Aktuell


Bali-Konferenz (1)

Montag, 3. Dezember, 14:51 Uhr

«Wettlauf» um Klimaschutz in Bali

Berlin (ddp). Die Vereinten Nationen werfen der deutschen Wirtschaft Lippenbekenntnisse beim Klimaschutz vor. «Zum Beispiel bekennen sich die Unternehmen der Verkehr- und Energiebranchen zwar öffentlich zum notwendigen Klimaschutz. Zugleich erleben wir aber, dass konsequente Schritte immer wieder in Frage gestellt werden», sagte der Leiter des UNO-Umweltprogramms, Achim Steiner, mit Blick auf die Weltklimakonferenz auf Bali. Dort verhandeln seit Montag Regierungsvertreter und Experten aus mehr als 180 Staaten über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft.

Die deutsche G8-Präsidentschaft rief Industrie- und Schwellenländer zur nachhaltigen Bekämpfung des Klimawandels auf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Umweltminister Sigmar Gabriel (beide SPD) äußerten sich am Montag in Berlin auf einem G8-Treffen verhalten optimistisch über den Klimagipfel der Vereinten Nationen.

Steinmeier räumte ein, dass auf dem UN-Klimagipfel in den nächsten zwei Wochen grundsätzlicher Streit drohe. Doch sei auch in den USA und bei den Schwellenländern ein Umdenken zu erkennen. Einem Bericht von «Spiegel online» zufolge sondieren US-Regierungsvertreter allerdings bereits mit China und Indien, wie sich in Bali klare Verpflichtungen vermeiden lassen.

Gabriel zeigte sich dagegen überzeugt, dass die Zeit des «Mikado-Spiels» beim Klimaschutz vorbei sei. Die EU und der G8-Gipfel von Heiligendamm hätten in den vergangenenen Monaten Bewegung in die Debatte gebracht. Das Thema habe endlich auch die Staats- und Regierungschefs erreicht. «Ich glaube, deswegen werden wir es auch schaffen», fügte der Minister hinzu.

Der Umweltminister verglich die bevorstehende Kompromisssuche mit einem «Wettlauf gegen die Zeit». Industriestaaten und Schwellenländer müssten sich in Bali auf Start, Ziel und die Bahnen des Rennens einigen, dabei «zahreiche Hürden» überspringen und auch «Zwischenziele» möglich machen. Der Durchbruch wäre nach Auffassung Gabriels ein weltweiter «Kohlenstoffmarkt», um die Industrie an den Kosten des Klimawandels zu beteiligen. Der internationale Handel mit Verschmutzungsrechten wiederum könnte Geld für klimafreundliche Technik auch in Entwicklungsländern bringen.

Steiner bedauerte, dass nicht nur Deutschland, sondern viele Industrieländer zu lange gezögert hätten, in eine effizientere Energiezukunft zu investieren. Er habe manchmal den Eindruck, dass man in Deutschland zu lange daran geglaubt habe, dass die Bevölkerung sich nicht um den Klimawandel kümmert. «Aber die Lage hat sich verändert. Deswegen steht die deutsche Automobilindustrie unter Druck, neue Ideen, Technologien und Modelle anzubieten».

Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU) forderte die Weltgemeinschaft auf, in Bali an einem Strang zu ziehen. Nur dann seien Fortschritte beim Kampf gegen den globalen Klimawandel möglich. Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Hei sagte, seine Partei erwarte von Bali verbindliche Vereinbarungen und konkrete Schritte zu deren Umsetzung.

Grünen-Chefin Claudia Roth warf der Bundesregierung vor, sich von den selbst gesetzten Klimaschutzzielen zu entfernen. Erst habe die Regierung 40 Prozent Emissionen einsparen wollen, dann seien es noch 36 Prozent gewesen, und jetzt werde «dieser Wein weiter verdünnt». FDP-Generalsekretär Dirk Niebel betonte, bei einem steigenden Energiebedarf in der Welt brauche man für die Reduktion der CO2-Emissionen «natürlich» die friedliche Nutzung der Kerntechnologie. Dies gelte auch für Deutschland.


