AktuellMehr Artenschutz für Deutschland gefordert
Mehr Artenschutz gefordertUmweltverbände: Regierung verfehlt nationale ZieleSüddeutsche Zeitung, 19.4.08 Berlin - Die Umweltverbände haben von der Bundesregierung in einem Zehn-Punkte-Katalog verlangt, sie die heimische Artenvielfalt besser zu schützen. "Deutschland hat einen großen Nachholbedarf bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt", sagte der Präsident des Dachverbandes der Natur- und Umweltschutzverbände (DNR), Hubert Weinzierl, am Freitag in Berlin. Bei der UN-Artenschutz-Konferenz Ende Mai in Bonn werde sich zeigen, dass Deutschland maßgeblich mit seinem Konsumverhalten die biologische Vielfalt auch in anderen Ländern gefährde. Weinzierl forderte, den Imports von Biomasse zu stoppen, etwa von Palmöl für Biosprit. Die UN-Konferenz zur Biodiversität soll dazu beitragen, das weltweite Artensterben noch vor dem Jahr 2010 deutlich zu bremsen. Nach Angaben der Bundesregierung schreitet das Artensterben derzeit etwa 1000-mal schneller voran als es ohne Eingriffe des Menschen in die Natur geschehen würde. Auf der Erde leben etwa 15 Millionen Arten, von denen aber nur jede zehnte bekannt ist. Bei der Konferenz soll darüber beraten werden, wie der Nutzen von Pflanzen für die Pharmafirmen gerechter verteilt werden kann, und zwar sollen die Heimatländer solcher Pflanzen stärker an den Einnahmen beteiligt werden. Weinzierl betonte, der ökologische Fußabdruck Deutschlands sei doppelt so groß wie das Land selbst. Das heißt, um die Konsumbedürfnisse zu decken, nähmen die Deutschen eine Fläche von der doppelten Größe der Bundesrepublik in Anspruch. Die Bundesregierung habe sich zwar eine Reihe nationaler Ziele gesetzt, diese aber weitgehend verfehlt. Dies gelte etwa für das Ausweisen von Naturschutzgebieten oder auch den Flächenverbrauch. Die geschützten Flächen müssten zudem vernetzt werden und dürften nicht isoliert bestehen. Umgekehrt nütze etwa der Schutz von Zugvögeln in Deutschland wenig, wenn sie in Frankreich und Italien weiter gejagt werden dürften. Reuters Deutschland ist Entwicklungsland beim Schutz der WälderARA und Greenpeace legen ernüchternde Bilanz vorGemeinsame Presseerklärung von ARA und Greenpeace vom 18. April 2008 Bielefeld / Hamburg, 18. 4. 2008 – Vier Wochen vor dem UN-Biodiversitätsgipfel in Bonn bescheinigen die Umweltorganisationen ARA und Greenpeace in einem gemeinsamen Bericht den verantwortlichen Politikern auf Bundes- und Landesebene Versagen beim Schutz der Wälder. Das heute vorgestellte Papier „Auf dem Holzweg? Deutschlands Umsetzung des Arbeitsprogramms zu Waldbiodiversität der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD)“ analysiert, dass in Deutschland die von der CBD 2002 beschlossenen Ziele zum Schutz der Wälder nicht umgesetzt wurden. „Ökologische Nachhaltigkeit in Wäldern ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben und wird bislang nur unzureichend umgesetzt“, sagt Wolfgang Kuhlmann von ARA und Autor der Studie. „Doch die für einen nachhaltigen Biodiversitäts- und Klimaschutz notwendige Novellierung des Wald- und Jagdgesetzes kommt seit Jahren nicht voran.