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Aktuell

Klimawandel und Gerechtigkeit

18. September, 2007

Globaler Emissionshandel für Kampf gegen Klimawandel und Armut

Potsdam (AP) Ein weltweiter Handel mit Rechten für den Ausstoß von Kohlendioxid könnte nach Experteneinschätzung sowohl den Klimawandel als auch die Armut in Entwicklungsländern bekämpfen. «Das würde Afrika einen enormen Entwicklungsschub ermöglichen, mehr als jede Entwicklungshilfe», sagte der Direktor des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (PIK), Hans-Joachim Schellnhuber, am Dienstag: «Entwicklungs- und Umweltpolitik müssen sich verschränken.»

Im Auftrag des katholischen Hilfswerkes Misereor wollen das PIK und das Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie München in den kommenden drei Jahren den Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und weltweiter Armut erstellen. «Die Entwicklungsländer, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, leiden am stärksten unter den Folgen», sagte Schellnhuber, der auch klimapolitischer Chefberater der Bundesregierung ist. «Diese doppelte Gerechtigkeitslücke gilt es zu schließen.»

PIK-Chefökonom Ottmar Edenhofer erklärte, ein funktionierender weltweiter Handel mit Emissionsrechten sei aus seiner Sicht das zentrale Element bei der Bekämpfung von Klimawandel und Armut. Dabei würde jedem Land das Recht für den Ausstoß einer bestimmten Menge Kohlendioxid pro Einwohner zugeteilt. Länder mit wenig Industrie, die ihre Rechte nicht ausschöpfen, könnten ihre Zertifikate meistbietend an Staaten verkaufen, die mehr CO2 ausstoßen.

Für eine gerechte Lösung müsse bis 2050 jedes Land das gleiche Emissionsrecht pro Einwohner erhalten, sagte Edenhofer. Derzeit gebe es bereits mehrere regional begrenzte Initiativen wie etwa in Kalifornien oder Hongkong: «Für die Zukunft kommt es darauf an, diese Insellösungen zu verknüpfen.»


Studie soll Wechselwirkung zwischen Klimawandel und Armut untersuchen

epo.de, 18.09.2007

Potsdam. - Während die Industrienationen durch ihren hohen Ressourcenverbrauch den größten Einfluss auf das Weltklima nehmen, sind es die armen Länder, die am stärksten durch den Klimawandel verwundbar sind. Auf diese Gerechtigkeitslücke haben die Münchener Rück Stiftung und das katholische Hilfswerk MISEREOR in Potsdam hingewiesen. Anlass war der Start einer gemeinsam finanzierten Studie zum Zusammenhang von "Klimawandel und Gerechtigkeit. Klimapolitik als Baustein einer gerechten Globalisierung und nachhaltigen Armutsbekämpfung".

Die Studie wird vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Institut für Gesellschaftspolitik (IGP) an der Hochschule für Philosophie, München, erarbeitet. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts, bezeichnete das Projekt als wichtige Herausforderung für das PIK. Es gehe darum, neue wissenschaftliche Grundlagen für die Armutsbekämpfung in Zeiten des Klimawandels zu erarbeiten.

Armut macht verwundbar - ganz besonders auch verwundbar für extreme Wetterereignisse. Dies machte Johannes Müller, Leiter des Instituts für Gesellschaftspolitik, deutlich. So würden beispielsweise viele Slums an Hängen gebaut, die bei extremen Wetterereignissen abrutschen könnten. Die ärmsten Länder, Regionen und Menschen würden wahrscheinlich Hauptopfer des Klimawandels sein. Für eine nachhaltige Überwindung von Armut sei es deshalb wichtig, das Handlungsvermögen der Armen zu stärken. Eine besondere Rolle kommt hierbei einer fairen Weltwirtschaftsordnung zu.

Auch Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer kritisierte, dass Armut und Klimawandel bisher in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch als zwei eigenständige Probleme gesehen würden. Es gebe jedoch eine starke Wechselwirkung, die mit der Studie aufgedeckt werden solle. Der Klimawandel verschlechtere die Lebensbedingungen der Armen nachhaltig und konterkariere bisherige Entwicklungserfolge. Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, seien nach ersten Schätzungen zusätzlich zu den derzeit aufgewendeten Mitteln Beträge in zweistelliger Milliardenhöhe nötig.

Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts, sprach in diesem Zusammenhang von einer "Kohlenstoffschuld der reichen Länder". Schließlich hätten sie ihren Reichtum auf Kosten des Klimawandels angehäuft. Die Industrienationen müssten daher ihre Emissionen stark absenken und zugleich den ärmeren Ländern eine emissionsarme Entwicklung ermöglichen. Mit Hilfe technischer und institutioneller Innovationen sei dies zu relativ geringen volkswirtschaftlichen Kosten möglich. Wichtige Bausteine hierfür seien eine angepasste Technologiepolitik, die Einführung eines weltweiten, sektorübergreifenden Emissionshandels sowie der Aufbau von Anpassungsfonds.

Wie man den benachteiligten Menschen in Entwicklungsländern schon heute helfen kann, skizzierte Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung. So könnten neuartige Versicherungskonzepte helfen, die Risiken ärmerer Menschen zu senken. Denn vor allem Familien mit geringem Einkommen gerieten durch wirtschaftliche Krisen, meist ausgelöst durch Wetterkatastrophen, Krankheit oder Tod, noch tiefer in die Armut. "Besonders viel versprechend sind Mikroversicherungen und innovative Produkte im Agrar- oder Nutztiersektor. In Äthiopien wurde 2005 erstmals ein Deckungskonzept in die Praxis umgesetzt, das mehr als 15 Millionen Farmer gegen eine starke Dürre absichert", berichtete Loster.

