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Bali Countdown (5)

Dienstag, 27. November, 16:46 Uhr

6 Tage vor der Weltklimakonferenz: Merkel verteidigt ihre Klimapolitik

Berlin (AP) Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die deutsche Klimaschutzpolitik verteidigt. Das geplante Klima- und Energiepaket könne sich sehen lassen, sagte die Kanzlerin am Dienstag in Berlin. Allerdings äußerte sie erneut Sorge, dass die EU ihr Kyoto-Ziel verfehlen könnte. Davor warnte auch die EU-Kommission in Brüssel und forderte zusätzliche Anstrengungen.

Merkel sprach bei einer Tagung des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Das Beratergremium hatte Merkels internationale Klimapolitik zwar gelobt, die konkrete Politik zu Hause aber scharf angegriffen. Diese werde dem internationalen Anspruch nicht gerecht, sagte der Ratsvorsitzende Volker Hauff. Die Maßnahmen seien zu verzagt, zudem sei keine richtige Überprüfung der Ziele erkennbar.

Merkel räumte ein, dass man das Paket «immer noch als zu zaghaft kritisieren kann». Dennoch könne es sich sehen lassen. Ziel sei es, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Strombedarf bis 2020 auf 25 bis 30 Prozent steige und der Anteil von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 Prozent. Auch die energetischen Anforderungen an Gebäude würden erhöht.

Gerade beim Heizen und der Warmwasserbereitung gibt es in Deutschland bereits erhebliche Fortschritte, wie Bauminister Wolfgang Tiefensee erklärte: «Insgesamt konnte der CO2-Ausstoß im Wohnbereich von 1990 bis 2005 um 13 Prozent, das heißt um rund 16 Millionen Tonnen, gesenkt werden.» Hintergrund seien die Sanierung von Gebäudeaußenwänden und effizienteres Heizen - zwei Aspekte, die auch mit dem Klimapaket weiter gefördert werden sollen.

Merkel wies darauf hin, dass Deutschland 21 Prozent Minderung bei den Treibhausgasen bis 2012 zugesagt und davon immerhin schon rund 18 Prozentpunkte erreicht habe. Wäre in anderen EU-Ländern die Entwicklung ähnlich positiv, müssten jetzt bereits zwei Drittel des Kyoto-Ziels der EU von insgesamt acht Prozent Minderung erreicht sein. Tatsächlich liege die Minderung aber erst bei zwei Prozent. Für die Führungsrolle der EU beim Klimaschutz könne sich daraus eine «Legitimierungskrise» ergeben, warnte Merkel.

Dimas lobt Deutschland

Die EU-Kommission sieht dies ganz ähnlich. Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte in Brüssel, wenn die EU-Staaten weitermachten wie bisher, ginge der Treibhausgas-Ausstoß bis 2010 nur um vier Prozent zurück. Unter den 15 alten Mitgliedsländern werde nur Deutschland sein Kyoto-Ziel ohne zusätzliche Maßnahmen erreichen. In der Kritik stehen vor allem Spanien, Italien und Dänemark. Dimas hält das Acht-Prozent-Ziel der EU dennoch für erreichbar und zwar mit Hilfe des Emissionshandels und mit Aufforstungsmaßnahmen.

Wenige Tage vor der Weltklimakonferenz auf Bali mahnte Dimas die USA und die Entwicklungsländer, Europa im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Auf Bali müsse ein «Fahrplan» für ein neues Klimaschutz-Abkommen festgelegt werden, und bis spätestens 2009 müsse das Abkommen stehen. Genau dies forderte auch Merkel in Berlin. Sie bekannte sich dabei zu dem Ziel, letztlich jedem Menschen auf der Erde den gleichen Ausstoß an Klimagasen zuzugestehen. Dies bedeutet, dass die Industrieländer ihren Pro-Kopf-Ausstoß drastisch vermindern müssen und die Emissionen in den Entwicklungsländern noch etwas wachsen darf.