Dienstag, 4. Dezember, 04:14 Uhr

Bundesregierung will Emissionen bis 2020 offenbar um 40 Prozent senken

Passau (ddp). Die Bundesregierung strebt angeblich eine Vorreiterrolle Deutschlands im Kampf gegen den Klimawandel an. Die «Passauer Neue Presse» (Dienstagausgabe) berichtete vorab, die Regierung biete in einem Kabinettsbericht für ein «Integriertes Energie- und Klimaprogramm» als deutschen Beitrag für ein internationales Klimaschutzabkommen nach 2012 an, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu reduzieren. Das Programm solle am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen und von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) offiziell vorgestellt werden.

Geplant seien Einzelmaßnahmen in 29 Bereichen, schrieb die Zeitung. Das Vorhaben sei zum Teil mit konkreten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen unterlegt. Ab 2010 wolle die Bundesregierung alle zwei Jahre einen Bericht zur Wirkung der Maßnahmen vorlegen.

Teil des Programms seien Eckpunkte für eine Umstellung der Kraftfahrzeugsteuer auf Basis des Kohlendioxidausstoßes, die für alle ab dem 1. Januar 2009 erstmals zugelassenen Pkw in Betracht komme, schrieb die Zeitung. Ein Kohlendioxid-Freibetrag von nicht mehr als 100 Gramm pro Kilometer könne von der Besteuerung ausgenommen werden. Befristete Steuerbefreiungen würden auch für Fahrzeuge erwogen, die vorzeitig allen Anforderungen künftiger Abgasnormen entsprechen.

Die Bundesregierung setze dem außerdem auf den Ausbau erneuerbarer Energien und auf Stromerzeugung mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung, schrieb das Blatt. Bis zu 30 Prozent des Stroms sollten bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien stammen etwa aus Windparks auf hoher See.


4. Dezember, 2007

Deutschland will weltweit Vorreiter beim Klimaschutz sein

Passau (AFP) - Mit einem umfassenden Maßnahmenpaket zum Klimaschutz strebt Berlin offenbar eine internationale Vorreiterrolle Deutschlands im Kampf gegen den Klimawandel an. "Die Bundesregierung bietet als deutschen Beitrag für ein internationales Klimaschutzabkommen nach 2012 an, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu reduzieren", heißt es in einem 86-seitigen Kabinettsbericht für ein Integriertes Energie- und Klimaprogramm, der der "Passauer Neuen Presse" vorliegt. Das Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung setze "weltweit Maßstäbe" und sei "einer modernen Volkswirtschaft angemessen".

Das Programm, das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen und von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgestellt werden soll, umfasse Einzelmaßnahmen in 29 Bereichen und sei zum Teil mit konkreten Gesetzes- und Verordnungsentwürfen unterlegt. Ab 2010 wolle die Bundesregierung alle zwei Jahre einen Bericht zur Wirkung der Maßnahmen vorlegen.

Teil des Programms seien Eckpunkte für eine Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis, die für alle ab dem 1. Januar 2009 erstmals zugelassenen Pkw "in Betracht" komme, berichtet die "Passauer Neue Presse" weiter. "Ein CO2-Freibetrag von nicht höher als 100 g/km" könne von der Besteuerung ausgenommen werden.

Die Bundesregierung setzt außerdem auf den Ausbau erneuerbarer Energien und auf Stromerzeugung mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Bis zu 30 Prozent des Stroms solle bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien stammen, etwa aus Windparks auf hoher See.

Hausbesitzer sollen nach dem Willen von CDU und CSU beim geplanten Energie- und Klimapaket der Bundesregierung weitgehend geschont werden. Dafür wollen sie nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" das Wärmegesetz von Umweltminister Gabriel noch einmal aufschnüren: Entgegen der bisherigen Planung sollten Hauseigentümern nun doch keine Vorschriften gemacht werden, ob sie ihr Haus sanieren und welche Techniken oder Brennstoffe sie für Dämmung und effizientes Heizen einsetzen müssen. Stattdessen werde daran gedacht, die Entscheidung über die Altbausanierungen den Eigentümern zu überlassen. Direkte Zuschüsse sollten dafür als Anreize gelten.

