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Österreichisches Sägewerk in Rumänien
Schweighofer Holzindustrie: "Haben den Kampf mit der rumänischen Staatsbahn verloren"
Wirtschaftsblatt, 19.5.08
In Rumänien zu investieren, kostet viel Mühe und Energie, sagt der Holzindustrielle Gerald Schweighofer im Exklusiv-Interview, der dieser Tage sein zweites Sägewerk dort eröffnet.
WirtschaftsBlatt: „2,3 Millionen m3 Rundholz jährlich wollen Sie in beiden Werken in Rumänien verarbeiten. Sechs bis sieben Millionen m3 Nadelholzeinschnitt wird insgesamt in Rumänien produziert. Sie sind ein Riesenplayer im Land ...
Gerald Schweighofer: Ja, wir sind bei weitem der größte Player. Der zweitgrößte, eine arabische Gruppe, verarbeitet nur zehn Prozent unserer Menge. Wir werden unseren Umsatz auf 260 Mio. Euro verdoppeln. Etwa ein Viertel unseres Rundolzes müssen wir aber importieren, größtenteils aus der Slowakei und der Ukraine, auch aus Russland, da muss man immer sehen, wie sich das mit den Zöllen ausgeht. Etwa 1,8 Millionen Kubikmeter kommen aus Rumänien.
Wieso müssen Sie in einem waldreichen Land wie Rumänien Holz importieren?
Rumänien nutzt nur rund die Hälfte seines Waldzuwachses. Verlässliche Daten gibt es aber keine. Man könnte viel mehr aus dem Wald herausholen, aber es wird viel zu wenig durchforstet. Ein großes Problem ist da die Infrastruktur. Rumänien hat nur zehn Prozent der Lkw-befahrbaren Forststraßendichte von Österreich.
Es gibt zwar EU-Förderungen, damit Wälder erschlossen werden können, damit man mit modernen Maschinen schlägern kann, aber das wir noch ein mühsamer Weg, das dauert Generationen. Das hat in Österreich auch so lange gedauert.
EU-Förderungen: Seit dem Beitritt steht alles
Das Memorandum, das Sie der rumänischen Regierung vor Wochen übergeben haben, ging es da auch um die Erschließung der Wälder? (Das WirtschaftsBlatt berichtete)
Auch, ja. Dass sie endlich etwas machen. Vor dem EU-Beitritt hat es Förderungen für Forststraßen gegeben, seither geht nichts mehr weiter. Dieses Programm für den Bau von Forststraßen gibt es in ganz Europa, auch in Österreich gibt es Zuschüsse, nur in Rumänien nicht.
Warum nicht?
Weil nichts weitergeht in Rumänien! Es wird immer hinausgeschoben, die Rumänen geben Brüssel die Schuld, die Brüsseler den Rumänen und es passiert halt nichts.
Worum haben Sie angesucht?
Wir haben selber Wälder, die wir aufschließen wollen. Wir hätten Projekte mit Gemeinden, die interessiert sind, dass wir ihnen helfen, Straßen zu bauen und in Gebiete zu kommen, wo man derzeit nur mit dem Pferd hineinkommt. Derzeit wären etwa 2500 Kilometer Forststraßen für eine Förderung vorgesehen.
Schweighofer will seine Wälder in Rumänien erschließen
Wie viel Wälder haben Sie?
Wir haben Wälder in Tschechien und Rumänien, wo wir normale Forstwirtschaft betreiben. Wir haben immer schon Forstwirtschaft gehabt und die Wälder, die wir in Rumänien gekauft haben, sind alle nicht aufgeschlossen.
Dort, wo die Rumänen dazugekommen sind, wo es Straßen gegeben hat, haben sie schon sehr viel geschlägert. Teilweise illegal. Dort, wo es keine Straßen gibt, findet man große Reserven. Daher haben wir die Wälder dort gekauft, wo keine Straßen hineingehen.
Denn dort können sie momentan nichts stehlen. Derzeit muss man einen Wald auch bewachen. Bei uns in Österreich nicht. In Rumänien gibt es sehr viele arme Menschen, die fahren in der Nacht mit dem Pferdefuhrwerk in den Wald, schneiden ein paar Bäume um und erhalten so ihre Familien.
Die Mengen fallen ins Gewicht?
Na sicher.
