für die UN-Klimakonferenz in Bali eingeläutet worden.
Der Leiter des UN-Klimareferats, Yvo de Boer, erklärte, noch bei den Gesprächen vor drei Wochen in Wien habe er einen negativen Eindruck von den Klima-Gesprächen gehabt. Jetzt sagten alle, sie wollten einen Fortschritt in Bali. Das sei «sehr ermutigend», erklärte de Boer. «Der nächste Schritt ist jetzt am 24. September in New York.» Auf der UN-Generalversammlung müssten die Regierungschefs ganz klar sagen, dass in Bali neue Verhandlungen beginnen müssen.
Gabriel sagte, US-Präsident George W. Bush wolle im Anschluss daran über praktische Maßnahmen des Klimaschutzes beraten. Dabei gehe es um Technologien, den Einsatz erneuerbarer Energien und die Einlagerung von Kohlendioxid (CCS). «Wir fahren mit einer sehr offenen Haltung nach Washington», sagte der Bundesumweltminister.
Berliner Klimakonferenz beendet
Von Michael Richter, Greenpeace-Online, 11.9.07
In Berlin ist am Dienstag die zweitägige Klimakonferenz von 20 Industrie- und Entwicklungsländern zu Ende gegangen. Das Ministertreffen im Rahmen des Gleneagles-Dialoges über Klimawandel, saubere Energie und nachhaltige Entwicklung ist eines von vielen Treffen, die als Vorbereitung auf die UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember stattfinden. Auf der indonesischen Insel soll dann über ein Nachfolgeabkommen zu dem 2012 auslaufenden Kyoto-Klimaprotokoll verhandelt werden. Unser Klimaexperte Karsten Smid kommentiert die Ergebnisse der Berliner Konferenz.
"Die Bereitschaft ist deutlicher geworden, in Bali mit Verhandlungen für den Klimaschutz nach 2012 zu beginnen. Das ist positiv. Die USA stehen mit ihrer Klimainitiative, die sich gegen das Kyoto-Abkommen richtet, isoliert da. Auch das ist positiv", sagt Smid. "Zugleich wird aber auch offenbar, dass sich die bisherigen Verhandlungen an Zielen orientieren, die vollkommen unzureichend sind und die Zerstörung des Klimas nicht abwenden können. Es wird keine echten Fortschritte geben beim internationalen Klimaschutz, wenn die Industrieländer nicht selbst voran gehen. Das zeigt auch diese Konferenz wieder."
Es mangele an glaubwürdiger Klimaschutzpolitik der Industrieländer. Smid weiter: "Länder wie China und Indien lassen sich nicht durch Reden auf Konferenzen überzeugen, sondern nur durch eine vorbildliche Politik der größten Verursacher des Klimawandels. Positiv zu vermelden ist, dass die Industrieländer einen neuen Fonds einrichten wollen, mit dem Klimaschutzprojekte und Urwaldschutz in Entwicklungsländern finanziert werden sollen."
"Die Industrieländer müssen ihre Zusagen aus dem Kyoto-Protokoll einhalten und ihren CO2-Ausstoß verringern", fordert Smid. "Und sie müssen sich auf der Klimakonferenz in Bali stark engagieren für ein Nachfolgeabkommen mit ehrgeizigen Zielen zur weiteren Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes. Wenn sich diese Einsicht unter den Industrieländern in den nächsten Wochen nicht durchsetzt, dann werden sie nicht nur Glaubwürdigkeit verlieren, sondern auch die Chancen für den internationalen Klimaschutz verspielen."
Dienstag, 11. September, 13:08 Uhr
WWF warnt: Eisbären sterben bis 2050 aus
Genf (dpa) - Eisbären könnten nach Einschätzung der Umweltorganisation WWF in freier Natur bis 2050 von der Erde verschwunden sein. Die Umweltschützer stützen sich bei dieser Annahme auf eine in der vergangenen Woche veröffentlichte US-Studie.
Die Schlussfolgerungen der US-Wissenschaftler seien allerdings zu vorsichtig, sagte der Direktor des WWF-Programms für die Arktis, Neil Hamilton, in Genf. Die Informatikmodelle unterschätzten nach WWF-Auffassung das Tempo des Abschmelzens der Gletscher.
In der Studie des US Geological Survey heißt es, das Abschmelzen des arktischen Eises als Folge der Erderwärmung führe zu einem dramatischen Rückgang der Eisbär-Population. In den kommenden 50 Jahren sei deshalb mit einer Dezimierung um zwei Drittel zu rechnen. Derzeit gebe es noch etwa 20 000 bis 25 000 Tiere.
Auch die US-Wissenschaftler geben zu, dass ihre Schätzungen sehr vorsichtig sind. «Selbst das beste Modell, das genutzt werden kann, dürfte den wirklichen Rückgang des Eises in der Arktis unterschätzen», heißt es in dem US-Bericht.
«Wir haben jetzt die Bestätigung, dass das größte lebende Landraubtier noch während unserer Lebenszeit ausgerottet sein wird», sagte Hamilton. Diese Erkenntnis komme zu einer Zeit, in der die Welt noch darüber diskutiere, was gegen den Klimawandel zu tun sei.
Für die Bären ist das Packeis lebenswichtig, weil sie dort auf Robbenjagd gehen. An Land oder im Wasser machen sie dagegen nur selten Beute.
Dienstag, 11. September, 12:28 Uhr
Klimaschutz wird Strom angeblich deutlich verteuern
Berlin (AP) Die Klimaschutz-Maßnahmen der Bundesregierung werden nach einer internen Analyse des Wirtschaftsministeriums den Strompreis sprunghaft verteuern. Das Wirtschaftsmagazin «Capital» berichtete am Dienstag vorab unter Berufung auf diese Analyse, die Maßnahmen führten im Jahr 2010 allein beim Strom zu Mehrkosten von rund 15 Milliarden Euro. Dadurch verteuere sich der Nettopreis beim Privatverbraucher um drei Cent pro Kilowattstunde und damit um fast 20 Prozent.
Weiter heißt es, noch stärker träfen die Direktiven jene Industriebetriebe, die nicht von der Härtefall-Regel für energie-intensive Betriebe profitierten. Sie müssten ihren Strom voraussichtlich um mehr als 50 Prozent teurer einkaufen müssen.
Stärkster Kostentreiber ist der EU-Emissionshandel. Er belastet die Stromrechnung nach Schätzung des Wirtschaftsministeriums bereits im kommenden Jahr mit sieben Milliarden Euro. Im Jahr 2010 steige die Belastung dann sogar auf zehn Milliarden Euro.
Stark wachsen werden bis 2010 nach der Analyse des Ministeriums auch die Einspeise-Vergütungen für erneuerbare Energien. Laut «Capital» wird sich der Betrag um die Hälfte auf dann 7,9 Milliarden Euro erhöhen. Demgegenüber ließe sich die gleiche Menge Strom für 3,1 Milliarden Euro aus konventionellen Kraftwerken einkaufen.
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