Auch die Vereinten Nationen erinnerten die Industriestaaten an ihre Verantwortung für den Klimaschutz. Sie müssten ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent senken, heißt es im UN-Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008.


Dienstag, 27. November, 13:37 Uhr

6 Tage vor der Weltklimakonferenz: Merkels Klimapolitik in der Kritik

Berlin (AP) Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat harsche Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung geübt. Zwar sei die Vision von Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine globale Klimapolitik und ein gleiches Pro-Kopf-Recht für Kohlendioxid-Emissionen lobenswert, sagte der Ratsvorsitzende Volker Hauff am Dienstag in Berlin. Die praktische Politik der Regierung werde aber «diesem Anspruch nicht gerecht».

Als Beispiel nannte Hauff den Energiepass für Gebäude. Dieser sei ein Beispiel für Verzagtheit und führe in die Sackgasse. Zudem kritisierte Hauff, dass die Beschaffung der öffentlichen Hand nicht dem Prinzip der Nachhaltigkeit folge, sondern dem Motto «Geiz ist geil». Auch das Energiemanagement in den Regierungsgebäuden sei unzureichend.

An dem derzeit debattierten Klima- und Energieprogramm der Bundesregierung bemängelte Hauff, dass es keine Erfolgskontrolle gebe. Die genannten Ziele, bis 2020 rund 36 Prozent Kohlendioxidminderung zu erreichen, seien kaum nachvollziehbar. Denn ein «glaubwürdiger Managementprozess» fehle. «Ich glaube diese Zahl nicht», sagte Hauff.


Dienstag, 27. November, 14:31 Uhr

6 Tage vor der Weltklimakonferenz: UN-Bericht warnt vor Rückschlägen im Kampf gegen die Armut

Berlin (AP) Knapp eine Woche vor Beginn der Weltklimakonferenz haben die Vereinten Nationen die Industrieländer aufgefordert, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu senken. Der Klimawandel könne ansonsten zu schwerwiegenden Rückschlägen bei der Armutsbekämpfung führen, heißt es im UN-Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008, der am Dienstag vorgestellt wurde. Die Erderwärmung führe zu Unterernährung, Wasserknappheit und Umweltkatastrophen. Sie bedrohe somit Millionen von Menschen.

«Es ist keine Zeit zu verlieren», betonte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Die Auswirkungen des Klimawandels bedrohten insbesondere die armen Länder.

«Es besteht die Gefahr, dass Fortschritte, die hier in den letzten Jahren gemacht worden sind, zurückgedreht werden», sagte der Leiter des Unterstützungsteams für die Millenniumsziele beim Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, Guido Schmidt-Traub. «Die Länder, die am wenigsten zum Problem beitragen, sind am stärksten betroffen.» Gerade in Afrika seien extreme Auswirkungen zu erwarten.

Laut UN-Bericht könnte ein Anstieg der Temperaturen um mehr als zwei Grad Celsius dazu führen, dass weitere 600 Millionen Menschen in Afrika Hunger leiden müssen und über 200 Millionen Menschen durch Überschwemmungen obdachlos werden. Die Zahl der Menschen, die von Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber betroffen sind, könnte um 400 Millionen steigen.

Die Autoren appellieren an die Industrienationen, den armen Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. «Die Industrieländer stehen in einer besonderen Verantwortung und müssen beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen», erklärte auch Wieczorek-Zeul mit Blick auf die UN-Klimakonferenz, bei der ab kommender Woche Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beginnen sollen.

Der UN-Bericht fordert die Industrieländer dazu auf, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent zu senken - ausgehend vom Niveau von 1990. Den meisten sei es bislang allerdings nicht einmal gelungen, die im Kyoto-Protokoll vereinbarten Reduktion von durchschnittlich rund fünf Prozent zu schaffen.

