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Stickstoff im Waldboden

Beim Stickstoff kann der Wald nicht mehr

Erkenntnisse zwingen zum Handeln

merkur-online, 28.11.03

Kranzberger Forst (ks) - Der "Jahrhundertsommer" in diesem Jahr sei auch am Wald nicht spurlos vorbei gegangen, berichtete Hans-Peter Dietrich von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Obwohl sich die Waldklimastation auf einem frischen Standort - das heißt, der Boden kann Wasser lange und gut speichern - befindet, hätten die Bäume zu kämpfen gehabt. Der Wasservorrat im Boden sei bis aufs Letzte ausgereizt worden, so Dietrich. Und der extreme Sommer machte den Gedanken an einen Spaziergang unter kühlem Blätterdach zur Farce: 37 Grad Celsius haben die Forscher im Schatten des geschlossenen Bestandes gemessen.

Lebensvorgänge am Minimum

Für einen Baum sei nicht entscheidend, wie viel es regne. Entscheidend sei, wie viel Wasser im Boden sei. Und das wurde knapp. "Die Bäume haben ihre Transpiration um 80 Prozent heruntergefahren." Die Lebensvorgänge seien auf ein Minimum reduziert worden. Zusätzlich kam durch eine sehr starke Fruktifizierung - es wurden enorm viele Früchte wie Bucheckern und Eicheln produziert - enormer Stress auf die Pflanzen zu. Doch die Buchen im Kranzberger Forst haben lange durchgehalten: "Anfang August waren die Bäume noch in Ordnung. Ende August haben sie gezeichnet und zum Teil grüne Blätter abgeworfen."

Die Böden versauern weiter

Seit 1994 existiert die Waldklimastation im Kranzberger Forst. Und es gibt signifikante Ergebnisse, die zum Handeln zwingen. Vor allem zwei gravierende Prozesse seien durch die Station feststellbar, berichtete Hans-Peter Dietrich: Nach wie vor werde eine zunehmende Versauerung der Böden, in erster Linie durch Nitrifizierung aufgrund des Stickstoffeintrags, beobachtet.

Wichtige Funktionen des Waldes, wie der Grundwasserschutz, würden durch zu viel Stickstoff zusätzlich stark beeinträchtigt: Die Kreisläufe im Ökosystem Wald vertragen nur ein begrenztes Maß des Elements. Sind sie gesättigt, können sie den Stickstoff nicht mehr verwerten, er kann nicht mehr gespeichert werden und wird ins Grundwasser ausgewaschen - die Nitrat-Problematik für das Trinkwasser ist vorprogrammiert. Ein Buchenbestand könne diesen Vorgang noch relativ gut abpuffern - "ein Fichtenstandort würde das nicht so gut schaffen". Schwefeleinträge über Abgase stellten kein großes Problem mehr dar, dafür werde eben der Stickstoff immer mehr.

Waldsterben löste Umdenk-Prozess aus

Das Waldsterben in den 80er Jahren war Auslöser für die Einrichtung von 22 Waldklimastationen in Bayern. Denn man hatte erkannt, dass Schadstoffeinträge insbesondere im Ökosystem Wald zu schwerwiegenden Veränderungen in biologischen, physikalischen und chemischen Abläufen führen, die die Lebensvorgänge negativ beeinflussen. Die Bayerische Staatsregierung erteilte den Auftrag, die Forschungsstationen einzurichten, der LWF.

Die weltweit erwartete Klimaänderung lässt den Waldbäumen nicht genug Zeit, sich durch genetische Anpassung oder durch Ausweichen in geeignete Lebensräume darauf einzustellen. Die Folge kann eine mangelnde Widerstandskraft der Bäume sein, die dann verschärfte Stress-Situationen, wie den Jahrhundertsommer 2003, nicht mehr bewältigen können.

mm


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