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Aktuell

Borkenkäfer im Harz

Freitag, 18. Juli, 11:05 Uhr

Borkenkäfer drängt Fichtenbestand im Harz zurück

Ilsenburg (ddp-lsa). Der Borkenkäfer drängt die als Monokultur angelegten Fichten im Nationalpark Harz weiter zurück. Auch 2008 schädigte der sogenannte Buchdrucker wie schon in den vergangenen Jahren die durch Trockenheit geschwächten Fichten, teilte der Nationalparkleiter Andreas Pusch am Freitag in Ilsenburg mit. Der Befall werde in diesem Jahr noch zunehmen, prognostizierte Pusch. Lediglich in einer 500 Meter breiten Zone um den Nationalpark werde der Borkenkäfer konsequent bekämpft.

Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) äußerte Zuversicht, dass die Fachleute die Situation beherrschen. Allerdings müssten Bevölkerung und Touristen darüber informiert werden, um die Akzeptanz für die kahlen Flächen im Nationalpark zu erhöhen.

Im Harzgebiet werden bis zu zehn Arten des Borkenkäfers unterschieden. Der Buchdrucker kommt dabei mit rund 90 Prozent am häufigsten vor. Er befällt mit Vorliebe Fichten ab einem Alter von 60 Jahren. In Sachsen-Anhalt sind laut Landesbetrieb für Privatwaldbetreuung und Forstservice derzeit etwa 90 000 Festmeter Holz vom Borkenkäfer befallen.


Wälder werden von Borkenkäfern bedroht

Fichten sind in Gefahr - Für Entwicklung der Schädlinge derzeitiges Wetter ideal

Wernigerode (dpa) - Kleiner Käfer, große Gefahr: Die Fichtenwälder in Sachsen-Anhalt sind auch in diesem Jahr von einer Borkenkäfer-Plage bedroht. «In den kommenden Jahren werden die Probleme durch die Käfer noch zunehmen. Das Waldbild wird noch mehr von abgestorbenen Bäumen geprägt sein», sagte der Leiter des Nationalparks Harz, Andreas Pusch, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch für den Tourismus könne dies ein Problem werden. Da der Fichtenbestand langfristig stark zurückgehen werde, haben Mitarbeiter des Nationalparks begonnen, auch junge Buchen zu pflanzen.

Normalerweise könnten sich Fichten mit dem für die Käfer giftigen Harz gegen das Ungeziefer wehren. «Bei einer Massenvermehrung wie im Moment kann die Fichte jedoch nur wenige Käfer abwehren. Die geschwächten Bäume produzieren nur wenig Harz, da sie dafür viel Wasser brauchen», sagte der Parkleiter. Für die Entwicklung der wenige Millimeter großen Schädlinge ist das warme und trockene Wetter ideal. Neben dem Klimawandel habe der Mensch das Problem verstärkt. Die Fichten seien früher als Brennstoff für die Ilsenburger Eisenproduktion gepflanzt worden, obwohl sie nicht heimisch waren.

Forstbetriebe und Umweltschützer helfen dem Wald nun, indem sie die befallenen Bäume fällen und abtransportieren. In diesem Jahr seien bereits Fichten auf einer Fläche von 40 Hektar gefällt worden. Im gesamten Jahr 2007 waren es rund 100 Hektar. Außerdem werden Käferfallen mit Lockstoffen eingesetzt, mit denen sich außerdem in etwa die Stärke des Befalls ablesen lässt.

Im Zentrum des Nationalparks würden die Käfer nicht aktiv bekämpft. «Hier werden in absehbarer Zeit viele tote Bäume zu sehen sein», sagte Pusch. Für den Naturschützer ist das eine interessante Entwicklung, da sich so eine ganz neue Flora und Fauna entwickle. Für Wanderer und Touristen dagegen sei dieser Anblick oft befremdlich. Sie empfänden es als «unaufgeräumt» und unschön. Auch die Spuren der Waldschützer seien für sie oft ein Ärgernis, da diese mit ihren schweren Fahrzeugen die Wanderwege zerstörten.

In dem 25 000 Hektar großen Nationalpark Harz läuft bereits seit mehreren Jahren ein Programm zum Waldumbau. Auf rund 90 Prozent der Fläche sollen Fichten nach und nach durch Laubbäume ersetzt werden.