“ Zwar gibt es freiwillige Vereinbarungen, wie das Nationale Waldprogramm und die Charta für Holz. Für eine ökologisch und sozial gerechte Waldbewirtschaftung fehlen jedoch klare und verbindliche ökologische Mindeststandards. Auch beim Waldschutz auf internationaler Ebene bescheinigen die Umweltschützer der Politik Versagen. So gibt es bis heute keine Handelsbeschränkungen, die den Import von Papier, Holz, Futtermitteln wie Soja und so genannten Biotreibstoffen aus Urwaldgebieten verbieten. Ein 2004 von Greenpeace vorgeschlagenes Urwaldschutzgesetz, das den Handel mit Holz aus illegalen Abholzungen verbieten würde, ist von der Bundesregierung erst in der vergangenen Woche erneut im Bundestag abgelehnt worden. Mit dem Zwang zur Beimischung von so genannten Biotreibstoffen nimmt die Bundesregierung bewusst in Kauf, dass Urwälder für den Anbau von Soja und Palmöl unwiederbringlich zerstört werden. Ein europäisches Urwaldschutzgesetz wurde bisher von der EU-Kommission nicht vorgelegt. „Eine internationale Waldpolitik Deutschlands, die diesen Namen auch verdient, gibt es bisher nicht. Die Untätigkeit der Bundesregierung nimmt weitere Urwaldzerstörungen im Amazonas, im Kongobecken sowie in Südostasien in Kauf“, kritisiert Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. „Deutschland ist ein waldpolitisches Entwicklungsland. Angela Merkel muss auf dem UN Gipfel im Mai jährlich zwei Milliarden Euro für den globalen Urwaldschutz zur Verfügung stellen.“ ARA und Greenpeace fordern in dem Bericht ein sofortiges Urwaldschutzgesetz, eine deutliche Ausweitung der nicht holzwirtschaftlich genutzten Waldfläche und den sofortigen Stopp des Beimischungszwangs sowie der Beimischungsquote für Biotreibstoffe. Deutschland hat großen Nachholbedarf bei der Erhaltung der biologischen VielfaltUmweltverbände legen Forderungskatalog vorPressemitteilung von BUND, NABU, DNR und Euronatur, 18.4.08 Berlin: Vier Wochen vor der 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt, die vom 19. bis 30. Mai 2008 in Bonn stattfindet, haben die Umweltverbände DNR, BUND, NABU und Euronatur heute einen zehn Punkte umfassenden Forderungskatalog zum Erhalt der biologischen Vielfalt vorgelegt. Die Verbände forderten von Bund und Ländern rasche Fortschritte vor allem beim gerechten Vorteilsausgleich für Nutzungen der biologischen Vielfalt, bei der Einrichtung eines weltweiten Systems von Schutzgebieten und bei Schutzmechanismen für den Wald. "Deutschland hat einen großen Nachholbedarf bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt im eigenen Lande", sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl. Deutschland und seine Bürger tragen mit ihrem Konsumverhalten und ihren Wirtschaftsverknüpfungen maßgeblich zur Gefährdung der biologischen Vielfalt in anderen Ländern und Kontinenten bei. Der ökologische Fußabdruck ist doppelt so groß wie die Bundesrepublik selbst. Um die Bedürfnisse der Deutschen zu decken, wird derzeit eine Fläche in Anspruch genommen, die mehr als doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik. Der Import von Biomasse (z.B. Palmöl) trägt zur Zerstörung der besonders artenreichen Regenwälder in den Tropen bei, ebenso die Nutzung bestimmter dort wachsender Holzsorten. Weinzierl forderte daher: "Solange es eine Zertifizierung nicht gibt, muss ein Moratorium beim Import von Biomasse eingeführt werden." Besonders gefordert sind die Bundesregierung, Länder, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Umsetzung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. So ist in Waldgebieten eine natürliche Entwicklung auf fünf Prozent der Fläche und bei Wäldern in öffentlicher Hand auf zehn 10 Prozent der Fläche erforderlich. Ein großes Defizit besteht bei der nationalen Umsetzung der Globalen Strategie zur Erhaltung der Pflanzen. Hier müssen die für die Sicherung der Pflanzenvielfalt wichtigsten Gebiete ermittelt und geschützt werden. Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, wies darauf hin, dass Naturschutz auch Klimaschutz sei. Der Erhaltung von Biotopen mit einer hohen CO2-Speicherung wie Wäldern, Mooren und Feuchtgebieten komme aus Sicht des Klimaschutzes eine große Bedeutung zu. Doch nach wie vor wird in Deutschland Torf abgebaut, was zum Beispiel in Niedersachsen acht Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen ausmacht. Weiger forderte die Bundesregierung auf, umgehend entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um der weiteren Zerstörung solcher CO2-Senken und -Speicher entgegen zu wirken. Sie dürfe auch keine "Klimaschutzmaßnahmen" fördern, die die Biodiversität schädigten (z.B. Wasserkraft und Agrokraftstoffe). Zur Milderung von Effekten des Klimawandels ist ferner die Renaturierung von Feuchtgebieten wie Moore, Auen und Gewässern sinnvoll. Um den Arten ein Ausweichen vor ungünstigen Klimafolgen zu ermöglichen, ist es ferner wichtig, Schutzgebiete zu erweitern, Biotope und Arten zu vernetzen, die gesamte Landschaft durch naturverträgliche Landbewirtschaftung durchlässiger zu machen und die Belastung der Natur durch andere Faktoren wie Flächenverluste und Eutrophierung zu reduzieren. Je intakter die Natur ist, desto flexibler kann sie auf die Änderungen durch den Klimawandel reagieren. Besondere Berücksichtigung sollten dabei die am meisten gefährdeten Gebiete wie etwa die Alpen oder das Wattenmeer erfahren. Im Bereich der Landwirtschaft forderte Weiger die Reduzierung des Stickstoffüberschusses auf maximal 20 Kilogramm pro Hektar statt der derzeit durchschnittlichen 110 Kilogramm. Dies soll durch eine Besteuerung von Kunstdünger erfolgen. Ferner muss die Dünge-Verordnung verbessert werden und die Ausnahmeerlaubnis für Grünland abgeschafft werden, nach der bis 230 Kilogramm Stickstoff pro Hektar ausgebracht werden können und Düngeüberschüsse sollten mit Bußgeldzahlungen belegt werden. Ähnliches gilt für die Nutzung von Pestiziden, Antibiotika und Hormonen. Im Rahmen der zweiten Säule der europäischen Agrarpolitik müssen zudem wesentlich mehr Mittel für die Finanzierung des Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 und für den Vertragsnaturschutz bereit gestellt werden. Überfällig ist auch die Streichung von Förderanreizen mit negativen Folgen für Natur und Umwelt. Die Stärkung des Ökolandbaus fördert durch den dadurch bedingten sparsamen Einsatz von Düngermitteln und den Verzicht auf Chemie die Artenvielfalt. "Die FFH- und die Vogelschutzrichtlinie sind die maßgeblichen Instrumente zur Bewahrung der biologischen Vielfalt in der EU und in Deutschland, die auch weltweit eine Vorbildfunktion haben", betonte NABU-Präsidiumsmitglied Hans-Joachim Mader. Bestrebungen der Bundesländer, diese Richtlinien abzuschwächen, sei entschieden entgegenzutreten. "Die Energie, die die Länder derzeit hierfür aufbringen, sollte besser darauf verwendet werden, den Schutz auch endlich umzusetzen. Wenn es unter Beteiligung aller Betroffenen erstellte Bewirtschaftungspläne für die FFH- und Vogelschutzgebiete mit klaren Vorgaben für Bewirtschaftung und – wo erforderlich - Entschädigung gibt, werden sich viele der von den Ländern aufgeführten Probleme von selbst lösen und die Akzeptanz wird steigen." Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) stellt mit ihrer Verpflichtung zur Erreichung eines guten ökologischen Zustands für die Gewässer in Europa das maßgebliche Instrument für die Erhaltung der Biodiversität in und an Gewässern mit weltweiter Vorbildfunktion dar. Das bedeutet, dass alle Gewässer wieder eine naturnahe Artenvielfalt haben und für die Gewässerorganismen ökologisch durchgängig sein müssen. Die Einbeziehung von Auen als Lebensräumen mit besonders hoher Biodiversität erfordert die Wiedereinrichtung natürlicher Überschwemmungsflächen, etwa durch Deichrückverlegungen, da sie eine Schlüsselrolle für die Vielfalt an