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Update Fraport

Fraport buddelt fast ohne Protest

Von Stephen Wolf, Frankfurter Rundschau, 23.6.08

Knatternde Motorsägen, viel Schweiß und abgeklärte Arbeitsroutine: Die ersten Arbeiten für die umstrittene Landebahn im Kelsterbacher Wald haben begonnen. Der große Protest ist am Samstag ausgeblieben. Die Flughafenbetreiberin Fraport konnte ihre Vorarbeiten für die Landebahn ohne Störungen beginnen.

Nach Auskunft des Konzerns waren an diesem Tag bis zu 40 Landvermesser, Naturwissenschaftler und Bombensucher im Einsatz. Umweltaktivisten, die seit Mai ein Widerstands-Camp in dem Forst aufgebaut haben, sprachen von einem schleichenden Baubeginn, "und das obwohl die rechtliche Auseinandersetzung zum Flughafenausbau noch andauert".

Zwar gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung, aber mangels Mitstreiter mussten sich die Umweltschützer am Samstag darauf beschränken, die Arbeiten zu beobachten. Selbst der Kampfmittelräumtrupp konnte seine Arbeiten wie vorgesehen erledigen, obwohl zu diesem Zweck etliche Büsche und Bäume zerstört werden mussten. "Um mit Metalldetektoren den Wald gründlich abzusuchen, müssen wir den Boden frei machen, anders geht es nicht", sagte ein Mitarbeiter.

Gegner nicht mobilisiert

Die Arbeiten finden zum Teil auch auf dem Gebiet im Wald statt, wo die zwei Brücken vom Flughafengelände hin zur geplanten Landebahn gebaut werden sollen. In diesem Fall gehört etwa die Untersuchung des Grundwasserspiegels zu den Vorhaben der Fraport. Die Flughafenbetreiberin betonte am Samstag erneut, mit den Arbeiten würden keine "unumkehrbaren Tatsachen" geschaffen. Die Umweltaktivisten sehen das anders. So kritisieren sie etwa, dass am Samstag schon Frösche und Amphibien eingesammelt wurden, um sie an anderer Stelle wieder auszusetzen.

Trotz der Kritik bezeichnete Fraports Chefplaner Horst Amann den ersten Arbeitstag als erfolgreich. "Ich kann zwar die Motive der Aktivisten gut nachvollziehen, allerdings gibt es auch wirtschaftlich gute Gründe für den Ausbau." Erfreulich sei vor allem die Tatsache, dass es rund um die Arbeiten keine Eskalation gegeben habe. Sascha Friebe, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ökoflughafen und Bürgermeisterkandidat in Kelsterbach, räumte gegenüber der FR zwar ein "Mobilisierungsproblem" auf Seiten der Ausbaugegner ein. Aber der Vorsitzende der Interessengemeinschaft gab sich dennoch kämpferisch: "Im September sollen meinen Informationen zufaolge die richtigen Rodungsarbeiten beginnen. Bis dahin wollen wir die Bürger aufrütteln." Schon für das kommende Wochenende sei ein Sternmarsch aus der Region in den Kelsterbacher Wald geplant.

In einem Schreiben an die Bürgermeister in der Region will Ausbaugegner Friebe darauf hinweisen, dass mehr Widerstand in der Region auch auf die Richter in Kassel Eindruck machen könnte.

Der Verwaltungsgerichtshof will Anfang 2009 entscheiden, ob der Planfeststellungsbeschluss rechtsgültig wird. Etwa 250 Klagen aus Kommunen und von Initiativen liegen vor. Die jüngste Entscheidung der Kasseler Richter im Streit um die Arbeiten im Kelsterbacher Wald nannte Friebe "ein politisches Urteil", zugunsten der Fraport.