Wettlauf gegen Buchdrucker

Die Borkenkäfer werden bekämpft - Kahlschlag und zerfahrene Wege

Von Hendrik Kranert, Mitteldeutsche Zeitung, 18.07.08

Wernigerode/MZ. Den 18. Mai dieses Jahres wird Henning Scheithauer wohl nie vergessen. Kleine schwarze Wölkchen standen über den Wiesen im Revier des Försters in Nationalpark Harz: "Solche Schwärme an Borkenkäfern habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht gesehen", sagt Scheithauer. Das sind immerhin 37 Jahre. Milliarden Käfer

Inzwischen haben es sich die Milliarden junger Käfer in den Fichten gut gehen lassen - unter der Rinde wächst die nächste Generation heran. Nationalpark-Chef Andreas Pusch hat derzeit alles an Personal im Wald, was laufen kann, um neue Befallsstellen zu finden. Dann bleibt nur wenig Zeit, die Bäume zu schlagen, um eine weitere Ausbreitung des nur fünf Millimeter kleinen Fressmonsters zu verhindern. Denn ein einziges Käferpaar ist in der Lage, bis zu einer Millionen Nachkommen zu zeugen.

Gefällt wird allerdings nur in großen Fichtenbeständen der Entwicklungszone und in den Außenbereichen des Parks. Die Kernzone bleibt tabu. Dennoch sind die Folgen der intensiven Käferbekämpfung an vielen Orten im Nationalpark sichtbar: Gewaltige Kahlschläge und zerfahrene Waldwege, die nur nach und nach instand gesetzt werden können. "Wir können die Besucher nur um Verständnis bitten", sagt Pusch. 40 Hektar sind in diesem Jahr bereits gefällt worden. Im Gegensatz zu 2007, wo es insgesamt 100 Hektar waren, klingt das wenig. Doch die zweite Generation Buchdrucker, wie der Käfer auch genannt wird, ist erst in den kommenden Wochen flügge und wird ausschwärmen - zu den noch unbefallenen Fichten.

Es ist daher ein Wettlauf mit der Zeit, den Pusch und dutzende Forstarbeiter mit Kettensäge und schwerer Technik führen, doch derzeit sieht es aus, als würden sie ihn verlieren: Früher, so Pusch, da waren die Entwicklungsstadien der Käfer streng abgegrenzt, in abgeschälten Rinden vertrockneten die Larven. Heute finden sich in den typischen Fraßgängen unter der Borke der Fichten alle Entwicklungsstadien der Käfer. "Ursache dafür ist der Klimawandel und die dadurch bedingte Schwächung der Fichten gegen Schadstoffe", sagt Hans-Ullrich Kison, der wissenschaftliche Leiter des Parks. Gesunde Fichten bekämpfen die Käfer mit ihrem Harz. Doch gerade die Fichten in den unteren Lagen bis 700 Meter sind alles andere als gesund: Die Fichte gehört hier eigentlich nicht her, der Mensch hat sie vor 250 Jahren angefangen zu pflanzen. Der Brotbaum der Waldwirtschaft wächst schnell und befriedigte so den gewaltigen Bedarf von Bergwerken und Köhlereien. Heimisch ist die Fichte dort, wo es kühl und feucht ist - doch auch knapp unter dem Brockengipfel macht sich der Klimawandel bemerkbar: Auch hier fehlt den Bäumen zusehends die Kraft, sich gegen den Käfer zu wehren.

Die Folgen: riesige Flächen, auf denen tote, nadel- und rindenlose Stämme silbrig in der Sonne glänzen. "Wir müssen die Besucher an das Bild großer, abgestorbener Bestände gewöhnen", sagt Pusch. Das Echo von Wanderern und Naturfreunden ist geteilt: Zwar gebe es immer mehr Besucher, die dies als "interessante Entwicklung" betrachten, so Pusch. Doch viele Gäste wenden sich mit Schaudern ab. Mögliche Folgen für den Tourismus und damit die Wirtschaft im Harz sind noch nicht absehbar.

Fichte kontra Buche

So paradox es klingt: Zumindest in Teilen des Parks ist das Absterben der Fichten sogar hilfreich - bei der Rückkehr zu einem naturnahen Buchen-Mischwald mit vielfältiger Vegetation. Denn derzeit bestehen nur 18 Prozent des Parks aus Mischwald - naturnah wären 68 Prozent. Freilich vollzieht sich der Waldumbau nicht ohne menschliche Hilfe: Die Buchen müssen meist gepflanzt werden - die Fichte ist trotz der für sie ungünstigen Klimaverhältnisse zu dominant.







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