Die SPD könne sich mit dieser Lösung noch nicht recht anfreunden, hieß es in Kreisen Beteiligter. Deshalb wollten heutedie zuständigen Staatssekretäre aus den beteiligten Ressorts Umwelt, Bau- und Wirtschaft das Thema im Kanzleramt beraten.


4. Dezember, 2007

EU begrüßt Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Australien

Brüssel (AP) Die EU-Kommission hat die Ratifizierung des Kyoto-Klimaschutzprotokolls durch Australien begrüßt. «Australien hat einen sehr wichtigen Schritt unternommen», erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas am Dienstag in einer in Brüssel veröffentlichten Pressemitteilung.

Zugleich rief er die neue australische Regierung unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd dazu auf, sich auf der laufenden Klimaschutzkonferenz auf Bali zu einer weiteren Reduzierung der Treibhausgase zu bekennen. «Es ist wichtig, dass die Industriestaaten die Führung übernehmen, um Verhandlungen über ein neues weltweites Klimaschutz-Abkommen zu starten», erklärte Dimas.

Das Kyoto-Protokoll für Klimaschutz läuft im Jahr 2012 aus. Die bisherige australische Regierung hatte sich geweigert, das bereits 1997 ausgehandelte Abkommen zu ratifizieren.


Montag, 3. Dezember, 18:07 Uhr

Weltklimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14. Dezember Koalition noch uneins über Wärmegesetz

Berlin (AP) Hausbesitzer sollen nach dem Willen von CDU und CSU beim geplanten Energie- und Klimapaket der Bundesregierung weitgehend geschont werden. Dies meldet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Dienstagausgabe). Die Union wolle dafür das Wärmegesetz von Umweltminister Sigmar Gabriel noch einmal aufschnüren. Allerdings habe die Koalition in der Frage noch keine Einigung erzielt. Am (morgigen) Dienstag solle erneut verhandelt werden. Das gesamte Paket soll schon am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Laut «FAZ» sollen Hauseigentümern nun doch keine Vorschriften gemacht werden, ob sie ihr Haus sanieren und welche Techniken oder Brennstoffe sie dabei für Dämmung und effizientes Heizen einsetzen müssen. Die Entscheidung über die Sanierungen von Altbauten solle den Eigentümern überlassen bleiben. Direkte Zuschüsse sollen dafür als Anreize gelten.

Unbeschadet dessen wird es für neue Häuser künftig erheblich schärfere Vorgaben des Gesetzgebers geben, was den Einsatz Erneuerbarere Energien oder bestimmter Techniken und Wärme- sowie Dämmstandards angeht. Darin sind sich die beiden Koalitionspartner einig.


Dienstag, 4. Dezember, 03:08 Uhr

"Merkel muss sich gegen eigene Partei durchsetzen"

Hannover (ddp). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mahnt die CDU-Ministerpräsidenten, ihrer Parteivorsitzenden beim Thema Klimaschutz zuzuhören. Er selbst könne sich als Sozialdemokrat nicht über mangelnde Unterstützung durch Angela Merkel beklagen, sagte Gabriel der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. «Das Problem ist, dass die Kanzlerin ihre Klimaschutzpolitik zum Teil gegen ihre eigene Partei durchsetzen muss», fügte er hinzu.

Am Mittwoch berät das Bundeskabinett über ein Klimapaket, das unter anderem von Hausbesitzern Investitionen zur Energieeinsparung verlangt. «Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif», sagte Gabriel.