22. Juni, 2008

Campen gegen den Flughafenausbau

Frankfurt/Main (ddp-hes). Seit gut drei Wochen lebt Sascha Friebe im Kelsterbacher Wald. «Wir wollten vor Fraport auf dem Gelände sein», sagt der 51-Jährige, der sich mit rund 20 anderen Umweltaktivisten seit Ende Mai in einem «Widerstands-Camp» eingerichtet hat. Das Camp liegt genau in dem Waldstück, durch das der Flughafenkonzern die künftige Nordwest-Landebahn des Rhein-Main-Airports bauen will. Als Erste vor Ort zu sein ist den Naturschützern gelungen - aber am Samstag haben sie von der Fraport Gesellschaft bekommen, die mit den ersten Vorarbeiten für die neue Startbahn beginnt. Beide Parteien werden es mindestens vier Wochen miteinander aushalten müssen.

Denn so lange hat die Stadt Kelsterbach - noch Besitzerin des Waldstücks - die Protestaktion im Grünen genehmigt. Inzwischen wissen die Beteiligten allerdings nicht mehr so ganz genau, ob die Kommune das durfte. Beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel erwirkte der Konzern nämlich am 3. Juni die sofortige «Besitzeinweisung», womit Kelsterbach das Recht verlor, Fraport das Betreten des Waldstücks wie geplant zu verbieten.

Seit Samstag sind nun Fraport-Leute und Ausbaugegner gleichzeitig im Kelsterbacher Wald zugange. Die einen, Vermesser und Wissenschaftler, untersuchen in Hinblick auf eine Rodung und Bebauung den Forst auf Grundwasserbeschaffenheit und Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die anderen, von denen einige bei der Umweltvereinigung Robin Wood organisiert sind, halten ein halbes Dutzend Bäume besetzt und haben Mühe, die Lebensmittel zu verzehren, die ihnen von Bewohnern der umliegenden Gemeinden täglich vorbeigebracht werden.

«Hunderte haben uns besucht», erzählt Friebe. «Alle Orte hier sind gegen den Flughafenausbau, auch Kelsterbach.» Deswegen vermisst der 51-jährige Bauingenieur aus Walldorf einen bestimmten Berufsstand unter den Gästen: «Die Bürgermeister.» Die träten lieber vor Gericht auf, als sich auch mit heiklen Widerstandsaktionen solidarisch zu zeigen. «Da sind ihre Wähler weiter», folgert Friebe. Selbst der Kelsterbacher SPD-Stadtrat Manfred Ockel, der die Protestaktion im Wald genehmigte, habe sich nie blicken lassen, obwohl er am 17. August bei der Bürgermeisterwahl in der Kommune kandidiert.

Einen Kilometer vom Camp entfernt blickt ein junger Fraport-Vermessungsingenieur durch sein Nivelliergerät in den Kelsterbacher Wald hinein. Er bereitet eine Kartierung des Geländes vor. Ja, berichtet er, am Morgen hätten Camp-Leute vorbeigeschaut. Nein, gestört habe ihn niemand. Ob die Wissenschaftler, die in der Nähe Wasserproben ziehen, auch Besuch bekommen haben, wisse er nicht. Die Kollegen des Geodäten planen unter anderem die Umsiedlung geschützter Flora und Fauna. Nebenbei kommen, zur Wegeverbreiterung, auch mal Motorsägen zum Einsatz.

Die Umweltaktivisten nennen das: «Tatsachen schaffen.» Für den 19-jährigen Christian, der nach gerade beendetem Zivildienst sein Zelt hier aufgeschlagen hat, entsteht die neue Landebahn gegen jede Vernunft. «Und gegen die Menschen hier.» Deswegen, sagt der Stuttgarter, stelle sich für ihn die «Demokratiefrage». Sascha Friebe hat diese Frage für sich beantwortet. Anfang Juni hat der Bauingenieur in einer spontanen Drei-Tage-Aktion die nötigen Unterschriften von 74 Kelsterbachern gesammelt und kandidiert nun ebenfalls bei der Bürgermeisterwahl.

