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Aktuell

Einschlag in Thüringens Naturschutzgebieten

Holzhunger in Schutzgebieten nimmt kein Ende

NABU Thüringen äußert sich kritisch über den enormen Holzeinschlag

Europa Ticker, 23.3.08

Ein trauriges Schauspiel spielt sich zurzeit in Thüringens Wäldern ab. Motorkettensägen und Vollerntemaschinen machen selbst vor wertvollen Schutzgebieten nicht halt. Nicht genug, das die Stürme „Kyrill“ und „Emma“ auf Thüringens Waldbühne schon über 3 Millionen Festmeter Holz gefordert haben. So werden auch über die Maßen hinaus in Naturschutzgebieten, Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) und EU-Vogelschutzgebieten rigoros Bäume gefällt.

Mike Jessat, Landesvorsitzender des NABU Thüringens erläutert hierzu: „Aktuelle Brennpunkte an denen wir es nicht nachvollziehen können, warum in Schutzgebieten so unsensibel Holzeinschlag betrieben wird, liegen um Jena, im Naturpark Kyffhäuser und im Leinawald im Altenburger Land. Beispielsweise wurden im Naturschutzgebiet „Isserstedter Holz“ in größerem Stiel, starke Eichen, Bergahorne, Hainbuchen und Linden gefällt. Gleichwohl in dem Bewusstsein, dass es sich hier um eines der wertvollsten europäischen Schutzgebiete des Schutzgebiets-Netzes „Natura 2000“ handelt, für das ein eindeutiges Verschlechterungsverbot gilt. Für den Mittelspecht der dort heimisch ist, bedeuten solche Eingriffe auf Dauer das Aus.“

„Ähnliche Meldungen liegen uns aus dem Naturpark Kyffhäuser vor“, fügt Jessat an. „Im Bereich der B 85 wurden, mit Begründung der Wahrung der Verkehrssicherungspflicht, weit über das Maß hinaus flächenartige Rodungen durchgeführt. Alte Buchenwaldbestände und selbst Mutterbäume, die unbedingt zur Naturverjüngung benötigt werden, wurden radikal entfernt. Ebenso erging es vielen Bäumen mit einem natürlichen Baumhöhlenbestand, so dass Dutzende von bedrohten Fledermaus- und Vogelarten, die solche Höhlen dringend als Brut- und Aufzuchtsstätte benötigen, gefährdet sind.“

„Zu einem gravierenden Eingriff kam es auch in den Altbuchenbeständen im Leinawald, im Altenburger Land in der Nähe des dortigen Seeadlerhorstes und im Revier des Schwarzspechtes. Die Vorstellungen von Nachhaltigkeit und Erhalt der Biodiversität im Wald sind beim ehrenamtlichen Naturschutz und der Forstwirtschaft anscheinend zwei völlig unterschiedliche Dinge. Hier besteht noch ein großer Diskussionsbedarf“, so Jessat. „Die Rolle der Oberen Naturschutzverwaltung liegt für uns dabei völlig im Dunkeln. Es ist unerklärlich, warum diese, in Europäischen Schutzgebieten derartige Eingriffe toleriert bzw. genehmigt obwohl die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in ihren Veröffentlichungen eine andere Vorgehensweise fordert.“







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