Aktuell


Stimmen zum Klimaschutz

Sonntag, 30. Dezember, 03:45 Uhr

Experte fordert von Deutschland effektiven Klimaschutz

Berlin (ddp). Deutschland muss nach Ansicht des Potsdamer Klimaforschers Ottmar Edenhofer dringend weitere Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel auf den Weg bringen. «Von einem effektiven Klimaschutz sind wir noch ganz weit entfernt», sagte Edenhofer in einem am Sonntag vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift «Super Illu».

Vor allem die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Emissionsverbrauch stehe noch aus, sagte Edenhofer. Um das zu erreichen, müssten sich Deutschland, Europa und die USA noch gewaltig anstrengen, betonte der Chefökonom und stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Edenhofer ist dem Blatt zufolge Berater von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und war Teilnehmer der UN-Klimakonferenz auf Bali.

Der weltweite Klimawandel kann nach seiner Einschätzung nur gestoppt werden, «wenn wir bis 2020 die weltweiten Emissionen stabilisieren und bis zum Jahr 2050 die schädlichen Treibhausgase mindestens um die Hälfte im Vergleich zu 1990 reduzieren», sagte Edenhofer. «Dann haben wir eine faire Chance, gefährlichen Klimawandel zu vermeiden», sagte der Experte.

Die UN-Klimakonferenz auf Bali habe zwar ein hoffnungsvolles Zeichen in diese Richtung gesetzt, sagte Edenhofer. Aber die ablehnende Haltung der US-Regierung gegenüber dem dort ausgehandelten Kompromiss erschwere wirksame Maßnahmen. «Wir brauchen die USA. Das ist die Nation mit den größten technischen Ressourcen und dem höchsten internationalen Einfluss, um das Problem zu lösen», erläuterte Edenhofer. «Klimaschutz muss Teil des amerikanischen Traums werden, weil viele diesen Traum träumen», fügte er hinzu.


Merkel fordert von Bürgern aktivere Rolle beim Klimaschutz

Düsseldorf (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert Wirtschaft und Verbraucher zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz auf. Das von der Regierung verabschiedete Energie- und Klimaprogramm sei das weltweit umfassendste Paket zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen, schreibt Merkel in einem Beitrag für das Düsseldorfer «Handelsblatt» (Freitagausgabe).

Entscheidend sei nun, «dass Wirtschaft und Verbraucher diesen Impuls aufgreifen». Merkel rief dazu auf, von den neuen Fördermöglichkeiten etwa bei der Gebäudesanierung und Erneuerbaren Energien Gebrauch zu machen.

Die Beschlüsse der Klimakonferenz auf Bali wären ohne das starke Engagement und die Selbstverpflichtungen der Europäer nicht möglich gewesen, sagte die Kanzlerin und fügte hinzu: «Ich wünsche mir, dass Deutschland als großes Industrieland eine Vorreiterrolle einnimmt.» Jetzt gehe es darum, auf nationaler Ebene Taten folgen zu lassen.


Donnerstag, 27. Dezember, 10:10 Uhr

Zukunftsforscher warnt vor «Ökofaschismus» wegen Klimawandel

Frankfurt/Main (AP) Ein strenger Staat, mehr private Bildung und ein neuer Umweltextremismus - das sind laut Zukunftsforscher Matthias Horx drei große Trends des kommenden Jahres. Der Kampf gegen den Klimakollaps werde dabei zur «Weltrettungsreligion» erhoben, sagte Horx der Nachrichtenagentur AP. «Im Zentrum steht eine apokalyptische Weltvorstellung, die den Einzelnen oder ganze Gesellschaften zum Sünder deklariert.» Zugleich nehme der Staat die Bürger immer stärker in die Pflicht. Statt Vorsorge werde es künftig vor allem um eigenverantwortliche Vorsorge gehen.