Seine Partei werde auch bei künftigen Koalitionsverhandlungen am Ausstieg aus der Kernenergie festhalten, betonte der Minister. Das bleibe eine absolute Bedingung der SPD. Die CDU-Ministerpräsidenten, die die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern wollten, «sollten dann bitteschön auch mal sagen, wo in ihrem Wahlkreis denn der Atommüll gelagert werden soll».


Eisbär fordert auf Bali Klimaschutz ein

Von Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 3.12.07

In Nusa Dua auf Bali hat am Montag die große UN-Klimakonferenz begonnen. Als Mahnung an die Delegierten, sich auf einen effektiven Aktionsplan zu einigen, errichteten Greenpeace-Aktivisten vor dem Konferenzgebäude ein fast sieben Meter hohes Thermometer auf einer Erdkugel. Ihre Botschaft: "Kocht nicht das Klima!"

"Jahrelang haben die Regierungen uns, ihre Bürger, im Stich gelassen: Sie haben nichts unternommen, um das Problem des Klimawandels anzugehen. Sie haben uns der größten Bedrohung ausgesetzt, mit der die Menschheit je konfrontiert war", stellt Greenpeace-Klimaexpertin Gabriela von Goerne fest.

Von Goerne fordert die Regierungen auf, jetzt zur Sache zu kommen und zu handeln - auf der Basis der alarmierenden wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarates, die vor zwei Wochen veröffentlicht wurden. "Das heißt: Der globale Temperaturanstieg muss so weit wie möglich unter zwei Grad Celsius bleiben. Millionen Menschen auf der Welt, vor allem die ärmsten, leiden schon jetzt unter direkten Folgen der Klimaveränderung, beispielsweise Stürmen und Überschwemmungen."

Um die Temperaturen in Zukunft auf einem sicheren Niveau zu halten, muss der weltweite Treibhausgasausstoß bis 2050 halbiert werden. Zu erreichen ist das nur, wenn die Industriestaaten ihre Emissionen bis 2020 um mindestens 30 und bis 2050 um mindestens 80 Prozent senken.

Aufgrund ihrer historischen Verantwortung für das heutige Desaster sind die alten Industriestaaten außerdem verpflichtet, den ärmeren Ländern bei der Bewältigung der entstehenden Probleme zu helfen. Zudem muss die Zerstörung der Urwälder, die erheblich zum CO2-Anstieg beiträgt, gestoppt werden.

In Nusa Dua haben sich rund zehntausend Delegierte aus über 180 Ländern versammelt. Sie stellen in den kommenden zwei Wochen die Weichen für ein Kyoto-Anschlussprotokoll. Das jetzige Protokoll läuft 2012 aus. Bis 2009 soll ein Nachfolgevertrag unterzeichnet sein. Die Staaten haben dann drei Jahre Zeit, das neue Abkommen zu ratifizieren.

Mit im Boot ist diesmal Australien, bisher der einzige Verweigererstaat neben den USA. Die erste Amtshandlung des neuen australischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd bestand darin, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen.





Eröffnung der UN-Klimakonferenz

3. Dezember: Ankunft und erste Eindrücke vom bunten Treiben auf Bali

Von Carsten Wachholz, NABU, Bali, 4.12.07

10.000 Menschen aus aller Welt kommen im Bali International Convention Center in Nusa Dua zusammen. Viele haben bereits in den vergangenen Tagen an verschiedenen Vorbereitungstreffen teilgenommen, die Minister reisen erst in der zweiten Woche zum Abschluss der Konferenz von Mittwoch bis Freitag an. Doch die meisten haben sich so wie ich auf den Weg gemacht, um heute am Eröffnungstag (also Montag, den 3. Dezember 2007) vor Ort dabei zu sein. Auf dem Hinweg treffe ich bereits die Kollegen von Germanwatch, die seit 1995 die internationalen Klimaverhandlungen als „Observer“ kritisch begleiten.

