|
 |
|
Aktuell
Mehr Kalkung für NRW
Mittwoch 19. November 2003, 09:19 Uhr
Kein nachhaltiger Trinkwasserschutz in NRW
Umweltministerin Bärbel Höhn rechnet sich den Wald im aktuellen
Schadensbericht gesund
Versäumnisse bei der Bodenschutzkalkung
drastisch zu Gunsten der Landesregierung geschönt
Nur 1/4 der
kranken NRW Wälder erhalten bisher ausreichenden Boden- und
Trinkwasserschutz
Bonn, Pressemitteilung (von wem? muss noch ermittelt werden)
Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) schönt
die Statistik bei den wichtigen Waldkalkungsmaßnahmen der
Landesregierung. Nach Aussagen der Ministerin bei der Vorstellung des
aktuellen Waldschadensberichts seien bisher fast die Hälfte (rund
440.000 ha) der 880.000 ha großen NRW-Wälder gegen die
Bodenversauerung und zum Schutz des Trinkwassers gekalkt worden.
Experten der Forst- und Wasserwirtschaft zufolge wurden in der so
genannten 1. Kalkungswelle in den zurückliegenden 12 Jahren 350.000
ha geschädigter Wald nicht gekalkt. Hinzu kommen weitere rund
600.000 ha geschädigter Wald im Rahmen der durchschnittlich alle zehn
Jahre erforderlichen Wiederholungskalkungen. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamts und nach Auswertung der
Forstamts-Ausschreibungen und Abrechnungen der an den
Bodenschutzkalkungen beteiligten Unternehmen in NRW wurden im
Zeitraum 1992-2003 lediglich rund 230.000 ha geschädigter Wald mit
rund 686.000 Tonnen gemahlenem Dolomitgestein (Naturkalk) gegen die
Auswirkungen der neuartigen Waldschäden gekalkt. Nach derzeitigem
Kostenstand trägt die Landesregierung für die rund 230.000 ha
lediglich 27% der Kosten für die Bodenschutzkalkungen. Der
überwiegende Teil wird von der EU, vom Bund und von privaten oder
kommunalen Waldbesitzern aufgebracht.
Derzeit sind landesweit aktuell rund 580.000 ha Wald geschädigt
und kalkungsbedürftig. Zieht man die mit Kalk behandelten 230.000 ha
ab, so bleibt für den o.g. Zeitraum (1992-2003) ein Kalkungssoll
(1.Kalkungswelle) von rund 350.000 ha Waldfläche in NRW. Durch das
Nichtkalken dieser so genannten Altlasten oder nicht gekalkten
Flächen hat die Staatskasse in Düsseldorf im Laufe der Jahre
insgesamt 17 Millionen Euro (27% von 63 Mio Euro ) eingespart, aber
gleichzeitig den Einsatz von rund 46 Millionen Euro an Zuschüssen für
den Boden- und Trinkwasserschutz in NRW verhindert. Den verschiedenen
Auswertungen zufolge werden in NRW statt der erforderlichen
jährlichen 60.000 ha (Mindestkalkung auf 10 Jahre gerechnet)
erheblich weniger geschädigte Waldflächen gekalkt. Im Jahre 2003
waren es z.B. nur 16.000 ha geschädigter Wald. Würde die
Landesregierung die derzeit rund 600.000 ha geschädigten
NRW-Waldflächen in einer 2. Kalkungsphase (Bodenschutz hält
durchschnittlich 10 Jahre) zum Schutz des Trinkwassers in Angriff
nehmen, müssten dafür von allen Beteiligten rund 108 Millionen Euro
(600.000 ha x 180 Euro pro ha) für den Kalkeinsatz aufgebracht
werden. Der Anteil der Landesregierung beträgt dabei insgesamt 30
Millionen Euro. Die anderen 78 Millionen Euro steuern EU, Bund und
private bzw. kommunale Waldbesitzer bei.
In einem angenommenen Kalkungszeitraum von 10 Jahren bei 60.000 ha
Waldfläche pro Jahr beträgt der Finanzanteil der Landesregierung
jährlich 3 Millionen Euro. Das entspricht rund 2% der aus dem so
genannten Wasser-Cent erwarteten Einnahmen in Höhe von jährlich 140
Millionen Euro. Würde die Landesregierung mit Blick auf einen
nachhaltigen flächendeckenden Boden- und Trinkwasserschutz auch noch
den 10%igen Anteil der privaten bzw. kommunalen Waldbesitzer etc.
übernehmen (pro Jahr 720.000 Euro), würden weniger als 3% der auf 140
Mio Euro geschätzten Wasser-Cent-Einnahmen in NRW für einen
umfassenden zukunftsorientierten Boden- und Trinkwasserschutz
ausreichen. Ein erster sinnvoller Schritt dazu wäre die
flächendeckende Bodenschutzkalkung in den NRW-Wäldern auf allen als
kalkungsbedürftig ausgewiesenen Flächen, insbesondere aber solche, in
denen Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen sind.
Bodenschutzkalkungen in NRW
Menge ( t ) gekalkte Flächen (ha) Wald-Schädigungen in %
1992 66.000 22.000 50%
1993 81.000 27.000 49%
1994 35.000 11.666 50%
1995 63.000 21.000 51%
1996 72.000 24.000 55%
1997 30.000 10.000 59%
1998 12.415 4.138 54%
1999 15.467 5.155 66%
2000 107.000 35.666 66%
2001 89.000 29.666 65%
2002 67.000 22.333 67%
2003 48.000 16.000 73%
685.882 t 228.627 ha
» zurück
|
|
|
 |
|
 |