Mehr Geld für Anpassungs- und Schutzmaßnahmen

Gleichzeitig müssten mehr Mittel bereitgestellt werden, um weltweite Anpassungs- und Schutzmaßnahmen zu finanzieren. Als konkrete Handlungsvorschläge nennen die Autoren eine Besteuerung des CO2-Ausstoßes, Emissionshandels-Programme, eine Regulierung des Energiesektors und internationale Zusammenarbeit zur Förderung von Technologien mit niedrigem Kohlendioxid-Ausstoß. Außerdem schlägt der Bericht vor, die Erhaltung der Regenwälder in Verträge zum Schutz des Klimas zu integrieren.


http://www.undp.org/

http://www.dgvn.de/


Dienstag, 27. November, 14:34 Uhr

6 Tage vor der Weltklimakonferenz: EU-Kommission mahnt zu stärkeren Anstrengungen beim Klimaschutz

Brüssel (AP) Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten zu verstärkten Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen. Bei einer Fortsetzung ihrer bisherigen Politik würden sie die Ziele des Kyoto-Protokolls verfehlen, warnte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Dienstag in Brüssel: «Wir brauchen zusätzliche Maßnahmen.» Als Beispiele nannte er die geplante Reduzierung klimaschädlicher Auto-Abgase und das Vorhaben, den Luftverkehr in den Emissionshandel einzubeziehen.

Mit dem 1997 beschlossenen Kyoto-Protokoll verpflichteten sich die damals 15 EU-Staaten, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um acht Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Bis zum Jahr 2005 sei der Ausstoß der klimaschädlichen Gase aber nur um zwei Prozent verringert worden, schreibt die EU-Kommission in einer Mitteilung an die EU-Regierungen. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Wenn die EU-Staaten aber weitermachten wie bisher, würde der Treibhausgas-Ausstoß bis 2010 nach Berechnungen der Kommission nur um vier Prozent zurückgehen.

Dimas zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass das Kyoto-Ziel von acht Prozent bis 2012 erreichbar sei: Zum einen seien die Auswirkungen der zweiten Phase des Emissionshandels in den Jahren 2008 bis 2012 in der Prognose noch nicht vollständig berücksichtigt. Zum anderen werde auch die Festschreibung verbindlicher Zielwerte für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Autos zu weiteren Einsparungen führen. Dimas wertete die bislang spärliche Klimaschutz-Bilanz überdies als Beleg für die Notwendigkeit, den Luftverkehr schon im Jahr 2011 in den Emissionshandel einzubeziehen. Unter den EU-Regierungen ist dies umstritten.


Dienstag, 27. November, 14:50 Uhr

Merkel will bis Ende 2009 Folgeabkommen für Kyoto-Protokoll

Berlin (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt Ende 2009 den Abschluss eines Folgeabkommens für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll an. Auf der Klimakonferenz auf Bali in der kommenden Woche solle ein «Fahrplan» für die Ausarbeitung einer solchen Folgevereinbarung erstellt werden, sagte Merkel bei der Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung am Dienstag in Berlin.

Merkel appellierte zudem an die Europäische Union, die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls umzusetzen, damit die Führungsrolle Europas nicht «in eine Legitimationskrise» gerate. Bislang sei die Emission von Treibhausgasen gegenüber 1990 lediglich um zwei Prozent gesunken. Vereinbart sei bis 2012 aber eine Reduzierung um acht Prozent. Deutschland habe bereits einen Großteil seiner Vorgaben erfüllt, betonte sie mit Blick auf die anderen EU-Mitgliedsstaaten.


Dienstag, 27. November, 15:08 Uhr

EU-Länder können laut Umweltagentur Ziele von Kyoto erreichen

Kopenhagen (dpa) - 15 EU-Länder haben laut Europäischer Umweltagentur gute Aussichten, die in Kyoto vereinbarten Ziele zur Verminderung von Treibhausgasen bis 2012 zu erreichen. So hätten die vor der letzten großen Erweiterungsrunde zur EU gehörenden Länder ihre Emissionen von 2004 bis 2005 um 0,8 Prozent vermindert. Sie liegen damit nun um zwei Prozent unter dem Niveau von 1990, das als Basisjahr für Kyoto gerechnet wird. Deutschland verzeichnete für 2005 eine Verminderung von fast 19 Prozent im Vergleich zu 1990.