20 Prozent illegale Holzschlägerungen in Rumänien
Die illegalen Schlägerungen hört man ja auch von Russland.
Auch von dort. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber ich schätze, dass die illegale Schlägerung in Rumänien um die 20 Prozent liegt.
Das hat mehrere Gründe: Die Korruption, die große Armut, es spielt alles zusammen.
Forststraßenbau kostet in Rumänien das doppelte
Wie wollen Sie Ihre eigenen Wälder erschließen?
Wir wollen Forstrassen nach österreichischem Modell bauen, das heißt, keine asphaltierten Straßen, die die Umwelt zerstören, sondern sehr gut befestigte Wege, auf denen LKWs, die das Rundholz abholen, sicher fahren können und die auch lange gut erhalten werden können. Sie müssen umweltfreundlich gebaut werden und auf die Landschaft Rücksicht nehmen.
Die Rumänen haben Forststraßen gebaut, die nicht umweltfreundlich waren. Es wurde die Natur zerstört, die Straßen waren beinahe wie Autobahnen so breit. Forststraßen waren in Rumänien eine öffentliche Straße, dadurch gab es auch andere Vorschriften. Selbst zur Überquerung kleinster Bäche mussten große Betonbrücken gebaut werden. Bei uns reicht es oft aus, das Bachbett mit großen Steinen zu befestigten, damit man nichts kaputt macht, wenn man durchfährt.
Dadurch kostet der Bau einer Forststraße in Rumänien auch das Doppelte oder Dreifache wie in Österreich.
Bei uns in Österreich hat sich da in den letzten zehn Jahren sehr vieles zum Positiven geändert.
Haben Sie mittlerweile nicht auch solche Kontakte in Rumänien, damit Sie da auch schulend eingreifen können?
Ja, wir haben jedes Jahr etwa 150 Forstleute aus Rumänien hier, um Ihnen die die österreichische Variante von Waldbau und Straßenbau zu zeigen. Und wir wollen dann auch in unseren Wäldern in Rumänien Exkursionen machen, wenn wir endlich die Forststraßen bauen können. Wir dürfen jetzt nach österreichischem Standard bauen, da haben wir die Bewilligung bekommen. Jetzt warten wir immer noch auf die Förderung.
Wie viel wird da gefördert?
Da gibt es auch jede Woche andere Informationen. Ungefähr 50 Prozent der Kosten.
EU-Förderungen sind für alle da - auch für Holzindustrielle
Braucht ein potenter Industrieller wie Schweighofer EU-Förderungen? Die nimmt er doch eventuell den Rumänen weg?
Der Großteil des Waldes ist sowieso Staatswald, die Restitution ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt große Eigentümer wie Gemeinden und Agrargemeinschaften, die bekommen wahrscheinlich Förderungen bis zu 100 Prozent.
Und dann gibt es den Großgrundbesitz, die Adeligen usw. Das System ist so angelegt, dass jeder in Europa Förderungen bekommt. Wir bekommen in Österreich oder Tschechien, wenn wir Straßen bauen, genauso die Förderungen.
Es gibt in Tschechien sogar wesentlich mehr Förderungen für den Forstbereich als in Österreich.
80 Prozent Ihrer Produktion gehen in den Export, stimmt das?
Derzeit ja, aber der Binnenmarkt wird auch in Rumänien wachsen und damit auch der Bedarf an Holz. Das ist ja ziemlich wie in Tschechien. Den ersten Betrieb haben wir dort schon 1993 übernommen, und da war es ähnlich. Das hängt mit der weiterverarbeitenden Industrie zusammen, wann die nachzieht.
Es kommen beispielsweise Fabriken, die für Verpackung und Transport ihrer Güter Paletten brauchen, dadurch entwickelt sich eine Palettenindustrie. Möbelfabriken brauchen dann beispielsweise Massivholzplatten und so weiter. Wenn die jetzt größer werden und moderne Maschinen haben, brauchen sie natürlich besseres Holz. Jetzt nicht nur von der Qualität her, sondern auch von der Bereitstellung her. Just in Time ist ja in Rumänien noch ein Fremdwort. Oder dass das Holz exakt geschnitten ist. Die Rumänen schneiden mit uralten Maschinen, die Schnittgenauigkeit ist schlecht. Wir können mit dem Holz so viele Sachen machen, dadurch kommt die weiterverarbeitende Industrie immer mehr zu uns und man macht dann Langfristverträge.
