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Buchen für den Urwald

170000 junge Buchen für den Urwald

Von MICHAEL HAMACHER, Kölnische Rundschau, 22.11.03

HÖFEN. Der Schutz hiesiger, weltweit einmaliger bodensaurer Buchenwälder gilt als das herausragende Ziel des Nationalparks Eifel. Dazu bedarf es aber des behutsamen Eingriffs der Forstwirte. Denn noch bestehen etwa 40 % des gesamten Walds aus Fichten, die aus wirtschaftlichen Gründen bereits vor gut 150 Jahren auf still gelegten Landwirtschaftsflächen und - später - Schadflächen des Zweiten Weltkriegs gepflanzt wurden. Die Entwicklung zum Buchenwald auf unbeeinflusstem Weg würde vermutlich mehrere Jahrhunderte dauern. Das gilt vorwiegend für den südwestlichen Zipfel des Nationalparks, der Region Wahlerscheid, die 95 % Fichten- und lediglich 3 % Buchenbestand aufweist.

Jetzt hat das Staatliche Forstamt Schleiden damit begonnen, der Entwicklung nachzuhelfen. Dazu sammelte das Forstamt 2002 rund 1,7 Tonnen Saatgut (Bucheckern) mit auf dem Boden angebrachten Netzen ein. Um das genetische Erbgut der einheimischen Buchen zu wahren, startete man die Sammelaktion in den Buchenwäldern bei Schmidtheim und Dedenborn. Der überwiegende Teil der Bucheckern wurde im Frühjahr ausgesät; der Erfolg erfüllte die Erwartungen aber nicht. Lediglich etwa zwei von 100 ausgestreuten Bucheckern konnten sich zu jungen Buchenpflanzen entwickeln. „Die übrigen schlugen nicht an oder wurden eine Beute der Wildschweine und - völlig überraschend - auch der Tauben“, gestand Forstdirektor Henning Walter bei einer Exkursion in das Gebiet Wahlerscheid ein.

Gleichzeitig beschritt das Forstamt jedoch einen zweiten, Erfolg versprechenderen Weg, indem eine Baumschule ab März 200 Kilo Saatgut zu kleinen Buchenpflanzen heranzog. Jetzt präsentieren sich die ersten Bäumchen in einer Größe von 30 bis 50 Zentimetern. „Nun pflanzen wir im Gebiet Wahlerscheid auf einem Hektar Wald rund 5000 Bäumchen ohne Verbundstruktur, weitere 5000 Setzlinge werden in Kürze hinzukommen“, umriss Walter die in Angriff genommene Pflanzaktion durch ausgebildete Forstwirte. Weitere 160 000 der trotz ihrer geringen Größe ziemlich robust erscheinenden halbjährigen Buchen, für die das Forstamt je Stück 16 Cent bezahlen musste, stehen zur Verfügung. Sie werden nach und nach im gesamten künftigen Nationalparkgebiet angepflanzt, vornehmlich jedoch im Wahlerscheider Forst.

Bis 2010 werden 600 000 gepflanzt

„Die Planungsstrategie sieht eine weitere Pflanzaktion für den Herbst 2004 vor, dann stehen ältere und größere Setzlinge zur Verfügung“, kündigte Walter an. Der angestrebte Umbau vom Nadel- zum Laubwald endet damit jedoch nicht. „Bis 2010“, so die zeitliche Planung des Forstamts, „werden wir im Nationalpark rund 600 000 junge Buchen angepflanzt haben.“ Auf diese Weise werden weite Gebiete des Nationalparks nach und nach wieder zu dem Wald, wie er sich vor der wirtschaftlichen Entwicklung der Eifel, beginnend mit dem Erzabbau, präsentierte. Die jetzt gepflanzten jungen Buchen finden im Schutz der Fichten ideale Wachstumsbedingungen. „Sie brauchen im Gegensatz zur standortuntypischen Fichte selbst viel Schatten; dabei führen die Buchen beileibe kein Schattendasein, denn sie entwickeln sich in diesem Umfeld ausgezeichnet. Die Fichte übernimmt quasi die Pflichten einer Stiefmutter für die Buche“, erklärten die Forstexperten. Um die jetzt gepflanzten jungen Buchen vor dem Verbiss durch Rotwild zu schützen, wurde das Anpflanzgebiet durch so genannte Hordengatter geschützt.


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