Dienstag, 27. November, 15:04 Uhr

6 Tage vor der Weltklimakonferenz: Privathaushalte haben laut Tiefensee Wende bei CO2-Ausstoß geschafft

Berlin (AP) Die deutschen Privathaushalte haben nach Angaben von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee die Trendwende beim Ausstoß von Kohlendioxid geschafft. «Insgesamt konnte der CO2-Ausstoß im Wohnbereich von 1990 bis 2005 um 13 Prozent, das heißt um rund 16 Millionen Tonnen, gesenkt werden», sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des bundesweit ersten CO2-Gebäudereports. Der Erfolg sei auf die Sanierung von Gebäudeaußenwänden und effizienteres Heizen zurückzuführen.

Der Report zeigt laut Tiefensee, dass deutsche Haushalte mit energetischer Sanierung bis 2020 Ausgaben für Heizkosten in Höhe von 50 Milliarden Euro vermeiden können. «Konkret heißt das: In einem mit 30.000 Euro sanierten Einfamilienhaus können pro Jahr rund 2.500 Euro Heizkosten eingespart werden», erklärte der Minister. Energetische Sanierung schone das Klima und rechne sich für alle.

Laut dem CO2-Gebäudereport sind die Kosten für Heizwärme zwischen 1996 und 2006 im Durchschnitt um über 40 Prozent angestiegen und liegen damit deutlich über dem Anstieg der Lebenshaltungskosten. Für Heizen und Warmwasser wird laut Ministerium 40 Prozent der Endenergie in Deutschland verbraucht.

Gebäudesanierungsprogramm bis mindestens 2011

Tiefensee betonte, die Regierung helfe Haus- und Wohnungsbesitzern mit zinsverbilligten Krediten und Zuschüssen aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm dabei, die finanzielle Belastung zu tragen. Zudem seien mit diesem Programm 2006 rund 220.000 Arbeitsplätze vor allem in der mittelständischen Bauwirtschaft und im Handwerk gesichert und zum Teil neu geschaffen worden. Die Fortführung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms mit seinen finanziellen Anreizen ist laut Tiefensee bis 2011 gesichert.

Außerdem solle die Energieeinsparverordnung in zwei Stufen ausgeweitet werden: «Bei Neubauten soll der maximale Energiebedarf gegenüber der geltenden Regelung kurzfristig um 30, mittelfristig sogar um 50 Prozent gesenkt werden. Die Anforderungen an die energetische Qualität bei Haussanierungen wollen wir ebenfalls um rund 30 Prozent anheben», sagte der Minister. Außerdem solle der Anteil erneuerbarer Energien bei der Heizwärmeerzeugung erhöht werden.


Dienstag, 27. November, 12:15 Uhr
Grüne wollen Pflicht zum Klimaschutz in Wohngebäuden Düsseldorf (ddp-nrw). Die Grünen haben ein «Erneuerbare-Wärme-Gesetz» für Nordrhein-Westfalen vorgeschlagen. «Wir wollen den Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition aus Baden-Württemberg in den Landtag einbringen», sagte Fraktionsvize Reiner Priggen am Dienstag in Düsseldorf. CDU und FDP in NRW sollten sich «ein Beispiel an dem Gesetz aus dem Südwesten nehmen», forderte er. In Wohngebäuden sollen nach diesem Gesetz mindestens 20 Prozent der Energie aus Sonnenkraft, Erdwärme oder Biomasse stammen. Durch den Einbau von Sonnenkollektoren zum Preis von 2000 bis 3000 Euro könne jeder Bauherr dieses Ziel erreichen, sagte Priggen.

Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgegebene Klimaschutzziel einer Kohledioxid-Reduzierung um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 erfordere neue Wege auch beim Eigenheimbau, sagte der Grünen-Politiker. Neben der energetischen Gebäudesanierung müsse der Einbau von effizienten und klimaschonenden Heizungsanlagen vorangetrieben werden. Das Anfang November in Baden-Württemberg beschlossene Gesetz gehe «einen ersten wichtigen Schritt». Neben Wohngebäuden müssten aber auch Industrieanlagen und andere Gebäude der Privatwirtschaft erfasst werden. Falls die große Koalition in Berlin ein wirkungsvolles Bundesgesetz einbringe, wollen die Grünen ihren Entwurf für NRW zurückziehen.


