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Radioaktive Pilze und Wildschweine

17. Juli, 2008

Bayerische Pilze weiterhin radioaktiv belastet

München (ddp-bay). 22 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind bayerische Pilze und andere Waldprodukte immer noch radioaktiv belastet. «Unsere Empfehlung bleibt nach wie vor, dass besonders die sogenannten Risikogruppen wie Kinder und Schwangere Waldpilze, Waldbeeren und Wildgerichte von ihrem Speiseplan streichen sollten», teilte das Umweltinstitut München am Donnerstag mit. Auch Folgeprodukte wie Heidelbeerjoghurt, Preiselbeermarmelade und ungefilterte Säfte aus Waldbeeren sollten gemieden werden.

Südbayern und der Alpenraum waren vom radioaktiven Niederschlag nach der Tschernobyl-Katastrophe vom April 1986 vergleichsweise stark betroffen, wie es weiter hieß. Vor allem im Westen, Süden und Osten Münchens könnten Röhrenpilze, wie Maronen und Semmelstoppelpilze, noch Werte deutlich über dem nach Tschernobyl festgesetzten Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse aufweisen. Bei Schwarzwild, das sich frei im Wald bewegen könne und nicht in einem Gehege gezogen werde, sei noch mehr Vorsicht geboten. Bei Wildschweinen seien schon Spitzenwerte von bis zu 70 000 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen worden. Wegen der langen Halbwertszeit von 30 Jahren des radioaktiven Cäsium-137 sei eine wesentliche Änderung der Situation auch in den kommenden Jahren nicht zu erwarten.

Einen Schwellenwert, wann die belasteten Speisen gefährlich werden können, gibt es nach Angaben von Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München, nicht. «Schlimmstenfalls kann die Radioaktivität im Körper Krebs hervorrufen», sagte sie auf ddp-Anfrage. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte so wenig wie möglich davon aufgenommen werden. Anhand der biologischen Halbwertszeit, also der Dauer, bis die Strahlung vom Körper wieder abgebaut wird, lassen sich die Auswirkungen konkret bemessen. So führt beispielsweise der Genuss von 500 Gramm mit 3000 Becquerel Cäsium-137 belasteten Pilzen zur gleichen Gesundheitsbelastung wie einmal Lungenröntgen.

Radioaktive Strahlen lösen laut Umweltinstitut in menschlichen Zellen eine Vielzahl physikalischer, chemischer und biologischer Effekte aus. So entstehen freie Radikale, die sich zu giftigen Verbindungen zusammenschließen und damit den Zellschaden verstärken. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche atypischen Zellen und zerstört sie. Versagen Reparatur- und Abwehrsystem - beispielsweise weil das Immunsystem geschwächt ist - werden die Veränderungen an die folgenden Zellgenerationen weitergegeben; der Schaden wird immer größer. Vor allem Kinder sind von Natur aus gefährdet: Während des Wachstums teilen sich Zellen häufiger; für die Reparatur einer geschädigten Zelle bleibt oft nicht genügend Zeit.

Wer die lokale Belastung der Waldprodukte erfahren will, kann sie weiterhin kostenlos vom Umweltinstitut untersuchen lassen.







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