Fischen, Amphibien, Krebsen besitzen. Damit wird gleichzeitig ein langfristig vorsorgender Hochwasserschutz betrieben. Der gute ökologische Zustand kann nur erreicht werden, wenn die Beeinträchtigung der Gewässer durch Kanalisierung, Verbauung und Stoffeintrag auch ökonomisch in Rechnung gestellt wird und so entsprechende Verbesserungsmaßnahmen finanziert werden. Für die Nutzung und Beeinträchtigung von Gewässern durch Schifffahrt, Wasserkraft, Industrie und Landwirtschaft muss eine entsprechende Gebühr durch die Nutzer gezahlt werden. Mader wies darauf hin, dass die Zerschneidung und Isolierung von Lebensräumen eines der gravierendsten Probleme für die Biodiversität in Deutschland sei. Nur noch auf 23 Prozent der Fläche unseres Landes finden sich unzerschnittene verkehrsarme Räume in der Größe von einhundert Quadratkilometern oder mehr. Es gelte, großflächig unzerschnittene Räume zu erhalten. "Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Schutz der europäischen Laubwälder und insbesondere der Buchenwälder", sagte Euronatur-Präsident Prof. Dr. Hartmut Vogtmann. Schließlich befindet sich ein stolzes Viertel der weltweiten Buchenwaldfläche im Bundesgebiet. "Die Maßnahmen des bestehenden Programms müssen umgesetzt werden. Zusätzlich ist ein Sofortprogramm erforderlich, das zehn Prozent der Buchenwälder unter Schutz stellt. Diese müssen komplett aus der Bewirtschaftung genommen werden", forderte Vogtmann. Was die genutzten Waldbestände angehe, bedürften diese einer Zertifizierung nach FSC oder Naturland. Auch was das Thema Vogeljagd angeht, gibt es nach Angaben von Euronatur dringenden Handlungsbedarf. Es kann nicht sein, dass Länder wie Frankreich und Italien die EU-Vogelschutzrichtlinie und damit eines der wichtigsten Instrumente zum Erhalt der biologischen Vielfalt mit Füssen treten. Jedes Jahr werden in Europa weit über 100 Millionen Vögel legal geschossen oder gefangen. Der Kiebitz etwa, der in Deutschland auf der Roten Liste steht, wird in Frankreich legal bejagt. "Wir müssen alles tun, um die Zugrouten der Vögel sicherer zu machen. Nur so können wir den europaweit dramatischen Bestandsverlusten effektiv entgegenwirken", forderte Vogtmann. Dass die Nutzung von Biomasse nicht vorbehaltlos zu begrüßen ist, betonte der Euronatur-Präsident ebenfalls. "Geplante Maßnahmen zum Klimaschutz werden mehr und mehr zu einer ernsthaften Bedrohung für die Artenvielfalt", sagte Vogtmann und sprach sich in diesem Zusammenhang gegen die Beimischung von Agrokraftstoffen aus. "Anstatt mit hohem Energieaufwand Biomasse in flüssige Brennstoffe umzuwandeln, sollten wir die Biomasse lieber direkt nutzen." Aber auch hier ist Vielfalt gefragt: Es gilt dabei, auf verschiedene Lösungen zu setzen, die aber alle dezentrale Ansätze verfolgen und sich auf den stationären Einsatz beschränken. Der Anbau der Biomasse muss dabei immer ökologisch verträglich erfolgen. Forderungskatalog Donnerstag, 24. April, 15:41 Uhr 30 Prozent mehr Naturschutzgebiete in DeutschlandBerlin (AFP) - Die Fläche der Naturschutzgebiete in Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent zugenommen. Darauf wiesen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, in Berlin hin. Dennoch sei die Bilanz bei Natur- und Artenschutz insgesamt durchwachsen. So wies Gabriel darauf hin, dass derzeit täglich 110 Hektar ungenutzter Fläche vom Menschen mit Beschlag belegt werden. Auch gebe es Bestrebungen in Wirtschaft, Landwirtschaft und einigen Bundesländern, Naturschutzstandards aufzuweichen."Deutschland verfügt über eine relativ begrenzte Artenvielfalt, um so sorgfältiger sollten wir damit umgehen", sagte Gabriel. Mit Blick auf die