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Aktuell

Deutsche Artenvielfalt

Bundesregierung muss Buchenwälder schützen. Holzeinschlag gefährdet Arten

BUND Pressemitteilung, 21.5.08

Berlin/Bonn: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, umgehend ein nationales Buchenwaldschutzprogramm zu starten. Ein Viertel der weltweiten Buchenwaldbestände sei ursprünglich in Deutschland beheimatet gewesen. Für den Erhalt der letzten Bestände trage die Regierung deshalb eine besondere Verantwortung. Derzeit seien lediglich 0,4 Prozent der Buchenwälder von der Holznutzung ausgenommen. Insgesamt seien hierzulande über 90 Prozent der Wälder in einem naturfernen Zustand und in Bezug auf die biologische Vielfalt verarmt. Der Umweltverband forderte, bis zum Jahr 2010 ein Zehntel der gesamten Waldfläche Deutschlands aus der wirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen und mehr Schutzgebiete in den Wäldern einzurichten.

„Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinen winzigen Schutzgebieten schlecht da“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. „Nur durch große und zusammenhängende Schutzgebiete können die bedrohten Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Vor allem die Bundesländer sind gefordert, die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt umsetzen und mehr Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern.“ Ein wichtiger Schritt wäre zum Beispiel die Einrichtung eines Nationalparks im nördlichen Steigerwald in Franken.

Der BUND kritisierte den Deutschen Forstwirtschaftsrat scharf, der die Ausweisung neuer Schutzgebiete und mehr Naturschutz im Wald ablehnt. Anders als von der Holzwirtschaft behauptet sei mehr Holzeinschlag in den Wäldern kein Mittel zur Sicherung der biologischen Vielfalt. Seit dem Anstieg der Holzpreise beobachte der BUND insbesondere in alten Buchenwaldbeständen massive Holzeinschläge. Diese alten Waldbestände seien für den Erhalt der Artenvielfalt jedoch von zentraler Bedeutung.

László Maráz, BUND-Waldexperte: „Die von der Forstwirtschaft so genannte multifunktionale Forstwirtschaft leistet nicht den geringsten Beitrag zum Artenschutz. Im Gegenteil: Massive und zum Teil raubbauartige Holzeinschläge in älteren Laub- und Buchenwaldbeständen machen die Forstwirtschaft nach der Landwirtschaft zum Hauptverursacher des Artenverlustes in Deutschland.“ Der Raubbau an den staatlichen Buchenwäldern müsse sofort gestoppt werden.

Der BUND forderte den Deutschen Forstwirtschaftsrat außerdem auf, endlich die nationale Biodiversitätsstrategie zu akzeptieren. „Wie soll auf der UN-Naturschutzkonferenz von den anderen Ländern der Welt glaubwürdig der Erhalt ihrer Urwälder gefordert werden, wenn der deutsche Forstwirtschaftsrat nicht einmal bereit ist, auch nur zwei Prozent der deutschen Landesfläche für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zur Verfügung zu stellen?“, fragte BUND-Chef Hubert Weiger.


NABU: Rettung der biologischen Vielfalt durch starkes Umweltgesetzbuch erforderlich

Miller: Kein finanzieller Ablasshandel für Naturzerstörung

NABU Pressemitteilung, 20.5.08

Bonn – Anlässlich des Verhandlungsbeginns der internationalen Naturschutzkonferenz in Bonn hat der NABU erneut vor einer Verwässerung des deutschen Naturschutzrechts gewarnt. Der Entwurf des neuen Umweltgesetzbuches soll vermutlich noch in dieser Woche an die Länder und Verbände versandt werden. „Die Regierungsfraktionen und das Kanzleramt sind gut beraten, keinerlei Absenkung der deutschen Natur- und Artenschutzstandards zu dulden. Sie gefährden sonst die deutsche Verhandlungsposition in den internationalen Gesprächen“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die minimalste Anforderung an das neue Umweltgesetzbuch sei, dass sich der rechtliche Schutz von Natur und Arten nicht noch weiter verschlechtere. Momentan habe man jedoch den Eindruck, dass ein einheitliches deutsches Naturschutzrecht gänzlich am Widerstand der Landwirtschaftslobby scheitern könnte.

Der NABU warnte insbesondere davor, die sogenannte Eingriffsregelung zu beschneiden. Sie sieht Ausgleichsmaßnahmen für zerstörte Naturräume vor. Bislang musste, wer Natur und Landschaft zerstört, auch direkt dafür sorgen, dass sie sich wieder an anderer Stelle regenerieren kann. Stattdessen sollen jetzt Ausgleichszahlungen für die Naturzerstörung ausreichen. „Ein finanzieller Ablasshandel ist das Letzte, was die Natur braucht. Das ist ein Stopfen ‚Schwarzer Löcher’ in den leeren Geldbörsen deutscher Verwaltungen anstelle realer Hilfen für unsere Umwelt. So konstruiert man den Abbau von Naturschutzstandards“, kritisierte Miller. Die Bundesregierung könne nicht gleichzeitig von Ländern wie Indien, China oder Brasilien den Schutz ihrer Natur- und Kulturlandschaften fordern, wenn sie ihre eigene Natur nicht ausreichend schütze.