Überall – am Flughafen, an den Straßen, in den Hotels und den Tagungszentren wehen die UNFCCC-Flaggen – Welcome to the UN Climate Change Conference! Auf den engen Straßen von Nusa Dua führt das zwangsläufig zu einem Verkehrschaos aus Bussen und Taxen, dazwischen sind viele Balinesen auf ihren Motorrädern unterwegs sowie einige Konferenzteilnehmer auf den kostenlos bereitgestellten Fahrrädern. Ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz – wohlgemerkt bei über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit aber auch ein schweißtreibendes Vergnügen. Dafür sind Hotels, Busse und Tagungsräume deutlich runterklimatisiert – mein Hotel rühmt sich immerhin, über ein Energiesparkonzept zu verfügen...

Auf dem Weg vom Hotel bis zum Einlass begleitet mich Jane Hupe aus Kanada, die Chefin der Umweltabteilung der Internationalen Flugverkehrs-Organisation ICAO. Der Flug- und Schiffsverkehr soll künftig in einem neuen Klimaschutzregime einbezogen werden – wie bei vielen anderen Themen auch, ist aber darüber bisher aber noch nicht verhandelt worden. Vor dem Registrierungszelt steht die Schlange erst mal im Regen. Trotz der Menschenmassen geht es relativ gelassen zu, diverse Sicherheitsschleusen sind zu überbrücken, nur vorher bei UN-Klimasekretariat registrierte Teilnehmer bekommen einen Passierschein, dann geht es ab zum Fotografen.

Die Eröffnungsreden haben bereits begonnen, als ich endlich mit meinem Konferenzausweis das Tagungsgebäude betreten darf. Zunächst verschaffe ich mir einen Überblick über die Ausstellung im Foyer. Unter der Nummer 46 finde ich den Infostand von BirdLife – unserem internationalen Netzwerk und treffe Kolleginnen und Kollegen aus Indonesien, Malaysia und Großbritannien. Diese Partner arbeiten eng zusammen, um die Reduzierung von Treibhausgasen aus der Zerstörung von Wäldern voranzubringen und als festen Bestandteil in das Verhandlungsmandat von Bali zu integrieren. Gleich nebenan finden sich Stände des WWF und zahlreicher Regenwaldinitiativen.

Bei den Klimakonferenzen sind neben den offiziellen Regierungsdelegationen vor allem Vertreter aus Umweltorganisationen, der Wirtschaft, aus wissenschaftlichen Einrichtungen, internationalen Institutionen und Medienvertretern anwesend. Jede Gruppe versucht sich ein Stück weit zu koordinieren, weshalb ich zu 14 Uhr den Tagungsort verlasse, um am Treffen des Climate Action Networks (CAN) in einem der benachbarten Hotels teilzunehmen. Hier werden Eindrücke aus dem Plenum ausgetauscht sowie Initiativen für die nächsten Tage abgestimmt. Die Nachricht aus Australien, dass die neue Regierung das Kyoto-Protokoll unterzeichnet und bis 2050 60% der Treibhausgas-Emissionen reduzieren will, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Stattdessen gerät Saudi-Arabien ins Visier, die als „Fossil of the day“ gebrandmarkt werden, weil sie finanzielle Kompensationen verlangen, wenn zukünftig ihre Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas zurückgehen sollten.

Am Nachmittag tagt auch das wissenschaftliche und technische Beratergremium der Klimarahmenkonvention. Neben diversen Berichten geht hier um Vorschläge zur Ausweitung des Technologietransfers und um ein künftiges Regime zur Reduzierung von Treibhausgasen aus der Zerstörung von Wäldern. Die Plenumssitzungen sind immer öffentlich, auch als Beobachter darf man jederzeit in den großen Sitzungssälen ein und ausgehen. Zu Wort melden dürfen sich allerdings in der Regel nur die Regierungsvertreter und Berichterstatter. Über Kontakte zur Sitzungsleitung hat das Climate Action Network (CAN) aber die Gelegenheit bekommen, innerhalb von 2 (!) Minuten seine Sichtweise und Anforderungen zum Schutz der Wälder im Klimaschutz darzulegen. Nach einer ganzen Reihe an Statements verschiedener Länder wird gegen 18 Uhr genau dieser Tagungspunkt auf Dienstag 10 Uhr verschoben.