Einzigartig am Projekt "Klimawandel und Gerechtigkeit" ist nach Darstellung der Initiatoren die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Jeder Projektpartner bringe in zentralen Bereichen eine ganz besondere Expertise mit ein. Dadurch könnten Zusammenhänge beleuchtet werden, die sich bei isolierter Betrachtung oft nicht erschließen. Dabei gehe es keineswegs um eine reine Bestandsaufnahme: Ziel sei vielmehr, konkrete Handlungsoptionen und Empfehlungen zu erarbeiten und diese im öffentlichen Diskurs zu erörtern. Das Projekt zeige die Verbindung zwischen den Auswirkungen des Klimawandels und der Bekämpfung weltweiter Armut auf. Auf der Basis aktueller Klima- und Armutsforschungen sollten Vorschläge für eine ethisch verantwortbare Klimapolitik entwickelt werden, die eine gerechte Globalisierung und eine nachhaltige Armutsbekämpfung wirksam unterstützt.

www.klima-und-gerechtigkeit.de

www.misereor.de


Montag, 17. September, 15:25 Uhr

Nordwestpassage in Zukunft immer öfter eisfrei

Berlin (AP) Die Nordwestpassage zwischen dem Atlantik und dem Stillen Ozean wird Experten zufolge in Zukunft immer öfter eisfrei sein. Die Voraussetzung dafür seien warme Sommer, sagte der Berliner Klimaexperte Uwe Ulbrich am Montag. «Mit fortschreitender Erwärmung wird das immer häufiger passieren.»

Nach den Worten des Professors wirkt sich die globale Erwärmung in der Arktis besonders stark aus, weil selbst eine dünne Eisschicht die Sonnenstrahlung stark reflektiert. «Sobald das Eis weg ist, gibt es eine viel stärkere Absorption als mit einer Eisdecke.» Damit werde die Erwärmung deutlich verstärkt.

Nach Ulbrichs Einschätzung müssen Europäer trotz der Eisschmelze nicht befürchten, dass der wärmende Golfstrom versiegt. Der Effekt trete in komplexen Modellen nur sehr gedämpft auf. Zudem sei die globale Erwärmung so stark, dass die Temperaturen in Europa lediglich langsamer steigen würden. Am stärksten könnte die Wirkung zwischen Irland und Schottland sein. Dort sei eine leichte Abkühlung möglich, sagte der Forscher.

Die Nordatlantikströmung führt an der amerikanischen Küste entlang und nimmt dann Kurs auf Nordeuropa, wobei sie vom unterschiedlichen Salzgehalt und Differenzen der Wassertemperatur angetrieben wird. Beim abschmelzenden Eis handelt es sich um Süßwasser.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass das Eis am Nordpol in diesem Jahr in dramatischer Weise zurückgegangen ist. Der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) zufolge sank die Größe der Eisfläche auf ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenbeobachtung vor 30 Jahren.


18. September, 2007

Klimaschutzklage Kaliforniens gegen Autokonzerne abgewiesen

San Francisco (AP) Die Automobilindustrie kann von Kalifornien laut einer Gerichtsentscheidung nicht für ihren Beitrag zur globalen Erwärmung zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Bezirksrichter in San Francisco wies am Montag eine entsprechende Klage des US-Staates gegen sechs Hersteller ab. Kalifornien wollte damit die Zahlung von mehreren Millionen Dollar Schadensersatz für erwartete Ausgaben wegen Überflutungen und anderer klimabedingter Naturkatastrophen erreichen.

Richter Martin Jenkins befand, dass man unmöglich bestimmen könne, in welchem Maße die Automobilhersteller für Schäden in Kalifornien verantwortlich gemacht werden könnten, die aufgrund der globalen Erwärmung zu erwarten seien. Für den Ausstoß von Kohlendioxid seien viele Quellen verantwortlich, darunter andere Unternehmensbranchen und natürliche Vorkommen. Es sei eher Sache der Parlamente als der Richter, die Verantwortung der Automobilindustrie für die globale Erwärmung zu bestimmen.

Außerdem würde eine Behandlung der Klage die außenpolitische Position der Vereinigten Staaten gefährden, erklärte der Richter in seinem Bescheid an den kalifornischen Generalstaatsanwalt Jerry Brown. US-Präsident George W. Bush sei gegen das Kyoto-Protokoll zur Begrenzung der klimaschädlichen Gase, weil es Entwicklungsländer außen vor lasse und einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft haben würde, schrieb Jenkins in seiner 24-seitigen Entscheidung. Ein Urteil zugunsten Kaliforniens würde die Haltung der Regierung untergraben, erklärte er.

Die Klage richtete sich gegen Chrysler, Ford und General Motors sowie gegen die amerikanischen Niederlassungen der japanischen Hersteller Honda, Nissan und Toyota. Der Rechtsvertreter der Automobilindustrie, Ted Boutros, äußerte sich erfreut über die Entscheidung. Der Vertreter der Regierung, der stellvertretende Generalstaatsanwalt Ken Alex, kündigte eine genaue Prüfung der Begründung an. Er schloss nicht aus, dass Kalifornien in Berufung gehen werde.



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