Rumänien: Binnennachfrage wird sich in 10 Jahren verdoppeln
Binnennachfrage steigt also, in welchem Zeitraum rechnen Sie mit der Verschiebung: Weniger Export, mehr in Rumänien?
In den nächsten zehn Jahren wird sich die Binnennachfrage verdoppeln.
Teuerstes Holz geht nach Japan
Gleichzeitig wollen Sie den Export in die umliegenden Länder aufbauen, was heißt das?
Jetzt ist das Hauptziel Japan, das ist auch der qualitätsmäßig anspruchsvollste Markt. Dadurch gibt es die Kombination. Nach Japan liefere ich das anspruchsvollste Holz, die nächste Stufe – das ist noch immer gute Qualität – ist das ideale Produkt für diese aufstrebenden Länder. Für die ist das immer noch Super-Qualität, sie brauchen aber nicht die teure Ware, die Japan braucht. Japan ist das teuerste Segment. Zum Schluss gibt es dann die minderen Qualitäten – zum Beispiel für Paletten.
Was sind die umliegenden Märkte?
Ukraine, Slowakei, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Türkei. Alles was angenehm mit dem Lkw zu beliefern ist und wo wir konkurrenzfähig gegenüber Österreich und Tschechien sind.
Schweighofer transportiert fast alles mit dem Lkw
Stichwort Lkw. Holz wäre ja ein Klassiker für den Transport mit der Bahn, benutzen Sie die rumänische Staatsbahn?
Wir haben erst gestern (Mittwoch, 14.5.) wieder einen Kampf mit der Bahn verloren. Das ist ein Monopol und wir sind gestern von der Eisenbahn erpresst worden.
Es wird immer gesagt, dass der rumänische Eisenbahnmarkt liberalisiert ist, also es kann jeder fahren, wo er will. Wir haben nach langer Zeit einen Privatoperator gefunden, der von der Ukraine Rundholz zu unserem Werk bringt und das wesentlich günstiger als die Staatsbahn. Wir haben die ersten zehn Waggons importiert und daraufhin hat die rumänische Staatsbahn alles blockiert, den ganzen Transport, auch unseren Transport mit der Spedition Schenker, der mit der Lieferung von der Ukraine nichts zu tun hatte. Unser ganzer Containertransport geht mit Schenker und Kühne & Nagel. Es wurde alles blockiert. Es ist alles gestanden. Das halten wir nur eine Zeit lang aus. Wir haben zusammen mit dem Österreichischen Botschafter und der Aussenhandelsstelle bis zum Minister interveniert. Keine Reaktion. Gestern, Mittwoch haben wir den Kampf verloren. Wir mussten den Privatoperator hinauswerfen. Das ist reine Erpressung, das ist politisch.
Rumänische Bahn: Kleines Service, großer Preis
Was ist denn bei der Bahn so furchtbar?
Die Bahn in Rumänien versucht mit aller Macht, das Monopol zu erhalten. Und auf solchen Wegen. Sie hat kein Service, keine Waggons, keine Logistik. Und die Frachtkosten sind so explodiert. 2004 haben wir in Rumänien begonnen, da haben wir die ersten großen Mengen an Schnittholz nach Westeuropa, Griechenland, Österreich, Italien exportiert – 90 Prozent davon mit der Bahn. Ein Jahr später waren es nur mehr 60 Prozent. Derzeit ist es Null. Alles geht mit dem Lkw. Es geht unmöglich mit der Bahn. Sie hat ein katastrophales Service. Und die Preise - die Frachtkosten der Rumänischen Bahn nach Griechenland sind verglichen mit den Preisen der ÖBB doppelt so teuer. In Österreich gibt es aber ein Super-Service.
Schweighofer will weiterhin mit Privatoperator fahren
Was sind Ihre nächsten Schritte?
Wir versuchen weiterhin, wo es geht, mit Privatoperatoren zu fahren. Wenn das durchgeht, dass ein Minister erlaubt, dass ein Unternehmer erpresst wird und nichts gemacht wird, nur weil momentan Wahlkampf ist, wo hört das dann auf?