Das mehrere hundert Seite starke Gesetzeswerk soll im Herbst verabschiedet werden. Der NABU hat jüngst mit einem „Masterplan 2010“ sofort umsetzbare Maßnahmen aufgezeigt, um den Artenverlust in Deutschland bis zum Jahr 2010 aufzuhalten. „Beim anstehenden Umweltgesetzbuch können alle Akteure zeigen, ob ihr Bekenntnis zum Schutz der biologischen Vielfalt mehr ist, als ein Papiertiger im Paragraphendschungel“, so Miller.


Gabriel: Vorschläge für umweltverträglichere Agrarpolitik müssen schnell umgesetzt werden

BMU Pressemitteilung, 20.5.08

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat die Vorschläge der Europäischen Kommission für eine Anpassung der EU-Agrarpolitik begrüßt: "Die Kommission hat die neuen Herausforderungen für eine zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft in Europa aufgegriffen. Klimawandel, der Verlust der biologischen Vielfalt, die Nutzung erneuerbarer Energien und ein gutes Wassermanagement sind Themen von herausragender Bedeutung, mit denen sich die Landwirte und die Agrarpolitik heute auseinandersetzen müssen."

Gabriel betonte, dass die Landwirtschaft einen entscheidenden Einfluss auf Natur und Umwelt hat. Biologische Vielfalt, Klima, Böden und Gewässer seien abhängig von einer nachhaltigen Bewirtschaftung und zugleich grundlegende Voraussetzungen für die Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Dies gelte nicht nur in Europa sondern weltweit. Gabriel: "Auch die derzeit in Bonn stattfindende UN-Naturschutzkonferenz befasst sich mit dem Thema Landwirtschaft. Die EU kann von anderen Ländern Bemühungen für eine umweltverträgliche Landwirtschaft nur erwarten, wenn sie selbst mit gutem Beispiel vorausgeht. Deswegen muss die EU-Agrarpolitik stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden."

Um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden sieht die Kommission in ihrem Verordnungsvorschlag u. a. vor, dass ein Teil der Direktzahlungen umgewidmet wird für Umweltprogramme und andere Maßnahmen für die Entwicklung ländlicher Räume. Diese Mittel sollen der Landwirtschaft helfen, sich neuen Gegebenheiten und Umweltherausforderungen zu stellen. Gabriel: "Angesichts der gestiegenen Agrarpreise sind Agrarsubventionen überholt. Eine Landwirtschaft für und mit der Natur verdient aber weiterhin Unterstützung."


EU-Kommissionspläne zur EU-Agrarreform sind Schritt in richtige Richtung

Seehofer muss Blockade aufgeben

BUND Pressemitteilung, 20.5.08

Brüssel/Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die heute veröffentlichten Reformvorschläge der EU-Kommission zur Neuverteilung der Agrarsubventionen begrüßt. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, sieht in dem Bekenntnis der Kommission zu neuen ökologischen Herausforderungen bei der jetzt geplanten Verteilung der Agrargelder einen Schritt in die richtige Richtung. Weiger: „Die Kommission stellt sich den Anforderungen des Klima- und Artenschutzes, indem sie künftig größere Anteile der Agrarsubventionen an konkrete Leistungen der Bauern im ökologischen Bereich binden will. Bisher erhalten weniger als zwei Prozent der Agrarbetriebe ein Drittel aller Direktzahlungen aus Brüssel, weil sie nicht nach Leistung, sondern nach Größe gefördert werden. Viele Großbetriebe profitieren derzeit von steigenden Getreidepreisen und benötigen diese Steuergelder gar nicht. Eine Bindung der Direktzahlungen an konkrete ökologische Leistungen ist überfällig.“

Deutschland erhält für die Landwirtschaft jährlich rund fünf Milliarden Euro aus Brüssel. Die Kommission will, dass künftig zehn Prozent davon innerhalb eines jeden Mitgliedsstaates für die umweltschonende und regionale Erzeugung von Agrarprodukten hoher Qualität eingesetzt werden können. Gleichzeitig soll damit auch die ökologisch sinnvolle Milcherzeugung in Grünlandregionen gefördert werden. Der BUND begrüßte dies und fordert die Bundesregierung auf, diese Regelung auf jeden Fall zu nutzen. Die ebenfalls vorgesehene Möglichkeit, dieses Geld für Ernteversicherungen einzusetzen, lehnte Weiger hingegen ab: „Statt weiter mit schweren Maschinen in industrieller Produktion ohne Rücksicht auf die Bodenfruchtbarkeit auf Höchsterträge aus zu sein, benötigt die Landwirtschaft Förderprogramme, um die Böden beständig gegenüber Klima bedingten Schwankungen zu machen.“

Positiv an den Kommissionsvorschlägen sei die künftig mögliche Umschichtung eines Teils der Direktzahlungen zugunsten von Klima-, Arten- und Gewässerschutz im Rahmen der ländlichen Entwicklung. Nach dem Willen der Kommission sollen die Hauptempfänger von Subventionen dazu einen größeren Beitrag leisten als Durchschnittsbetriebe. „Agrarminister Horst Seehofer darf diese Umschichtung der Gelder nicht länger blockieren. Sie werden dringend gebraucht, um adäquat auf die neuen Herausforderungen des Umweltschutzes zu reagieren. Auch die Bundesländer sind gefordert, besonders Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, endlich ambitionierte Programme für eine klimafreundlichere Landwirtschaft aufzulegen anstatt neue Massentierhaltungen zu fördern“, sagte Weiger.