UN-Biodiversitätskonferenz Ende Mai in Bonn verwies der Minister auf die Vorbildfunktion, die Deutschland und Europa beim Artenschutz einnehmen müssten: "Wir können nicht den Afrikanern sagen, sie sollen ihre Elefanten und Löwen schützen, wenn bei uns der erste Bär, der um die Ecke kommt, gleich erschossen wird." Entsprechendes gelte für den Waldschutz, auf den Deutschland beispielsweise in Brasilien dringe. Dem Datenbericht zufolge kommen in Deutschland etwa 48.000 Tierarten, 9500 Pflanzenarten und 14.400 Pilzarten vor. Von den untersuchten Tierarten sind mehr als ein Drittel in ihrem Bestand gefährdet, darunter acht von 13 Reptilienarten. Drei Prozent der in Deutschland vorkommenden Tierarten gelten bereits als ausgestorben. Rund ein Viertel der Farn- und Blütenpflanzenarten in Deutschland sind außerdem in Gefahr. Etwas besser geht es Vogelarten, denen mit Schutzmaßnahmen geholfen wurde, darunter Seeadler, Wanderfalke und Schwarzstorch. Gefährdet sind aber Bodenbrüter, die in landwirtschaftlichen Gebieten beheimatet sind, wie zum Beispiel Feldlerche oder Kiebitz. Die Zahl der Nationalparks in Deutschland stieg im zurückliegenden Jahrzehnt von elf auf 14. Fläche der Naturschutzgebiete in Deutschland um 30 Prozent gestiegenDaten zur Natur ermöglichen Standortbestimmung zur Erhaltung der biologischen VielfaltBMU/BfN Pressemitteilung, 24.4.08 Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, haben heute in Berlin gemeinsam die "Daten zur Natur 2008" präsentiert. Vier Wochen vor der 9. Vertragsstaaten¬kon¬ferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt, die im Mai in Bonn stattfindet, liegt damit ein umfassender Überblick zur biologischen Vielfalt in Deutschland und weltweit vor. "Wissenschaftlich fundierte Daten und Informationen über den Zustand und Veränderungen von Natur und Landschaft sind unverzichtbar für eine belastbare, konkrete Standortbestimmung hinsichtlich der Umsetzung dieses zentralen Naturschutzübereinkommens", sagte der Bundesumweltminister. Die Daten zur Natur 2008 belegen, dass dank intensiver Anstrengungen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes in den letzten Jahren Erfolge im Naturschutz und in der nachhaltigen Nutzung in Deutschland erzielt wurden. Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete nahm in den letzten zehn Jahren um ca. 30 Prozent zu. Die Zahl der Nationalparke stieg von 11 auf 14, ihre Gesamtfläche beläuft sich jetzt auf rund 960.000 ha, davon sind über 190.000 ha Landfläche. Mit diesem Zuwachs bei den Schutzgebieten hat Deutschland wesentliche Fortschritte beim Aufbau eines globalen Schutzgebietssystems erzielt. Mit Bestätigung der EU-Kommission sind nun auch rund 14 Prozent der Landesfläche Deutschlands und fast ein Drittel der Fläche der Ausschließlichen Wirtschaftszone Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. "Der erste umfassende nationale Bericht zum Erfolg der Schutzmaßnahmen im Rahmen von Natura 2000 belegt für etwa ein Viertel der Arten und Lebensraumtypen von europäischer Bedeutung den angestrebten günstigen Erhaltungszustand", sagte Sigmar Gabriel. Aufgrund gezielter Artenschutzmaßnahmen haben sich deutschlandweit die Bestände gefährdeter Arten wie Wanderfalke oder Steinkauz positiv entwickelt. Dies zeigen die Ergebnisse des bundesweit neu organisierten und künftig von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Vogelmonitorings des Dachverbands der Deutschen Avifaunisten (DDA). "Die Erfolge sollten uns weiter ermutigen. Sie zeigen, dass wir in der Lage sind, negative Trends bei der biologischen Vielfalt umzukehren und mit unseren Bemühungen erfolgreich unsere natürliche Umwelt zu schützen und