Mein Fazit am Montagabend:

Diskussionen finden nicht in den offiziellen Sitzungen statt, die in den ersten Tagen von einer Aneinanderreihung von Statements und einer sehr formalen Tagungsordnung geprägt sind. Dafür herrscht ein buntes Treiben und Networking auf den Fluren, an den Infotischen, in den Sitzecken, Cafes und Restaurants. Als Neuling bei solchen internationalen Großveranstaltungen bin ich sehr gespannt, ob sich hier tatsächlich eine zielgerichtete Dynamik entfalten lässt, die dann zu einer mutigen Entscheidung für möglichst weitreichenden Klimaverhandlungen führt. In fast allen Gesprächen, die ich heute geführt habe, überwiegt die Meinung, dass die Chancen dafür in Bali deutlich besser stehen als in den Jahren zuvor. Aber es gibt auch großen Respekt für die Herausforderungen und die Komplexität der anstehenden Verhandlungen sowie natürlich für die Lösungen, die gefunden werden müssen.


Montag, 3. Dezember, 16:54 Uhr

Internetsurfer interessiert vor allem Klimawandel und Promis

San Francisco (AFP) - Die Erderwärmung, die Eskapaden von Promis und die Frage nach dem Schicksal von Zauberlehrling Harry Potter im letzten Band seiner Abenteuer hat in diesem Jahr die Internetnutzer weltweit bewegt. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Anbieter Yahoo auf seiner Internetseite vorstellte. Mehrere Milliarden Suchanfragen wurden ausgewertet, um die "Top Trends" für das Jahr 2007 herauszufiltern. "Dies ist wirklich ein Barometer dafür, was für die Welt interessant und relevant ist", sagte Yahoo-Marketing-Chef Raj Gossain.

Der Klimawandel und Möglichkeiten des Umweltschutzes beschäftigten die Menschen besonders, sagte Gossain. Selbst bei Kindern gehöre diese Frage zu den Top Ten. Hybrid-Autos, Recycling, Sonnenenergie und Al Gore, der für sein Klima-Engagement in diesem Jahr den Friedensnobelpreis bekommt, seien bei den Surfern in aller Welt gefragt wie noch nie. "Diese Nachfragen zeigen, dass die Menschen aktiv werden wollen", sagte Gossain, "das Thema ist eindeutig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen".

Auch das Schicksal von Film- und Pop-Ikonen unseres Zeitalters fesselte die Aufmerksamkeit der Surfer. Vor allem gestrauchelte Helden waren besonders nachgefragt, weiß Yahoo. Kein Name wurde so oft gesucht wie der von Popsängerin Britney Spears, die wegen Drogenkonsums das Sorgerecht für ihre Kinder verlor, gefolgt von Anna Nicole Smith, die im Februar tot in einem Hotel in Florida aufgefunden wurde. "Diese Geschichten sind die griechischen Tragödien unserer Pop-Kultur", sagte die Yahoo-Nachrichenredakteurin Vera Chan.

Die Abschiedsvorstellung von Zauberlehrling Harry Potter, die wochenlang zu Spekulationen über den Ausgang des siebten und letzten Bandes der Erfolgsserie von J.K. Rowling führte, gehörte ebenfalls zu den Net-Hits.

Die Internetgemeinde befasse sich aber nicht ausschießlich mit kulturellen Phänomenen, versichert Yahoo, auch die internationale Politik fesselte die Nutzer. Im Bereich der politischen Nachrichten waren Informationen über den hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein ein großer Renner - genau wie die Entwicklung im Nahen Osten, der Ölpreis und US-Präsident George W. Bush. "Die Leute wollten über den Stand des Irak-Krieges Bescheid wissen, und die Zahl der Nachfragen über mögliche Abzugs-Strategien nimmt eindeutig zu", berichtete Chan.







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