Wir haben einen Vertrag mit Schenker für die Containertransporte, der hatte mit dem Rundholzimport aus der Ukraine und überhaupt mit der Bahn nichts zu tun – und trotzdem haben sie den ganzen Schenker unten lahmgelegt, nur weil wir einen Privatoperator hatten. Dabei hat Schenker einen Zug-Vertrag mit einer rumänischen Bahn-Tochterfirma und trotzdem hat die Generaldirektion von der Bahn und das Ministerium alles lahmgelegt.
Wie lange ist die Partie gestanden?
Eine Woche
Wie geht es weiter?
Gestern haben wir den Privatoperator hinausgeschmissen und müssen jetzt wieder mit der Bahn zu höheren Preisen transportieren. Es bleibt uns nichts anderes über beim Rundholzimport. Aber wir wissen jetzt: Wenn denen etwas nicht passt, blockieren sie alles und die Politik schaut zu.
Memorandum: Dürftige Reaktion bis jetzt
Was war die Reaktion auf das Memorandum?
Die ARIS, die Investagentur hat geantwortet. Ein wenig beleidigt und erstaunt, was man alles von ihr will. Wir haben nachgelegt und genau definiert, was wir uns vorstellen, dass so eine Agentur tun soll. Jetzt vor ein paar Tagen haben wir die Antwort bekommen mit einer Auflistung, wie Projekte abzuwickeln sind. Das wollten wir schon im November haben.
Positiv war aber in erster Linie die Entwicklung bei der Beratung zum Grünstrom. Wir erzeugen ja in unseren Werken mit KW-Anlagen Wärme und Strom aus Rinde. Bis dato war ungeklärt, wo man Grünstrom einspeisen darf, dass man dafür Zertifikate - garantierte Einspeisetarife - bekommt. Da gibt es zwischen der EU und Rumänien Unklarheiten. Und da gab es Bewegung. Der Assistent des Premierministers hat sich als einziger wirklich sehr bemüht.
Wahlkampf in Rumänien blockieren alles
Wo geht nichts weiter?
Momentan geht gar nichts weiter, weil alle im Wahlfieber sind. Im Juni sind jetzt die Gemeinderatswahlen, im Herbst Parlamentswahlen. Es geht jetzt nur um Wahlveranstaltungen und um Geld für Unterstützungen, alles andere ist uninteressant.
Blockiert das Projekte von euch?
Wir haben nichts akut anstehen, aber eigentlich blockiert es alles. Die ganze Bürokratie ist ein Horror, es passiert nichts, dass die Abläufe besser werden. Gesetze sind teilweise Willkür. Es kennen sich viele Leute nicht aus. Prozesse dauern Jahre.
Eine Tapferkeitsmedaille für jeden Unternehmen , der sich dorthin wagt?
Es ist viel Idealismus dabei, sonst geht es eh nicht.
Aber die Margen stimmen nach wie vor?
Ja, aber man soll die Energie nicht unterschätzen. Man hört das auch von Russland. Die Energie, die aufgewendet werden muss in so einem Land, ist, verglichen mit Österreich, wesentlich höher. Jeden Tag ist etwas anders. In Russland ist die Willkür noch ärger.
Russland und Exportzölle: Ausnahmen für Chinesen - angeblich
Russland und Zölle. Man hört, die Exportzölle, die Russland seit über einem Jahr einhebt, zeigen Wirkung auf die russische Forstindustrie?
Die Schlüsselfrage bei Russland ist: Was machen die Russen mit China? Es gibt Gerüchte, dass die Chinesen einen Sonderdeal haben und keine Zölle zahlen müssen, z.B., wenn sie selber das Holz bearbeiten oder wieder exportieren. Da gibt es aber die unterschiedlichsten Informationen und Gerüchte.
Bewahrheitet sich das Gerücht, was hieße das dann?
Dann wollen die Russen irgendetwas in ihrer Beziehung mit China stärken. Das sind keine Mammutwerke, die die Chinesen haben. Sie sind flexibel und arbeiten in kleinen Einheiten. Sie gehen über die Grenze nach Russland, stellen primitive Sägen auf und schneiden das Holz ganz leicht zusammen, auf beiden Seiten des Stammes, sodass ein Kantholz mit runden Ecken entsteht und exportieren es nach China. Das hat es früher auch schon gegeben, in Tschechien zum Beispiel.
