AktuellUNEP-Umweltbericht
Donnerstag, 25. Oktober, 13:17 Uhr UNEP warnt vor großer Wasserknappheit in etwa 20 JahrenBerlin (AFP) - Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat vor einer großen Wasserknappheit in weniger als 20 Jahren gewarnt. Wenn die derzeitigen Entwicklungen andauerten, würden im Jahr 2025 mehr als 1,8 Milliarden Menschen in Gegenden mit großer Wasserknappheit leben, teilte UNEP-Vertreterin Elizabeth Migongo-Bake bei der Vorstellung des Globalen Umweltzustandsberichts (GEO-4) in Berlin mit. An Krankheiten durch verschmutztes Wasser sterben demnach schon jetzt in Entwicklungsländern jährlich drei Millionen Menschen - die meisten davon Kinder unter fünf Jahren.Aus dem UNEP-Bericht geht auch hervor, dass weltweit mehr als 60 Prozent aller Ökosysteme geschädigt sind und übernutzt werden. Der Bericht unter dem Titel "Environment for Development" gibt einen Überblick über die wichtigsten globalen Entwicklungen in den Bereichen Atmosphäre/Klima, Biodiversität, Wasser sowie Land/Boden. Der Bericht knüpft an die vor 20 Jahren veröffentlichte Studie der Brundtland-Kommission "Our Common Future" (Unsere gemeinsame Zukunft) an, welche die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung propagierte. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), beklagte, dass die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung bis heute nicht richtig begriffen worden sei. Sie müsse "heute, wo die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten auf dem Spiel steht, ins Zentrum der nationalen und internationalen Politik rücken". Rund 400 Wissenschaftler haben vier Jahre an dem UNEP-Bericht gearbeitet, der auch eine Grundlage für Entscheidungsträger sein soll. Darin wird aber auch betont, wie wichtig es sei, dass jeder seinen Teil zum Umweltschutz beitrage. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler zum Thema Wasser entsprechen den Untersuchungsergebnissen des Weltklimarates, wonach weltweit bis zu 40 Prozent aller Menschen von Veränderungen in der Eis- und Schneespeicherung, Verschiebungen beziehungsweise Verknappungen im Wasserkreislauf sowie durch Trockenheit betroffen sind. Laut GEO-4 könnten im Jahr 2050 bereits mehr als 5,1 Milliarden Menschen in Gegenden mit großer Wasserknappheit leben. Die Ergebnisse des Berichts belegten "eindringlich die Notwendigkeit, dass effektive multilaterale Institutionen geschaffen werden müssen, die in der Lage sind, diese großen Probleme zielstrebig und umfassend anzugehen", sagte Müller. Die Bundesregierung trete mit mehr als 50 Staaten weltweit dafür ein, die UNEP zu einer "schlagkräftigen" UN-Umweltorganisation zu machen. UNEP-Bericht Millionen Tote durch verschmutzte UmweltEin Bericht der Umweltbehörde der Vereinten Nationen zeichnet ein alarmierendes Bild der Erde: Bereits heute sterben jedes Jahr Millionen Menschen an den Folgen verschmutzter Luft oder weil sie dreckiges Wasser trinken. Die meisten Opfer sind Kinder unter fünf Jahren.Von Patrick Illinger, Süddeutsche zeitung, 26.10.07 In dem am Donnerstagabend weltweit vorgestellten Unep-Bericht warnen 390 Wissenschaftler vor den drastischen Folgen der zunehmenden Umweltverschmutzung und des hemmungslosen Verbrauchs natürlicher Ressourcen. In weniger als 20 Jahren werde das Frischwasser in weiten Teilen der Erde knapp, prognostizieren die Experten und rechnen mit 1,8 Milliarden betroffenen Menschen. Bereits heute sterben jährlich drei Millionen Menschen an den Folgen von verschmutztem Wasser. Die meisten von ihnen sind jünger als fünf Jahre alt. Noch vor 20 Jahren gab es im Nahen und Mittleren Osten pro Person 1700 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr. Heute steht dort nur noch gut die Hälfte zur Verfügung und bis 2050 dürfte sich dieser Wert abermals halbieren. 