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Angst vor Hessens Forstreform

Im Wald herrschen Angst und Schrecken

Hessische Allgemeine, 22.11.03

KORBACH/FRANKENBERG. Das Programm „Sichere Zukunft“ sorgt im Wald für Angst und Schrecken. Für die Hälfte der 85 hessischen Forstämter und 600 der schätzungsweise 1300 Waldarbeiter sieht nämlich die Zukunft alles andere als sicher aus. Über den Ämtern und Mitarbeitern hängt das Damoklesschwert der Schließung oder drohenden Entlassung. Das Sparkonzept der Landesregierung sieht drastische Einschnitte vor.

Um die „lokale Betroffenheit“ in unterschiedlichen Teilen Hessens kennen zu lernen, suchen SPD-Landtagspolitiker das Gespräch vor Ort. Gestern diskutierten die heimischen Abgeordneten Hannelore Eckhardt und Reinhard Kahl sowie der forstpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Bernhard Bender (Vogelsbergkreis), in Korbach mit Bürgermeistern, Forstamtsvertretern, Privatwaldbesitzern und Personalratsvertretern über mögliche Konsequenzen des Programms „Sichere Zukunft“.

Die letzte Strukturreform hatten die hessischen Forstämter von 1996 bis 2001 erlebt. Damals wurde die Zahl der Ämter von 111 auf 85 reduziert. Noch heftiger traf es die Revierförstereien. Nach der ersten Reform blieben von 770 Dienststellen noch 664 übrig, von denen nun ein weiteres Drittel (220) wegfallen soll.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es acht Forstämter: Diemelstadt, Willingen, Vöhl, Edertal, Bad Wildungen, Frankenberg, Burgwald und Hatzfeld. „Ich fürchte, dass nur vier oder fünf Forstämter übrig bleiben“, sagte Reinhard Kahl. Auf eine Standortdebatte werde sich die SPD aber nicht einlassen.

Wegen des Nationalparks Kellerwald nehme Waldeck-Frankenberg eine Sonderstellung ein. „Schon aus Gründen der internationalen Anerkennung brauchen wir ein eigenes Nationalpark-Amt mit direkter Anbindung an der Ministerium“, betonte Kahl.

Hannelore Eckhardt bedauerte die „erhebliche Unruhe“, die die Pläne der Landesregierung bei den hessischen Forstmitarbeitern ausgelöst hätten. Neben der Holzproduktion erfülle der Wald auch wichtige soziale und touristischen Funktionen, strich Hannelore Eckhardt heraus.

„Der Wald gehört nicht der Geschäftsleitung von Hessen-Forst, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern“, erklärte der forstpolitische Sprecher Bernhard Bender. Den geplanten Abbau von 600 Waldarbeitern nannte er einen „schweren Eingriff in den ländlichen Raum“. Unrealistisch sei es, diese Mitarbeiter über eine Personalvermittlungsstelle an Landes- oder Kommunalverwaltungen delegieren zu wollen. „Forstleute müssen ihren Busch kennen“, betonte der gelernte Förster. Größere Reviere und deutlich weniger Mitarbeiter verbesserten nicht die Qualität der Arbeit.

Er habe nichts gegen eine „saubere Mechanisierung“ der körperlich schweren Arbeit im Wald, betonte Bernhard Bender. „Aber bitte keinen Raubbau an der Natur.“ In Russland oder Finnland erfolgten Kahlschläge mit Harvestern auf bis zu 50 mal 50 Kilometer großen Flächen. „Das wollen wir bei uns nicht“, so Bender.

Auch Reinhard Kahl sieht „keine Notwendigkeit, zu noch größeren Einheiten zu kommen“. Die aktuelle Zahl der Forstämter und Waldarbeiter gelte es zu erhalten. „Wir brauchen die Fachkräfte. Sonst haben wir zum Schluss viele Häuptlinge, aber keine Indianer mehr.“

Wenig Chancen sehen die SPD-Politiker offenbar für die von der Schließung bedrohte Waldarbeiterschule in Rhoden. Von den drei hessischen Lehrbetrieben in Diemelstadt, Weilburg und Schotten werde innerhalb der nächsten fünf Jahre nur einer übrig bleiben. „Nämlich Weilburg“, vermutet Bernhard Bender.

Wenn die auch in der Waldpädagogik vorbildliche Einrichtung in Rhoden tatsächlich geschlossen werde, müsse man befürchten, dass Minister Dietzel sich „gegen seinen eigenen Staatssekretär nicht durchsetzen kann“, stichelte Hannelore Eckhardt. (OFF)


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