auch wiederherzustellen", so Gabriel. Auch hinsichtlich einer naturschutzgerechten Nutzung gibt es positive Entwicklungen. Mittlerweile sind in Deutschland rund zwei Drittel der Waldfläche zertifiziert, ca. 5 Prozent nach FSC (Forest Stewardship Council) und knapp 65 Prozent nach PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). "Auch wenn wichtige und richtige Schritte eingeleitet und konkrete Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden, ist die Gesamtsituation der biologischen Vielfalt und des Naturhaushalts jedoch nach wie vor alarmierend", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. So sind zum Beispiel über 70 Prozent der Biotoptypen Deutschlands als gefährdet eingestuft. Nach ersten Ergebnissen der derzeit in Aktualisierung befindlichen Roten Listen für Tiere, Pflanzen und Pilze, die 2008/2009 erscheinen sollen, sind fast zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Reptilienarten in ihrem Bestand gefährdet. Diese Beispiele wie auch viele andere in den "Daten zur Natur 2008" vorgestellte Fakten zeigen, dass es nach wie vor intensiver gemeinsamer Bemühungen auf Landes-, Bundes- wie auch internationaler Ebene bedarf, um der Gefährdung von Natur und Landschaft entgegenzuwirken. Naturschutz muss dabei in alle relevanten Politikbereiche integriert werden, um Schutz, Entwicklung und nachhaltige Nutzung der Natur zu ermöglichen. Die im November 2007 beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt dokumentiert den Willen der Bundesregierung, hier in allen biodiversitätsrelevanten Bereichen unter aktiver Einbindung der gesellschaftlichen Akteure wesentliche Schritte zu tun und gibt hierfür ein klares Handlungsprogramm vor. "Eine ganze Reihe von Maßnahmen soll bereits bis 2010 umgesetzt werden und in ihrer Gesamtheit zur Verwirklichung des 2010-Ziels beitragen", erklärte Sigmar Gabriel. Ein Hintergrundpapier zu den "Daten zur Natur" finden Sie im Internet unter www.bfn.de . Bundesamt für Naturschutz (2008) (Hrsg.): Daten zur Natur 2008. Landwirtschaftsverlag Münster. 137 Tabellen und 194 Abbildungen. (für 24,80 Euro im Buchhandel erhältlich) Deutschland im Klimawandel - Anpassung ist notwendigErgebnisse einer Fachkonferenz in BerlinBMU Pressemitteilung, 18.4.08 Der Klimawandel bringt bereits heute sichtbare Risiken, Schäden und Auswirkungen mit sich, die sich in Zukunft verstärken dürften. "Wir müssen kluge Anpassungsmaßnahmen entwickeln und in die Tat umsetzen, um künftige volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden", so Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich einer Fachkonferenz, die am 16. April in Berlin zu Ende ging. Unter Federführung des Bundesumweltministeriums strebt die Bundesregierung eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern an, um eine deutsche Strategie zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Sie soll den bundesweiten Handlungsrahmen schaffen, um Risiken für die Bevölkerung, für Unternehmen und Kommunen vorzubeugen. Die Konzeption und ein erstes Paket von Maßnahmen sollen bis Ende 2008 vorliegen. Neben möglichen volkswirtschaftlichen und individuellen Schäden müssen Bund, Länder und Gemeinden auch Auswirkungen auf Ökosysteme und natürliche Lebensräume ins Auge fassen. Damit würden sie den Rahmen für konkrete Anpassungsmaßnahmen − vor allem auf kommunaler und Landesebene − setzen. Auf der zweitägigen Konferenz wurde deutlich, dass eine Anpassungsstrategie schrittweise in einem längerfristigen angelegten Prozess entstehen muss, der Prioritäten folgt und flexibel auf die Erweiterung des Wissens über Klimafolgen, Anpassungserfordernisse und Anpassungsoptionen reagieren