60 Prozent aller Ökosysteme der Welt sind bereits geschädigt oder überstrapaziert, sagt der von mehr als 1000 unabhängigen Experten begutachtete Unep-Bericht. Galten im Jahr 1987 noch 15 Prozent der globalen Fischbestände als kollabiert, sind es heute bereits 30 Prozent. In Asien kostet die schlechte Luft jedes Jahr schätzungsweise 500.000 Menschenleben. Weltweit gibt es etwa zwei Millionen Smog-Opfer. In den Mündungsgebieten der großen Flüsse Amerikas wird so viel Stickstoff aus Düngemitteln angeschwemmt, dass sich in den angrenzenden Meeresregionen tote Zonen bilden. Ein Viertel Lateinamerikas hat sich von einem Waldgebiet in karge Wüste verwandelt. Die Nutzung der natürlichen Ressourcen kommt dabei keineswegs immer der örtlichen Bevölkerung zugute. Russische und asiatische Fangflotten befischen das Meer vor Westafrika. Von dem erzielten Umsatz erhalten die Anrainerstaaten nur 7,5 Prozent. Beispiele für gelungenen Umweltschutz Bei der Vorstellung des Berichtes am Donnerstagabend in New York wies der Unep-Vorsitzende Achim Steiner laut Redemanuskript, das der SZ vorliegt, darauf hin, dass jeder Erdbewohner im Schnitt so viele Ressourcen verbraucht, wie 22 Hektar Erdboden liefern können. Der Planet könne angesichts der Gesamtbevölkerung jedoch nur 15 bis 16 Hektar pro Einwohner aufbringen. Steiner nannte auch Beispiele für gelungenen Umweltschutz. So sei es gelungen, die Fischbestände vor den Fidschi-Inseln zu retten und die Abholzung von Wald in Paraguay massiv einzudämmen. Südostasien hat 15 Prozent seiner Landfläche als Naturreservate ausgewiesen, und die Luft über Europa ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Oft jedoch seien diese Maßnahmen auf Landesgrenzen beschränkt oder auf eine Ressource gerichtet, beklagte Steiner. Bei der Vorstellung des Berichts in Berlin forderte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller (SPD), effektive internationale Institutionen zu schaffen, "die in der Lage sind, diese großen Probleme zielstrebig und umfassend anzugehen". In diesem Zusammenhang solle die Bedeutung und der Einfluss der UN-Umweltorganisation Unep gesteigert werden, sagte Müller. Die Behörde solle in den Vereinten Nationen eine führende Rolle einnehmen, forderte er. Unep-Chef Achim Steiner wies auch auf ungewöhnliche Lösungsansätze hin. So würden beispielsweise in den USA 36 Milliarden Dollar jährlich für Haustiere ausgegeben. Ein Bruchteil dieses Geldes könnte die Umwelt mancherorts vom Zivilisationsdruck befreien. Michael Müller: Wir brauchen eine schlagkräftige UN-UmweltorganisationBMU-Pressemitteilung, 25.10.07Weltweit sind mehr als 60 Prozent aller Ökosysteme geschädigt und werden übernutzt. In Entwicklungsländern sterben jährlich drei Millionen Menschen - die meisten davon sind Kinder unter fünf Jahren - an Krankheiten durch verschmutztes Wasser. Das sind Kernaussagen eines neuen Berichts des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zum globalen Zustand der Umwelt, der heute in der ganzen Welt vorgestellt wird. Wenn die derzeitigen Entwicklungen bestehen bleiben, werden UNEP zufolge in weniger als 20 Jahren über 1,8 Milliarden Menschen in Gegenden mit großer Wasserknappheit leben. Das entspricht auch den Untersuchungsergebnissen des Weltklimarates, wonach weltweit bis zu 40 % aller Menschen von Veränderungen in der Eis- und Schneespeicherung, Verschiebungen bzw. Verknappungen im Wasserkreislauf sowie durch Trockenheit betroffen sind. Die Aussagen des neuen UNEP-Berichts bestätigt die tiefe Krise unserer Erde. Dazu erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller: "Die Ergebnisse des Berichts belegen eindringlich die Notwendigkeit, dass effektive multilaterale Institutionen geschaffen werden müssen, die in der Lage sind, diese großen Probleme zielstrebig und umfassend anzugehen. Gemeinsam mit mehr als fünfzig Staaten weltweit tritt die Bundesregierung dafür ein, einen Verhandlungsprozess einzuleiten, der auf die Umwandlung von UNEP zu einer schlagkräftigen UN-Umweltorganisation zielt. Wir brauchen eine UN-Umweltorganisation, die Wissen und Kompetenz bündelt, die für alle Umweltthemen eine führende und koordinierende Rolle in den Vereinten Nationen einnimmt und die die globale Umweltpolitik entschlossen vorantreibt." Der UNEP-Bericht unter dem Titel "Environment for Development" gibt einen Überblick über die wichtigsten globalen Entwicklungen in den vier Bereichen Atmosphäre/Klima, Biodiversität, Wasser sowie Land/Boden. Der Bericht knüpft an die vor 20 Jahren veröffentlichten Studie der Brundtland-Kommission "Our Common Future" an, der das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung weltweit verbreitet hat. Dieses Leitbild ist unverändert richtig und muss heute, wo die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten auf dem Spiel steht, ins Zentrum der nationalen und internationalen Politik rücken. Es ist der vierte UNEP-Bericht, der sich mit dem globalen Zustand der Umwelt befasst. Die Berichte werden in der Serie "Global Environment