NABU: Bund und Länder dürfen EU-Agrarreform nicht noch weiter verwässern

Tschimpke: Koalition der Besitzstandswahrer schadet der Agrarpolitik

NABU Pressemitteilung, 20.5.08

Anlässlich der heute veröffentlichten Gesetzentwürfe der Europäischen Kommission zum „Gesundheitscheck“ der EU-Agrarpolitik hat der NABU an die Landwirtschaftsminister in Bund und Ländern appelliert, die Initiative der EU als Chance für den ländlichen Raum konsequent zu nutzen. „Die unselige Koalition aus Besitzstandswahrern in Bund und Ländern schadet dem Umwelt- und Naturschutz und gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die EU-Kommission schlägt in ihrem Gesetzentwurf vor, die Umschichtung der Agrarzahlungen in die ländliche Entwicklung ab dem Jahr 2010 jährlich um zwei Prozent zu erhöhen, um damit zusätzliche Aufgaben des Natur- und Klimaschutzes im ländlichen Raum zu bewältigen. Dieser Vorschlag ist bereits im Vorfeld auf massiven Widerstand bei Minister Seehofer und seinen Kollegen in den Bundesländern gestoßen. Tschimpke: „Wer jetzt die Chance für eine nachhaltige ländliche Entwicklung nicht nutzt, der sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.“

Nach Auffassung des NABU gibt es keine Alternative zu einer grundlegenden Reform der Agrarpolitik. Angesichts der deutlich gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe sei die bisherige Begründung für die milliardenschweren Ausgleichszahlungen aus Brüssel hinfällig. Ferner habe die Abschaffung der Flächenstilllegung sowie die zunehmende Flächenkonkurrenz zwischen Energie- und Lebensmittelerzeugung eine erhebliche Nutzungsintensivierung zur Folge. Vor diesem Hintergrund sei es von entscheidender Bedeutung, die ländliche Entwicklung mit effizienten und finanzstarken Agrarumweltprogrammen auszustatten und alle Direktzahlungen an anspruchsvolle Umweltstandards zu koppeln. „Wenn es jetzt nicht gelingt, die EU-Agrarpolitik auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, ist ein zunehmender Artenschwund in der Kulturlandschaft zu befürchten“, so Tschimpke weiter. Eine Neuausrichtung der Mittel nach dem Prinzip „Geld gegen Leistung“ sei allein schon deshalb erforderlich, damit der Agrarhaushalt in den nächsten Jahren nicht für andere Politikbereiche genutzt werde.


Astrid Klug: die Menschen in den Städten für Erhaltung der biologischen Vielfalt gewinnen

Fachkonferenz "urban biodiversity and design" in Erfurt

BMU Pressemitteilung, 21.5.08

Auf die Bedeutung der Städte für die biologische Vielfalt hat heute die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Astrid Klug, aufmerksam gemacht. "Wir müssen vor allem die Menschen in den Städten für die Erhaltung der biologischen Vielfalt gewinnen, da wir ohne sie kaum erfolgreich sein werden", sagte Klug zur Eröffnung der Fachkonferenz "urban biodiversity and design" in Erfurt.

Mehr als die die Hälfte der Menschheit lebt mittlerweile in Städten und Ballungsräumen. Diese bedecken zwar weniger als drei Prozent Erdoberfläche, dort findet jedoch 75 Prozent des Verbrauches an natürlichen Ressourcen statt. "Wenn wir den Verlust der biologischen Vielfalt stoppen wollen, dann müssen wir also auch die städtischen Ballungsräume mit in die Gesamtstrategie aufnehmen. Dabei müssen wir die beiden Seiten der Medaille betrachten: Einerseits die Risiken, die das Wachstum der Städte für die biologische Vielfalt mit sich bringt, andererseits die Potenziale, die sich im städtischen Kontext für die Erhaltung ergeben", sagte Klug.

Deutschland hat in den Stadtregionen keineswegs überall Wachstum, sondern in einigen Regionen durchaus auch Schrumpfungsprozesse zu verzeichnen. "Schrumpfungsprozesse bieten die Möglichkeit, freiwerdende Flächen als Lebensraum der Natur zurückzugeben und dadurch zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen. Gleichzeitig wissen wir um die Probleme, die das anhaltende Städtewachstum weltweit nicht nur für die Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten mit sich bringt. Deshalb gehören die Chancen und Risiken, die mit der zukünftigen Entwicklung der Städte verbunden sind, auf die Tagesordnung der internationalen Verhandlungen der Vertragsstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt", sagte Klug.







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