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Aktuell
Papier-Kampagne
Papiersparen statt Papierberge!
Umwelt- und Verbraucherschützer fordern: 50 Prozent weniger Papierverbrauch
Forum Umwelt&Entwiclung Pressemitteilung, 9.10.07
Mit einem Memorandum für einen nachhaltigen Papierverbrauch rufen Umwelt- und Verbraucherschutzverbände die Bundesregierung auf, konkrete Maßnahmen einzuleiten, um den Papierverbrauch in Deutschland um 50 Prozent zu senken. Bundes- und Landesregierungen aber auch kommunale Entscheidungsträger müssten immer größeren Papierbergen konsequent entgegentreten. Gleichzeitig sollte in allen Behörden und öffentlichen Einrichtungen die Pflicht zum Einsatz von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel bestehen.
In ihrem Appell fordern die insgesamt zwölf Organisationen und Verbände eine effektive Bekämpfung des illegalen Holz-Handels sowie einen Nationalen Aktionsplan zur umweltfreundlichen Beschaffung, in dem verbindliche Papiereinsparquoten ebenso verankert werden sollen wie eine jährliche Erfassung des Papierverbrauchs der öffentlichen Hand.
Anlass des Appells ist der Negativ-Rekord des Papierverbrauchs in Deutschland: 252,7 kg verbrauchte jeder Deutsche 2006, so viel wie noch nie zuvor. Der Verbrauch ist damit in den vergangenen 55 Jahren um das Achtfache gestiegen. Die Deutschen liegen beim Gesamtpapierverbrauch im internationalen Vergleich auf Platz vier hinter den USA, China und Japan. Weltweit verursacht der steigende Papierverbrauch eine wachsende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz, der für die Papierherstellung benötigt wird. Hunderttausende Hektar Wald fallen alljährlich dem „Holzhunger“ der Zellstoff- und Papierindustrie zum Opfer. Immer mehr Zellstoffplantagen werden angebaut, um den weltweit wachsenden Papierbedarf befriedigen zu können.
„Ein Umdenken ist somit bei Politik, Wirtschaft und Verbrauchern dringend notwendig. Die Bundesregierung ist in besonderem Maße gefordert, ein solches Umlenken durch eine bundesweite Bildungsoffensive und Papiersparprogramme gezielt voranzutreiben“, fordert Agnes Dieckmann von urgewald. Enttäuschend seien die bisherigen unzureichenden Aktivitäten vieler Verantwortungsträger. „Was nützt es, wenn sich einzelne Ministerien oder Bundesbehörden für eine möglichst sparsame Verwendung von Papier aussprechen, dieser good-will-Erklärung dann aber keine konkreten Taten in der Praxis folgen lassen?“, mahnt Inse Ewen von Bundesverband für Umweltberatung.
„Die doppelseitige Voreinstellung am Drucker muss ebenso normal werden wie der Einsatz von Recyclingpapier“, sagte Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Die Zeiten, dass die Druckertinte auf Recyclingpapier verläuft seien ebenso vorbei wie Zeiten, in denen Recyclingpapier mehr gekostet hat als konventionelles Papier. Beim Thema nachhaltiger Konsum müsse die öffentliche Hand als gutes Vorbild vorangehen und – neben Sparsamkeit und dem Einsatz von Recyclingpapier – illegaler Waldzerstörung durch effektive Gesetze einen wirksamen Riegel vorschieben.
Gerade beim „Ausschluss von Raubbaupapieren“ stellen die Verbände der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die Große Koalition habe sich bisher vor der politischen Verantwortung gedrückt. „Statt klare Regeln aufzustellen und ein Urwaldsschutzgesetz auf den Weg zu bringen, bremst die Bundesregierung solche Initiativen aus. Damit werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zu unfreiwilligen Komplizen von Raubbaukonzernen, die Menschenrechte und Umweltschutz grob verletzen“, stellt Robin-Wood-Vertreter Peter Gerhardt fest.
Die zwölf unterzeichnenden Organisationen und Verbände sind:
Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz (ARA), Bundesverband für Umweltberatung (bfub), Forum Umwelt und Entwicklung, Forum Ökologie und Papier (FÖP), Greenpeace Deutschland, Klimabündnis, NABU, Pro Regenwald, ROBIN WOOD e.V., urgewald, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Papierkonsum vernichtet Urwälder - ein Appell an die Bundesregierung
Umwelt- und Verbraucherschützer fordern nachhaltigen Umgang mit Papier
Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 10.10.07
"Der blaue Planet verliert sein Grün", mit diesen Worten beginnt ein Appell von zwölf Umwelt- und Verbraucherorganisationen an die Bundesregierung. Sie fordern konkrete Maßnahmen für einen nachhaltigen Papierverbrauch. In den letzten Urwaldgebieten der Erde werden nach FAO-Schätzungen alljährlich 13 Millionen Hektar Wald vernichtet. Mitverantwortlich ist der weltweit immer höhere Papierverbrauch. In Deutschland war er 2006 so hoch wie noch nie.
Mehr als 20 Millionen Tonnen Papier hat Deutschland insgesamt 2006 verbraucht. Das ist Platz 4 auf der Weltrangliste. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrug 252,7 Kilogramm. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 waren es pro Person durchschnittlich 234 Kilogramm. Geradezu unschuldig wirkt neben solchen Zahlen der Durchschnittsverbrauch im Jahre 1950: 32 Kilogramm.
Der steigende Anteil von Altpapier kann solche Steigerungen nicht ausgleichen. Über 80 Prozent der Zellstofffasern müssen importiert werden. Hinzu kommen Importe von Fertigprodukten aus Primärfasern. In anderen Industrieländern, aber zunehmend auch in den Schwellenländern, sieht es nicht besser aus. Platz 1 bis 3 belegen die USA, China und Japan.
Papierverschwendung gehört damit zu den Hauptbeschleunigern der Waldvernichtung. 80 Prozent aller Urwälder der Erde sind bereits zerstört, 40 Prozent der verbleibenden Wälder akut bedroht. Mit den Wäldern geht eine enorme Arten- und Pflanzenvielfalt verloren. Nach Schätzungen des World Resources Institute leben etwa zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten im Wald. Wälder sind zudem der Lebensraum von mehreren Hundert Millionen Menschen, die direkt im oder vom Wald leben.
Die Umwandlung von Wäldern in Plantagen trägt wesentlich zur fortschreitenden Entwaldung bei. Neben den Wäldern wird auch Ackerland zunehmend für die Anlage von Plantagen genutzt. Die Folge ist, dass Ackerland immer knapper wird, Millionen Menschen von ihren Ländereien vertrieben und auf der Suche nach Ackerland in neue Waldgebiete abgedrängt werden.
Die Folgen der Waldvernichtung werden immer bedrohlicher: Bodenerosionen, Erdrutsche und Überschwemmungen nehmen in rasantem Tempo zu. Längst ist erwiesen, dass Urwaldzerstörung maßgeblich zum Klimawandel beiträgt. Nach Schätzungen werden zwischen 18 und 25 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen durch die Waldvernichtung und deren Folgen verursacht.
Die zwölf Umwelt- und Verbraucherorganisationen fordern die Bundesregierung auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und den Papierverbrauch der öffentlichen Hand drastisch zu senken. Alle Einrichtungen des Bundes müssen zudem verpflichtet werden, nur noch Recyclingpapier mit dem Blauen Engel zu verwenden.
Auch die privaten Verbraucher sind gefordert. Eine bundesweite Offensive für papiersparendes, urwaldfreundliches Verhalten muss das Problem wieder stärker in unser aller Bewusstsein verankern.
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