Der Punkt ist der: China importiert 25 Millionen Festmeter aus Russland und ist damit der größte Holzabnehmer Russlands. Wenn der Zoll für China nicht gilt, dann verändert das den Warenfluss natürlich nicht. Dann treffen die Exportzölle natürlich nur die Europäer, die Finnen und baltischen Länder extrem, Österreich weniger...
Holzpreis: Mitteleuropäern ist es zu gut gegangen
Wie wird sich der Holzpreis entwickeln?
Es ist die ganze Holzwelt durcheinandergeraten. Die letzten 15 Jahre ist es uns Mitteleuropäern zu gut gegangen. Da haben so viele Rahmenbedingungen gestimmt, dass jeder verdient hat und Überkapazitäten entstanden sind. Genügend Rohstoff war da, durch guter Preis oder aufgrund von Windwürfen. Die Rohstoffversorgung war nicht das Problem. Dann haben auch die Währungen gestimmt.
Platzen der Immoblase in Nordamerika war abzusehen
Wir haben den Export – wir waren die ersten mit Japan. Wir haben begonnen, dass man Holzmengen von den Gebieten, wo wir bis vor 15 Jahren geliefert haben, reduziert haben und neue Märkte erschlossen haben, das waren Asien und Nordamerika. Es hat alles gepasst, die Frachten, die Währungen, in Amerika und Asien war alles OK, genügend Rohstoff war da.
Es war immer zu erwarten, dass das irgendwann einmal anders geht. Jeder hat gewusst, dass in den USA eine Immobilienblase existiert, die platzen kann, dass sich der Euro zum Dollar ändern wird, die Schiffsfracht und so weiter.
Nordamerikanischer Markt für Mitteleuropäer vorerst passé
Wie geht es weiter?
In USA und Kanada wird sich bis Ende 2009 die Situation nicht maßgeblich verbessern. Die Preise sind dort zwar ein wenig gestiegen, es wird dort aber auf geringem Niveau weitergehen. Aber Europa wird seine Überkapazitäten nicht dorthin abfließen lassen können. Außer es ändert sich spontan. Aber drüben ist ein Überangebot da. Der Hausmarkt wird auch nicht so schnell reagieren, es wird lange dauern, bis man wieder auf die Rekordhöhen – wenn überhaupt – kommen wird. Es war ja sehr viel Spekulation dabei. Die 2,4 Millionen Neuhausbauten pro Jahr wird man lange nicht mehr sehen. Japan ist auch gebremst. Der Hausmarkt wird den Zuwachs nicht haben, die Bevölkerung wächst nicht.
Vorteil: Holzverknappung hilft Europa
Was heißt das?
Es gibt Überkapazitäten in Europa. Die Holzmärkte bei uns werden unter Druck bleiben. Was Europa nur helfen kann, ist, dass es eine Verknappung bei Holz gibt. Und die wird es bei Sägerundholz in ganz Europa geben, Es werden die Rundholzpreise steigen. Dann normalisiert sich die Situation vielleicht wieder: Steigen die Rundholzpreise, wird die Kapazität zurückgenommen, aus Zwang.
Früher hat gegolten: Wird unser europäisches Schnittholz zu teuer, kommen Unmengen von Amerika herein und von Russland. Und das stimmt heute nicht mehr.
Amerikanisches Holz ist derart billig, dass es keine großen Warenströme von dort nach Japan oder Europa gibt.
Wir machen uns selber den Preis. Für den Mittleren Osten, Europa und Japan machen die Europäer den Preis, nicht die Amerikaner oder Russen. Dadurch ist die Gefahr nicht da, dass wir verlieren, wenn die Industrie den Preis in den Keller treibt.
Gerald Schweighofer: Holzindustrieller, Waldbesitzer, Immobilieninvestor
1998 macht der heute 50-jährige Waldviertler sein Sägewerksunternehmen, das größte des Landes, zum global player. Der gewiefte Geschäftsmann und schnelle Kopfrechner fusionierte mit der finnischen Enso Timber und zählte ab da zu den Top-3 weltweit.
2001 verkaufte er die Anteile, lukrierte laut Medienberichten 200 Millionen € und investierte 2002 in ein Sägewerk in Rumänien.
Zweites Standbein ist das Immobiliengeschäft. Einige Immo-Perlen sollen sich im Portfolio befinden, darunter das Wiener Palais Carl Ludwig, Sitz der Schweighofer-Gruppe.
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