kann. Die Fachleute identifizierten 21 sensible und betroffene Handlungsfelder, darunter Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft, Küstenschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Energiewirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Gesundheit, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, biologische Vielfalt und Raumplanung. Die Expertinnen und Experten bitten den Bund, dabei effektive und akteursspezifische Informations- und Kommunikationssysteme aufzubauen, ein Risikomanagement einzuführen sowie Forschung, Bildung und Ausbildung zu intensivieren. Dies gilt auch für die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Die Anpassungsstrategie soll Regionen darin unterstützen, angepasste Verwundbarkeits-Analysen und Handlungsprogramme zu entwickeln. Eine klare Forderung der Fachleute war, bestehende Strategien zu Klimawandel, Biodiversität, demografischem Wandel, Flächensparen, Verkehrsvermeidung und nachhaltiger Entwicklung miteinander zu verbinden. Sie halten eine eindeutige Zuordnung von Verantwortlichkeiten, eine stärkere Vernetzung behördlicher und wissenschaftlicher Institutionen und Organisationen, eine Intensivierung übergreifender Netzwerkarbeit und ein stärkeres privates Verantwortungsbewusstsein für erforderlich. "Wir müssen bei all unserem wirtschaftlichen und sozialen Handeln die Klimaverträglichkeit mit einbeziehen. Dies betrifft den einzelnen Bürger und die Bürgerin ebenso wie Großunternehmen und den Staat", so Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamts. Materialien zum Workshop und Hintergrundinformationen sind im Internet unter www.wasklim.de oder www.anpassung.net verfügbar. Grünes Band Europa erhalten. Lebensräume seltener Arten schützenBUND Pressemitteilung, 23.4.08Berlin/Nürnberg: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat an die bayerische Landesregierung und die tschechische Staatsregierung appelliert, das 346 Kilometer lange Naturbiotop „Grünes Band“ an der früheren Grenze zwischen Tschechien und Bayern als Teil des europäischen Naturerbes zu erhalten. Die aneinandergrenzenden Nationalparke Sumava und Bayerischer Wald und eine Reihe größerer Waldgebiete, Fließgewässerkomplexe und Moore entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs böten Lebensraum für viele seltene Tierarten wie Schwarzstorch, Fischotter, Luchs oder Flussperlmuschel. Die geplante Erweiterung des Grenzübergangs zwischen Schwarzach in Bayern und Rybnik in Tschechien würde Rückzugsgebiete der gefährdeten Tiere weiter verkleinern und ihr Überleben gefährden. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser weitgehend unberührte Teil des Grünen Bandes, der wegen seines Naturreichtums auf bayerischer und tschechischer Seite als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen ist, durch den Ausbau von Grenzübergängen massiv beeinträchtigt wird. Im Mai findet in Deutschland die UN-Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt statt. Gastgeber Deutschland muss den tausenden internationalen Gästen auch im Falle des Grünen Bandes erst noch beweisen, dass es seinem selbst gesetzten Ziel, bis 2010 den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten, auch entsprechende Taten folgen lässt.