Mittwoch, 28. November, 07:01 Uhr

5 Tage vor der Weltklimakonferenz - Das AP-Porträt: Statistiken mit Leben füllen

Frankfurt/Main (AP) Für Familienmitglieder und Freunde der kanadischen Inuit-Aktivistin Sheila Watt-Cloutier hat der Klimawandel bereits jetzt deutlich spürbare Folgen. Schon seit Jahren machen die Inuit darauf aufmerksam, dass das Eis in Kanada, Russland, Grönland und Alaska immer dünner wird und dadurch ihre Jahrtausende alte Lebensweise bedroht ist. «Es geht hier um echte Menschen», sagt Watt-Cloutier. Für ihr Engagement wurde die 53-Jährige mehrfach ausgezeichnet und mit dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore für den Friedensnobelpreis nominiert.

Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass die Arktis die erste Region sein wird, in der die globale Erwärmung zu spüren ist, und schon bis Ende des Jahrhunderts könnte das Eis dort geschmolzen sein. Watt-Cloutier hofft, die Statistiken der Experten mit Leben füllen zu können. «In all diesen globalen Verhandlungen fließt kein Herzblut», kritisiert die frühere Vorsitzende der Inuit Circumpolar Conference (ICC), der Gesamtkonferenz aller Inuit. «Wir schaffen Dringlichkeit, Unmittelbarkeit, denn wir erzählen die Geschichte des Inuk-Jägers, der durch das dünne Eis fällt, und was das mit der Industrie und der Wegwerfgesellschaft zu tun hat.»

Vor der Inter-Amerikanischen Kommission für Menschenrechte mit Sitz in Washington brachten Watt-Cloutier und die ICC Ende 2005 eine Petition vor, in der die Hauptverantwortung für den Klimawandel den USA zugewiesen und der Regierung vorgeworfen wurde, als weltweit größter Produzent von Treibhausgasen die Rechte der Inuit zu verletzen. Im Frühjahr wurde sie eingeladen, ihr Anliegen dort vorzubringen.

Auch wenn die Kommission gegenüber den USA keine Weisungsbefugnis hat, hoffte Watt-Cloutier auf einen moralischen Erfolg. Denn schon ihr Enkel könnte zur letzten Inuit-Generation gehören, die anhand ihres Wissens über Sternkonstellationen, Wind- und Wolkenverhältnisse in der Natur überleben und jagen kann. «Noch zu Lebzeiten meines Enkels wird er verlieren, was ich als Kind hatte», sagt Watt-Cloutier. «Die Weisheit und die Antworten aus unserer Jagdkultur gehen uns möglicherweise verloren, weil das Eis so schnell schmilzt.»

Die am 2. Dezember 1953 geborene Aktivistin kämpft auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die Rechte der Inuit. Unter anderem engagierte sie sich gegen die Verwendung schwer abbaubarer organischer Schadstoffe (POPs) in der Arktis. Aufgewachsen ist Watt-Cloutier in Kuujjuaq, einem kanadischen Inuit-Dorf im äußersten Norden von Quebec, ihre Mutter war Heilerin. Watt-Cloutier studierte in Montreal Pädagogik und arbeitete später im Bildungs- und Gesundheitssektor. Für Engagement wurde sie mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, darunter dem «Champion of the Earth»-Preis des UN-Umweltprogramms.