«Die Vision der Klimakatastrophe weist viele Parallelen zu Religionen und Kulten auf», erklärte der Zukunftsforscher. Schon heute müsse Umweltverschmutzung wie eine Sünde gebeichtet und mit Formen behandelt werden, die an den Ablasshandel des Mittelalters erinnerten. «Wenn Sie heute einen Langstreckenflug machen, leisten Sie 15 Euro Obolus, damit woanders Bäume gepflanzt werden.» Diese Logik des Sündenablasses werde sich künftig gewaltig ausdehnen. Zudem biete der Klimakollaps einen Lebenssinn: Energiesparen und Kohlendioxid-Vermeidung würden zu einer Art Ritual, das wie in vielen Religionen den Alltag strukturiere.

«Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Vorstellung von Apokalypsen auch totalitäre Regime stützen kann», warnte Horx. So sei etwa das Volk der Maya untergegangen, weil deren Priesterkult immer größere Menschenopfer forderte, um die Naturgewalten zu beruhigen. «In den nächsten Jahren werden wir erleben, wie im Namen des Klimas immer mehr Verhaltensnormen entstehen. Das kann bis an den Rand eines Ökofaschismus gehen.»

Als zweiten großen Trend sieht Horx eine Entwicklung des Staates vom fürsorglichen «Nanny State» (Kindermädchen-Staat) zum vorsorgenden «Strengen-Onkel-Staat». «Onkel haben die Eigenschaft, sich nicht in alles einzumischen, aber bisweilen klar zu sagen, was Sache ist: Nur wenn Du Dich gesund verhälst, können wir Dich im sozialen Sicherungssystem halten», erklärte der Zukunftsforscher. Schon heute gebe es deshalb Rauchverbote, aber auch eine zunehmend fordernde Rentengesetzgebung und eine stärkere Einschränkung der Privatsphäre.

Im Bereich der Bildung erwartet Horx einen starken Trend zur Privatisierung. «Ich glaube, dass wir einen Umschwung der öffentlichen Meinung sehen werden, so dass ab 2008 die Weichen für ein eher skandinavisch-angelsächsisch orientiertes Bildungssystem gestellt werden», erklärte er. Dazu zählten Ganztagsschulen, eine andere Pädagogik und die spätere Ausdifferenzierung der Bildungswege. Allein in den vergangenen fünf Jahren habe sich der Anteil der Schüler auf Privatschulen in Deutschland verdoppelt. «Diese Konkurrenz belebt das Geschäft und regt auch den staatlichen Bildungssektor zu schnelleren Reformen an.»


Freitag, 28. Dezember, 13:03 Uhr

«Ein Umweltsünder wider besseren Wissens und ohne schlechtes Gewissen»

Berlin (ddp). Der Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, ist der «Dinosaurier 2007». Der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke, sagte am Freitag zur Begründung: «Herr Hunold hat die Trophäe für seine Ignoranz gegenüber notwendigen Klimaschutzmaßnahmen mehr als verdient.« Hunold spiele das Thema in der Öffentlichkeit herunter. »Er ist ein Umweltsünder wider besseren Wissens und ohne schlechtes Gewissen», rügte Tschimpke.

Hunold streiche satte Gewinne ein, ohne für die Verschmutzung der Umwelt durch seine Maschinen jegliche Verantwortung übernehmen zu wollen, kritisierte der NABU-Präsident. Es sei an sich schon ein Skandal, dass das Flugzeug als klimaschädlichstes Verkehrsmittel von Abgaben auf Flugbenzin völlig befreit sei. Hunold aber genieße es auch noch, sich öffentlich als «Branchenschreck» zu geben und gegen alle zu polemisieren, die eine Besteuerung von Flugkerosin fordern.

Der NABU vergibt den «Dinosaurier»-Preis, eine 2,6 Kilogramm schwere Zinn-Nachbildung einer Riesenechse, seit 1993. Im vergangenen Jahr bekam der damalige Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Harry Roels, den Preis zuerkannt. Frühere Preisträger waren Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) und der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun.







» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Sa, 22.11.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^