Outlook" (GEO) publiziert und erscheinen alle drei bis fünf Jahre. Globales Ökosystem - ausgereizt und übernutztVon Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 25.10.07Wenig fehlt noch, dann haben wir unser Ökosystem Erde komplett zugrunde gerichtet. Gute 60 Prozent sind bereits geschädigt. Das sagt der am Donnerstag veröffentlichte Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zum globalen Zustand der Umwelt. Wenn wir so weiter machen, werden in weniger als 20 Jahren über 1,8 Milliarden Menschen unter Wassermangel leiden. Diese Berechnungen der UNEP unterstützen die im Frühjahr veröffentlichten Untersuchungsergebnisse des Weltklimarates (IPCC). Schon heute zwingen Wasserknappheit und Ausbreitung der Wüsten auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen die Menschen in Afrika und Zentralasien zur Flucht. Zudem sterben jährlich drei Millionen Menschen in den Entwicklungsländern an Krankheitskeimen, die durch Schmutzwasser übertragen werden. Auch die westlichen Staaten trifft es immer öfter. So leidet derzeit der US-Bundesstaat Georgia unter extremer Dürre. Hier wurden am Mittwoch Notmaßnahmen zum Wassersparen erlassen. In Europa ist der Klimawandel ebenfalls angekommen: Ob extreme Dürren in Spanien, Portugal und Südfrankreich oder Waldbrände in Griechenland. Hitzewellen und Wasserknappheit sind in Südeuropa bereits ein alljährliches Syndrom. Und die Lage wird sich verschlimmern: Europäische Gletscher haben keine Chance, der Erderwärmung standzuhalten. Sind sie erst einmal verloren, werden auch wir lernen müssen, mit Wasserknappheit zu leben. Große europäische Flüsse wie Rhein und Rhône werden von Gletscherwasser gespeist. Deutlich macht der vierte UNEP-Bericht mit dem Titel "Global Environment Outlook" (GEO) auch die Bedrohung durch Luft- und Meeresverschmutzungen sowie den Verlust der Ozonschicht. Zudem warnt er vor einem Massensterben der Arten - 16 000 Tier- und Pflanzenarten droht das Aus. Der Bericht betont - nach den Warnungen des IPCC - erneut die Dringlichkeit sofortigen Handelns. Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace, sagt hierzu: "Das Tempo der Érwärmung nimmt dramatisch zu, der Klimawandel ist die große Herausforderung. Es muss nun von höchster Stelle gehandelt werden. Staats- und Regierungschefs müssen etwas tun, Klimaschutz muss in die Verfassung aller Länder und in die UN-Charta, damit sich kein Staat mehr aus der Verantwortung stehlen kann. Es muss möglich sein, gegen Projekte zu klagen, die das Klima zerstören, damit auch die Industrie zum Klimaschutz verpflichtet wird." Auch UNEP-Sprecher betonen, dass gerade große Industriestaaten wie Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen müssten. Eine Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent genügt dem Bericht zufolge nicht. Nötig ist nach den neuesten Erkenntnissen eine Reduzierung von 60 bis 80 Prozent. Frankreich könnte die Bundesregierung in ihrem Vorhaben, den Klimaschutz voranzutreiben, bald unterstüzen. In Paris läuft seit zwei Tagen ein Umweltgipfel. Nachdem das Land lange an hinterster Stelle in Sachen Klimaschutz agierte, wollen die Teilnehmer des Klimagipfels nun bis zu 20 Klimaschutz-Programme auf den Weg bringen. Donnerstag, 25. Oktober, 13:16 Uhr UN: USA und Australien zu Verhandlungen über Klimavertrag bereitBogor/Indonesien (AP) Die USA und Australien sind nach UN-Angaben zur Teilnahme an Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll bereit. Dies hätten beide Staaten bei informellen Gesprächen in Indonesien in dieser Woche signalisiert, erklärte der Leiter des UN-Klimareferats, Yvo de Boer, am Donnerstag.Die Teilnehmer der Gespräche hätten darin übereingestimmt, dass die Industriestaaten beim Klimaschutz eine Führungsrolle übernehmen müssten. Die USA hätten dabei eine sehr konstruktive Haltung übernommen und erklärt, dass sie auf Verhandlungen hofften, die bis 2009 abgeschlossen sein sollten. Das Kyoto-Protokoll zur Begrenzung der klimaschädlichen Treibhausgase aus dem Jahr 1997 läuft 2012 aus. Über ein Nachfolgeabkommen verhandeln Umweltminister aus rund 80 Staaten im Dezember auf Bali. Die USA, Australien und einige andere Industriestaaten haben sich gegen ein neues Abkommen mit festgelegten Obergrenzen für den Emissionsausstoß ausgesprochen, so lange sich Schwellenländer wie China und Indien dem nicht anschließen. » zurück |
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