Dienstag, 27. November, 13:53 Uhr

«Polarstern» auf Klimafahrt

Frankfurt/Main (ddp). Auf den Spuren des Klimawandels sticht am Mittwoch das deutsche Forschungsschiff «Polarstern» von Kapstadt aus Richtung Antarktis in See. Unter der federführenden Beteiligung mehrerer Wissenschaftler des Frankfurter Senckenberg-Instituts will das über 50-köpfige internationale Team aus Biologen, Ozeanologen, Meteorologen und Geophysikern Folgen der globalen Erwärmung aufspüren, um damit künftige Veränderungen besser vorhersagen zu können. Polargebiete stehen bei Klimaforschern unter besonderer Beobachtung.

Vom südafrikanischen Kapstadt aus wird die «Polarstern» zunächst Kurs auf die deutsche Georg-von-Neumayer-Station II nehmen, die 1992 auf dem Ekström-Schelfeis in der antarktischen Atkabucht errichtet wurde und ihre Vorgängerin ersetzte, die wegen der Wärmeentwicklung im Eis einzusinken drohte. Noch bevor dieser Versorgungsauftrag erledigt ist, wollen die Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffes Analysen von Meeresproben erstellen, die Rückschlüsse auf die biologische Aktivität des südatlantischen Ozeangewässers erlauben sollen.

Wenn die Weihnachtsgeschenke für die Neumayer-Station abgeliefert sind, werden die Forscher auf streng parallel versetzten Bahnen den Ostrand des polaren Weddellmeers abschippern. Über die Vielzahl der Lebewesen, die dort das eiskalte Wasser bevölkern, ist noch sehr wenig bekannt. Um diese Datenlücke zu schließen, ist die Polarstern nicht zum ersten Mal in dieser Region unterwegs. Das besonders kalte Bodenwasser, das der Weddellsee entströmt, zieht im Hinblick auf den Klimawandel immer stärkeres Forschungsinteresse auf sich.

Mit an Bord ist auch die Bad Homburger Wissenschaftlerin Dorte Janussen. Obwohl die 48-jährige Senckenberg-Angestellte Geologie studiert hat, kennen sie Kollegen als ausgewiesene Spezialistin für Meeresschwämme. «Diese primitiven Tiere sind entwicklungsgeschichtlich uralt, kommen in allen Meeresgewässern und in allen Tiefen vor», erläutert Janussen. «Für Forscher sind sie daher ideal.» Auf ihrer vierten Fahrt auf der «Polarstern» will die Bad Homburgerin herausfinden, mit welchen Tiergruppen Tiefseeschwämme verbunden sind.

Bei Klimaforschern stehen solche «Schlüsselverbindungen» hoch im Kurs. Sie erhellen nicht nur die Prozesse, die die heutige antarktische Tierwelt haben entstehen lassen, sondern können Grundlage für die Prognose einer Entwicklung sein, die im Zeichen der Erderwärmung steht. Schon ein geringer Temperaturanstieg in den seit Jahrmillionen klimatisch stabilen Polargebieten kann weltweite Klima- und Umweltveränderungen hervorrufen.

Die Forscher auf der «Polarstern» erhoffen sich bis zur Rückkehr im Februar 2008 daher auch aktuelle Daten zum Antarktischen Zirkumpolarstrom. Mit seinen kalten, dichten Wassermassen treibt er die globale atmosphärische und ozeanische Zirkulation an. Kommt dieser Motor durch eine Erwärmung der Polarmeere ins Stottern, werden laut Prognose der Wissenschaftler weitreichende Umweltveränderungen auch in mittleren Breiten zu spüren sein.

Die letzte Antarktisfahrt der «Polarstern» liegt ein Jahr zurück. Sie hatte das Schiff mit den Wissenschaftlern an Bord zu einer neuen Terra Incognita - in eine unbekannte Welt - geführt. Die Tiefsee unter dem riesigen Larsen-Schelfeis im Weddellmeer zu erforschen, war bis dahin nicht möglich gewesen, doch die Erderwärmung hatte gigantische Flächen des Eisschilds abbrechen und wegschmelzen lassen. Die eintretenden Bodenveränderungen konnten nun auch mit Hilfe der Senckenberg-Forscherin Dorte Janussen dokumentiert werden. Mit der ihr eigenen Methode: «Ich habe die Schwämme zum Sprechen gebracht.»







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