Ein älteres Ehepaar aus Walldorf hat mit den Fahrrädern vorm Camp angehalten und studiert die ausgelegten Flyer. Sie seien «auf jeden Fall gegen den Ausbau», sagen sie. Sie würden auch mal Lebensmittel hier vorbeibringen, hätten aber gerade erfahren, dass sich hier fast alle «vegan und bio» ernähren. Während sich die beiden noch beraten, diskutieren die Camp-Leute, ob sie das Plenum ausfallen lassen - zugunsten des leckeren Abendessens. Es gibt «Ravioli à la Bürgermeisterkandidat».


Fraport mit der Axt im Wald

Flughafenbetreiber bereitet Zerstörung des Kelsterbacher Waldes für den Bau der vierten Landebahn vor

ROBIN WOOD Pressemitteilung, 19.6.08

Ab kommendem Samstag darf Fraport mit vorbereitenden Maßnahmen im Kelsterbacher Wald für den Bau einer vierten Landebahn am Frankfurter Flughafen beginnen. Das hat das Darmstädter Regierungspräsidium Anfang der Woche erlaubt. ROBIN WOOD lehnt den Flughafenausbau ab, weil er den Klimakiller Flugverkehr fördert und den Kelsterbacher Wald zerstört. Die unabhängigen UmweltaktivistInnen, die seit dem 28. Mai aus Protest gegen den Bau der Landbahn Bäume im Kelsterbacher Wald besetzt halten, wollen ihre Aktion fortsetzen und freuen sich über weiteren Zulauf.

Bereits am Dienstag dieser Woche haben die BaumbesetzerInnen Waldarbeiter in einem Waldstück gesehen, das direkt an den noch der Stadt Kelsterbach gehörenden Wald angrenzt. Die Arbeiter durchsuchten das Gelände nach Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, entasteten Bäume in Bodennähe, vermaßen und markierten das Gelände. Diese Arbeiten will Fraport ab Samstag in das Waldgebiet ausdehnen, das noch der Stadt Kelsterbach gehört, für das Fraport aber eine „sofortige Besitzeinweisung“ erwirkt hat.

Der Zeitplan der Fraport sieht vor, die Vermessung und Untersuchung des Baugrundes sowie die Kampfmittelsondierung noch im August abzuschließen. Die besonders sensiblen Eingriffe in die Tier- und Pflanzenwelt des Waldes will Fraport ebenfalls bis Ende August vornehmen, um dann roden zu können. Ob diese irreversible Schädigung des Waldes dann tatsächlich geschehen darf, wird vor Gericht entschieden, weil die Umweltorganisation BUND dagegen klagt.

Die BaumbesetzerInnen sind in jedem Fall wachsam. „Es ist wichtig, dass sich jetzt viele Menschen dauerhaft hier im Wald aufhalten, um ihn zu bewachen und ihn so gut es geht zu schützen“, sagt ROBIN WOOD-Aktivist Christian Grodotzki, der sich an der Baumbesetzung beteiligt. Polizei und Stadt dulden die Baumbesetzung. Am Fuße der Bäume ist eine Mahnwache angemeldet.

Fraport will noch in diesem Jahr 250 Hektar Mischwald nahe Kelsterbach roden, um dort eine vierte Landebahn zu bauen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Bannwald und ein Schutzgebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Die neue Landebahn will Fraport spätestens im Winter 2011 in Betrieb nehmen und damit die Kapazität von bisher 500.000 auf mindestens 700.000 Flugbewegungen jährlich steigern.

Termine im Kelsterbacher Wald

  • Sonntag, 22. Juni ab 14:30 Uhr Kuchenstand der Bürgerinitiativen am Waldhäuschen. Ortsbeschreibung unter http://www.flughafen-bi.de, Stichwort "Monatlicher Treffpunkt im Kelsterbacher Wald: der Wider-Stand“
  • Samstag, 28. Juni, 19:00 Uhr, Vortrag vom Vorsitzenden der IG zur Bekämpfung des Fluglärms: „Von der Startbahn 18 West zur Airport-City Frankfurt“. Anschließend Diskussion und Öko-Wein
  • Sonntag, 29. Juni, Sternfahrt aus der Rhein-Main-Region zu den UmweltaktivistInnen im Kelsterbacher Wald








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