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Invasion der Weberknechte
27. Mai, 2008
Invasion der Weberknechte
Frankfurt/Main (ap) - Sie sind das Gegenteil von Knut, Flocke und Co: Spinnen lösen bei den meisten Menschen keine "Ach, wie süß!"-Rufe und Kuschelreflexe aus, sondern eher Ekelschreie und Fluchtbewegungen.
Auch Menschen ohne Spinnenphobie dürften einen gehörigen Schrecken bekommen, wenn sie plötzlich vor einem Klumpen aus Hunderten langbeinigen Weberknechten stehen, der womöglich auch noch bedrohlich hin und her schaukelt. Die Chancen für ein solches Schockerlebnis stehen nicht schlecht, denn Deutschland erlebt seit einiger Zeit von Westen her eine regelrechte Invasion einer bisher unbekannten Weberknecht-Art.
"Die Tiere sind für den Menschen völlig harmlos", beruhigt Spinnen-Fachmann Axel Schönhofer. Der Doktorand der Mainzer Uni ist zusammen mit seinem Doktorvater Jochen Martens Experte für das neue Weberknecht-Phänomen, beide haben mit dem niederländischen Forscher Hay Wijnhoven einen wissenschaftlichen Artikel darüber geschrieben.
Etwa seit dem Jahr 2000 breitet sich die bisher noch nicht identifizierte Weberknecht-Art in Mitteleuropa aus. Bislang sind Tiere in den Niederlanden, im Westen Deutschlands, in Österreich und der Schweiz gesichtet worden. Woher sie kommen, ist noch genauso unklar wie die Frage, welche Folgen ihr Auftreten hierzulande für die heimische Tierwelt haben wird.
Klumpen aus Dutzenden bis Hunderten Tieren
"Man weiß nichts über sie", erklärt Spinnen-Forscher Peter Jäger vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. Fakt ist, dass die Tiere, die streng genommen keine Spinnen sind, sondern zu den mit diesen verwandten Spinnentieren zählen, bis zu 18 Zentimeter lange dürre Beine haben, vor allem in großen Ansammlungen auftreten und sich schnell vermehren. Gefunden wurden sie bisher auf Gebäudewänden oder seltener in felsähnlichen Biotopen in Wäldern.
Während die Jungtiere am Boden leben, ruhen die ausgewachsenen Weberknechte tagsüber vor allem in großen Klumpen aus Dutzenden bis Hunderten Tieren an leicht abgedunkelten Stellen in Mauerwinkeln, Hauswänden und unter überhängenden Dächern. Nachts schwärmen sie dann aus und begeben sich auf Jagd nach Futter.
"Sie sind absolut ungefährlich, denn sie haben keine Giftdrüsen", betont Spinnen-Experte Jäger. Von den Tieren gehe keinerlei Gefahr für Menschen aus, die größte Gefahr sei eine mögliche Verdrängung einheimischer Arten. "Wir können aber nicht in die Zukunft sehen, wie sich die Art ausbreiten wird", erklärt Jäger. Man vermutet, dass die Art eingeschleppt wurde, - woher, ist aber trotz intensiver Nachforschungen bisher unklar.
Verdrängungsgefahr für heimische Arten
Erstmals wurde die neue Weberknecht-Art im Oktober 2004 in der Nähe des niederländischen Nijmegen registriert. Ein Jahr später wurde auf einem nahe gelegen Industriegelände an einer Hauswand eine ganze Ansammlung bestehend aus Hunderten Tieren gefunden. Ab 2006 wurden die Tiere dann auch in Deutschland entdeckt: Bisher im Ruhrgebiet - etwa in der Ruine der Isenburg im Wald bei Essen -, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Auch in der Schweiz und in Österreich wurden bereits Exemplare der sehr vermehrungsfreudigen Weberknecht-Art gesichtet.
Die Spinnenklumpen sind allerdings schnell aus der Ruhe zu bringen: Kommt man ihnen etwa zu nahe, beginnen die Weberknechte, sich rhythmisch auf und ab zu bewegen. Bei sinkenden Temperaturen werden die Populationen immer kleiner. So wurden etwa an der Fundstelle bei Essen zunächst rund 570 Exemplare gezählt, von September bis Dezember wurden es aber immer weniger, und nach einigen Frosttagen waren alle Spinnen verschwunden.
Trotz hohen Ekelpotenzials müssen Menschen keine Angst vor den Langbeinern haben - bei ihren Verwandten sieht es da schon anders aus: Es sei durchaus möglich, dass die neue Art heimische Weberknechte verdrängen könnte, sagt Jäger.
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