“ In Zusammenarbeit mit Tschechien, Österreich, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien habe der BUND inzwischen Schutzstatus und Zustand eines 2095 Kilometer langen Abschnittes des Grünen Bandes Europa erfasst. Erst etwas mehr als die Hälfte stehe derzeit unter europäischem oder nationalem Schutz. Ein Fünftel sei bereits durch Ackerflächen zerstört. Neue Eingriffe drohten durch Straßen, Bahntrassen und weitere Bebauungen. Der BUND und sein bayerischer Landesverband Bund Naturschutz (BN) haben die bayerische Landesregierung und die tschechische Staatsregierung gebeten, die Initiative für ein Grünes Band Europa auch offiziell zu unterstützen. Diese einmalige Chance, ein hervorragendes Naturschutzprojekt entlang des früheren Eisernen Vorhang umzusetzen, dürfe nicht verschenkt werden. Gartenbau engagiert für ArtenvielfaltZentralverband Gartenbau und Bundesumweltministerium schließen Vereinbarung zum Umgang mit invasiven Arten.BMU Pressemitteilung, 23.4.08 Mindestens 150.000 Pflanzensorten werden im Gartenhandel angeboten. Einige sind uns von Kindesbeinen an vertraut - kommen aber eigentlich von anderen natürlichen Standorten. Rund 40 von ihnen können in die in Deutschland vorkommenden Ökosysteme und Biotope eindringen und dort die natürlicherweise vorhandenen Arten beeinträchtigen oder sogar verdrängen. Das Gefährdungspotential dieser so genannten "invasiven" Arten ist sehr unterschiedlich. Der Riesen-Bärenklau beispielsweise breitet sich inzwischen sehr aggressiv an vielen Flüssen und Bächen aus und verdrängt dort die angestammte Vegetation. Berührungen dieser Pflanzen können zu ernsten Gesundheitsbeeinträchtigungen führen. Andere, als invasiv eingestufte Arten sind bislang nur regional in der freien Natur zu finden. Für die insgesamt ca. 40 invasiven Arten haben der Zentralverband Gartenbau und das Bundesumweltministerium heute eine Vereinbarung abgeschlossen, die im Pflanzenhandel beachtet werden sollen. "Nur von ganz wenigen im Handel befindlichen Pflanzen geht eine Gefahr für die natürliche Tier- und Pflanzenwelt aus. Soweit dies im Einzelfall erforderlich ist, muss eine Weitergabe von Pflanzen durch Empfehlungen begleitet oder auch ganz verhindert werden", betonte Heinz Herker, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau. "Auf der UN-Naturschutzkonferenz im Mai in Bonn wird die Gefährdung von natürlichen Ökosystemen, Biotopen oder Arten durch invasive Tier- und Pflanzenarten ein Thema sein. Ich freue mich, den Delegierten die heutige Vereinbarung mit dem Zentralverband Gartenbau vorstellen zu können. Denn die Vereinbarung ist ein Beispiel dafür, wie unter Mitwirkung der Produzenten und des Handels eine Gefährdung der Natur angemessen aber auch effektiv beschränkt wird", sagte Jochen Flasbarth, Leiter der Abteilung Naturschutz im Bundesumweltministerium. Die Empfehlungen variieren je nach Gefährdungsumständen. Einige Arten, wie den Riesen-Bärenklau oder das Drüsige Springkraut haben die im Zentralverband organisierten Produzenten vor Jahren selbst aus dem Sortiment genommen. Diese Empfehlung wird auch an den Handel weitergegeben. Bei anderen Arten sollen die Kunden beraten werden, diese Pflanzen nicht auf bestimmten Standorten auszupflanzen. Damit kann eine Schädigung der Natur schon weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Die im Zentralverband zusammengeschlossenen Verbände werden darüber hinaus diese Maßgaben in ihrem Vertriebssystemen an den Kunden weitergeben. Bundesumweltministerium und Zentralverband Gartenbau appellieren an die Hobbygärtner und -gärtnerinnen, beim Kauf der problematischen Arten die Anpflanzungsempfehlungen zu beachten. Als wichtige und allgemein gültige Regel gilt darüber hinaus, Gartenabfälle nicht in der freien Natur zu entsorgen, um die Verbreitung invasiver Pflanzen nicht zu fördern. Eine Übersicht über die invasiven Pflanzenarten mit Bild und jeweiliger Handlungsempfehlung findet sich im Internet unter www.g-net.de/download/Empfehlungen-Invasive-Arten.pdf » zurück |
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